Konsens allenthalben?

In der FAZ stellt ein kluger Kopf (oder sind das nur die Leser?) folgende Frage:

Und selbst wenn zu viel Konsens beklagt wird: Was wäre so schlimm daran? 

Es ist doch eine große zivilisatorische Errungenschaft, wenn sich eine Gesellschaft in wesentlichen Fragen einig ist und sich nicht dauernd bekriegt. Schon gar nicht mit Gewalt – aber selbst das ist in zahlreichen Ländern keine Selbstverständlichkeit. Ist es nicht auch aus Sicht derer, die mehr Streit vermissen, nicht ein Gewinn für alle, dass nicht jede gesellschaftliche Debatte dazu führt, dass das öffentliche Leben lahmgelegt wird? Und ist es nicht positiv, dass die Gewaltorgie anlässlich des G-20-Gipfels in Hamburg auf fast einhellige Ablehnung auch bei jenen stieß, die generell etwas gegen solche Treffen haben?

Nach dem Sprachgebrauch, den man dem Werwohlf einst vermittelte, setzt die Verwendung des Begriffs „zu viel“ ja schon eine als Problem erkannte Situation voraus. Die Frage, was so schlimm daran sei, würde also durch einfaches Nachfragen oder Nachschlagen leicht zu beantworten sein. Aber so schreibt man keine längeren Kommentare.

Offensichtlich meint der Autor nicht „zu viel“, sondern irgendwas zwischen „sehr viel“ und „total“, so dass die Frage zunächst eine offene bleiben könnte. Aber das wäre sie nicht lange, folgt doch die eigentliche Erklärung auf dem Fuß, allerdings nicht als erkanntes Problem, sondern als dessen apodiktische Negierung, denn „die Gesellschaft“ scheint sich in vielen wesentlichen Fragen gerade nicht einig zu sein. Da hilft es der dürftigen Argumentation auch nicht, wenn der Autor versucht, Dissens in die Nähe von Gewalt und Umsturz zu rücken.

Aber es ist Wahlkampf, und da mutiert manch FAZ-Redakteur anscheinend vom kritischen Journalisten zum braven Gefolgsmann seiner Kanzlerin.


FDP: Einladung zum Rechtsbruch

Von der FDP kommt natürlich auch Unsinn. Zum Beispiel die Forderung des NRW-Integrationsministers Stamp, gut integrierte Asylbewerber sollten ein „stichtagsunabhängiges dauerhaftes Aufenthaltsrecht“ erhalten.

Wer die Kriterien des Einwanderungsgesetzes erfülle, solle künftig „den Rechtskreis vom vorübergehenden humanitären Schutz zum Einwanderungsrecht wechseln und dauerhaft bleiben können“.
Aus volkswirtschaftlicher Sicht sei es „irre, solche Leute abzuschieben, die gut integriert sind und Steuern zahlen“, sagte Stamp weiter. 

Das heißt nichts anderes als: Wer es als nicht asylberechtigter Zuwanderer schafft, mit allen Tricks den Staat so lange an der Nase herumzuführen, bis er und seine Familie als hinreichend „integriert“ (Kriterien tbd) betrachtet werden können, wird mit einem dauerhaften Aufenthaltsrecht belohnt.

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Ratio vor Prinzip

Denen, die ihn etwas länger kennen, ist der Werwohlf wohl mindestens dieser zwei Dinge unverdächtig: kritikloser Anbetung der FDP (insbesondere ihrer Lichtgestalt Christian Lindner) und großer Sympathie zu Wladimir Putin. Hingegen ist seine Filterblase voll von überzeugungsfesten Transatlantikern, Pro-Westlern und ähnlichen Residuen aus besseren Blogtagen. Und diese haben jetzt Lindner und die FDP als Komplizen des teuflischen Zaren im Reich des Bösen verortet, nachdem der FDP-Chef davon sprach, man müsse die Besetzung der Krim durch Russland als „dauerhaftes Provisorium“ betrachten und den Konflikt darum „einkapseln“. 

Ach, es ist doch so schön, wenn man selbst prinzipienfest zur Sache steht und die anderen sehen müssen, wie sie mit den Folgen davon zurechtkommen.

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Des Werwohlfs Vorurteil gegenüber Journalisten

Selbstverständlich hat auch der Werwohlf Vorurteile. Die sind unvermeidbar. Wer keine hat, macht sich keine Gedanken über andere. Wichtig ist allein, dass man in der Lage ist, ein Vorurteil auch mal über Bord zu werfen, sobald das Objekt dieses Vorurteils sich in der eigenen Erfahrungswelt materialisiert. Vorurteile können immer nur vorläufige Urteile sein und müssen gegenüber konkreten Erfahrungen zurücktreten. Offenheit gegenüber Neuem und die ständige Bereitschaft, überholte Überzeugungen neuen Erkenntnissen anzupassen, sind dafür natürlich unabdingbar – wenn das fehlt, ist es aber nicht das Problem des Vorurteils…

Wie dem auch sei: Der Werwohlf hat ein Vorurteil gegenüber Journalisten. 

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Gerechtigkeit gegen Individualverkehr (ein Rant)

Vorsorglich sorry für den Rant, aber cum grano salis…

Jetzt hat das Stuttgarter Verwaltungsgericht entschieden, und der Kampf um den Diesel geht weiter. Der Kampf um den Diesel? Vielleicht ist er das aus Sicht des Geschäftsführers der DUH, der Dubiosen Umwelthilfe (oder hieß die doch anders?). Der scheint tatsächlich auf so eine Kreuzzug gegen den Dieselmotor unterwegs zu sein. Dieser Kreuzzug hat für den Werwohlf übrigens erste konkrete Folgen: Er erwarb jetzt (Liefertermin viel später) einen veritablen „Klimakiller“ als fahrbaren Untersatz.[1] 

Doch nach Ansicht des Werwohlfs steckt viel mehr hinter der jetzt natürlich auch medial angefeuerten Aufregung. 

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Was zu Abgasen

Potenzielle Autofkäufer wurden in den letzten Wochen mehr und mehr verunsichert. Erst sind Fahrverbote für bestimmte Städte im Spiel, von denen bisher keiner weiß, welche Fahrzeuge und welche Zonen genau davon betroffen sein werden. Dann besinnen sich mehr und mehr Regierungen in Europa des Primats des Wunschdenkens der Politik und verkünden für Stichtage, an denen ihre Protagonisten sicher nicht mehr im Amt und sehr wahrscheinlich längst verstorben sein werden, das Aus für neu zugelassene Verbrennungsmotoren. Und die deutschen Medien, der natürliche Feind ideologiefreier und umfassender Bewertung[1], machen sich wieder einmal zum Sprachrohr unkritischer Grünen-Apologetik: Elektroantrieb muss her, so schnell wie möglich, so viel wie möglich, und wer da nicht mitmacht, ist unfähig oder böse oder beides. 

Die Begründungen variieren. 

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Sack und Esel

„Man schlägt den Sack und meint den Esel“ – so lautet ein altes Sprichwort. Und es ist immer noch relevant. Nehmen wir diesen Artikel aus der FAZ, in dem davon berichtet wird, dass die Kampagnen gegen den Diesel die Erreichung der CO2-Ziele zu gefährden droht.

In dem Artikel wird indirekt auch „aus dem Umfeld“ einer EU-Kommissarin zitiert, und zwar wie folgt:

Aus dem Umfeld von EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska hieß es, die Autoindustrie täte auch in ihrem eigenen Interesse gut daran, ihre Produktion so schnell wie möglich auf Autos mit niedrigen oder keinem Verbrauch umzustellen. Ansonsten werde sie über kurz oder lang nicht mehr wettbewerbsfähig sein.

Für diese Aussage müssen wir „dem Umfeld“ dankbar sein. 

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