Die Weisheit der Vielen

Was machen Sie als Journalist mit Haltung, der gerne seine unbelegten Bewertungen in einem Bericht unterbringen möchte, ohne dass es auffällt? Natürlich: Sie erfinden neutrale Zeugen. Ein gewisser Reportage-Spezialist R. wandte dafür viel Fantasie auf und wurde daher zu Recht mit Preisen überhäuft. Aber auch den weniger literarisch begabten Jüngern der Zunft bleibt immer noch ein Kniff. Nehmen wir z.B. das hier (nur im Bezahlabo F+ abrufbar):

Die Zeitschrift „Tichys Einblick“, die sich selbst als „liberal-konservatives Meinungsmagazin“ bezeichnet, jedoch von vielen als rechtspopulistisch eingestuft wird..

Hier tauchen plötzlich „viele“ als Leumundszeugen auf, ohne dass wir erfahren, wie viele es sind und vor allem, um wen es sich dabei handelt. Dass z.B. viele(!) Anhänger der SED „Tichys Einblick“ mit „rechtspopulistisch“ noch als eher harmlos eingeordnet ansehen würden, darf man ebenso annnehmen, wie dass dies bei AfD-Anhängern ganz anders gesehen wird. Die zitierte Aussage dient also wohl vor allem dem Zweck, das (hier nicht wiedergegebende, weil ein anderes Thema betreffend) im Text folgende Zitat aus der Publikation mit den nötigen „Weihen“ zu versehen: „Achtung – unglaubwürdig!“. Weiterlesen

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Was zu Broder und der AfD

Auf Twitter gab es einen Shitstorm. Eine Loriot-Figur würde darauf zu Recht antworten: „Ach. Ach was.“ Aber diesmal traf es jemanden, der im Leben des Werwohlfs eine nicht allzu unwichtige Rolle spielte, nämlich den Journalisten Henryk M. Broder. Grund war dessen Besuch bei der AfD-Fraktion im Bundestag und ein dabei entstandenes Foto.

Fangen wir erstmal mit der Geschichte des Werwohlfs und dem Protagonisten, in Folge zärtlich „Broder“ genannt, an. Er kennt den Werwohlf natürlich nicht. Die beiden sind sich nie begegnet. Weiterlesen

Der Antisemitismus und die AfD

Es gibt etwas, das den Gegner der AfD bisher extrem zu schaffen machte. Zwar rückte man sie schon von Anfang gern in die Nähe der Nationalsozialisten, als sie im Wesentlichen nur gegen den Euro Stellung bezog[1], aber gerade jetzt, wo die Partei sichtbar nach rechts gerückt ist, störte es enorm, dass man ihr keinen Antisemitismus vorwerfen konnte. Zwar gibt es ausgewiesene Antisemiten in dieser Partei, von denen zwei z.B. im Stuttgarter Landtag sitzen und sich anscheinend nicht aus der Partei entfernen lassen[2], aber als Parteilinie konnte sich noch nichts Antisemitisches durchsetzen. Im Gegenteil, das Eintreten für Israel gehörte bisher zu festen Parteiräson. Von ihren Gegnern wurde das zwar als vor allem rein taktisch bewertet, weil es der AfD dabei nur gegen die Muslime ginge, aber immerhin unterschied sich diese Position bislang positiv von den Stimmen aus gewissen anderen Parteien, die gerne mal jeden Selbstverteidigungsversuch Israels als „ungerechtfertigten Angriff“ beklagen oder für einen Boykott israelischer Produkte eintreten.  Weiterlesen

Was zur AfD und dem Verfassungsschutz

Es ist soweit. Der Verfassungsschutz hat die AfD zum „Prüffall“ erhoben. Ob es sowas als öffentlich verkündete Einstufung überhaupt gibt, darüber streiten sich die Gelehrten. Klar ist aber, dass es bei den anderen Parteien einem dringenden Bedürfnis abhilft. Dort war man schon bisher unwillig, sich mit der AfD argumentativ auseinanderzusetzen, und wenn diese jetzt ein quasi offizielles Bedenklichkeitssiegel erhält, haben sie ihr etwas Neues entgegenzuhalten, wieder ohne sich deswegen in die Niederungen der Argumentation begeben zu müssen. Auf der anderen Seite aber ist dies das Ergebnis einer Kette von Ereignissen, die es der AfD ermöglicht, das Ganze als Verschwörung gegen die „einzig wahre Oppositionspartei“™ erscheinen zu lassen. Weiterlesen

Was zu Männern

Bevor der Werwohlf sich zu Männern äußern kann, müsste erstmal eins geklärt werden: Ist ein Wohlf auch ein Mann? Der Typ dahinter schon, und lassen wir das auf den(!) Wohlf abfärben. Es hat sich nämlich einiges getan, wobei sich Männer angesprochen fühlen sollen. 

Da wäre zum einen die SPD, die momentan auf dem Trip ist, dass wegen einer Vergrößerung des Frauenanteils das Wahlrecht zum Bundestag geändert werden müsse. An diesem Ansatz ist so viel falsch, dass man die Wahrscheinlichkeit, er könne sich in der Politik durchsetzen, als sehr hoch bezeichnen muss. Weiterlesen

Was zur Meinungsfreiheit eines Handballers

Stefan Kretzschmar, ehemaliger Handball-Star und heutiger Handball-TV-Experte und Mitglied im Aufsichtsrat des SC DHfK Leipzig, ist ein Typ. Schon zu aktiven Zeiten galt er, nicht mundfaul und auch äußerlich bereits als wenig Angepasster erkennbar, als „Paradiesvogel“ unter den Profi-Handballern. Nebenbei war er auch noch ein Linksaußen von Weltklasse.

Dieser Stefan Kretzschmar wurde jetzt von T-Online interviewt. Weiterlesen

Was zu Parolen

Die letzten Tage haben sich zwei Ereignisse auf wundersame Weise zusammengefügt.

Da entdeckte u.a. die „tagesschau“ mit einiger Verzögerung, dass die Journalistin Nicole Diekmann einen „Shitstorm“ überstehen musste, was wiederum vorhersehbar Solidaritätsadressen der Anständigen auslöste, die anscheinend vorher nichts davon mitbekamen. Unter den unerfreulichen Botschaften, die Frau Diekmann erreichten, sollen sich auch Drohungen aller Art befunden haben, also die übliche Netzausstattung[1]. Das ist alles andere als verwunderlich: Unter dem Deckmantel einer vermeintlichen Anonymität (@_0rbit lässt grüßen) gedeihen niedere Instinkte leider besonders gut – natürlich nicht zwangsläufig, wie man am Werwohlf sehen kann ;-).

Was den Anlass dieses „Blitz“ (wie man als gebildeter Anglophiler sagt) bildete, darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander. Die Online-„tagesschau“ und alle, die von ihr abschrieben, behaupten, es sei ein Tweet gewesen, in dem Frau Diekmann lapidar „#Nazisraus“ twitterte[2]. Alle anderen, die den Verlauf auf Twitter live mitbekamen, sind sich aber sicher, dass es erst losging, als Frau Diekmann auf die Frage eines anderen Users, wer aus ihrer Sicht denn ein „Nazi“ sei, antwortete, dass darunter natürlich alle rechts von „Grünen“ fielen. Ironie ohne Smiley, selbst wenn sie einem derart ins Gesicht springt, geht im Netz immer schief. Ausnahmslos. Wenn es eine rechte Variante des SJW gibt, so wurde diese daraufhin hochaktiv. Was überhaupt des Werwohlfs Meinung bestätigte, dass man Extremisten jeder Couleur vor allem an ihrer Spaßbefreiung erkennt. Aus der Sicht Linker und aller, die um Aufnahme in den Kreis der Gerechten buhlen, war natürlich die Erzählung der „tagesschau“ die bessere, so dass der Hashtag „#Nazisraus“ binnen kurzem trendete und zu einer Art Schibboleth mutierte. Wer sich anschloss, gehört zu den Guten, wer nicht, zu den Bösen.  Weiterlesen