Die Partei, die Partei

Jetzt sind sie zerstoben, die Hoffnungen der Konservativen und Wirtschaftsliberalen in der Twitter-Timeline des Werwohlfs auf einen CDU-Parteivorsitzenden und später vielleicht auch Kanzler Friedrich Merz. Oder besser: Sie sind mit Wucht aufgeprallt auf dem Boden ganz gewöhnlicher Parteipolitik. Die Gazetten meinen, die Gründe dafür auf zwei Dinge zurückführen zu können: Erstens die Unwilligkeit der Delegierten, sich nach vielen Jahren „asymmetrischer Demobilisierung“ (vulgo: unbedingte Orientierung an dem, was in Deutschland als „Mitte“ gilt) plötzlich auf Experimente einzulassen, und zweitens die vom Kandidaten Merz begangenen Fehler. Ersteres wird sicher eine Rolle gespielt haben, schließlich sind diejenigen, die sich jetzt in Hamburg zur Vorsitzendenwahl versammelten, dieselben, die nicht nur jetzt zum rührseligen Abschied, sondern schon auf Parteitagen zuvor die Bundeskanzlerin mit minutenlangen Klatschorgien feierten, so dass die Älteren sich noch an Übertragungen von Versammlungen der KPdSU erinnert fühlen konnten. Jetzt jemanden wie Merz zu wählen, hätte dann auch bedeutet, damals entweder geheuchelt oder sich geirrt zu haben – nichts, was man sich gerne vor dem Spiegel eingesteht. Weiterlesen

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Was vom Kriege

Zum Jahrestag des Waffenstillstands, der den 1. Weltkrieg beendete, überboten sich die herrschenden Politiker mal wieder mit Mahnungen und Warnungen vor neuer Kriegsgefahr. Sie sahen, man ahnt es schon, den nächsten Krieg bereits ausbrechen, wenn das Gebilde EU (oder vielleicht nur der Euro) auseinander fiele. Auch wurde intensiv das Schreckensbild eines aufkeimenden Nationalismus beschworen.

Dem Werwohlf entgehen diese Logiken.

Die EU wurde 1992 mit dem Vertrag von Maastricht ins Leben gerufen. Weiterlesen

Was zu Merz, Blackrock und SJWs

Ursprünglich wollte der Werwohlf was zu diesem Thema im Zusammenhang mit einer Betrachtung zu den derzeit bekannten Bewerbern um den Parteivorsitz der CDU schreiben, aber die Sache scheint zum eigenen Thema zu werden. Also gut.

Man kann auf den Überraschungskandidaten der CDU, Friedrich Merz, und seine Zeit zwischen dem Fraktionsvorsitz und der jetzigen Bewerbung auf zweierlei Weise blicken. Zum einen könnte man sich freuen, dass da endlich jemand aktiv in der Politik mitmischen will, der die Welt der Wirtschaft nicht nur von außen kennt. Aber zum anderen könnte man auch argwöhnen, dass er in einer neuen politischen Funktion nur im Sinn hätte, die Interessen seiner derzeitigen Arbeitgeber zu verfolgen. Und man könnte die Tätigkeit für Finanzunternehmen unter den berühmten Generalverdacht stellen – eh alles Gauner und Kriminelle, die mit dubiosen Geschäften Milliarden für wenige auf Kosten vieler beiseite schaffen. Insbesondere die Firma Blackrock, für die Merz in Deutschland als Aufsichtsrat (noch) fungiert, scheint für einige Zeitgenossen ein gewaltiges Problem darzustellen.

Aus Sicht des Werwohlfs ist es tatsächlich angebracht, mit Argusaugen auf Blackrock zu schauen. Weiterlesen

Was zum religiösen Frieden

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sorgt für Aufsehen. Eine Österreicherin, wohl irgendwie mit der FPÖ verbandelt, hatte den Propheten des Islam, Mohammed, als Pädophilen bezeichnet. Das wäre in der Tat die gängige säkulare Bezeichnung für jemanden, der ein 6jähriges Mädchen heiratet und mit ihr die Ehe vollzieht, als sie 9 war. Diese von Islamgelehrten nicht bestrittene Erzählung könnte also als Beleg für die Äußerung der Österreicherin dienen. In Österreich wurde die Frau allerdings deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt, woraufhin sie sich an den EGMR wendete. Dieser gab nun den österreichischen Gerichten Recht. Er scheint – der Werwohlf ist kein Jurist – hier eine feine Unterscheidung vorzunehmen zwischen der Feststellung, dass Mohammed vielleicht in der Erzählung wie ein Pädophiler gehandelt habe, und der, dass er auch sonst ein solcher gewesen sei. Im Übrigen habe die Klägerin nicht den historischen Hintergrund beachtet. Aber das allein reichte wohl nicht für die Abweisung der Klage. Folgt man dem EGMR, gilt die Meinungsfreiheit in Religionsfragen nur insoweit, als sie nicht zur „religiöser Intoleranz führen“ könne und „geeignet sei, den religiösen Frieden [im jeweiligen Land] zu stören“.

Hat es vergleichbare Urteile schon im Zusammenhang mit dem Christen- oder dem Judentum gegeben? Man mag den Werwohlf hier gerne korrigieren, aber er kann sich an nichts Vergleichbares erinnern. Weiterlesen

Das spielt alles keine Rolex?

Seit Monaten beobachtet der Werwohlf verwundert, wie sich Sawsan Chebli, eine für Menschen außerhalb Berlins wirklich völlig unwichtige Politikerin mit sehr überschaubarem Aufgabengebiet, zu einer Hassfigur ersten Ranges für konservative und rechte Twitter-User entwickelt hat. Sicher, mit ihren Tweets und ihrem Verhalten im echten politischen Leben liefert Frau Chebli viel Anlass zu Kritik, aber woher kommt dieser Ehrgeiz ihrer Gegner, sie so zu behandeln, als sei sie eine wichtige Führungsperson in der Regierung oder auch nur der SPD? Es gibt viele Accounts auf Twitter, die – je nach Sichtweise – viel Unsinn verbreiten: Also warum gerade sie? Es ist wohl diese seltsame Netz-Gruppendynamik. Ein paar finden sich zusammen, die sich auf ein gemeinsames Ziel eingeschossen haben, das Ziel sieht sich dadurch nur noch mehr herausgefordert, der Zwist lockt Voyeure und Trittbrettfahrer an, und schon haben wir den sich selbst verstärkenden Regelkreis. 

Frau Chebli wird vor allem kritisiert wegen ihrer Tweets, in denen sie vermeintliche Nachteile von Frauen und Migranten beklagt, und da es diesen Tweets zugegebenermaßen etwas zu oft an Überzeugungskraft mangelt, hauen ihre mittlerweile zahlreichen Gegner mit Wonne in die Kerben, immer und immer wieder. Die Versuchung, das Ganze in Richtung Herabsetzung und Verunglimpfung weiterzutreiben, ist dann wohl auch viel zu groß, ihr nicht nachzugeben. Weiterlesen

Was zu qualitätsjournalistischen Ferndiagnosen

Für eins muss der Werwohlf dem Herrn Pergande, seines Zeichens „politischer Korrespondent der FAS in Berlin“, danken: Musste er wegen des medialen Unsinns, der gerne über die AfD und Aussagen ihrer Protagonisten verzapft wurde, als Verteidiger dieser auch von ihm nicht besonders geliebten Partei auftreten[1], darf er sich heute für die FDP und ihren Vorsitzenden in die Bresche werfen, obwohl der Herr Lindner ja mal klarstellte, dass er jemanden wie den Werwohlf nicht in seiner Partei haben möchte (keine Sorge, die Gefahr eines Versuchs ist gering). Der Grund ist ein in den müden Augen des Werwohlfs armseliger Kommentar von Herrn Pergande, der heute online veröffentlicht wurde: „DIE FDP UND JAMAIKA : Lindner auf der Couch“.

Was ist darin armselig? Offensichtlich hat Herr Pergande mit Herrn Lindner ein Problem, seitdem letzterer die FDP nicht in die von vielen (und offensichtlich auch von Herrn Pergande) erhoffte „Jamaika“-Koalition eintreten lassen wollte. Nicht nur das: Für Herrn Pergande war das offenbar so sehr ein Sakrileg, dass er deshalb Herrn Lindner jeden weiteren Kommentar über Regierungsmehrheiten übel nimmt nach dem Motto: „Du hast meine Wunsch-Regierung verhindert, deswegen sollst du nie wieder für Regierungen in Frage kommen!“

Dabei war es Lindner, der die Verhandlungen über Jamaika in letzter Minute abgebrochen hat. Was genau ihn damals dazu brachte, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Wirklich die Kanzlerin? Die Grünen? Ein schwarz-grüner Hinterhalt, in den die FDP zum Glück nicht getappt ist? Oder war es vielleicht doch nur Erschöpfung? Vielleicht weiß Lindner es ein knappes Jahr danach selbst nicht mehr so genau. Er klingt jedenfalls so, immer ein bisschen ärgerlich und eingeschnappt.

Gut, es ist ein Kommentar. Weiterlesen

Vielleicht doch besser teilbar?

Bösartig könnte man ja sagen: Dass sich Linke, Linksextreme und Islamisten nicht teilen lassen wollen, haben sie in Berlin eindrucksvoll bewiesen. Aber wer weiß, vielleicht empfänden es die Genannten noch nicht mal als so bösartig. Schließlich geht es gegen den gemeinsamen Feind, also gegen „Rechts“, und das ist man heutzutage ja schon, wenn man nicht für bedingungsloses Bleiberecht eines jeden eintritt, der den sozialdarwinistischen Parcours bis nach Deutschland erfolgreich absolviert hat. Und ihm dann nicht auch gleich noch das Wahlrecht anbieten möchte.

Bleiben wir aber erstmal bei der Einstufung als „böse“.
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