Die eindeutige Gewinnerin

Seit 2013 bin ich Mitglied der AfD, mit einer mittleren vierstelligen Mitgliedsnummer. Vorher war ich aus der FDP ausgetreten, nachdem diese mit Beschlüssen zur Euro-Rettung und zum Mindestlohn zwei aus meiner Sicht inakzeptable Entscheidungen getroffen hatte. Die damals bekannten wenigen Programmpunkte fanden meine Zustimmung (Auflösung des Euroraums, Rückverlagerung von Kompetenzen in die Nationalstaaten, großzügigere Asylpolitik, aber geregelte Einwanderung, sowie eine Steuerreform nach dem Muster Paul Kirchhofs).

Dass die neue Partei von den üblichen Schreihälsen gleich in die ganz rechte Ecke gestellt wurde, konnte man erwarten. Um so absurder waren die Klimmzüge in den letzten Tagen, denn wenn schon Lucke extrem rechts gewesen sein soll, müssten seine innerparteilichen Gegner ja definitiv mindestens Nazis sein, wenn nicht noch schlimmer, also vielleicht gar Neonazis. Jetzt behilft man sich mit der Sprachregelung, Lucke habe die extremen Rechten eben toleriert, um Mehrheiten zu gewinnen, und jetzt hätten sie sich seiner eben entledigt. Auch an diesem Bild ist allerdings einiges schief, z.B. dass man vielleicht die Protestwähler von rechts gerne mitgenommen hat, sie aber zumindest unter der Ägide Luckes und seiner Mitstreiter nicht in der Partei haben wollte. Schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb, denn aus schier unerfindlichen Gründen treten Rechtsextreme in alle rechts von der CDU neu gegründeten Parteien ein, um diese durch Übernahme in die Bedeutungslosigkeit zu führen. 

Diesem Verhalten mag ein gewisser politischer Masochismus zugrunde liegen, weil man sich durch den eigenen Niedergang leidenschaftlich in seiner Widerständigkeit bestätigt fühlen kann. Auf der anderen Seite liegt hier auch fast eine Verschwörungstheorie nahe: Wenn der Verfassungsschutz schon die Mitgliederzahlen der NPD sichert, wer weiß, wieviele seiner Schergen dann in anderem Auftrag im rechten Spektrum noch unterwegs sind… Aber nein, genau letzteres wäre eine „Erklärung“, wie sie den Leuten einfallen würde, die ich am Samstag kennen lernen durfte. 

Ich war bereits mal auf einem Landesparteitag in Baden-Württemberg und kann mich da noch an zwei Dinge erinnern: Wie irgendwelche Deppen den Ablauf verzögerten, ansonsten aber alles zwar umständich, jedoch relativ gesittet zuging. An diesem Samstag war das anders. Noch während ich am Eingang stand (man ließ alle erstmal lange in der Sonne brutzeln, weil die Einlasszeit nicht eingehalten wurde), hörte ich meinen Hintermann davon erzählen, dass die „Weckruf“-Miglieder am Vorabend noch instruiert worden seien, an welchen Stellen sie laut zu klatschen hätten. Da bekannt war, dass der Petry-Flügel eine ähnliche Veranstaltung abgehalten hatte, konnte man sich daher schon auf einiges einstellen. Im Saal selbst herrschte das auch in den Medien verbreitet Sauna-Feeling. Als bisher durch keinerlei Aktivitäten aufgefallenes Mitglied (job-bedingt) suchte ich mir einen Platz jenseits der durch diverse Kreisverbände reservierten Sitzreihen. Wie sich später herausstellte, trafen sich in dieser Ecke des Saales zufällig mehrere Mitglieder, die ähnlich eingestellt waren wie ich, aus verschiedenen Landesverbänden. Auffällig war, dass einige Mitglieder mit „Weckruf nein danke“-Aufklebern herumliefen. 

Der Parteitag begann nach launigen Einlassungen des Vorstandsmitglieds Grewe mit der Wahl des Tagespräsidiums, bei der sich schon mal ein Petry-Kandidat gegen einen Lucke-Kandidaten durchsetzte. Wobei man aber sagen muss, dass ausgerechnet dieser Petry-Kandidat dann als Versammlungsleiter nicht in Erscheinung trat und die beiden anderen ihre Aufgabe sehr neutral und kompetent vornahmen. Der größte Teil ihrer Arbeit bestand allerdings darin, aus gegebenem Anlass immer wieder neu zu erklären, was ein Antrag zur Geschäftsordnung ist und was nicht. 

Mitglied: [sagt was zu irgendeinem Thema]
Leiter: „Stellen Sie bitte einen Antrag.“
Mitglied: [verhaspelt sich, fasst sich dann und formuliert einen Antrag]
Leiter: „Das ist kein Antrag zur Geschäftsordung. Nächster!“
Mitglied: [protestiert lautlos, weil Mikrofon abgeschaltet]

Wenn ein Mitglied zu sehr insistierte, wurde es auch schon mal gefragt, welche der zulässigen Arten von Geschäftsordnungsanträgen seiner denn erfülle. Oft kam dann nur zurück, dass es dann eben kein Antrag zur Geschäftsordnung sei, man aber trotzdem… Aber dazu gibt es ja die Möglichkeit der Stummschaltung. Nur so ließ sich dieser Mammutparteitag mit über 3400 Mitgliedern überhaupt einigermaßen durchführen. Dennoch nutzten viele Mitglieder ausgiebig jede Möglichkeit, sich zum Obst zu machen. 

Die erste Rede hielt Konrad Adam. Sie war wohl als feinsinnig gedacht, enthielt allerdings mehrere mehr oder weniger direkte Angriffe gegen Lucke und den nicht anwesenden Henkel. Sie gipfelte in einer Geringschätzung von Fachwissen zugunsten eines Loblieds auf die Gestaltungskraft der Politik – eine Position, wie sie auch und gerade Linke wohl jederzeit unterschreiben würden. Gemeint war es natürlich als Spitze gegen Lucke. Adam punktete im Saal mit einer polemischen Bemerkung, auf die ich gleich zurück komme. 

Denn schon während Adams Rede fiel auf, dass sich da eine Claque organisiert hatte, die quer durch den Saal platziert worden war. Sie zeichnete sich dadurch aus, dass nicht nur geklatscht, sondern auch laut gejohlt wurde. Und sobald wurde mehr klar: Als Bernd Lucke ans Podium trat, verwandelte sich die Claque in einen buhenden, pfeifenden, „Spalter!“ und „Arschloch“ grölenden Brüllaffenchor, der auch im weiteren Verlauf von Luckes Rede mit dem Hochheben der roten Stimmkarte, weiteren Buhrufen und zum Teil auch höhnischem Gelächter in Erscheinung trat. Die Lucke-Anhänger versuchten zwar, dann bei Petrys Rede mit gleicher Münze zu antworten, aber das fiel diesen Damen und Herren erkennbar schwerer. Bei einer zweiten Rede Petrys später waren sie so gut wie gar nicht mehr zu vernehmen, während bei Luckes zweiter Rede die Versammlungsleitung mehrfach vergeblich appellierte, sich hier nicht gegenseitig auszubuhen. Dieselbe Truppe geriet auch schier in Ekstase, als der Gastgeber Markus Pretzell, der Sekundant Petrys, in seiner Rede die AfD als „Pegida-Partei“ bezeichnete[1].

Was hinter diesem Haufen stand, wurde klar, als eine Vertreterin des Petry-Flügels bei der Vorstellung des Berichts der Kassenprüfer ein klassisches Eigentor schoss. Sie ließ fragen, wievielen „Weckruf“-Mitgliedern mit Geldern der AfD die Reisen zu diesem Parteitag bezahlt worden wären. Dies wäre dann ja wohl als Stimmenkauf zu werten. Als Antwort erhielt sie: Keinem, allerdings hätten die Landesverbände Thüringen. Sachsen und Brandenburg aufgrund entsprechender Vorstandsbeschlüsse ihren Mitgliedern die Anreise finanziert. Also ausgerechnet die Reiche von Frau Petry und den Herren Gauland und Höcke. Damit wurde das Bild rund: Was sich da im Saal so gründlich daneben benahm, war ein herangekarrter Pegida-Mob. Es fiel mir auch nicht besonders schwer, unter den wenigen jungen Menschen auf diesem Parteitag sehr beleibte junge Männer auszumachen, die von ihrer äußeren Erscheinung her auf jede Alt-NPD-Demo gepasst hätten (neuerdings sollen sich die Nazis ja äußerlich der Antifa anpassen). Und jetzt komme ich zurück auf Adams Bemerkung. Er sagte nämlich:

„Als rechts gilt heute, wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Ansicht ist, dass sich der Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen lässt.“ Daraufhin johlte der Mob wieder einmal. Ich bezweifle aber, dass er außer der dritten diese Bedingungen erfüllt. Im Gegenteil dürften es gerade die Lucke-Sympathisanten unter den Mitgliedern gewesen sein, die sich die Reise nach Essen schenkten, weil sie damit rechnen mussten, ein ganzes kostbares Wochenende mit offenem Ausgang am Sonntag Abend dort zu verbringen, wo sie doch in der ganzen Woche zuvor Leistung bringen mussten und dies am Montag Morgen auch wieder tun müssten. Die Visagen der Krakeeler sahen mir zu großen Teilen jedenfalls nicht so aus, als hätten sie ihr Leben halbwegs im Griff. [2]

Diesem Mob durfte ich am Samstag in die hasserfüllten Fratzen sehen, als Lucke sich gegen eine Ausgrenzung aller Muslime in Deutschland aussprach und auf das Leiden der Menschen hinwies, die nicht nach Deutschland flüchten, sondern in der Region in Flüchtlingslagern zusammengepfercht sind. Es war wirklich erschreckend, diese Inkarnation des Unmenschlichen in Aktion zu erleben, und das in der Partei, in der ich Mitglied war. Vielleicht wäre ich trotz des Wahlausgangs noch in der Partei geblieben, um die programmatische Entwicklung abzuwarten, so wie das einige der Mitglieder auf den Sitzen neben mir noch vorhatten, aber dass in der AfD Wahlen unter Zuhilfenahme dieser – sorry, aber nie war der Ausdruck treffender – Asozialen entschieden werden, überschreitet meine Toleranzschwelle. In diesen Stunden reifte mein Entschluss, nach der Niederlage Luckes aus der AfD auszutreten und mir auch den Sonntag in Essen noch zu schenken – auf den DB-Sparpreis sei gepfiffen, mit diesen Typen will ich nichts mehr zu tun haben. Der Brief geht morgen raus. 

Übrigens ganz unabhängig davon, ob Lucke selbst dabei bleibt. Dessen Rede zum Rechenschaftsbericht des Vorstands hat mir übrigens ausnehmend gut gefallen. Petry & Co. versuchten ja immer wieder den Eindruck zu erwecken, Lucke wolle die Partei auf das Euro-Thema verengen. Obwohl mir das auch recht wäre, stimmt dieser Vorwurf allerdings offensichtlich nicht. Lucke sprach alle die Probleme an, die seine Kontrahenten vorher auch angesprochen hatten, nur verweigerte er eben die einfachen Antworten und votierte für rationale Herangehensweisen. Dass er damit nicht die Stimmung des Mobs treffen würde, war allerdings klar. Ich stimme Lucke zu, wenn er in bestimmten Erscheinungsformen des Islam ein Problem sieht, ich stimme ihm zu, wenn er sich gegen ungeregelte Einwanderung ausspricht – aber sehen Union, FDP oder gar SPD das denn wirklich anders? In einer demokratischen Gesellschaft sollte man über alle Probleme streiten können. Wer versucht, sie unter den Tisch zu kehren, wird dies auch durch mediale Dauerbeschallung nicht schaffen – denn genau dann, wenn andere Antworten aus- und nur noch die der Radikalen übrig bleiben, werden diese stark. Es muss in aller Interesse sein, die einfachen Antworten in Frage zu stellen – egal, wie diese motiviert sind. Sollte Lucke jetzt eine Partei gründen, die dieses Konzept verfolgt, werde ich dieser wahrscheinlich beitreten. Über deren Erfolgsaussichten mache ich mir allerdings keine Illusionen.

Und die Erfolgsaussichten der Petry-AfD? FAZler Lohse erläutert in seinem Kommentar Petrys Strategie IMHO sehr treffend. Ich bin im Gegensatz zu ihm aber sicher, dass sie ohne Erfolgsaussichten ist. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass auch nur ein – sagen wir mal – halbwegs bürgerlicher Mensch, der den Pegida-Mob am Wochenende in Aktion erlebt hat, bereit sein kann, weiter in dieser Partei mitzumachen. Geschweige denn als „liberales“ Feigenblatt wie der Baden-Württemberger Meuthen, der sich als zweiter Sprecher zur Verfügung stellte. Solche Leute müssen ihre komplette Selbstachtung an der Garderobe abgegeben haben. Und wenn die Lucke-Sympathisanten, ob wir sie nun „Liberale“, „Konservative“, „Liberal-Konservative“, „Gemäßigte“ oder irgendwie anders nennen, wenn also all diese Mitglieder der AfD den Rücken kehren, was ich mir jetzt nur wünschen kann, dann ist diese Partei im Westen und damit bundesweit erledigt. Mehr als 2-3% sind dann nicht mehr drin. Im Osten kann sie vielleicht im Revier von „Linken“ und NPDlern mit einem ausländerfeindlichen und antiwestlichen Programm punkten, aber der Anspruch der Partei ist ein anderer. Die Feierstimmung der überwiegend ostdeutschen Mitglieder zeugt nur von ihrer politischen Unreife. Was sie am Samstag so euphorisch bejubelten, war das Ende der AfD als bundesweite Option. Am Abend durfte ich im Hotel noch den politischen „Analysen“ diverser Ostdeutscher lauschen. Im besten Fall hätte man die als „naiv“ bezeichnen können. Offensichtlich ist einem Teil der Menschen im Osten das Westliche nach wie vor grundlegend fremd, und dieser Teil sucht eine politische Heimat. Wahrscheinlich liegt es an unterschiedlichen Erfahrungshintergründen. 

Man muss auch festhalten: Beide, sowohl Frauke Petry als auch Markus Pretzell, sind nicht so rechts wie der Mob, dessen sie sich aus reinen Macht- und Einkommensgründen meinen bedienen zu müssen. Aber der wird sie nicht vom Haken lassen. Die Versöhnungsmasche, die sich Petry jetzt vorstellte, um weiter möglichst viele Mitglieder und Wähler auf ihre Seite zu ziehen, sie kann nicht funktionieren. Sie kann nicht funktionieren bei allen, die ihre Auftritte in Essen erlebt haben, die man nur als Musterbeispiel politischer Heuchelei und Trickserei bezeichnen kann – so schlimm treiben es selbst die verachteten „Altparteien“ nur selten. Sie kann auch nicht funktionieren, weil der Affe immer mehr Zucker braucht. Die Säule, auf der Petry und Pretzell sicher zu stehen meinen, kann sie auch schnell abwerfen und durch echte Gesinnungstäter ersetzen. Der Mob hat seine Arbeit getan, jetzt will er auch die Ernte einfahren. Damit ist Weg in Richtung Republikaner, DVU, „Freiheit“ und wie sie alle heißen mögen, vorgezeichnet. 

Es gibt eine eindeutige Gewinnerin des Essener Parteitags. Sie heißt Merkel. Ihre Politik ist, so ironisch das gerade jetzt auch klingen mag, in Deutschland wieder ein Stück alternativloser geworden.

[1] Pretzell bediente in seiner Rede so ziemlich alle rechten Ressentiments, die man sich vorstellen kann.
[2] Die Frage ist: Wie kann man verhindern, dass eine Minderheit eine Partei in den Griff bekommt? Wie AfD und Piraten gezeigt haben, tragen Mitgliederparteitage eher dazu bei, dass die am besten Mobilisierenden gewinnen. Aber auch Delegiertenparteitage haben ihre Tücken, wie die erfolgreichen Versuche des Petry-Flügels belegen, mit demokratisch höchst zweifelhaften Methoden die eigenen Delegierten durchzudrücken. Daraus kann man nur schließen: Die Überlebensaussichten neuer Parteien sind in diesem Land grundsätzlich miserabel, obwohl sich viele alternative Angebote wünschen.

Nachtrag: Man verzeihe mir die vielen Tippfehler und manchen stilistischen Lapsus. Ich musste das einfach schnell loswerden.

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18 Kommentare on “Die eindeutige Gewinnerin”

  1. dirk sagt:

    Danke für den Bericht. Vielleicht lässt sich die folgende Lehre ziehen: Eine neue Partei startet man am besten mit einem Grundsatzprogramm.

    • Werwohlf sagt:

      Zumindest mit festgezurrten Eckpunkten. Aber hilft das wirklich? Die Radikalinskis wittern doch sofort ihre Chance, das in ihrem Sinne zu drehen.

  2. Paul sagt:

    Lieber Werwohlf,
    vielen Dank für diesen Hintergrunderfahrungsbericht. Als ich das ganze Spektakel in den Medien mitbekommen habe, sind mir ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen.

    Als ehemaliger DDR-Bürger war ich nach der Wende sogar kurzzeitig CDU-Mitglied und habe diese Partei als treuer Wähler begleitet. Zunächst aus Überzeugung, dann aus Pflichtgefühl, zuletzt nur noch mangels einer Alternative. Meine Frau und ich sprachen nur noch von einer Vernunftwahl. Merkel hat mit dem Ausstieg aus der Atomkraft der Vernunft den Laufpass gegeben. Für mich tat sich ein dunkles Loch auf. Wen sollte ich wählen? CDU ging nicht mehr. FDP war auch nicht (mehr) möglich.

    Da kam Lucke und bot mir eine Alternative,.Also wählte ich sie.

    Was mache ich jetzt? Noch habe ich mich nicht endgültig entschieden.
    Allerdings, Frau Petry kann ich nicht wählen. Wer das tut, was sie getan hat, ist für mich unwählbar. Selbst wenn sie versprechen würde meine Rente zu verdoppeln.
    Wenn Petry den Auftrag gehabt hätte, von wem auch immer, die AfD kaputt zu machen, würde ich ihr bescheinigen, dass sie diesen Auftrag erfüllt hat. Eine derart offenkundige diktatorisch-demagogisch vorgetragene und verwirklichte Machtgeilheit, habe ich noch nicht erlebt. Pfui! Sowas kann ich nicht wählen. Wenn es in der AfD dabei bleibt, ist sie für mich tot. Egal was sie sonst macht.

    Lucke hat natürlich im Augenblick schlechte Karten, weil, ich gebrauche mal ein Bild aus der Fischerei, in dem Gewässer in dem er fischt schon zu viele Netze hängen und zu wenige Fische dort sind. Trotzdem hat er, jedenfalls bei mir eine ehrliche Chance.

    Nein, in eine Partei werde ich nie wieder eintreten. Die Erfahrungen von 1990-95 haben mir gereicht. Auch der Blick hinter die Kulissen. Ich bin wohl nicht parteitauglich, weil ich ein zu großer Individualist bin.

    Herzlich, Paul

    • Werwohlf sagt:

      Lieber Paul,

      ich bin auch Individualist. Aber ich finde, man sollte auch als solcher zur Kooperation fähig sein. Ansonsten hat man in einer Demokratie nämlich keine Chance, seine politischen Ziele auch nur ansatzweise zu verwirklichen. Sicher, die Partei, der man zu 100% oder auch nur zu 70% zustimmt, die wird es kaum geben. Aber man kann sich entscheiden, ob man mit den restlichen Prozenten nicht doch leben kann.

      • Paul sagt:

        Sie haben recht lieber Werwohlf,
        aber inzwischen bin ich zu alt zum durchsetzen von politischen Zielen.
        Meine Einflussnahme beschränkt sich auf die Wahl und den Versuch meine Umgebung in meinem Sinn zu sensibilisieren. Das ist schon schwer genug.
        Meine Hochachtung gilt all denjenigen, die mit Engagement und viel Idealismus versuchen am „Rad der Geschichte zu drehen“. Nach meiner Wahrnehmung gehören Sie dazu. Deshalb gilt auch Ihnen meine Hochachtung. Deshalb muss ich aber nicht immer Ihre Meinung gut finden.

        Herzlich, Paul

      • Werwohlf sagt:

        Deshalb muss ich aber nicht immer Ihre Meinung gut finden.

        Ja, hoffentlich nicht!

  3. Lalelu sagt:

    Das ist so schade und war leider von Anfang an zu befürchten. Als sich irgendwann die ersten zu Wort meldeten, die von der amerikanischen Weltverschwörung faselten und forderten die Alternative müsse eine Alternative zum verkommenen System formulieren und gleichzeitig in der Partei noch immer kein Grundsatzprogramm stand, da wurde ich das erste mal nervös. Nachdem dann die Leitlinien verabschiedet worden waren, hatte ich die Hoffnung, dass diese als Grundgerüst gegen diese Spinner reichen würden.
    Tja, schade…

    • Werwohlf sagt:

      Ja, sah ich ähnlich. Aber neue Parteien im nicht-linken Spektrum ziehen diese Typen an wie Motten das Licht. Und wenn das dann noch durch die Machtgeilheit Einzelner organisiert wird, bekommen wir solche Ergebnisse. Lucke war zu naiv, und mit seinem Lexit nach Brüssel, so verständlich der war, hat er das Heft aus der Hand gegeben.

      Die Grünen konnten auch nur deshalb überleben, weil gut geschulte, ehemals linksextreme Kader um Joschka Fischer mit ähnlichen Methoden, aber rationalerem Vorhaben, die Sache an sich rissen. Auf der Rechten gibt es sowas nicht, die bleiben ihren völkischen Ideen nibelungentreu und wandeln sich nicht.

  4. Felsen2000 sagt:

    Werter Werwohlf,
    Danke für diesen Bericht. Bereits 5 min nach dem Wahlergebnis hatte ich per E-Mail meinen Austritt erklärt (wobei ich das für Rechtsgültigkeit wohl auch noch schriftlich tun muss). Ich gebe offen zu: R.A. hatte Recht, als er diese Entwicklung vermutete. Er hatte Recht, ich hatte Unrecht.
    Wer jetzt noch in der AfD bleibt, kann sich nicht mehr glaubwürdig als liberal oder bürgerlich oder freiheitlich-demokratisch bezeichnen. Denn diese giftige Mischung aus antiwestlicher Verschwörungstheorie, naiver Zukunftsverweigerung, dumpfen Nationalismus – von dee Ablehnung der Marktwirtschaft und ähnlichem ganz zu schweigen – kann man nicht ignorieren. Ich stimme vollkommen Lucke zu: nicht alles, was laut Grungesetz gesagt weden darf, kann oder sollte in einer Partei, in der ich Mitglied bin, akzeptiert werden.
    Ich hatte große Hoffnung in die AfD gesetzt. Sie hätte etwas verändern können. Aber das haben diese tumben Leute verhindert.

  5. Dirk sagt:

    Die Ironie an der Geschichte: Was das Gründungsthema der AfD angeht, hat Lucke an diesem Wochenende gewonnen. Und das mit Hilfe linker Parteien….

  6. n_s_n sagt:

    Danke lieber Werwohlf für diesen Bericht.

    Ich bin ein Stückchen mehr desilussionisert über die Möglichkeit in absehbarer Zeit eine wirkliche politische Alternative finden zu können.

    Ich bin enttäuscht, dass meine immer mehr schwiendenden Hoffnungen auf politsche Alternativen zu wichtigen Themanen nun doch so enttäuscht wurden.

    Ich habe einmal mehr bestätigt gefunden, wie gut man daran tut Erling Plaethe zuzuhören und über seine Worte nachzudenken, Vor allem da wo diese einem nicht gefallen.

    Herzlich

    n_s_n

  7. […] meinen Bericht gelesen hat, weiß, was ich erlebt habe. Und nicht nur ich, sondern auch die Leute um mich […]

  8. erlingplaethe sagt:

    @Felsen2000
    Auch ich hatte, nachdem ich sie ernst nahm, Hoffnung in die AfD gesetzt. Ich vermutete eine konservative Wählerschaft rechts von der CDU die dem Republikanismus zugeneigt ist und das politische Spektrum erweitern würde, um damit mehr Vielfalt in die Parlamente zu bringen.
    Letztlich sehe ich diese meine Hoffnung nicht nur in Deutschland gescheitert.
    Europa entwickelte wohl aufgrund seiner absolutistischen Geschichte einen gänzlich anderen Konservatismus als Amerika. So als wäre er dort durch eine Reformation gegangen, die hier nicht stattfinden konnte.
    Trotzdem halte ich die AfD bis jetzt, mehr als alle anderen Versuche, für so etwas wie einen Gewinn für die Gesellschaft. Deutschland muss, um Meinungsfreiheit eines Tages als einen Wert ansehen zu können, sich auseinandersetzen mit denen, die jetzt die politische Richtung AfD bestimmen.
    Eine Gesellschaft die „Raus!“ zu allem sagt, was rechts von der Mitte liegt, hat ihren demokratischen Reifungsprozess noch nicht abgeschlossen. Was nicht heißen soll dass sie ihn im Umgang mit dem Linksextremismus unter Beweis stellen würde – im Gegenteil.
    Im Osten besitzt die AfD für eine hinreichende Bedeutung ein ausreichend großes Potential. Sie wird nach meiner Einschätzung das erhebliche Querfrontpotential verdeutlichen, welches sich mittlerweile in Europa vor allem dort zeigt, wo Diktaturen als Eigengewächse entstanden.
    In der ehemaligen DDR entspricht der Umgang mit Hitler dem Spaniens mit Franco oder Italiens mit Mussolini.
    Lassen Sie mich noch meinen großen Respekt Ihnen gegenüber ausdrücken für Ihre Beiträge zum Thema in ZR. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich von deren Klarheit überrascht war.

  9. […] Adam schaltet sich da jetzt ein. Dazu wäre aus werwöhlfischer Sicht u.a. das Erlebnis des Essener Parteitags beizutragen, als dessen Folge Lucke und Anhänger (und der Werwohlf) […]

  10. […] Damals dachte der Werwohlf, mit der Spaltung sei die AfD erledigt. Aber da ahnte er – wahrscheinlich wider besseren Wissens – noch nicht, wozu eine von der CDU gestellte Bundeskanzlerin so alles fähig ist.  […]


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