Archiv des Autors: Werwohlf

Was aus den Medien – Ausgabe 3

Hassbotschaften

Dem gemeinen Twitter-User ist dieser Ablauf bekannt: twitter-prominente(r) Linke(r) schreibt etwas Provokantes, das den Widerspruch von Nicht-Linken herausfordert. Wenn dieser Widerspruch auch für Qualitätsjournalisten, die zuvor dankbar die Provokation als „das meint das Netz“ übernommen haben, so wahrnehmbar zu werden droht, dass er nicht mehr zu ignorieren ist, soll er durch den Verweis auf zahlreiche Hassbotschaften und Drohungen an die Adresse des Provokateurs oder der Provokateurin delegitimiert werden.

Der Hinweis auf die Journalisten und deren Multiplikatorfunktion erscheint hier nicht von ungefähr: Wer selbst im Netz unterwegs ist, weiß in der Regel, dass die Abwesenheit von Hass und Drohungen in der eigenen Inbox nur ein Zeichen von Bedeutungslosigkeit ist. Sobald jemand aus der grauen Masse hervortritt, kann er sich dieser „Nettigkeiten“ sicher sein – schließlich ist nichts einfacher, als sie abzusondern. Der Aufwand ihrer Erzeugung steht in keinem Verhältnis zu ihrer Eignung als Einschüchterung. Zugleich lassen sie sich aber auch als Monstranz nutzen, die zum Beleg der moralischen Überlegenheit der eigenen Position vor sich her getragen wird.

Spätestens aber, wenn jetzt berichtet wird, dass auch ein doch wohl eher reichlich unpolitischer und nicht wirklich bekannter Mensch wie der Dart-Spieler Gabriel Clemens sich solchen Anfeindungen ausgesetzt sieht, sollte dem nüchtern denkenden User und Leser bewusst werden, wie wenig sie dazu taugen.

Rest

In einem Gastbeitrag (Bezahlschranke) auf FAZ.net gibt sich der Wahlforscher, auf den Angela Merkel zu vertrauen pflegte, alle Mühe, die Union den Rest zu geben und sie zur Bedeutungslosigkeit zu verurteilen. Natürlich nicht aus seiner Sicht, denn aus dieser hat Merkel mit ihrer Beliebigkeit alles richtig gemacht, weil (angeblich oder real) die Wähler dies wollten. In dem Beitrag wendet er sich gegen alle Versuche, der Union ein Programm zu geben, das sie von anderen Parteien unterscheiden könnte.

Der kluge Leser wird schon beim routinierten Gebrauch von Vokabeln wie „neoliberal“ (böse!) und „Modernisierung“ (gut!) misstrauisch. Im Wesentlichen argumentiert der Wahlforscher mit dem zu Beweisenden: Dass die heutige Union, die sich erkennbar nach links geöffnet hat, mit einem konservativeren Kurs die neu hinzugewonnenen Wähler verprellen würde, erscheint logisch. Und die eher rechts orientierten Wähler würden lieber das vermeintliche AfD-Original wählen, wie sich in vergangenen Wahlen gezeigt hätte. Warum eher links eingestellte Wähler dann nicht doch lieber das SPD- oder Grünen-Original wählen, erläutert er nicht. Zumindest ist kein Grund erkennbar, warum die Union auf Dauer mit solchen Stimmen rechnen könnte. Im Übrigen dürfte die bei der AfD zu beobachtende Tendenz der Radikalisierung wieder neue Möglichkeiten für eine gemäßigt rechts orientierte Partei eröffnen.

Selbst die krachende Niederlage Laschets schreibt der Wahlforscher allen, nur nicht Merkel oder dem Kandidaten selbst zu – allein die innerparteiliche Kritik habe das angerichtet.

Eine solch erkennbar festgefahrene Positionierung taugt kaum für einen demoskopischen Berater. Die Union sollte sich hier besser auf die Suche nach Alternativen machen.

Was aus den Medien – Ausgabe 2

Schulnoten

Werwöhlfe können leider keine Kinder kriegen, und so mag man es diesem hier verzeihen, nicht mehr so auf dem aktuellen Stand deutschen Schulwesens zu sein. Aber die Mitteilung, dass Noten nicht mehr objektive Leistung, sondern wohl nur noch subjektive Anstrengung abbilden sollen, hat ihn dann schon noch überrascht. Jedenfalls ist das der Schluss, den er aus diesem Artikel in FAZ.net ziehen muss: “ DYSKALKULIE:
Mehr als bloß schlecht in Mathe“.

In diesem Artikel wird außerordentlich bedauert, dass eine genetisch bedingte Rechenstörung nicht so wie eine angeborene Lese-Rechtschreib-Schwäche in den Noten „berücksichtigt“ wird, was wohl heißt, dass die Diagnose zu einer anderen Beurteilung der Leistung führen soll. Letztlich läuft das auf eine Entwertung der Schulnoten als Basis der Beurteilung durch Dritte hinaus. Naiverweise setzen nämlich manche Ewiggestrige da draußen Noten mit der Beherrschung von Fähigkeiten gleich und nicht damit, dass der Betreffende sich eben sehr angestrengt, es aber dann aufgrund seiner Behinderung leider doch nicht geschafft hat. Ist das die beabsichtigte Wirkung? Natürlich ist es didaktisch schlecht, Schüler mit angeborenen Defiziten diese immer wieder vor Augen zu führen, aber das wird nicht dadurch geheilt, dass man ein falsches Bild ihrer Fähigkeiten erzeugt.

Das Ansehen von Ländern

FAZ.net meint, es könne dem Ansehen Schweden schaden, dass die als „rechtspopulistisch“ eingestuften „Schwedendemokraten“ wachsenden Einfluss auf das Land haben.

Der Werwohlf fragt sich: in welchen anderen Ländern eigentlich? In Frankreich (Le Pen)? Im Vereinigten Königreich (Brexit)? In Deutschland (AfD)? In den USA (Trump)?

Politische Feinde

Der Mann, den Friedrich Merz gerne als künftigen Generalsekretär der CDU sehen würde, hat sich zur AfD geäußert.

„Wir haben fundamentale politische Gegensätze mit den Linken“, sagte er dem „Spiegel“, „die AfD ist unser politischer Feind“. Eine Gleichsetzung beider Parteien „würde die AfD verharmlosen“.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article235322364/Mario-Czaja-bezeichnet-die-AfD-als-politischen-Feind-der-CDU.html

Die Frage ist: Was kümmert es diesen CDUler, ob man diese beiden Parteien der Rander „gleichsetzt“? Müsste es ihm nicht genug sein, mit beiden nichts zu tun haben zu wollen? Da könnten sich über die Unterschiede dann andere Leute Gedanken machen, für die Union sollten sie egal sein. Aber die Nachtigall trappst hörbar:

Im Grundsatz verteidigte Czaja zwar den Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU, der „Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit“ mit AfD und Linken untersagt. Dieser sei „auf Landes- und Bundesebene“ etwa wegen der Differenzen in der Außen- und Sicherheitspolitik „richtig und unverändert notwendig“, so Czaja. Auf kommunaler Ebene spielten diese aber häufig keine Rolle. „Da geht es oft um unbürokratische und ganz praktische Lösungen für konkrete Probleme in Kiezen und Ortsteilen.“

ttps://www.welt.de/politik/deutschland/article235322364/Mario-Czaja-bezeichnet-die-AfD-als-politischen-Feind-der-CDU.html

Will sagen: Ich möchte kommunal mit der Mauermörderpartei koalieren können, mit der AfD aber nicht. Warum die AfD im Gegensatz zur „Linken“ im Einzelfall nicht für „unbürokratische und ganz praktische Lösungen für konkrete Probleme in Kiezen und Ortsteilen“ geeignet sein soll, sagt Herr Czaja leider nicht. Aber vermutlich kommt es ganz auf die Art der „praktischen Lösungen“ an.

Was aus den Medien – Ausgabe 1

An dieser Stelle werden künftig – hoffentlich – regelmäßig, aber in unregelmäßigem Abstand, Kommentare zu Meldungen aus diversen Medien folgen. Fangen wir also an.

Der Fall Rittenhouse

Kyle Rittenhouse ist ein junger Amerikaner, der im Zusammenhang mit den „Black Lives Matter“-Unruhen zwei Menschen erschossen und einen verletzt hat (übrigens allesamt Weiße). Er wurde jetzt von einem Geschworenengericht wegen Notwehr für „nicht schuldig“ befunden, was unter all jenen Proteste ausgelöst hat, die mit Rechtsstaat nicht so viel anfangen können und lieber die ebenfalls durchaus amerikanische Tradition des Lynchmobs aufleben lassen würden. Interessant in diesem Zusammenhang ist, wie deutsche Medien über das Thema berichten. Von den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen bis hin zur FAZ wird dem Unverständnis über das Urteil der Geschworenen Ausdruck verliehen, aber ausgerechnet der „Süddeutschen Zeitung“ blieb es vorbehalten, die Zusammenhänge etwas näher zu beleuchten und zu erklären, warum es vermutlich zu diesem Urteil kommen musste. Ein kleiner Tipp: Rechtslage.

Wie man vorher aus amerikanischen Medien entnehmen konnte, hat insbesondere auch die Aussage des Verletzten, der im Prozess als Zeuge auftrat,es nahe gelegt, dass hier tatsächlich der Tatbestand der Notwehr nach dem Recht des Staates Wisconsin erfüllt war.

Nun kann man gerne seine Meinung zu aus europäischer Sicht unverständlichen amerikanischen Gesetzen äußern, wenn man einen Sinn darin sieht, aber gerade den sogenannten Qualitätsmedien hätte es gut angestanden, nach dem Muster der SZ, die aus ihrer Meinung auch in diesem Fall übrigens kein Geheimnis macht, für den mit der Materie naturgemäß wenig bewanderten Zuschauer und Leser einmal die Faktenlage darzustellen, statt sich gleich ins Fahrwasser von Aktivisten zu begeben.

Junge Liberale

Die „tageszeitung“ hat herausgefunden, was das Problem an der Jungendorganisation der FDP, den „Jungen Liberalen“, ist: Sie sind liberal. Ok, man muss da in gutem, linken Sinn differenzieren: Gesellschaftspolitisch sind sie liberal, was auch die taz gut findet. Aber wirtschaftspolitisch sind sie das leider wohl auch, und da muss die taz dann tadelnd die Silbe „neo“ davorsetzen. Was erlaube Junge Liberale, wo doch Piketty den bösen Neoliberalismus als Wurzel allen Übels entlarvt hat! Gut, diese Erkenntnis ist jetzt weniger unter Ökonomen als unter Kulturredakteuren verbreitet, aber wir können es abbuchen als den xten Versuch Linker, dem parteipolitisch organisierten Liberalimus nahe zu legen, sich als die drölfste Spielart der Sozialdemokratie im deutschen Parteiensystem zu entpuppen.

Clans und das Asylrecht

Die „Welt“ beschreibt eine deutsche Realität, bei der sich normal denkende Menschen nur an den Kopf fassen könnten, kennten sie nicht bereits die Folgen aus anderen Zusammenhängen.

Der aufmerksame Nachrichtenkonsument weiß es mittlerweile: Das größte Risiko, abgeschoben zu werden, haben gesetzestreue Asylbewerber, die mit den Behörden kooperieren und sich ziemlich gut in die deutsche Gesellschaft integriert haben.

Das Risiko klein halten kann man, indem man jede Kooperation verweigert, lügt, betrügt und dem Staat den Mittelfinger zeigt.

Reden wir mal über Anreize und deren Folgen.

Was zum Abschied aus Twitter

Nun war der Werwohlf nie ein besonders aktiver, eher so eine Art Quartals-Twitterer, der an manchen Abenden immer wieder Tweets absetzte, an den meisten Tagen allerdings keine oder höchstens mal einen oder zwei. Aber jetzt gerade wurde es ihm dennoch zu viel. Es ist einfach diese permanente Erregung, die durch die Timeline gepustet wird. Der Werwohlf hat ja vollstes Verständnis dafür, dass sich der eine oder die andere über irgendwelche Dinge ärgern, gerade auch politisch relevante. Vieles, was wir so den lieben, langen Tag zu hören, ist kritikwürdig, und der Werwohlf würde sogar jenen zustimmen, die der Meinung sind, es sei in den letzten Jahren immer schlimmer geworden. Aber Twitter ist Teil des Problems. Denn hier findet keine Kritik statt, sondern maßlose Verurteilung. Es bilden sich Fronten, wobei die eine Seite immer der Meinung ist, sie selbst sei vernünftig und selbstverständlich im Recht, während die andere aus emotional verkrüppelten Dummköpfen bestehe, die wahlweise auf extremistische Propaganda hereinfielen oder sie selbst betrieben. Und es bilden sich virtuelle Rudel, deren Angehörige sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. 

Der Werwohlf meint zwar, sich daran im Wesentlichen nicht beteiligt zu haben, aber er war viel zu oft zu gutmütig und ist deswegen Twitterern gefolgt, die ihm selbst gefolgt sind. Manchmal basierte seine Entscheidung auch durchaus auf aus seiner Sicht originellen Tweets, aber leider schien es sich dabei in einer nicht unerheblichen Zahl von Fällen um seltene Preziosen ansonsten recht mediokrer Accounts gehandelt zu haben. Und das „Entfolgen“ trifft manchen, der das irgendwie feststellt oder sich über Tools auf dem Laufenden hält, als eine Art persönlicher Misstrauensbeweis, als virtuelles Herunterreißen von Schulterklappen, und ist damit geeignet, Wutreflexe auszulösen. Sind doch Follower die Währung, die auch bei Twitter den Maßstab für die erzielte Aufmerksamkeit eines Accounts darstellt. Auch wenn der Werwohlf damit keine „Strafaktion“ beabsichtigte, sondern nur eine etwas gechilltere (sagt man das so?) Timeline, wird die Botschaft bei den Empfängern wohl leider ganz anders ankommen.

Uns wenn es ihm gelungen wäre, so nach und nach die „Erreger“ (interessanterweise hat schon die Corona-Krise zu diversen Entfolgungen führen müssen – wenn zur Erregung auch noch stolz herausgestellte Dummheit kommt, wird selbst ein Werwohlf rücksichtslos) aus der Timeline zu streichen, hätte er vermutlich fast nur noch Selbstgespräche geführt. Die Accounts, mit denen sich ein Austausch lohnt, gehen über eine niedrige zweistellige Zahl nicht hinaus und sind selbst in der Regel keine Aktivitätsmonster bzw. ihrerseits so ins Geschehen verwickelt, dass sie dem Affen weiter Zucker geben müssen und deswegen dann doch mit diversen Schwachsinns-Tweets als Zitate Anderer seine Timeline kontaminieren.

Die bevorstehende „Ampel“ wird der Versuchung, sich an den eigenen Klischees aufzugeilen, vermutlich weiter Vorschub leisten. Der Werwohlf braucht das nicht. Er genießt es schon, sich sämtliche Nachrichtensendungen, Politmagazine, „Satire“sendungen und Talkshows des Fernsehens zu ersparen – das bisschen Erwähnenswerte, das es dort abzugreifen gibt, bekommt er sowieso in den Besprechungen der Online-Ausgaben von Tageszeitungen geliefert. Wenn Twitter schon eine Nacht und einen Morgen höchster Erregung eben deswegen hinter sich hat… Dennoch: Der Werwohlf ist ein politisch interessierter Mensch, und der Unsinn der heutigen Zeit lässt ihn nicht kalt. Für einige Zeit wird er deswegen nur hier weiter Dampf ablassen. Man erwarte also keine ausgewogenen Beiträge hier, sondern der kostbaren Freizeit abgerungene Gelassenheitsdurchbrüche.

Und irgendwann wird es dann vielleicht doch wieder Twitter sein.

Was zu Märkten und Menschen

„Und die Klimakrise, die regelt kein Markt! Denn dem Markt sind die Menschen herzlich egal!“

So sprach heute, am 07.09.2021, die Kanzlerkandidatin der Partei der „Grünen“ im Deutschen Bundestag. Und es ist erstaunlich, dass zwei Sätze, von denen einer richtig ist und einer falsch, dennoch zum selben Schluss führen können: Die gute Frau hat keine Ahnung von Wirtschaft. Nicht nur nicht als liberale Positionsbestimmung, sondern auch Marxisten müssten dem Werwohlf hier zumindest in Teilen Recht geben. 

Aber fangen wir mal hinten an, denn bei Kausalitätsketten ist es natürlich sinnvoll, zunächst die Begründung zu betrachten und erst dann die daraus abgeleitete These. Die Begründung ist hier klar gekennzeichnet durch das „denn“. „Dem Markt sind die Menschen egal!“, hat Frau Baerbock erkannt. Und Recht damit. Wenn man mal von der Kleinigkeit absieht, dass Märkte keine Lebewesen sind und ihnen insofern auch niemand im landläufigen Sinn „egal“ sein kann – lassen wir der Rhetorik ihren Raum. Aber tatsächlich sind dem Marktprozess Menschen „egal“, und zwar im Sinn von Egalité, also Gleichheit. Im Markt spielt es keine Rolle, wo Sie herkommen, welches Geschlecht Sie haben oder welche politische Meinung. Im Markt zählt allein, was Sie bereit sind anzubieten oder wie viel Sie bereit sind, für etwas auf andere Dinge zu verzichten. Wer Sie sind, interessiert da niemanden. Man mag es bedauern, als Person mit all ihren Gedanken, Emotionen, Erlebnissen und Träumen im Markt nicht wahrgenommen zu werden, aber wenn wir uns fragen, was all das denn mit der Versorgung von Gütern zu tun haben soll, erkennen wir vielleicht, wie sinnvoll das in Wirklichkeit ist. Wir halten also fest: Der Markt ist die beste Voraussetzung für vorurteilsfreies Wirtschaften. Neben seinen übrigen Eigenschaften wie z.B. Effizienz. 

Jetzt stehen wir vor einem Dilemma . Frau Baerbock hat zwar Recht, aber das hilft ihr nicht in ihrer Argumentation. Denn warum es ein Problem für das „Regeln der Klimakrise“ sein soll, dass der Markt frei von Vorurteilen ist, liegt zumindest nicht auf der Hand und bedürfte weiterer Argumente. Insofern bleibt dem Werwohlf nichts anderes übrig, als die These ohne ihre Begründung zu beurteilen, und so nackt, wie sie dann da steht, ist sie ganz einfach falsch. 

Natürlich gibt es in der Umweltpolitik, zu der wir die Begrenzung der Klimaerwärmung jetzt mal zählen wollen, ein großes Problem, das bisher die Wirkung effizienter Märkte ausschloss: Es gibt keine Eigentumsrechte an sauberer Umwelt. Die Umwelt gehört keinem, noch nicht mal uns allen. Auch die Atmosphäre gehört niemandem. Es scheint sich jetzt aber die Überzeugung durchgesetzt zu haben, dass sie zumindest „uns allen“ gehört, was allen Kennern sozialistischer Systeme kein großer Trost sein dürfte, aber immerhin einen Ansatzpunkt liefert. Allerdings scheinen Staaten, wenn sie denn schon zu solchen Schlüssen in Klimaabkommen kommen, sich dann auch selbst für die einzigen Problemlöser zu halten, und so scheint sich auch der Gedanke verbreitet zu haben, es ginge nur über detaillierte Listen von Ge- und Verboten. Was nun wiederum das einzige Mal in der Geschichte des Wirtschaftens sein würde, wo sich dieses Instrumentarium als überlegen erwiesen hätte. Tatsächlich aber gibt es einen Weg, „den Markt die Klimakrise regeln“ zu lassen: Emissionszertifikate. Statt zu versuchen, auf bürokratischem Weg in das Leben und Handeln jedes Bürgers einzugreifen, um bestimmte CO2-Ziele zu erreichen, bräuchte man dieses CO2-Ziel nur festzulegen, an die Wirtschaftenden Zertifikate in dieser Höhe zu verteilen und sie zum Handeln freizugeben. Dann pendelten sich Preise für CO2 ein, die dazu führen, dass dieses Gas dort eingespart werden würde, wo es zu den geringsten Kosten möglich ist. Das CO2-Budget ließe sich dann nach und nach reduzieren.

So könnte der Markt „das Klima regeln“. Der jeweilige „Track Record“ jedenfalls liefert keinen Hinweis darauf, dass es etwas anderes besser könnte. 

Und somit hat Frau Baerbock zwar in einem Punkt Recht, aber wohl leider aus einem anderen Grund als den, den sie sich vorstellte. Und im anderen Punkt hatte sie schlicht Unrecht. Beides verleitet den Werwohlf zu der Aussage: Sie hat keine Ahnung von Wirtschaft. Und bevor jetzt jemand kommt, der ihm Frauenfeindlichkeit vorwirft, weil er das feststellte: Diese Ahnungslosgkeit teilt sie wohl mit weiten Teilen ihrer Zielgruppe, sonst würde sie nicht so argumentieren.

Was zum Klima (2021)

Der neue IPCC-Klimabericht ist da. Genauer: die Zusammenfassung für die Politik. Größte Neuigkeit: Die Erwärmung des Weltklimas auf 1,5 Grad Celsius könnte bereits im Jahr 2030 erreicht werden.

Die alarmistische Weitergabe dieses Befunds in den Medien nutzten natürlich die üblichen Verdächtigen, um ihre verbotsgarnierte Verzichtsagenda als praktisch alternativlos erscheinen zu lassen. Es wurde dabei gerne so getan, als sei in der Vergangenheit de facto nichts geschehen, aber um so drastischer und radikaler müsse man jetzt vorgehen – der Schritt zur in den sozialen Medien bereits geforderten „linken Militanz“ ist da nicht mehr weit. Wenn es um das Überleben geht, muss alles andere zurückstehen (zum Corona-Vergleich, und warum er nicht passt, kommen wir etwas später).

Diesen üblichen Verdächtigen kam die Abfolge der Ereignisse Flut und Klimabericht natürlich sehr gelegen, scheinen sie doch dasselbe Handeln zu erfordern.

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Was zu dämlichen Bemerkungen, verletzter Privatsphäre und Effekthascherei

Jens Lehmann scheint niemand zu sein, den man jetzt auf Anhieb als besonders sympathisch einordnen würde. Und auch der windige Lars, der bei Hertha mittlerweile sein Unwesen treibt, gehört nicht zwingend in die Reihe der Menschen, die der Werwohlf gerne mal beim Bier treffen würde.

Aber das Theater, das wegen einer dämlichen Bemerkung Lehmanns in einem WhatsApp-Chat losgetreten wurde, kann der Werwohlf nicht anders als komplett durchgedreht und absurd empfinden. „Quotenschwarzer“ ist das Wort, das seine Nachricht als rassistische qualifizieren soll. Man möge dem Werwohlf mitteilen, ob „Schwarzer“ mittlerweile das Schicksal des N-Worts teilt, also zum Unsagbaren geworden ist, aber sein letzter Kenntnisstand ist noch so, dass der Begriff zwar nicht den strengen Anforderungen woker SJWs entspricht, die auf eine in der Länge stetig wachsende und komplizierte Abkürzung hinausliefen, aber andererseits gilt er auch nicht als wirklich herabsetzend und diskriminierend. War zumindest des Werwohlfs letzter Stand, aber da mag dessen mangelnde Aktualität ihn dann auch als Rassisten ausweisen. Und „Quote“? Wirklich jetzt? Man kennt das meist im Zusammenhang mit Frauen. Das ist für diejenigen, auf die er angewendet wird, nicht angenehm und auch generell unhöflich, sicher auch polemisch und angreifbar, aber sowas kommt im Leben nun einmal vor. Die von um jegliche auf die Person abzielende Begriffe bereinigte Sprache ist zugleich auch eine tote, denn das Herabsetzen anderer Menschen scheint nun einmal leider ein Grundbedürfnis zu sein – und, wie der Werwohlf nicht grundlos vermutet, auch eins, das selbst in den Wokesten der Woken schlummert, nur dass es, wenn es dort zum Ausdruck kommt, ja immer gegen die „Richtigen“ geht, per definitionem auch gehen muss (erweiterte Stegner-Doktrin).

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Was Likes kosten

Die Diskussion über die Antworten der Politik auf das SARS-COV-2-Virus hat manch wundersame Aspekte. Da wäre zum einen die Scheidung der Argumente entlang politischer Präferenzen zu beobachten, was an sich vielleicht nicht ganz so interessant wäre (was wird heute nicht als Gesinnungsausweis diskutiert?), wenn sich die Richtungen nicht simultan gedreht hätten.

Als es losging mit den ersten Meldungen über das neue Virus, da überschlugen sich eher rechts orientierte (denen man mit der Bezeichnung als „AfD-nah“ wohl kein großes Unrecht zufügt) Nutzer sozialer Medien vor lauter Warnungen und Forderungen an den Staat, endlich hart durchzugreifen. Gut, an erster Stelle stand damals der Wunsch nach Schließung der Grenzen, was die zeitweise Popularität einer Anti-Corona-Politik in diesen Kreisen womöglich erklärt, aber dieser Wunsch ist heute, weil nicht zur Öffnungs-Rhetorik passend, in diesem Zusammenhang kaum noch zu vernehmen, während aus linker Sicht zwar wohl weiter „kein Mensch illegal“ ist, aber durchaus infiziert sein kann, was das „no borders“ dann schwer argumentierbar macht.

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Was zu Handschuhen

Der Werwohlf, der olle Zapper, blieb kürzlich bei der Sendung „Die Höhle der Löwen“ hängen und sah dort dann auch die Vorstellung der Gründer von „Pinky Gloves“. Die hatten sich eine Art Handschuh ausgedacht, mit Hilfe dessen eine Frau während ihrer „Tage“ den Tampon aus ihrem Körper entnehmen, hygienisch verpacken und entsorgen können sollte.

Die Runde der Investoren war sich einig, dass dies eine tolle Idee sei (auch die beiden anwesenden „Löwinnen“), und man wunderte sich unisono, warum bisher noch niemand auf diese Idee gekommen sei. Schließlich stieg ein Investor mit ein, und alle waren glücklich.

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Der Fluch des Schlusses

In einem Artikel wird auf FAZ.net (Bezahlschranke) berichtet, wie schwer es Frauen haben, sich in den oberen Regionen der Jungen Union zu behaupten. Es geht um Sexismus und um Anmache, auch um Handgreiflichkeiten.

Nun war der Werwohlf mal in der Jungen Union, aber erstens ist das hundert Jahre her, und zweitens bewegte er sich dort auch nicht in diesen Sphären, sondern auf Orts- und Kreisebene, wo es wohl auch dem Artikel zufolge noch weitestgehend „normal“ zugehen soll. Dennoch könnte er sich gut vorstellen, dass die im Artikel berichteten Fakten überwiegend wahr sind. Weiterlesen