Neues der Woche (KW 49)

Österreich hat es geschafft, endlich einen neuen Bundespräsidenten zu wählen. Europa fällt ein Stein vom Herzen. Sagt jedenfalls der Siggi, aber der meint damit wohl vor allem, dass der aus seiner Sicht richtige Kandidat gewonnen hat. Nun ist der Siggi wirklich kein schmächtiger Typ, aber dass er sogar ganz Europa in sich vereinigen könnte, hätte sich der Werwohlf auch nicht träumen lassen. Der Ösi-Präsi hat etwas mehr zu sagen als der oberste Redner Groß-Preußens[1], und von daher ist jemand, der sich im Amt eher zurückhalten will, wahrscheinlich tatsächlich die bessere Wahl. Doch dass das alles zum Showdown zwischen dem Hehren, Wahren auf der einen und dem Finsteren, Bösen auf der anderen Seite hochgejazzt wurde, wirkt im Rückblick – den Anlass eingedenk – eher lächerlich.

In Freiburg ist der migrationspolitische Worst Case eingetreten. Den Rest des Beitrags lesen »


Spiralschlüsse – völlig losgelöst

Nach der Trump-Wahl zeigt sich jetzt, wie sehr die Linke aufgrund ihrer „Spiralschlüsse“ den Kontakt zu anderen Teilen der Bevölkerung verloren hat. „Spiralschlüsse“ sind positiv rückgekoppelte Zirkelschlüsse – zusätzlich zur kreisenden kommt noch eine horizontale Bewegung, die den Akteur immer mehr Abstand zur Erde bekommen lässt.

Die Sache läuft so: Um ihre eigene Positionen als „alternativlos“, oder, wie es in diesen Kreisen stattdessen lieber heißt: „modern“, erscheinen zu lassen, werden Andersdenkende mit ausgrenzenden Bezeichnungen eingedeckt, dass es nur so kracht. Gegner unkontrollierter Einwanderung? Rassist. Gegner der Frauen-Quote? Sexist. Gegner der Homo-Ehe? Homophober. Freundlich ausgedrückt, handelt es sich hier um eine bequeme Komplexitätsreduktion. Aber jetzt setzt die Dynamik ein. Die Vertreter der eben beispielhaft erwähnten Gegenmeinungen dürfen ja wählen, offensichtlich sehr zum Verdruss der progressiven Kräfte. Dass sie sich dann für jemanden entscheiden, den diese Kräfte nicht mögen, dürfte auch auf der Hand liegen. Dieses Angebot pflegt in einer Welt mit sich eher links einordnenden Protagonisten der veröffentlichten Meinung (und ihren – aus verschiedenen Motiven – eifrigen Nachahmern) nicht allzu reichlich vorhanden sein. Als Gegner des linken Zeitgeists darf man nicht sehr wählerisch sein, so dass viele einfach nehmen, was sie kriegen können. Aber praktischerweise wurden solche Menschen bereits mit den passenden Eitketten versehen: Rassisten, Sexisten, Homophobe. Und nun fangen die Linken an, vom Effekt ihrer eigenen Denunziation überzeugt zu werden: Rassisten, das sind ja Leute, die von der Überlegenheit der „weißen Rasse“ überzeugt sind. Sexisten sind Leute, die Frauen zum Objekt degradieren. Und Homophobe würden am liebsten Homosexualität verbieten und alle Menschen, die sie praktizieren, verfolgen lassen.

Kein Wunder, dass in den Teilen der Linken, die jeder Selbstkritik abhold sind, die Auffassung empört zurückgewiesen wird, man müsse z.B. auf die Wähler eines Trump eingehen. Schließlich sind das – siehe oben – alles Ku-Kluxer, Chauvinisten und Schwulenhasser, und mit sowas redet man erst gar nicht. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie in ihrer Blase weiter.

Wie kann man auch von einer Realität eingeholt werden, die man als beliebig gestaltbares soziales Konstrukt begreifen will? So wird Major Tom zum Schutzpatron der Linken. Selbst als Konservativer oder Liberaler muss man es nicht gut finden, wenn sich die Linke derart in erdferne Umlaufbahnen begibt. Eine funktionierende Demokratie braucht auch ein wirksames linkes Gegengewicht. Aber dazu braucht es eben die Anerkenntnis der „sozialen Konstruktion“ namens Gravitation.


(Schnell mal) Was zur Wahl in den USA

Es ist wieder passiert.

Das Dumme an der Demokratie ist ja, dass die Anderen auch wählen dürfen. Zum Beispiel eben nicht die ungeheuer „progressiven“ Kräfte (wer definiert, was Fortschritt ist, definiert die Richtung, in die es geht…), sondern die Anderen. Die nichts mit Medien machen, die keine Jobs im Uni-Reservat haben, und die nicht von einem eingefahrenen System der parlamentarischen Demokratie als geschmeidige Taktierer in ein Gremium gespült wurden. Ach ja: Und die, weil sie nicht zu einer offiziell anerkannten Minderheit gehören (ja, da gibt es eine Liste – oder haben Sie schon mal von Quoten für Rothaarige gehört?), vom Staat auch keine Sonderbehandlung zu erwarten haben.

Das Dumme an der Demokratie ist auch, dass die Anderen für ihre Motive vorher keine Genehmigung einholen müssen. Den Rest des Beitrags lesen »


Hilfe ja, aber nicht für die Umwelt

Wieder mal so eine Meldung: „NRW plant Fahrverbote für Dieselwagen“

Wenn in einer Stadt die zulässigen Stickoxid-Grenzwerte überschritten werden, soll ein solches Fahrverbot – ja was? Abhilfe schaffen?

Wohl eher nicht. Es mag ja sein, dass ein altes Diesel-Fahrzeug mehr Stickoxide pro Kilometer ausstößt als ein vergleichbarer Benziner. Und es mag auch sein, dass ein moderner Schummel-Diesel dies tut, verglichen mit einem modernen Benziner. Aber rechtfertigt dies eine solche Maßnahme? Denn zunächst hängt der Schadstoffausstoß doch mal davon ab, wie viele Kilometer in der betroffenen Region zurückgelegt werden. Wenn da ein Benziner den ganzen Tag durch die Gegend gurkt, sorgt der natürlich für viel mehr Stickoxide als ein Diesel, der nur ein paar Kilometer fährt und dann wieder parkt. Und die Behauptung, dass kein einziger moderner Diesel einem Benziner vergleichbare Schadstoffwerte aufzuweisen vermag (wir reden hier weiter nur von Stickoxiden, nicht von CO2, dem „Klimagift“, denn da ist eher der Diesel der „Saubermann“), harrt auch noch ihres Beweises.

Also nein. Ein solches Fahrverbot soll keine Abhilfe schaffen. Es soll nur erstens als aktionistisches Feigenblatt dienen und zweitens eine Lobbyorganisation namens DUH zufrieden stellen. Das könnte ja auch mal ein kritischer Journalist feststellen.

Okay. War ein Witz.


Neues der Woche (KW 44)

Diesmal nicht zurück vom Projekt (es ist eh die Zeit gekommen, mich dort rar zu machen), sondern vom Ein-Wochen-Urlaub aus internen Gründen.

Oettinger hat „Schlitzaugen“ gesagt und von „Pflicht-Homoehe“ gesprochen. Aua. Kann man machen, kommt aber nicht gut, wenn man EU-Kommissar werden oder bleiben will. Da muss man die PC-Klaviatur schon drauf haben, und sich gegen wichtige Handelspartner so weit aus dem Fenster zu lehnen, ist keine gute Idee. Interessant allerdings, dass ihm sofort Verteidiger aus der Medienwelt zur Seite springen. Statt die nächste Skandalsau durchs Land zu treiben, üben sich Leute wie Claus Kleber vom ZDF und Ulf Poschardt von der „Welt“ als Oettinger-Versteher. Man mag sich kaum ausmalen, welch Shitstorm z.B. über einen Herrn Gauland hereingebrochen wäre, hätte man ihm diese Begriffe zuschreiben können. Nun ja: Quod licet Iovi non licet bovi. Den Rest des Beitrags lesen »


Anders reicht?

Sie werden es kennen.

Es wird eine Diskussion über ökonomische Themen geführt, bei der sich herausstellt, dass die Ergebnisse, wie sie aus der gegenwärtigen marktwirtschaftlichen Ordnung heraus entstehen, nicht dem entsprechen, was die Diskutierenden sich wünschen würden. Es dauert dann nicht lange, bis jemand die Forderung aufstellt: Hier muss der Staat intervenieren und die Weichen in die richtige Richtung stellen. Manchmal schließt sich an diese Themen- eine Meta-Diskussion an, in der es darum geht, ob Märkte wirklich so perfekte Lösungen liefern, dass Staatseingriffe immer falsch sind, oder ob es nicht auf der Hand läge, dass Märkte nicht immer das liefern, was man von ihnen gerne hätte, so dass Staatseingriffe immer wieder geboten seien.

Irgendein Halb-Gebildeter wird dann vielleicht auch mal den Begriff des „Marktversagens“ in den Raum werfen. Dazu sei an dieser Stelle nur mal schnell gesagt: „Marktversagen“ gibt es schon seit Ewigkeiten als Begriff der Finanzwissenschaft. Damit ist aber nicht das „Versagen“ von Märkten gemeint, das sie bei der Herstellung paradiesischer Zustände an den Tag legen, sondern der Begriff soll Zustände beschreiben, in denen Märkte nicht so funktionieren, wie sie das in neoklassischen[1] Modellwelten zu tun pflegen.

Abrupter Wechsel der Ebene. Den Rest des Beitrags lesen »


Was zu Urlaub

„Internetkrawallo“ (selten eine so unzutreffende Bezeichnung gelesen) Dushan Wegner provoziert dann doch mal mit einem Urlaub-Bashing:

Es soll Menschen geben, die nehmen Schulden auf, um ihren Urlaub zu finanzieren. Sie arbeiten danach, weil sie im Urlaub waren. Sie arbeiten, um wieder in Urlaub zu fahren.

Aus Wegners Sicht ist diese Fixierung des Lebens außerhalb des Jobs, das er als „uneigentlich“ bezeichnet, letztlich Ausdruck des Unwillens oder Unfähigkeit, am „eigentlichen“ Leben so viel zu ändern, dass diese hohe Bedeutung des Urlaubs schwindet. Wahrscheinlich, weil die Menschen so begeistert von ihrem Alltag sind, dass die kaum noch das Bedürfnis empfinden, „in Urlaub zu fahren“.

Nun, der Werwohlf ist auch kein Freund des Urlaubs im herkömmlichen Sinn. Den Rest des Beitrags lesen »