Die Sache

„Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun.“ Das sagte einst ein nicht allzu unbekannter Deutscher. Er meinte das wohl positiv. 

Der Spruch ist etwas älter, aber die rücksichtslose Konsequenz im Handeln, die auf Kollateralschäden wenig gibt, scheint eine Konstante der Deutschen zu sein. Hierzulande pflegt man nämlich nicht Meinungen zu vertreten, sondern weltrettende Ideale, und das dann auf eine Art und Weise, die keine Zweifel an ihnen zulässt und die Stimmen von Kritikern bzw. Andersdenkenden am liebsten als moralisch unzulässigen Defätismus von Agenten einer obskuren feindlichen Macht verdammt. Jeder möge hier die historischen Parallelen ziehen, die ihm passend erscheinen. Aktuell ist eines dieser Ideale der Umwelt- und/oder Gesundheitsschutz. 

Den Rest des Beitrags lesen »


Schlimmer, wenn kein Terror

Bei Untaten wie in Barmbek oder Konstanz bemühen sich Qualitätspresse und Politik unisono darum, sie auf keinen Fall in die Nähe von islamistischem Terror zu rücken. Man kann dieses Bestreben verstehen: Die labernde Klasse des Landes versucht zu vermeiden, dass diejenigen, die mit z.T. absurden Untergangsszenarien vor dem Islam als Religion warnen, Wasser auf ihre Mühlen bekommen.

Tatsächlich wäre es wenig sinnvoll, so viel wie möglich von Zuwanderern begangene Verbrechen unter das vereinheitlichende Label des Islams zu pressen – das allerdings nicht nur aus Sicht derer, die einige Auswirkungen dieser Religion allzu gerne verharmlosen würden. Denn im Grunde müsste uns die Erkenntnis viel mehr erschüttern, dass eben weder eine Zugehörigkeit zu einem Terrornetzwerk noch die Durchdringung mit islamistischem Gedankengut zwingend erforderlich sein muss, damit aus den Reihen der Zuwanderer Verbrechen begangen werden, deren Ausmaße und Motive in unseren Breiten bisher nicht entsprechend zu verzeichnen waren. Mit der Bekämpfung von Terrorzellen und Hasspredigern wäre das importierte Gewaltproblem dann nämlich nicht mehr zu lösen, ja seine Ursachen könnten überhaupt sich staatlich verordneter Prävention weitgehend entziehen.

Ist es wirklich diese Gewissheit, auf die uns alle „Das hat nix mit nix zu tun“-Kommentatoren hinführen wollen?


Vom Nutzen der Fake News

„Fake News“ sind seit ein paar Tagen eins der Themen, die das Netz bewegen. Da vermischen sich Spionagethemen mit simplen Erfindungen Einzelner, und irgendwie sind sich alle einig, dass man das alles nicht will. Einer Politikerin, der man eh jeden Unsinn zutraut, wird ein aus Sicht ihrer Kritiker allzu passendes Zitat untergeschoben, das sie dann endgültig diskreditieren könnte – nur: Es stimmt nicht. Frei erfunden.

Verständlich, dass die erwähnte Dame sowas nicht will. Den Rest des Beitrags lesen »


Unsinnige Phrasen (Teil I)

„Wenn Sie sowas abpfeifen, haben wir in einem Spiel 30 Elfmeter!“

Die jeweils genannte Zahl variiert natürlich, aber man kann die Uhr danach stellen, dass irgendein Fußballexperte, ziemlich sicher ehemalige Spieler („Ja gut, äh…“), diese Phrase anbringt, wenn jemand darauf besteht, dass Fouls im Strafraum nicht anders geahndet werden als außerhalb. Unsinn ist sie natürlich deshalb, weil sie nicht berücksichtigt, dass Spieler sich an die Regelauslegung des Schiedsrichters anpassen. Höhere Weihen bekommt dieser Unsinn regelmäßig in der Politik, wo bei diversen Forderungen, besonders im Bereich der Besteuerung, auch immer vorausgesetzt wird, die betroffenen Bürger oder Unternehmen seien nicht in der Lage, ihr Verhalten auf die neue Regelung abzustimmen.

Fast genau so beliebt und in der Zielrichtung ähnlich ist der Spruch „Das war kein elfmeterwürdiges Foul!“. Den Rest des Beitrags lesen »


Vollpfosten oder Widerständler? Über die Motivation der AfD

Thomas Schmid verdammt mal wieder die AfD. Das ist okay, der Werwohlf hält von der Partei auch nicht viel. Er wird aber den Eindruck nicht los, als hätten Wessis wie Thomas Schmid (und der Werwohlf selbst, aber der ist vielleicht lernwilliger ;-)) vieles an der AfD und ihrem z.T. ostdeutschen Führungspersonal nicht verstanden.

Die Anregung Frauke Petrys, den Begriff „völkisch“ positiv zu besetzen, kann Schmid (unter Berufung auf einen Wessi-Historiker) nur so verstehen, dass da bewusst „Grenzen des Sagbaren verschoben“ werden sollen, dass also letztlich Petry beabsichtigt, die Bedeutung, welche die Nazis mit dem Begriff verbanden und dann im Sprachgebrauch durchsetzten, sozusagen durch die Hintertür wieder ins Spiel zu bringen. „Salonfähig zu machen“ würde es im Schablonendeutsch der heutigen politisch-medialen Elite heißen. Die Nazis verwendeten diesen Begriff, um dem angeblich reinen, deutschen Volk die angeblich schlechten, fremden Elemente gegenüberzustellen, insbesondere die Juden.

Das ist der Hintergrund, wenn Schmid matmußt, Petrys Initiative beabsichtige damit eine Einbindung radikal rechter Elemente. Den Rest des Beitrags lesen »


Klein-Fritzchen und der CSU-Generalsekretär

Es geht die Mär von einem Klassenbucheintrag, der da lautete: „Klein-Fritzchen pfeift schmutzige Lieder!“

Ein Witz ist es deswegen, weil offenbar wird, dass die eintragende Lehrerin anscheinend sehr genau den Text des Liedes kennt, das von dem Schüler nur gepfiffen wurde. Somit ahndet sie eigentlich in erster Linie ihre eigene Assoziation, da von Klein-Fritzchen gar nicht bekannt ist, ob er zu der von ihm dargebotenen Melodie überhaupt den passenden Text anführen könnte.

Der Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, sagte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk u.a. folgendes: „Entschuldigen Sie die Sprache, aber das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist. Weil den wirst du nie wieder abschieben.“

Und die Rassismus-Vorwürfe ließen nicht auf sich warten, selbstverständlich auch nicht in den sogenannten Qualitätsmedien. Den Rest des Beitrags lesen »


Bosse, Bonzen und Büros

Das Problem bei vielen Journalisten und Publizisten, die sich mit Wirtschaftsthemen beschäftigen, ist: Da reden Blinde von der Farbe. Nicht nur, dass ihnen die Erfahrung fehlt, länger in Schlüsselpositionen von Unternehmen gearbeitet zu haben, sie unterliegen auch einer Blickverzerrung, weil sie ihre eigene Arbeitswelt auf die gesamte Volkswirtschaft projizieren. Dieser bias hat uns z.B. schon die angebliche „Generation Praktikum“ beschert, die den meisten Akademiker außerhalb der „Irgendwas mit Medien“-Welt als Erzählung von einem anderen Stern vorkam. Und auch der Furor, mit dem in dieser Branche die Frauenquote gefordert wird, hat ein gutes Stück damit zu tun, dass in der Medienwelt nicht ein derartiger Frauenmangel herrscht wie z.B. in sehr technikgetriebenen Unternehmen – im Gegenteil.

Über Twitter wurde der Werwohlf aufmerksam auf diesen Artikel: „Ich bin im Büro – holt mich hier raus!“ Der Autor Patrick Spät beschäftigt sich auf „Zeit Online“ mit der Frage, warum Großraumbüros bei Unternehmen weiter so populär seien, obwohl sie auch erhebliche Nachteile besitzen. Die Gründe, die er aufführt, stammen dabei aus der Mottenkiste linker Kapitalismuskritik, die ihren Mangel an Erfahrung wettmacht durch das Zitieren ideologisch in den Kram passender Autoritäten (denen die Erfahrung selbstverständlich ebenfalls fehlt, aber „Ich habe doch Foucault zitiert!!Einself!!“):

„BWLer“ hätten „penibel genau errechnet, dass der erhöhte Verschleiß der Mitarbeiter durch andere Faktoren wieder wettgemacht wird“. Unternehmen sparten durch Großraumbüros Miet- und Energiekosten. Außerdem könnten die „Bosse und Bonzen“ in ihnen ihre Lohnsklaven (der Begriff kommt im Artikel nicht vor, würde aber zu dessen Ton passen) besser kontrollieren, und auch die gegenseitige Kontrolle der Mitarbeiter würde so gefördert. Im Grunde seien die Großraumbüros Gefängnisse, „mit deren Insassen ein perfides Spiel getrieben wird“.

Den Rest des Beitrags lesen »