Was zu Märkten und Menschen

„Und die Klimakrise, die regelt kein Markt! Denn dem Markt sind die Menschen herzlich egal!“

So sprach heute, am 07.09.2021, die Kanzlerkandidatin der Partei der „Grünen“ im Deutschen Bundestag. Und es ist erstaunlich, dass zwei Sätze, von denen einer richtig ist und einer falsch, dennoch zum selben Schluss führen können: Die gute Frau hat keine Ahnung von Wirtschaft. Nicht nur nicht als liberale Positionsbestimmung, sondern auch Marxisten müssten dem Werwohlf hier zumindest in Teilen Recht geben. 

Aber fangen wir mal hinten an, denn bei Kausalitätsketten ist es natürlich sinnvoll, zunächst die Begründung zu betrachten und erst dann die daraus abgeleitete These. Die Begründung ist hier klar gekennzeichnet durch das „denn“. „Dem Markt sind die Menschen egal!“, hat Frau Baerbock erkannt. Und Recht damit. Wenn man mal von der Kleinigkeit absieht, dass Märkte keine Lebewesen sind und ihnen insofern auch niemand im landläufigen Sinn „egal“ sein kann – lassen wir der Rhetorik ihren Raum. Aber tatsächlich sind dem Marktprozess Menschen „egal“, und zwar im Sinn von Egalité, also Gleichheit. Im Markt spielt es keine Rolle, wo Sie herkommen, welches Geschlecht Sie haben oder welche politische Meinung. Im Markt zählt allein, was Sie bereit sind anzubieten oder wie viel Sie bereit sind, für etwas auf andere Dinge zu verzichten. Wer Sie sind, interessiert da niemanden. Man mag es bedauern, als Person mit all ihren Gedanken, Emotionen, Erlebnissen und Träumen im Markt nicht wahrgenommen zu werden, aber wenn wir uns fragen, was all das denn mit der Versorgung von Gütern zu tun haben soll, erkennen wir vielleicht, wie sinnvoll das in Wirklichkeit ist. Wir halten also fest: Der Markt ist die beste Voraussetzung für vorurteilsfreies Wirtschaften. Neben seinen übrigen Eigenschaften wie z.B. Effizienz. 

Jetzt stehen wir vor einem Dilemma . Frau Baerbock hat zwar Recht, aber das hilft ihr nicht in ihrer Argumentation. Denn warum es ein Problem für das „Regeln der Klimakrise“ sein soll, dass der Markt frei von Vorurteilen ist, liegt zumindest nicht auf der Hand und bedürfte weiterer Argumente. Insofern bleibt dem Werwohlf nichts anderes übrig, als die These ohne ihre Begründung zu beurteilen, und so nackt, wie sie dann da steht, ist sie ganz einfach falsch. 

Natürlich gibt es in der Umweltpolitik, zu der wir die Begrenzung der Klimaerwärmung jetzt mal zählen wollen, ein großes Problem, das bisher die Wirkung effizienter Märkte ausschloss: Es gibt keine Eigentumsrechte an sauberer Umwelt. Die Umwelt gehört keinem, noch nicht mal uns allen. Auch die Atmosphäre gehört niemandem. Es scheint sich jetzt aber die Überzeugung durchgesetzt zu haben, dass sie zumindest „uns allen“ gehört, was allen Kennern sozialistischer Systeme kein großer Trost sein dürfte, aber immerhin einen Ansatzpunkt liefert. Allerdings scheinen Staaten, wenn sie denn schon zu solchen Schlüssen in Klimaabkommen kommen, sich dann auch selbst für die einzigen Problemlöser zu halten, und so scheint sich auch der Gedanke verbreitet zu haben, es ginge nur über detaillierte Listen von Ge- und Verboten. Was nun wiederum das einzige Mal in der Geschichte des Wirtschaftens sein würde, wo sich dieses Instrumentarium als überlegen erwiesen hätte. Tatsächlich aber gibt es einen Weg, „den Markt die Klimakrise regeln“ zu lassen: Emissionszertifikate. Statt zu versuchen, auf bürokratischem Weg in das Leben und Handeln jedes Bürgers einzugreifen, um bestimmte CO2-Ziele zu erreichen, bräuchte man dieses CO2-Ziel nur festzulegen, an die Wirtschaftenden Zertifikate in dieser Höhe zu verteilen und sie zum Handeln freizugeben. Dann pendelten sich Preise für CO2 ein, die dazu führen, dass dieses Gas dort eingespart werden würde, wo es zu den geringsten Kosten möglich ist. Das CO2-Budget ließe sich dann nach und nach reduzieren.

So könnte der Markt „das Klima regeln“. Der jeweilige „Track Record“ jedenfalls liefert keinen Hinweis darauf, dass es etwas anderes besser könnte. 

Und somit hat Frau Baerbock zwar in einem Punkt Recht, aber wohl leider aus einem anderen Grund als den, den sie sich vorstellte. Und im anderen Punkt hatte sie schlicht Unrecht. Beides verleitet den Werwohlf zu der Aussage: Sie hat keine Ahnung von Wirtschaft. Und bevor jetzt jemand kommt, der ihm Frauenfeindlichkeit vorwirft, weil er das feststellte: Diese Ahnungslosgkeit teilt sie wohl mit weiten Teilen ihrer Zielgruppe, sonst würde sie nicht so argumentieren.

Was zum Klima (2021)

Der neue IPCC-Klimabericht ist da. Genauer: die Zusammenfassung für die Politik. Größte Neuigkeit: Die Erwärmung des Weltklimas auf 1,5 Grad Celsius könnte bereits im Jahr 2030 erreicht werden.

Die alarmistische Weitergabe dieses Befunds in den Medien nutzten natürlich die üblichen Verdächtigen, um ihre verbotsgarnierte Verzichtsagenda als praktisch alternativlos erscheinen zu lassen. Es wurde dabei gerne so getan, als sei in der Vergangenheit de facto nichts geschehen, aber um so drastischer und radikaler müsse man jetzt vorgehen – der Schritt zur in den sozialen Medien bereits geforderten „linken Militanz“ ist da nicht mehr weit. Wenn es um das Überleben geht, muss alles andere zurückstehen (zum Corona-Vergleich, und warum er nicht passt, kommen wir etwas später).

Diesen üblichen Verdächtigen kam die Abfolge der Ereignisse Flut und Klimabericht natürlich sehr gelegen, scheinen sie doch dasselbe Handeln zu erfordern.

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Was zu dämlichen Bemerkungen, verletzter Privatsphäre und Effekthascherei

Jens Lehmann scheint niemand zu sein, den man jetzt auf Anhieb als besonders sympathisch einordnen würde. Und auch der windige Lars, der bei Hertha mittlerweile sein Unwesen treibt, gehört nicht zwingend in die Reihe der Menschen, die der Werwohlf gerne mal beim Bier treffen würde.

Aber das Theater, das wegen einer dämlichen Bemerkung Lehmanns in einem WhatsApp-Chat losgetreten wurde, kann der Werwohlf nicht anders als komplett durchgedreht und absurd empfinden. „Quotenschwarzer“ ist das Wort, das seine Nachricht als rassistische qualifizieren soll. Man möge dem Werwohlf mitteilen, ob „Schwarzer“ mittlerweile das Schicksal des N-Worts teilt, also zum Unsagbaren geworden ist, aber sein letzter Kenntnisstand ist noch so, dass der Begriff zwar nicht den strengen Anforderungen woker SJWs entspricht, die auf eine in der Länge stetig wachsende und komplizierte Abkürzung hinausliefen, aber andererseits gilt er auch nicht als wirklich herabsetzend und diskriminierend. War zumindest des Werwohlfs letzter Stand, aber da mag dessen mangelnde Aktualität ihn dann auch als Rassisten ausweisen. Und „Quote“? Wirklich jetzt? Man kennt das meist im Zusammenhang mit Frauen. Das ist für diejenigen, auf die er angewendet wird, nicht angenehm und auch generell unhöflich, sicher auch polemisch und angreifbar, aber sowas kommt im Leben nun einmal vor. Die von um jegliche auf die Person abzielende Begriffe bereinigte Sprache ist zugleich auch eine tote, denn das Herabsetzen anderer Menschen scheint nun einmal leider ein Grundbedürfnis zu sein – und, wie der Werwohlf nicht grundlos vermutet, auch eins, das selbst in den Wokesten der Woken schlummert, nur dass es, wenn es dort zum Ausdruck kommt, ja immer gegen die „Richtigen“ geht, per definitionem auch gehen muss (erweiterte Stegner-Doktrin).

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Was Likes kosten

Die Diskussion über die Antworten der Politik auf das SARS-COV-2-Virus hat manch wundersame Aspekte. Da wäre zum einen die Scheidung der Argumente entlang politischer Präferenzen zu beobachten, was an sich vielleicht nicht ganz so interessant wäre (was wird heute nicht als Gesinnungsausweis diskutiert?), wenn sich die Richtungen nicht simultan gedreht hätten.

Als es losging mit den ersten Meldungen über das neue Virus, da überschlugen sich eher rechts orientierte (denen man mit der Bezeichnung als „AfD-nah“ wohl kein großes Unrecht zufügt) Nutzer sozialer Medien vor lauter Warnungen und Forderungen an den Staat, endlich hart durchzugreifen. Gut, an erster Stelle stand damals der Wunsch nach Schließung der Grenzen, was die zeitweise Popularität einer Anti-Corona-Politik in diesen Kreisen womöglich erklärt, aber dieser Wunsch ist heute, weil nicht zur Öffnungs-Rhetorik passend, in diesem Zusammenhang kaum noch zu vernehmen, während aus linker Sicht zwar wohl weiter „kein Mensch illegal“ ist, aber durchaus infiziert sein kann, was das „no borders“ dann schwer argumentierbar macht.

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Was zu Handschuhen

Der Werwohlf, der olle Zapper, blieb kürzlich bei der Sendung „Die Höhle der Löwen“ hängen und sah dort dann auch die Vorstellung der Gründer von „Pinky Gloves“. Die hatten sich eine Art Handschuh ausgedacht, mit Hilfe dessen eine Frau während ihrer „Tage“ den Tampon aus ihrem Körper entnehmen, hygienisch verpacken und entsorgen können sollte.

Die Runde der Investoren war sich einig, dass dies eine tolle Idee sei (auch die beiden anwesenden „Löwinnen“), und man wunderte sich unisono, warum bisher noch niemand auf diese Idee gekommen sei. Schließlich stieg ein Investor mit ein, und alle waren glücklich.

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Der Fluch des Schlusses

In einem Artikel wird auf FAZ.net (Bezahlschranke) berichtet, wie schwer es Frauen haben, sich in den oberen Regionen der Jungen Union zu behaupten. Es geht um Sexismus und um Anmache, auch um Handgreiflichkeiten.

Nun war der Werwohlf mal in der Jungen Union, aber erstens ist das hundert Jahre her, und zweitens bewegte er sich dort auch nicht in diesen Sphären, sondern auf Orts- und Kreisebene, wo es wohl auch dem Artikel zufolge noch weitestgehend „normal“ zugehen soll. Dennoch könnte er sich gut vorstellen, dass die im Artikel berichteten Fakten überwiegend wahr sind. Weiterlesen

Rituale als Instrumentalisierung

Geht es noch sperriger in der Überschrift, Werwohlf? Hier meist eher nicht, aber wenn es denn zutrifft…

Gestern, am 19. Februar, jährte sich zum ersten Mal der Tag der Morde von Hanau. Da es leider, und auch darum wird es jetzt hier gehen, zu einem Ausweis sozialer Zugehörigkeit gemacht werden soll, wie man über diese Tat redet, sei an dieser Stelle erstmal nur zitiert, und zwar aus dem rechter Umtriebe reichlich unverdächtigen deutschen Wikipedia:

Beim Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 erschoss der 43-jährige Hanauer Tobias Rathjen, im Folgenden »R.« genannt[1], in und vor einer Shisha-Bar, einem Kiosk und einer Bar neun Hanauer Bürger mit Migrationshintergrund. Danach erschoss er in der elterlichen Wohnung seine Mutter und sich selbst. Die Tat wird als rechtsextremer Terrorakt mit rassistischen Motiven eingestuft. Der Täter war arbeitslos und den Behörden seit Jahren mit paranoiden Wahnvorstellungen aufgefallen. Es ist noch nicht vollständig geklärt, warum es dem Täter möglich war, trotz seiner psychischen Auffälligkeiten, seit 2002 legal Waffen zu besitzen.

Zum Jahrestag wurde eine Kampagne unter dem Namen „Say their names“ gestartet. Mit ihr soll  lt. offizieller Darstellung

besonders auf die Opfer aufmerksam gemacht werden, damit die Namen nicht in Vergessenheit und der Hass hinter der Tat und der Täter selbst nicht in den Vordergrund geraten

Da gegen dieses lobenswerte Unterfangen niemand etwas haben kann, entschloss sich z.B. auch der Bundesligaverein Eintracht Frankfurt dazu, mutig die Namen der Opfer auf speziellen Aufwärmtrikots anzuführen. Auch in einem Tweet des Bundesjustizministeriums wurde der Opfer namentlich gedacht.

Aller Opfer? Weiterlesen

Wenn Nachrichten zur Propaganda werden

Von „Rechten“ wird gerne die Behauptung aufgestellt, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei politisch einseitig. „Linke“ weisen das in der Regel zurück.

Der Werwohlf ist sich allerdings sicher, dass in diesen – wie allerdings auch in privaten – Medien politische Sachverhalte nur mit einem auf links geeichten Filter berichtet werden. Dahinter steckt keine Verschwörung, sondern vor allem der Werdegang von Journalisten, der es diesen ermöglicht, ein Berufsleben lang ohne verstörende nicht-linke Argumente auszukommen.

Beispiel gefällig? Gerne. Am 12.02.2021 beschloss das Bundeskabinett das sogenannte Lieferkettengesetz. Weiterlesen

Sprachmagie

An zwei Meldungen möchte der Werwohlf diesmal seine Gedanken festmachen. Da wäre zum einen die, dass der Online-Duden das generische Maskulinum abgeschafft hat. Zum anderen die, dass ein Journalist der New York Times seinen Job verlor, weil er nicht-öffentlich das „N-Wort“[1] benutzt hat.

Beide Meldungen haben mit Sprache zu tun, und beide offenbaren ein Sprachverständnis, das Bezüge zu Magie ausweist. Die Protagonisten, die in beiden Fällen für die dann eingetretene Entwicklung sorgten, eint die Vorstellung, dass Sprache Bewusstsein und Handeln präge. Wiewohl ein solcher Einfluss sicher besteht, wird er von ihnen aber offenbar nicht nur maßlos überschätzt, sondern führt in seiner Überhöhung auch zu quasi-religiösen Auswüchsen. Weiterlesen

Aus der Katze ein Pferd machen

Die Meinungsäußerungen auf Twitter zur Corona-Pamdemie sind immer schwerer zu ertragen. Natürlich ist der Werwohl selbst schuld an seiner Timeline, aber die Verfechter einer Beendigung des Lockdowns werden in ihrer Wortwahl immer maßloser, zum Teil auch angefeuert durch eine kaum verhohlene Ausrichtung des Springer-Konzerns.

Es wird so getan, als sei der Lockdown ein Wunschszenario wahlweise „von Merkel“, „der Regierung“ oder gleich „der Politik“, das entgegen dem Willen der Bevölkerung völlig unnötigerweise erbarmungslos durchgezogen werde. Weiterlesen