Archiv der Kategorie: Allgemein

Was zu Grönemeyer

Ein Mensch steht vor einer Masse, brüllt, mit nahezu überkippender Stimme, zustimmungsheischend in ein Mikrofon eine politische Botschaft, in der er die Masse auffordert, der Gesellschaft eine bestimmte Ausrichtung zu diktieren, und die Masse jubelt.

Wen das nicht an Herrn Goebbels erinnert, der interessiert sich nicht für Geschichte. Das Problem: Es handelt sich hier um einen Guten, der gegen das Böse agitiert. Namentlich um einen Sänger namens Herbert Grönemeyer, der offensichtlich der Meinung ist, seine durch Musik erlangte Popularität und die auf Konzerten entstehende Stimmung manipulativ zur Förderung seiner politischen Idee nutzen zu müssen. Das gilt allerdings nicht als kritikwürdig, denn entscheidend ist heute nicht mehr, was jemand tut, sondern mit welcher Gesinnung.

Daher kann „Spiegel Online“ dann auch lapidar vermelden, der Auftritt sei eben nur von bösen Rechten kritisiert worden, und der Rest stimme einfach nur zu (weil man auch nichts anderes kann als zuzustimmen).

Was hat er denn gesagt, der Herbert? Weiterlesen

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Was zu Liberalismus

Zur Web-Existenz des Werwohlfs gehört seine Vergangenheit. Er trieb sich, unter anderem Namen natürlich, einige Zeit in Blogs herum (und füllte auch zusammen mit anderen Autoren einen solchen), die sich dem Liberalismus verpflichtet fühlten. Aus Sicht des Werwohlfs ist der Liberalismus das perfekte Spiegelbild des Sozialismus, und seine extreme Variante, der Libertarismus das des Kommunismus. 

Zu den üblichen rhetorischen Mitteln sozialistischer oder kommunistischer Ideologen gehört es ja, die Gegenwart an den von ihnen propagierten Idealen zu messen, woran die Gegenwart natürlich immer scheitern muss, aus kommunistischer Sicht sogar jämmerlich. Als Liberaler oder Libertärer kann man aber problemlos dasselbe Mittel einsetzen, zeichnet sich unsere Gegenwart doch gerade durch einen (grob gesagt) 50/50-Mix aus staatlichen Eingriffen und privater Initiative aus. So kann jede Seite das Verschwinden der einen 50% fordern und die anderen 50% als Lösung für alle Probleme hoch halten. Wobei, wie gesagt, Sozialisten[1] und Liberale sich da deutlich kompromissbereiter zu zeigen pflegen als ihre extremeren Vettern. 

Kurz gesagt: Es hat eine Weile Spaß gemacht, sich als Vertreter eines mehr oder weniger reinen Liberalismus (manchmal, je nach „Gefechtslage“ auch Libertarismus) mit Linken zu zoffen, die es nicht gewohnt waren, ihrerseits auf Vertreter einer Ideologie zu treffen, die aus ihrer eigenen Motivation keine Ziele vertritt, die sich leicht als verabscheuungswürdig denunzieren lassen – wie z.B. die der Rechten, die Menschen in Rassen oder Klassen einteilen und ihnen damit unveränderliche Schicksale auferlegen. 

Aber zugleich entbrannten innerhalb und außerhalb der „liberalen Blogosphäre“ immer wieder Auseinandersetzungen darüber, wie „liberal“ der jeweils andere denn wirklich sei. Offensichtlich ist der Begriff „liberal“ in der politischen Diskussion weitgehend positiv besetzt, so dass sich z.B. Linke bemüßigt fühlten, ihre eigenen Liberalismus-Definitionen gegen die liberalen Blogger in Stellung zu bringen. Aber auch innerhalb der Szene konnte man die typischen Auseinandersetzungen von Sekten beobachten, in denen die gänzlich Erleuchteten den Abweichlern ihre Verfehlungen vorwerfen. 

Nun war der Werwohlf nie wirklich ein Liberaler, auch wenn er keine Probleme hat, in die Rolle eines solchen zu schlüpfen. Allerdings ist seine Weltsicht tatsächlich in vielen Dingen liberal ausgerichtet – nur eben nicht in allen, was ihm dann letztlich das Etikett verwehrt.

An die alten Diskussionen fühlte er sich jetzt aber erinnert, als er erstens bei den „Salonkolumnisten“ die Beiträge von Jan Schnellenbach und Paul Hünermund las, und dann weiter eine Diskussion (Thread) auf Twitter, an der die beiden Genannten und ihre Professoren-Kollegen Rudi Bachmann und Christian Hoffmann beteiligt waren.

Kommen wir zunächst zu dem Beitrag von Jan Schnellenbach. Er er bezieht sich zu Beginn auf eine Kritik von Paul Hünermund, der in einem Tweet der FDP vorwirft, „rechts von der CDU“ zu sein. Leider erfahren wir nicht genau, worauf Herr Hünermund seinen Vorwurf stützt, aber irgendwie scheint er „weiße Männer über 50“ damit in Verbindung zu bringen. Schnellenbach geht darauf nicht direkt ein, sondern entwirft sozusagen die Ideenwelt des Liberalismus „in a nutshell“, wobei er vor allem die von Isaiah Berlin in die Diskussion eingeführten Konzepte der „negativen“ und der „positiven“ Freiheit ins Spiel bringt. Der Werwohlf erspart sich hier nähere Erläuterungen dazu – man möge das in Schnellenbachs Beitrag oder woanders im Netz nachlesen. Der Punkt ist aber, dass Schnellenbach trotz wohlwollender Erwähnung von Amartya Sen und der Umverteilungsvorschläge von Hayek oder Friedman zum Schluss kommt, dass Liberale sich im Wesentlichen am Prinzip der „negativen“ Freiheit zu orientieren hätten.

Der angesprochene Paul Hünermund antwortete am gleichen Ort. Er wendet sich in seinem Beitrag gegen ein „Laissez-faire“ und führt Beispiele an, aufgrund derer aus seiner Sicht staatliches Eingreifen zum Wohle höherer Effizienz und gesellschaftlicher Ziele gerechtfertigt ist. Er beklagt, dass die FDP sich vor allem gegen solche Maßnahmen ausspricht. Seiner Meinung nach bringe das die FDP in Richtung Libertarismus – der von ihm überraschenderweise und leider nur mit der Begründung, dass ihm „gewisse Fraktionen der Republikaner in den USA“ folgten, als schlichtweg „rechts“ eingestuft wird.

Die Quintessenz von Hünermunds Beitrag enthält dieser Absatz:

Dem liberalen Lager in Deutschland wäre grundsätzlich zu etwas weniger Dogmatik und einer größeren Offenheit gegenüber nutzenstiftenden Politikmaßnahmen geraten. Vielleicht würde man so auch wieder mehr Rückhalt unter den Ökonomen gewinnen.

Was der Rückhalt unter Ökonomen mit Liberalismus zu tun hat, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Auch nicht auf den zweiten, wenn man weiß, dass auch die Ökonomie Moden nicht abhold ist. Wenn die moderne Ökonomik sich dem Utalitarismus verpflichtet sieht, mag das so sein. Ideologieferne und Abwesenheit von Dogmatik belegt das aber leider nicht, im Gegenteil: Man wechselt nur die Bewertungsmaßstäbe. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang nur, warum man sich dann trotzdem auf den Liberalismus berufen möchte. 

Ist der Begriff wirklich SO positiv besetzt?

Hünermund:

Ich wünsche mir die FDP als starke Kraft der politischen Mitte, selbst wenn das bedeutet, dass sie mehr nach links rückt.

Also reden wir über Parteitaktik in dieser deutschen Demokratie. Der Werwohlf fragt sich angesichts dieses Zitats unwillkürlich, ob diese Republik unter zu wenig linken Parteien oder Positionen leidet, und er vermag diese Frage wirklich  nicht mit „ja“ zu beantworten. Was soll für die FDP gewonnen sein, wenn sie Positionen vertritt, die woanders schon lange hochgehalten werden? Wäre es nicht viel mehr die Aufgabe einer liberalen Partei, auch wirklich gerne aus dogmatischen, aus ideologischen Gründen, sich gegen Vorschläge zu stellen, die den Geist des Sozialismus oder des Utilitarismus atmen? Wenn woanders dieser Widerspruch eben nicht stattfindet?

Der Werwohlf vermag den Wunsch von Ökonomen nachzuvollziehen, sich eine Partei vorzustellen, die jeweils das vertritt, was bei ihnen herrschende Meinung ist. Aber er versteht nicht, warum dazu der Liberalismus umdefiniert werden soll. 

 

[1] Der Werwohlf subsumiert der Einfachheit halber hier Sozialdemokraten unter Sozialisten. Die Unterschiede sind da regional größer als zwischen den Begriffen selbst.

Was zu Tankstellenquittungen

Wer Freiberufler ist oder Gewerbetreibender weiß: In Sachen Belegen ist mit dem Finanzamt nicht zu spaßen. Es gibt z.B. sehr strenge Anforderungen hinsichtlich Inhalt und Aufbewahrung an Rechnungen, die zu Vorsteuerabzug berechtigen. In diesem Dickicht kann man sich leicht verfangen, und es ist eine dankbare Fundgrube für Außenprüfer.

Um so erstaunlicher ist, dass in Deutschland toleriert wird, wenn eine ganze Branche seit quasi ewigen Zeiten steuerlich völlig untaugliche Belege an ihre Kunden herausgibt. Weiterlesen

Was zur Nation

Bundespräsident Steinmeier war in Fivizzano. Er wählte diesen italienischen Ort, weil dort ein Massaker von deutschen Soldaten an italienischer Zivilbevölkerung stattfand, das aber kaum bekannt ist. Bei seinem Besuch wird er wie folgt zitiert:

Ich bitte Sie um Vergebung für die Verbrechen, die Deutsche hier verübt haben.

Ich stehe heute vor Ihnen als deutscher Bundespräsident und empfinde ausschließlich Scham über das, was Deutsche Ihnen angetan haben.

Wir Deutsche wissen, welche Verantwortung wir für diese Verbrechen tragen. Es ist eine Verantwortung, die keinen Schlussstrich kennt.

Dazu ein paar wenig staatstragende Gedanken.  Weiterlesen

Was zu Feinden

Die bundesdeutsche Demokratie krankt immer mehr daran, dass ein bestimmtes Bekenntnis die politischen Lager zu dominieren scheint: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund!“. Auf beiden Seiten des Links-Rechts-Bogens gilt er als wichtiger Leitsatz.

Zum Beispiel erklärt er die Erfolge und vor allem den weitgehenden Zusammenhalt der AfD trotz der unappetitlichen Regungen an ihrem rechten Rand. Auch wenn in Teilen der Linken der aus demokratischer Sicht nicht ganz unproblematische Wunsch vorherrscht, mal eben einfach ein Fünftel bis ein Viertel der Wahlbevölkerung zu Un(ter)menschen zu erklären, mit denen es keine Berührungen geben dürfe, so ist vor allem die Wählerschaft der AfD, aber auch noch die Partei im Grunde heterogen zusammengesetzt. Das Beharrungsvermögen als Block verdankt sie vor allem einem: dem, was alle ihre Mitglieder und Wähler als ihren Feind identifiziert haben, dem sog. „links-grün-liberalen Mainstream“, wie er sich in den Verlautbarungen der labernden Klasse offenbart, von Politikern über Journalisten, Sozialwissenschaftler, Arbeitgeber- oder Gewerkschaftsfunktionäre, NGOs und Künstler bis zu Kirchenoberhäuptern, also im berühmten „breiten Bündnis“. Weiterlesen

Was zu Shareholder Value

Heute ging es durch die Presse, und wo der Werwohlf hinschaut, sind die Leute zwar manchmal skeptisch, aber mindestens zur Begeisterung bereit, wenn nicht gar vollends aus dem Häuschen: US-Bosse entsagen dem Shareholder Value:

Stattdessen sollen alle Seiten profitieren: Kunden, Beschäftigte, Zulieferer, das lokale Umfeld und, als eine Interessengruppe unter mehreren, auch die Anteilseigner. „Die Amerikaner haben eine Wirtschaft verdient, die es jeder Person erlaubt, mit harter Arbeit und Kreativität erfolgreich zu sein und ein bedeutungs- und würdevolles Leben zu führen.“ Unternehmen sollten die Umwelt schützen, ihre Arbeitnehmer mit Respekt behandeln und so langfristige Gewinne für die Aktionäre erzielen.

Nun, das mit den langfristigen Gewinnen für die Aktionäre ist nichts anderes als – Shareholder Value. Weiterlesen

Lief das so?

„Wir werden euch ein Gerät geben, das ihr ständig mit euch herumtragen müsst. Mit diesem Weg können wir jederzeit wissen, wo ihr euch aufhaltet. Wir können auch all eure Wege nachvollziehen. Ihr müsst alle eure Bankgeschäfte mit diesem Gerät abwickeln, ebenso alle eure Einkäufe. Da das Geld dazu nur virtuell im Bankensystem zur Verfügung stehen wird, können wir ihm über die Zentralbank auf Knopfdruck einen neuen Wert zuweisen, wenn wir das wollen. Die hierbei entstehenden Daten verraten uns so gut wie alles über eure Gewohnheiten. Das Gerät kann auch eure Gespräche aufzeichnen, ohne dass ihr das merkt. Lasst euch nur noch von diesem Gerät morgens wecken (uns interessiert natürlich auch, wann ihr aufsteht) und verwendet es als Hauptquelle eures Medienkonsums (Buch-, Musik- und Filmgeschmack würden wir auch gern wissen, und wir oder unsere Freunde, die Verwertungsgesellschaften, möchten vielleicht mal das ein oder andere Buch, den ein oder anderen Musiktitel oder manchen Film der Öffentlichkeit komplett entziehen). Ihr müsst all eure Daten über dieses Gerät zugänglich machen, damit wir es zu demselben Zweck nutzen können, ohne dass ihr das merkt. Tolle Idee, oder?“

„Haltet ihr uns für total bescheuert?“

„Guck mal, das neueste Smartphone!“

„Boah, her damit!“