Archiv der Kategorie: Allgemein

Was zu Einigungsmythen

Wir haben es hinter uns. Erst der 3. Oktober, dann der 9. November, letzterer noch als rundes Jubiläum.

Und wie immer werden uns zu diesen Daten von links ein paar Mythen aufgetischt, die hier mal kurz behandelt werden sollen. Weiterlesen

Was zu Union und AfD (Ziemiak auf SPON)

Paul Ziemiak, der Generalsekretär der CDU, hat – interessanterweise auf „Spiegel Online“ – einen Gastbeitrag verfasst, in dem er die CDU scharf von der AfD abgrenzt. So scharf, dass der neue deutsche Vorzeigeintellektuelle (jedenfalls nach den Maßstäben der „Zeit“) namens „Rezo“ dafür nur „Props“ übrig hatte (was auch immer das ist, es muss irgendwas Positives sein – bitte keine Erläuterungen in den Kommentaren, denn es ist affig, wenn sich Erwachsene der Jugendsprache nachwachsender Generationen bedienen).

Nun verhält es sich mit dem Werwohlf und seiner ehemaligen Partei AfD wie folgt: Er findet, dass sie seit dem ominösen Essener Parteitag insgesamt mehr und mehr nach rechts abgedriftet ist und hält sie deswegen auch aktuell nicht für einen denkbaren Kooperationspartner der Union. Und er wird jederzeit einen Umgang mit der AfD kritisieren, den er grundsätzlich für einer Demokratie nicht angemessen erachtet und den er nicht allein deswegen zu akzeptieren bereit ist, weil dessen Ziel etwas „Rechtes“ ist. Deswegen hat er auch Ziemiaks Beitrag einiges auszusetzen.

Ziemiak erhält die Belege für seine Argumentation, bei der AfD handele es sich um eine Art Erbe der NPD (und damit der NSDAP) vor allem aus Zitaten von in der Partei extrem rechts positionierten Personen sowie der Zusicherung Gaulands, dass diese Personen sich in der „Mitte der Partei“ befänden. Diese „Mitte“ will Gauland allerdings jetzt nicht im Sinn der post-revolutionären „Gesäßgeografie“ verstanden wissen – was er an ihre Stelle setzt, bleibt allerdings auch unklar.

Wenn es darum geht, ob die CDU in Thüringen sich mit der AfD in irgendeiner Form ins Benehmen setzen sollte, hat der Werwohlf eine klare Meinung: Weiterlesen

Was Grundsätzliches

Ja, der Werwohlf kann verstehen, wenn einem hier zu viele Beiträge erscheinen, die AfD-Politiker oder die AfD verteidigen. Aber das hat vor allem zwei Gründe:

Zum einen erkennt der Werwohlf, dass die AfD hier oft nur Platzhalter ist. Es geht um ein Muster. Die andere Meinung muss erst maximal dämonisiert, dann kann sie maximal bekämpft werden. Wenn normale Bürgerliche nur mit den Schultern zucken, wo man der AfD, z.T. unter Androhung von Gewalt gegen die Gastgeber, verwehrt, sich friedlich zu versammeln, dann müssen sie sich nicht wundern, wenn dieses Verdikt auch mal sie trifft. Im Giftschrank der Antifa finden sich genug Begründungen dafür – ist es des Werwohlfs Schuld, dass heutige Bürgerliche Lenin nicht mehr kennen? Was der Werwohlf hier zur Verteidigung der AfD vorbringt, dient nicht dazu, diese Partei wählbar erscheinen zu lassen, sondern vor allem, den Mitgliedern und Anhängern von Union und FDP die Augen zu öffnen für eine Strategie, die sich jederzeit gegen sie selbst richten kann (und nach Meinung des Werwohlfs auch konsequenterweise richten wird, wenn es nicht schon längst so weit ist, wie einzelne Anschläge mittlerweile nahe legen).

Der andere Grund geht tiefer. Der Werwohlf ist sich nämlich sicher: Wo es in zu vielen Fragen nur noch eine grundsätzlich richtige Antwort gibt, ist sein Widerspruch gefragt. Harmonie ist nur ein politischer Wunsch von Diktaturen. Es kann nichts moralisch Unangreifbares in der Politik geben. Dazu sind alle Ursache-Wirkungs-Beziehungen grundsätzlich viel zu komplex – es gibt immer, ja immer, unbeabsichtigte Folgewirkungen, und jede politische Entscheidung, die angeblich nur Wohl über die Menschen bringt, hat Kosten, die im besten Fall gerade mal das Ausmaß ihres Nutzens erreichen. Es ist egal, wo: Wo auch immer Widerspruch nicht angebracht zu sein scheint, wirkt er auf den Werwohlf enorm anziehend. 

Ich. Nicht.

Was zu bösen Wörtern

Es ist leider eine gängige Masche geworden, die Aussagen von Politikern, die rechts vom Konsens der Aufrechten stehen, auf „kontaminierte“ Wörter zu durchpflügen, um dann die Zitate dann hinterher triumphierend mit einem auf vielfältige Weise variierten „Ich habe es euch doch gesagt!“ der geschockten Öffentlichkeit zu präsentieren.

So war für sehr viele Angehörige der labernden Klasse von vornherein klar, dass es sich bei der AfD von ihrer Gründung an nur um verkappte Nazis handeln konnte. Zwar gab die Programmatik dazu konkret nicht allzu viel her, aber vermutlich reichte schon der Widerstand gegen den heiligen Euro für dieses Verdikt, das kurz zuvor schon in der FDP – wenn dort auch etwas verklausulierter – schon die Mitglieder traf, die sich beim Mitgliederentscheid gegen die „Rettungspakete“ aussprachen. Und so war es den üblichen Verdächtigen ein innerer Reichsparteitag(!!!!), dass Mitgründer Bernd Lucke von einer „entarteten Demokratie“ sprach und später, sich auf Flüchtlinge beziehend, von einem „Bodensatz“.

„Entartet“ – wir kennen natürlich (hoffentlich) alle noch den Begriff „entartete Kunst“, der von den Nazis nicht nur im Munde geführt wurde, sondern auch darin resultierte, dass die so stigmatisierten Künstler übler Verfolgung ausgesetzt waren. Und diese Assoziation ließ sich trefflich nutzen: „AHA!“ So trefflich, dass sie auch heute noch als Argument angeführt wird, um die Integrität des heute nur noch als Professor fungierenden Lucke zu beschädigen. Nun fällt der Hatz auf die bösen Worte schnell eins zum Opfer: der Kontext. Weiterlesen

Was zu Mitmenschen

Auf seinem Blog „Indiskretion Ehrensache“ brachte Thomas Knüwer jüngst einen lesenswerten Beitrag zur Radikalisierung der individuellen Anschauungen. Der Werwohlf findet, dass der Trend darin gut erkannt wurde, dass aber der Grund dafür noch viel weiter reicht. Im Beitrag von Knüwer geht es darum, dass Menschen immer schneller bereit sind, zur Gewalt gegen andere Menschen oder deren Eigentum zu greifen, wenn sie es als Konsequenz ihrer Weltanschauung herleiten können. 

Überhaupt scheint das tief drin im Menschen zu stecken: Alles, was normalerweise als verwerflich gilt, ist erlaubt, wenn es für nicht nur die gute, sondern die einzig wahre Sache geschieht. Weiterlesen

Noch was zu Lucke

Die „Übermedien“ haben sich auch mit dem Vorfall an der Hamburger Universität befasst. Der Werwohlf tut dem Autor Andrej Reisin wohl kein Unrecht, wenn er feststellt, dass dessen Sicht eine linke auf die Ereignisse ist. So bewertet Reisin die Aktion der Studenten (oder wer auch immer das konkret war – die Universität ist sich auch nicht sicher) positiv, Lucke und seine Reaktion negativ. Man ist versucht zu sagen: Wie es seine Pflicht ist. Aber der Beitrag kann nur wärmstens zur Lektüre empfohlen werden, denn so lernt man eine Sichtweise kennen, von der man u.U. niemals angenommen hätte, dass sie im Deutschland von 2019 vertreten werden würde.

Es fängt schon mit der angeblichen Motivation Luckes an. Er habe „deutsche Nachkriegspolitik [ ] verändern“ wollen. Dass dies an Geschichtsrevisionismus erinnert, dürfte nicht gänzlich ungewollt sein. Weiterlesen

Was zu Lucke – und etwas Resignation

Man kann den Mob, der sich da in Hamburg auf Kosten von Bernd Lucke (und der Studenten, die bei ihm etwas lernen wollten[1]) austobte, als singuläres Ereignis betrachten, oder vielleicht als Zeichen für untragbare Zustände an Hochschulen. Man kann ihn aber auch als Exempel nehmen für eine Geisteshaltung, die sich immer Bahn bricht und die letzten Endes auf die Abschaffung der Demokratie zielt, wie wir sie bisher kannten. Die Methoden erinnerten manchen an ähnliche Aktionen der Nazis in den 20er und frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts – in Anlehnung an den früheren SPD-Chef Kurt Schumacher[2] schrieben einige auch von „rot-lackierten Faschisten“ -, aber auch wenn man mit solchen Zuschreibungen vorsichtig umgeht (im starken Kontrast zur Gegenseite), muss man konstatieren, dass es sich nicht um demokratische handelt. 

Es ist nur auf den ersten Blick schwer zu entscheiden, ob der Herr nun mehr Hirn oder mehr politische und geschichtliche Bildung vom Himmel werfen sollte, denn für letzteres sind wir Menschen nun mal selbst zuständig, während uns der Einfluss auf ersteres leider weitgehend abgeht. Nimmt man die Ausschreitungen zum Maßstab, die da statt Luckes beabsichtigter Vorlesung stattfanden, scheint es um die Bildung in Hamburg nicht allzu gut zu stehen.

Um mit dem eigentlich Selbstverständlichen anzufangen: Man schreit niemanden nieder, der sich äußern will. Weiterlesen