Lief das so?

„Wir werden euch ein Gerät geben, das ihr ständig mit euch herumtragen müsst. Mit diesem Weg können wir jederzeit wissen, wo ihr euch aufhaltet. Wir können auch all eure Wege nachvollziehen. Ihr müsst alle eure Bankgeschäfte mit diesem Gerät abwickeln, ebenso alle eure Einkäufe. Da das Geld dazu nur virtuell im Bankensystem zur Verfügung stehen wird, können wir ihm über die Zentralbank auf Knopfdruck einen neuen Wert zuweisen, wenn wir das wollen. Die hierbei entstehenden Daten verraten uns so gut wie alles über eure Gewohnheiten. Das Gerät kann auch eure Gespräche aufzeichnen, ohne dass ihr das merkt. Lasst euch nur noch von diesem Gerät morgens wecken (uns interessiert natürlich auch, wann ihr aufsteht) und verwendet es als Hauptquelle eures Medienkonsums (Buch-, Musik- und Filmgeschmack würden wir auch gern wissen, und wir oder unsere Freunde, die Verwertungsgesellschaften, möchten vielleicht mal das ein oder andere Buch, den ein oder anderen Musiktitel oder manchen Film der Öffentlichkeit komplett entziehen). Ihr müsst all eure Daten über dieses Gerät zugänglich machen, damit wir es zu demselben Zweck nutzen können, ohne dass ihr das merkt. Tolle Idee, oder?“

„Haltet ihr uns für total bescheuert?“

„Guck mal, das neueste Smartphone!“

„Boah, her damit!“

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Was zu Haltung

Insbesondere in der labernden Klasse wird in der letzten Zeit vor allem eins eingefordert: „Haltung“. Als Haltung gilt der unverrückbare Klassenstandpunkt die links-ideologischen Vorgaben entsprechende Einstellung und das Handeln danach. „Haltung“ verlangt, missliebige Personen in der Öffentlichkeit zu isolieren, sie nirgendwo reden zu lassen, mit ihnen keine Geschäftsbeziehungen einzugehen, sich nicht in ihrer Nähe blicken zu lassen. „Haltung“ verlangt auch, gegen Verstöße des linken Regelwerks unbarmherzig vorzugehen. Möge auch beim grausamsten Mörder noch der Wille zur Resozialisierung im Vordergrund stehen, dem sich einmal politisch unkorrekt Äußernden ist nach dieser Doktrin ein (möglichst lebenslanger) Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Umgang gewiss. Öffentliche Aussagen sollen nur noch in einer abgesegneten Formelsprache möglich sein – das Problem ist hier allerdings ein wenig, dass diese Revolution auch ihre gutwilligen Kinder frisst, weil, wer sich zur Avantgarde zählen und damit jeder Kritik enthoben sehen will, die Anforderungen immer höher schrauben muss, so dass sich der bemüht Politisch-Korrekte schnell im Kreuzfeuer sieht, nur weil er das letzte Memo nicht gelesen hat, welches eine Anpassung der von ihm verwendeten Formeln verlangt. 

„Haltung“ bewirkt aber noch etwas anderes, nämlich die Unsichtbarmachung von Feinden der liberalen Demokratie aus dem linksextremen Lager. Eine besonders unnachgiebige Haltung gegenüber Personen und Parteien aus dem rechten Lager soll als Gradmesser für die Zulassung zum viel beschworenen „Diskurs“ dienen. Aber Anhängern der liberalen Demokratie müsste bewusst sein, dass der Feind ihres Feindes längst nicht ihr Freund ist. Mag sein, dass Fans einer kommunistischen Diktatur besonders energisch gegen alles vorgehen, was sie als „rechts“ ansehen. Und mag sein, dass darunter auch Parteien und Personen fallen, deren Ideal tatsächlich in der Abschaffung der liberalen Demokratie zugunsten irgendeines völkischen Konstrukts besteht. Aber es ist nie ein guter Ratschlag, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen. 

Für den Werwohlf ist nicht entscheidend, wie radikal sich jemand gegenüber dem gebärdet, was er als Faschismus definiert[1]. Für den Werwohlf ist entscheidend, wie jemand zur liberalen Demokratie steht. Aber niemals würde er verlangen, deren Gegner gesellschaftlich zu ächten. Er würde im Gegenteil mit ihnen diskutieren wollen, wo es geht. Und jenseits der politischen Differenzen würde er mit ihnen einen normalen Umgang pflegen. So hielt er es bisher immer, und so wird er es auch künftig halten. Denn wir sind alle Menschen. Das heißt, jeder von uns könnte sich jederzeit im Irrtum befinden. Wir können die Wahrscheinlichkeit davon nur dadurch reduzieren, dass wir uns der anderen Meinung („Haltung“) immer wieder neu aussetzen und unsere Gegenrede an ihr erproben. Und es wäre wirklich nicht das erste Mal[2], dass ein Verirrter (nach Eigendefinition) durch die Menschlichkeit eines Gegenüber, der ihn als Mensch wertschätzte und seine Beweggründe ernst nahm, in die Lage versetzt wurde, seiner Indoktrinierung zu widerstehen und sich neuen Gedanken zu öffnen. 

Die verbissenen und verkniffenen Forderungen diverser Verbalradikalinskis sehen stattdessen den Abbruch aller Kontakte vor. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, sie wünschten sich einen Zustand, der 10-20% der Wähler/Menschen einfach zu Non-Valeurs erklären würde. Welcher Art System ihnen dann vorschwebt, ist nicht ganz so klar. Klar ist nur: eine liberale Demokratie wohl eher nicht. 

 

[1] Im Fall der „Antifaschistischen Aktion“, kurz „Antifa“, müsste er man vielleicht eine Ausnahme machen, denn deren Ideologie sieht den Faschismus als Form des Kapitalismus – diese Gegnerschaft wird dem liberalen Demokraten also von außen angetragen und lässt sich daher nicht vermeiden.
[2] Noch vorsichtig formuliert. Vermutlich ist genau das der beste Weg. Und die Millionen, die Bundesministerien an Kampagnen „gegen Rechts“ auszahlen, die eben diesen Weg nicht gehen und stattdessen vor allem Haltung demonstrieren und einfordern wollen, dürften damit vor allem eins sein: verschwendet.

Was zur Unmenschlichkeit der öffentlichen Debatte

Es kam „bamm, bamm, bamm“. In kurzer Zeit tobten (mindestens!) drei Empörungswellen durch die öffentlichen Kanäle, die ihre Nähe nicht nur der Zeit verdanken. 

Da war der vom Werwohlf hoch geschätzte, weil stets besonnene, aber dennoch für CDU-Verhältnisse enorm prinzipientreue Carsten Linnemann, der in einem Interview vorschlug, des Deutschen nicht mächtige Kinder zunächst in Vorschulklassen auf das nötige Sprachniveau zu hieven und notfalls zur Einschulung in die Grundschule zunächst zurückzustellen. Das war einigen Journalisten zu langweilig, und so bastelten sie daraus die Forderung nach einem „Grundschulverbot für Migrantenkinder“. Weiterlesen

Was zu Reflexen

Leider ist wohl die politische Diskussion in Deutschland zu vertwittert. Auf ähnliche Reize folgt bei den üblichen Verdächtigen die immer gleiche Leier. Kurz hintereinander bewegten zwei Mordtaten die Republik: die von Frankfurt, wo ein Mann ein kleines Kind vor einen Zug schubste[1], und die von Stuttgart, wo ein Mann einen anderen mit einer großen Hieb- und Stichwaffe abschlachtete. Die letztere Tat gewann an Prominenz noch dadurch, dass sie z.T. auf Video festgehalten wurde – da nutzte auch die gelangweilte Ignoranz des Deutschlandsfunks wenig. Beide Taten haben gemein, dass sie nicht von Deutschen begangen wurden. Diese Zutaten reichen, um das gewohnte Programm abzuspulen. Die einen verfluchen die Politik, insbesondere Kanzlerin Merkel, wegen der Flüchtlings- bzw. Migrationspolitik und machen sie für die Morde mitverantwortlich. Sie fordern mindestens Grenzkontrollen und Abschiebungen, und die, die bei der Gelegenheit am liebsten alle Ausländer oder mindestens alle Muslime aus dem Land jagen möchten, gibt es da bestimmt auch noch – nur zum Glück nicht in der Filterblase des Werwohlfs. Die anderen bemühen sich, die Taten mit allen zur Verfügung stehenden rhetorischen Mitteln zu relativieren, möchten aus von Menschen begangenen Taten am liebsten irgendwie eingetretene Ereignisse machen und sehen die Reaktionen der Gegenseite als das viel größere Problem an, weil sie den populistischen Dreikampf auslösten: schüren, in die Hände spielen und Wasser auf die Mühlen lenken. 

Der Zwang zur Instrumentalisierung von Einzeltaten ist groß. Und er befällt nicht alle gleichmäßig. Weiterlesen

Was zu den wichtigsten Problemfeldern

Unabhängig von der Tagespolitik hier mal eine Auflistung der Felder, die der Werwohlf als die für Deutschland politisch wichtigsten ansieht (ohne Ranking):

A. Überalterung

Deutschland wird immer älter. Das macht sich nur in der Belastung der Rentensysteme bemerkbar (zumal angesichts der Niedrigstzinsen), sondern auch bei den Ausgaben für Gesundheit und Pflege und im Fachkräftemangel generell. Es dürfte nicht mehr ausreichen, sich die Mittel dafür vor allem aus den Einkünften der Arbeitnehmer zu holen. Statt ausschließlich auf ein umlagefinanziertes Rentenversprechen zu setzen, hätte man die Deutschen besser an ihrem eigenen Produktivvermögen beteiligen sollen. Der Zug ist aber jetzt abgefahren, und die Problematik wird eintreten. Weiterlesen

Was zur Diskussion

In der politischen Diskussion stellen sich Problemlagen des öfteren so dar:

  1. Es wird das Problem XYZ diagnostiziert.
  2. Es hat seine Ursache in A.
  3. Man löst es am besten durch B.

Ist Ihnen jetzt nicht auch schon so oft aufgefallen, dass dieser einfache Dreiklang politisch Aktive zu überfordern scheint? Widerspruch kann sich natürlich in allen drei Stufen regen. Man kann die Existenz von XYZ in Frage stellen. Man kann bezweifeln, dass A dessen Ursache ist. Und man kann eine andere Lösung für besser geeignet halten als B. Aber so wird, gerade in den sozialen Medien, meistens gar nicht mehr diskutiert. Stattdessen wird dem, der z.B. statt B lieber C will, vorgeworfen, er „leugne“, dass es XYZ gibt. Oder er sei gar nicht an dessen Lösung interessiert.

Wenn Sie so einem „Argumentations“-Muster begegnen, nehmen Sie von einer weiteren Aussprache Abstand. Sie haben es dann nämlich mit einem vollkommen Ideologisierten oder Gläubigen zu tun. In beiden Fällen dürften die Instrumente, die man für eine vernunft- und verständnisgetriebene Debatte bereitzuhalten pflegt, fehl am Platz sein. Ideologie oder auch Glaube ändern sich nicht im Diskurs, sondern meist nur nach mehr oder weniger schweren Lebenskrisen. Manchmal hilft auch das schiere Älterwerden. Auf beides sollten Sie dann aber nicht warten, wenn Sie in Ihrem Leben Besseres zu tun haben. Was ich Ihnen hiermit von Herzen wünsche.

Nachtrag:

Manchmal wünscht man sich, man könnte dem Anderen zeigen, dass man ihn durchschaut hat. Die Frage ist nur, ob er überhaupt meint, etwas Durchtriebenes angestellt zu haben. Im Zweifel müssen wir unseren Gesprächspartnern zwar intellektuelle Dürftigkeit ankreiden, aber zumindest doch auch Ehrlichkeit zugestehen. Der Werwohlf wird deshalb in Zukunft, wann immer er eine solche eigentlich nie begonnene Diskussion abbrechen muss, sie mit den Worten beschließen „Lebe lang und in Frieden!“. Das ist dann zwar geklaut, aber auch ehrlich.