Archiv der Kategorie: Allgemein

Zur Geschichte eines Tweets

Diese Woche wurde der Werwohlf auf Twitter geadelt. Ein Tweet von ihm lag bei (Stand bei Abfassung dieses Blogbeitrags) über 1.700 Likes und 300 Retweets, was für Twitter-Prominenz natürlich lachhaft, für den kleinen Account des Werwohlfs hingegen so ungefähr ein Hundertfaches der durchschnittlichen Reaktionen darstellt. Und prompt handelte er sich auch noch eine Meldung an Twitter ein. Um diesen Tweet ging es:

Die Vermutung, dass die Zustimmung bei Grünen und allgemein Linken eher gering gewesen sein dürfte, ist wohl so abenteuerlich nicht. Weiterlesen

Das Imperium schlägt zurück

Erst der „Welt“-Autor Alan Posener, jetzt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble: We proudly present the return of the Klarnamenpflicht. Sowohl der Journalist als auch der Politiker ertragen „Hass und Hetze“ im Netz nicht länger und verlangen, dass das Gegenüber „Gesicht zeigt“ – damit man seiner bei Bedarf leichter habhaft werden kann, natürlich. An anderer Stelle verwies der Werwohlf schon einmal darauf, dass es kein Zufall ist, wenn diese Forderungen von „Meinungsprofis“ kommen. Ihre Durchsetzung hätte für sie auch wirklich ein Gutes. Zwar verschwänden natürlich „Hass und Hetze“ nicht aus dem Netz, wie zahlreiche unter „Klarnamen“ veröffentlichten Kommentare in den sozialen Netzen zeigen, aber sie bekämen wieder ein kräftiges Stück Diskurshoheit zurück, weil viele Meinungen der vielen „Amateure“ da draußen, also aller, die nicht der labernden Klasse angehören, dann öffentlich ungeäußert bleiben werden, die Mehrzahl von ihnen auch frei von „Hass und Hetze“ (es sei denn, man folgt dem üblichen „Snowflake“-Sprech und bezeichnet so jede Gegenmeinung zur eigenen). Ob das der Demokratie wirklich dient, darf man gerne bezweifeln. Man merke: Nicht alles, was der labernden Klasse nutzt, ist auch gut für den Rest.

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Was zu Omagate

Zur Oma als „Umweltsau“ ließe sich sehr viel sagen.

Es soll sich bei dem fraglichen Lied, das mittlerweile bundesweite Berühmtheit erlangt hat, um eine Satire handeln. Nun wissen wir spätestens seit Böhmermann, dass Satire neudeutsch definiert wird als das Absondern von Beleidigungen mit der richtigen Haltung. Dieses Kriterium erfüllt der fragliche Text durchaus. Und er soll wohl sogar irgendwie lustig sein. Das satirischste Element, das der Werwohlf in dem Text ausmachen konnte, findet sich in der letzten Strophe, wo der Oma attestiert wird, doch keine „Umweltsau“ zu sein, weil sie ja neuerdings statt zu fliegen Kreuzfahrten mache – die bekanntermaßen ebenfalls eine miese CO2-Bilanz haben und dazu noch mit den beliebten Stickoxiden aufwarten können. Äußerst unlustig ist allerdings das Ende des Liedes:

Es folgt ein Audiozitat von Greta Thunberg: „We will not let you get away with this“ (Deutsch: „Wir werden euch damit nicht davonkommen lassen!“)

Der WDR handelt hier so, als würde ein Generationenkonflikt nicht sowieso schon von interessierter Seite angeheizt. Weiterlesen

Nochmal was zu Weihnachten

Zur Sicherheit: Der Werwohlf ist kein Theologe. Aber er hat irgendwo mal gehört, man müsse das als Christ gar nicht sein. Und er selbst würde sogar sagen: Es ist dabei eher etwas hinderlich.

Ist es ein Zufall, dass uns zwei ehemals „konservative“ Medien in ihren Online-Auftritten zwei sehr spezifische Interpretationen des Menschen namens Jesus liefern? Ja, in beiden Fällen ausschließlich des Menschen – eine Verbindung zu Gott wird dem Nazarener zwar subjektiv zugetraut, eine entsprechende Glaubensaussage des jeweiligen Autors bzw. Sprechers findet sich aber nicht. Die Artikel zeichnen zwar jeweils ein anderes Jesusbild, aber im Grunde doch wieder ein ähnliches, nämlich eins, das unverkennbar ihrem jeweiligen Autor/Sprecher zusagt. Es war schon immer ein Argument von Atheisten, dass Menschen sich ihren Gott doch nur nach eigenen Vorstellungen zurecht zimmerten. Nun, heutzutage geschieht das sogar mit ihrem Jesus. Weiterlesen

Was zu Familien an Weihnachten

Die Amis haben es gut. Die haben Thanksgiving. Das Ding mit der Familie wäre damit schon mal abgehakt. Aber wir in Deutschland müssen all das noch in die Weihnachtsfeiertage hinein packen. Und natürlich ist das nicht unkompliziert, wenn die Kinder keine Kinder mehr sind, sondern Erwachsene mit einem eigenen Leben, eigenen Vorstellungen und auch einer eigenen politischen Überzeugung. Das kann Konflikte hervorrufen, erst recht, wenn man – wie wohl in vielen Fällen – sich im Laufe des Jahres sonst nicht viel gesehen hat. Einander etwas fremder geworden ist. Plötzlich konzentriert sich all das, was vorher nur latent schwelte, an einem Ort zu einer bestimmten Zeit. Quasi eine Verdichtung, und wir wissen von Motoren[1], dass dann nur ein Funke genügt, um es knallen zu lassen. 

Das ist fast schon normal zu nennen, und die Medien sind um die Weihnachtszeit voll von Tipps, wie man diese Klippen vielleicht umschiffen kann. Aber spätestens mit den sozialen Medien kommt noch eine neu Dimension dazu: Weihnachten als Fest der Familie zwingt manche Leute, die Blase zu verlassen, in der sie sich kommod eingerichtet haben und nach deren Regelwerk sie leben. Hauptsächlich handelt es sich dabei um junge Leute, die noch zur Schule oder Universität gehen, und um solche, die zwar schon älter sind, aber das Revier der labernden Klasse nicht mehr verließen, sich also im Bereich von geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen, Medien und Politik bewegen. Diese bedauernswerten Menschen stoßen bei den familiären Zusammenkünften auf Verwandte, die entweder selbst noch arbeiten, und zwar in der kapitalistischen Wirtschaft, oder dort gearbeitet haben und sich mittlerweile im Ruhestand befinden. Das heißt, diese Verwandten sind meistens älter, haben also einiges an Lebenserfahrung mehr gesammelt. Sie wissen auch oft, welche Anstrengungen erforderlich sind, um das reichhaltige Warenangebot, das auch von den Blasenbewohnern gerne in Anspruch genommen wird, zu massenkompatiblen Preisen zu gewährleisten. Und sie wissen um die prinzipielle Endlichkeit von Jobs und damit Einkommen – außerhalb von Vater Staat.

Damit ist eine neue Sollbruchstelle geschaffen, deren Aufreißen mittlerweile in einigen Medien geradezu als Tugend zu gelten scheint. Weiterlesen

Was zu 10% weniger Demokratie

Es ist immer derselbe Mechanismus: Man nehme eine öffentliche Äußerung, klopfe sie auf Teilaussagen ab, die für eine Empörung unter 100%-Korrekten geeignet erscheint, interpretiere sie so übelmeinend wie möglich, sondere empörte Beiträge in den sozialen Medien ab, erfreue sich am Zuspruch der eigenen Anhängerschaft und an den verschreckten Reaktionen derer, die über das Schicksal des sich so Äußernden befinden könnten. 

Garett Jones, ein Professor der George Mason University, erlebte einen solchen Fall. Er veranlasste ihn letztlich sogar dazu, ein Buch darüber zu schreiben. Man lese mehr darüber bei Marginal Revolution.

Der Werwohlf fragt sich, was in Deutschland los gewesen wäre, hätte irgendein Professor an irgendeiner Universität darüber fabuliert, dass 10% weniger Demokratie besser für alle wäre. Okay, machen wir eine Ausnahme: Er bezog sich dabei nicht auf Maßnahmen gegen den Klimawandel… Weiterlesen

Was zu Quoten und überhaupt

Wann genau der Wechsel von Gleichberechtigung zu Gleichstellung erfolgte, vermag der Werwohlf nicht mehr zu sagen. Es muss irgendwann passiert sein, als er beruflich zu sehr abgelenkt war. Galt es früher noch, Hürden zu beseitigen, die Frauen daran hinderten, in gleichem Maß wie Männer ihre Rechte wahrzunehmen, zielt man jetzt darauf ab, in jeder denkbaren Gruppe von Menschen eine geschlechtliche Gleichverteilung anzustreben[1]. Warum das Geschlechtsorgan eines Menschen eine Rolle dabei spielen soll, welche Rolle in welcher Gruppe er einnehmen soll, hat sich dem Werwohlf bisher noch nicht erschlossen[2]. Heutzutage gilt jede Ungleichverteilung als Hinweis auf Diskriminierung. Das ist per se schon fraglich, aber noch fraglicher wird es durch die absurde Argumentation, die dabei gerne angewendet wird. Als Argument für „Diversität“ wird angeführt, dass Frauen eben (dann plötzlich irgendwie) anders denken und handeln würden als Männer, und dass es der Entscheidungsqualität in einer Gruppe förderlich wäre, diese andere Denkweise zur Geltung kommen zu lassen. Das stimmt natürlich, aber wenn diese andere Denkweise dazu führt, dass Frauen viel weniger Interesse an einer solchen Position zeigen, insbesondere angesichts des Weges, der dazu zurückzulegen wäre, dann soll sie plötzlich nicht mehr existieren. Oder wie sonst soll man erklären, dass eine ca. 50/50-Verteilung in allen Fällen als „normal“ angesehen wird?

Nehmen wir nur mal das besondere Interesse der Quotenverfechter an Positionen der Wirtschaft. Weiterlesen