Die AfD und die Rolle der Medien

Am Samstag ist die AfD zu dem geworden, zu dem die Mehrzahl der Medien sie immer machen wollten. 

Aber die Qualitätsjournalisten, die diesen Kampf führten, hören deswegen jetzt nicht auf. Es ging ihnen nie darum, rechte Positionen zu entlarven, sondern sie wollen ganze Themenbereiche tabuisieren. Das Demokratieverständnis dahinter ist zumindest zu hinterfragen. Nehmen wir ein Beispiel: Severin Weiland von SPON.

Hass und Aggressionen schlugen Bernd Lucke entgegen. Vielleicht wurde dem AfD-Mitbegründer und beurlaubten Wirtschaftsprofessor erst da so richtig bewusst, was sein einst begonnener Flirt mit rechten Themen an Mitgliedern in die Partei gespült hat.

Aus dessen Sicht gibt es so etwas wie „rechte Themen“, die dann zwangsläufig Extremisten anziehen. Das ist sogar in einem gewissen Sinn richtig, aber vor allem deshalb, weil Leute wie Herr Weiland diese Themen am liebsten tabuisieren möchten. 

Aus ihrer Sicht soll z.B. über Einwanderung, soll über die Rolle des Islam nicht diskutiert werden dürfen. Es ist aber ein absurder Zustand, dass Themen, die vielen Menschen auf den Nägeln brennen, im demokratischen Spektrum nicht vorzukommen haben. Übrig bleiben dann nämlich die Damen und Herren mit den einfachsten Antworten, und es sollte niemanden verwundern, wenn diese dann jede Chance wittern, sie an geeigneter Stelle an den Mann und an die Frau zu bringen. Noch einmal: Es kann nicht um die Themen gehen, sondern nur um die Antworten. Diese dürfen auch völlig konträr verlaufen, aber sich in eine Position zu versetzen, die darüber bestimmt, welche Themen zu diskutieren wären und welche nicht, zeugt nicht gerade von Demokratie-Begeisterung.

Lucke wurde für seine Antworten auf diese strittigen Themen auf dem Parteitag von vielen ausgebuht, von vielen aber auch beklatscht. Letztere dann mit ersteren in einen Topf zu werfen, weil es um dasselbe Thema ging, ist eine Vorgehensweise von Demagogen. All das ist erlaubt, keine Frage. Aber kein Demokrat sollte sich davon beirren lassen.

Kommen wir zur größten Lachnummer im Kreis der Anti-AfD-Schreiber. No pun intended, aber derjenige heißt tatsächlich Lachmann. Dafür kann er nichts, aber sehr viel für den Unsinn, den er verzapft. Die Krönung vieler absurder Artikel in den letzten Jahren: „Die charakterlichen Defizite des AfD-Führungspersonals“

Wer jedoch die Partei von Anfang an wachen Auges betrachtete, bei dem fiel das Trugbild einer liberalen AfD bereits am Abend der Bundestagswahl in sich zusammen, als nämlich Bernd Lucke und Frauke Petry mit ihren Kindern vor die Kameras traten. Zwar war die AfD mit dem Euro in den Wahlkampf gezogen, aber am Wahlabend präsentierte sie sich als Empfehlung gegen die demografische Katastrophe.
Mit untrüglichem Gespür für die Erwartungen ihrer Anhänger inszenierten sie das Idyll der Vater-Mutter-Kind-Familie. So etwas kannten deutsche Wähler bislang nur aus dem US-Wahlkampf. Kinder, die Ehe von Mann und Frau als Keimzelle einer intakten Gesellschaft.
Ohne ein einziges Wort darüber zu verlieren, versandten Lucke und Petry ihre Botschaft. Es war nur folgerichtig, dass Petry später die Drei-Kind-Familie propagierte. War die CDU je so konservativ?

Sehen Sie, was in Lachmanns Augen hier so verwerflich konservativ ist? „Kinder, die Ehe von Mann und Frau als Keimzelle einer intakten Gesellschaft.“ Jaha, da staunen Sie, was? Sowas ist heutzutage nicht mehr grundgesetzlich geschützt, sondern Ausdruck einer Meinung am Rand der Gesellschaft. Bitte achten Sie demnächst darauf, wenn ihnen ein heterosexuelles Paar mit mehreren Kindern über den Weg läuft. Es könnte sich um eine verkappte rechtsextreme Demonstration handeln. Ob Herr Lachmann auch Muslime dazu zählen würde, wissen wir nicht, haben aber einen Verdacht.

Weiter im Text: 

Nein, die AfD wollte keine Ersatz-FDP sein, auch wenn Teile der Wirtschaft das gern gesehen hätten. Konzernmanager und Unternehmer setzten große Hoffnungen auf Lucke & Co. Es flossen Spenden, doch Lucke bekannte freimütig: „Ich bin kein Liberaler. Ich bejahe den Sozialstaat.“ Die Vorstellung, dass der Liberalismus keine soziale Verantwortung kennt, gehört zu den größten Irrtümern unserer Zeit.
Tatsächlich lebt Lucke eine Religiosität, die der Freiheit enge Grenzen setzt. In der AfD bildeten sich sehr bald christliche Arbeitskreise, denen auch Lucke beitrat. Sie forderten ein Abtreibungs- und Sterbehilfeverbot und lehnten gleichgeschlechtliche Ehen ab.
In einem Grundsatzpapier traten die „Christen in der Alternative für Deutschland“ für den „Vorrang der Erziehung im Elternhauses gegenüber staatlich organisierter Erziehung“ ein. Lucke selbst verfasste anlässlich des Reformationstages 2013 zehn kritische Thesen zum Islam.
Er schrieb, wenn der Satz des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland, „als eine implizite Bejahung des Islam in Deutschland gemeint ist, ist er falsch und töricht“.

Nein, die AfD wollte tatsächlich nie Ersatz-FDP sein. Lachmann nimmt es Lucke allerdings übel, dass er dies mit einem positiven Bezug zum Sozialstaat explizit so gesagt hat, denn den wiederum, den sieht Herr Lachmann durchaus als eine liberale Forderung an. Also nochmal. Lucke sagt, er sein kein Liberaler, weil er für den Sozialstaat eintrete. Lachmann kritisiert ihn daraufhin, weil er der Meinung sei, ein Liberaler sei auch für den Sozialstaat. Um dann hinterher die Sensationsnachricht zu verkünden, dass Luckes AfD keine liberale Partei sei. Aber eben aus anderen Gründen. Religiösität zum Beispiel. Als echter Liberaler liebt man eben Abtreibungen. Und die Homo-Ehe sowieso, geschenkt. Doch schon bei beim Vorrang der Erziehung im Elternhaus lässt Lachmann sein Liberalometer im Stich. Denn die Möglichkeit z.B. des „Home Schooling“ ist im Prinzip eine erzliberale, wie ihm jeder informierte Däne z.B. gerne bestätigen würde. Die staatliche Schulpflicht, die in Deutschland als Errungenschaft gilt, ist nämlich in vielen anderen Ländern unbekannt. 

Seine Lust an der Manipulation beweist Lachmann aber so richtig erst, als er auf Luckes zehn Thesen zum Islam eingeht. Schon deren Existenz scheint verwerflich zu sein, dabei sind sie vor allem als Abwehrreaktion auf innerparteiliche Bestrebungen entstanden, den Islam grundsätzlich zu verteufeln. Lachmann zitiert daraus nur einen Halbsatz. aus dem man schließen könnte, Lucke lehne den Islam in Deutschland ab. Das Gegenteil ist richtig. Der Passus lautet komplett:

Wenn der Satz “Der Islam gehört zu Deutschland” nur die faktische Existenz des Islam in Deutschland feststellen sollte, ist er überflüssig, weil der Sachverhalt offenkundig ist. Wenn er die Toleranz und Weltoffenheit Deutschlands betonen sollte, ist unverständlich, warum er die vielen anderen in Deutschland praktizierten Religionen nicht erwähnt. Wenn er aber als eine implizite Bejahung des Islams in Deutschland gemeint ist, ist er falsch und töricht, weil er sich pauschal und undifferenziert zu einem komplexen Phänomen äußert, das viele unterschiedliche Strömungen und Aspekte umfasst. Was zu Deutschland gehört, muss präzise benannt werden und sollte von Deutschland her gedacht werden.

Was Lucke hier nur sagt, ist das, was auch Muslime immer sagen, wenn sie wegen irgendwelcher Attentäter attackiert werden, die sich auf den Islam berufen: Es gibt nicht „den“ Islam. Wer also pauschal „den“ Islam zum integralen Bestandteil Deutschlands erklären möchte (und was anderes ist mit „gehört zu“ gemeint?), der steht dann auch in der Pflicht zu sagen, welchen Islam er meint. Gehört der Salafismus zu Deutschland? Oder der von ISIS praktizierte Islam? Wohl kaum – Lucke mahnt hier Präzision an, und er hat Recht damit. Was Lachmann aber auf jeden Fall verschweigen möchte, sind Passagen wie diese:

Zu Deutschland gehören die Freiheit des Glaubens, die Freiheit des religiösen Bekenntnisses und das Recht der ungestörten Religionsausübung. Insbesondere hat jeder Moslem das Recht, seinen Glauben friedlich zu praktizieren, seine Kinder in diesem Glauben zu erziehen und sich in Moscheen mit anderen Moslems zu versammeln. Diese Rechte finden Beschränkungen nur dann, wenn sie andere Grundrechte berühren. Zur Freiheit des Glaubens gehört aber auch, sich unbedroht vom Glauben oder bestimmten Glaubensvorstellungen abwenden zu dürfen.

Mal ehrlich: Wenn Sie nur Lachmanns Artikel kennten, wie sehr würde Sie überraschen, dass so ein Passus zu Luckes Islam-Thesen gehört? Jede Wette: sehr. Und wenn dem so ist, dann haben wir hier einen klassischen Fall der Manipulation vor uns. 

Übergehen wir mal die Passage, in der Lachmann den Möchtegern-Bismarck Gauland in höchste Sphären hebt. Wer Gaulands Positionen kennt, kann sich ja seinen eigenen Reim darauf machen. Und lassen wir auch die Passagen beiseite, die entgegen der irreführenden Überschrift (denn im Artikel geht es ausschließlich um Luckes „charakterliche Defizite“) Frauke Petry loben. Denn Lachmann hebt auch deren Adlatus, Markus Pretzell hervor.

Aus Furcht davor, auf der rechten Seite verwundbar zu sein, hat Petry sich mit dem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden und Europaabgeordneten Marcus Pretzell verbündet. Der war früher mal bei der FDP. Gemeinsam haben sie in den Landesverbänden für einen Neuanfang geworben, sie als Konservative, er als Liberaler.

„Er als Liberaler“. Wohl, weil er mal in der FDP war. Der Lachmann ein paar Absätze vorher noch „degenerierten Neoliberalismus“ vorwarf. Aber was es mit Pretzells angeblichem Liberalismus wirklich auf sich hat, schilderte ein Journalist vom Essener Parteitag so:

Marcus Pretzell, den Lucke über lange Zeit erfolglos aufs Schärfste bekämpfte. Pretzell sagte, die AfD sei nicht rechts, sie sei nicht radikal, sondern schlicht anders, weil sie die Dinge beim Namen nenne. Er sagte: „Wir müssen nicht nur über einen Grexit reden, sondern über den deutschen Euro-Austritt.“
So etwas kommt gut an bei den AfD-Mitgliedern. Pretzell ist offen für eine europäische Sicherheitsarchitektur unter Beteiligung Russlands. Er kritisierte das US-Freihandelsabkommen TTIP und fragte, warum Europa es nicht auch dort mal mit den Russen versuchen könne. Er stellte das Geldsystem zur Disposition und sagte, die AfD sei eben auch die Pegida-Partei. Der Satz brachte ihm Ovationen im Stehen ein. 

Dieser Journalist hieß übrigens Lachmann. Womit wir endgültig sehen, durch welche Positionen sich für ihn ein Liberaler so auszeichnet. Er ist für den Sozialstaat, für einen Austritt Deutschlands aud dem Euro, für eine Partnerschaft mit Russland, gegen Freihandelsabkommen, gegen das Geldsystem und für Pegida. Hätten Sie jetzt nicht gedacht? Dann sind wenigstens Sie noch bei klarem Verstand.

Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass Lachmann ein Wort von dem Mist glaubt, den er da verzapft. Er will nur und ausschließlich Bernd Lucke bekämpfen, und dafür sind ihm alle Mittel recht. Was seine Motivation ist? Keine Ahnung. Da ist vieles vorstellbar, auch vor dem Hintergrund, für welchen Verlag Herr Lachmann tätig ist.

Nichts gegen klare Positionen in Kommentaren. Aber so viel Demagogik wendet sich gegen ihren Verfasser und spricht eher für das Objekt seines Angriffs.

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2 Kommentare on “Die AfD und die Rolle der Medien”

  1. Lalelu sagt:

    Ich denke, bei Lachmann ist es ein persönliches Problem mit Lucke. In der Anfangszeit der AfD hat Lachmann in meiner Erinnerung eher positive Artikel zur AfD geschrieben. Er war in der Welt nahezu der einzige, der in steter Regelmäßigigkeit freundliche Artikel zur AfD brachte. Auf einmal änderte sich das – die Lachmann-Artikel zur AfD wurden negativ, Tenor war dann meistes die AfD sei zu rechts. Auslöser war nach meiner Beobachtung der Streit in der AfD mit Dagmar Metzger. Ich weiß nicht genau, um was es da ging, ich glaube sie wollte die Partei-Stiftung aufbauen und leiten, was ihr nicht gelang, bzw. gestattet wurde – am Ende verließ Dagmar Metzger die AfD im Streit. Von da an änderten sich Lachmanns Artikel zur AfD.

    Als sich dann in den letzten Monaten der Konflikt Lucke vs Petry und Gauland herauskristallisierte, ergriff Lachmann Partei gegen Lucke.

    Günther Lachmann betreibt ein Portal, auf dem auch Dagmar Metzger veröffentlicht.
    http://www.geolitico.de/about/
    Vielleicht ist er mit Frau Metzger auch privat befreundet, vielleicht bestand da einfach ein gegenseitiger kollegialer Einfluss… das sind natürlich nur Spekulationen. Aber wundern würde es mich nicht.


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