Though this be madness yet there is method in it

Die Zeitungen berichten heute darüber: 

Als dringend reformbedürftig bezeichnen es die Autoren eines Evaluationsberichtes für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, der morgen vorgestellt werden soll. Wie die Zeitung „Die Welt“ berichtet, empfehlen die Forscher unter anderem eine Ausweitung der Kriterien, nach denen eine Benachteiligung verboten ist.

Unter anderem sollen Unternehmen mit einer „Migrantenquote“ gesegnet werden, und Vermieter sollen bei der Wohnungsvergabe nicht mehr die soziale Lage eines Mieters berücksichigen dürfen.

Nun ist es zunächst völlig logisch und im System so angelegt, dass auf einen Schelmen immer wieder neue anderthalbe gesetzt werden. 

Es gehört nicht viel prophetische Gabe dazu vorherzusehen, dass selbst, nachdem diese nach Meinung des Werwohlfs komplett irren Vorschläge politische Realität wurden[1], regelmäßig immer mehr „Diskriminierungen“ entdeckt werden, die durch Quoten oder andere Reglementierungen zu beseitigen sind. Irgendwann wird, wenn die Dynamik so weitergeht, auch für Basketballmannschaften die Gnomenquote eingeführt, weil sonst Ableismus.  Es gibt zwar gute demografische Gründe, warum dieser Wahnsinn nicht ewig so weitergehen wird, aber was hilft es allen, die im Hier und Jetzt leben?

Aber fassen wir ruhig nochmal zusammen, warum die Forderungen dieser Autoren gequirlter Schwachsinn hoch zehn sind[2].

Erstens wird von den Behauptungen angeblich Benachteiligter auf das Vorhandensein von Diskriminierung geschlossen. Dass diese kein Interesse haben, fachliche und menschliche Defizite ihrerseits anzuführen, könnte vielleicht einem rational denkenden Menschen einfallen. Und er würde es auch berücksichtigen, wenn er nicht gerade eine gegenläufige Agenda vertritt. 

Zweitens regiert hier wieder das Prinzip der kristallinen Gesellschaft. Ein beliebiges Teilhabeziel muss in jeder noch so kleinen Untereinheit verwirklicht werden, um auch allgemein gelten zu können. Dass kleine Dribbler in Mannschaften wie dem FC Barcelona bessere Chancen haben denn als Korbleger bei den Chicago Bulls, kann und darf nicht sein. In Barcelona werden Riesen diskriminiert und in Chicago Kleingewachsene. Dass jeder an seiner Stelle Millionen verdient, tut offensichtlich nichts zur Sache. Die Freunde von der Antidiskriminierungssstelle haben eben nur den einen Hammer in die Hand gedrückt bekommen, und schon bietet sich ihnen das Bild einer Welt voller Nägel. Und je mehr Nägel sie sehen, desto wichtiger wird die eigene Rolle. Auch hier ist nur wenig Prophetie erforderlich, um die weitere Entwicklung vorherzusagen. 

Drittens vermögen die Autoren anscheinend nur statisch zu denken. Wenn ein Vermieter nicht mehr auf die Solvenz seines Mieters achten darf, wird das Angebot auf dem Wohnungsmarkt aus sehr verständlichen Gründen massiv abnehmen. Für die politischen Freunde der Autoren wäre das wahrscheinlich ein willkommener Anlass, um nach weiterer Staatsintervention zu rufen, aber das wäre nur ein Pyrrhussieg, wenn wir uns die Erfolge staatlicher Bedarfsdeckung weltweit vor Augen führen.

Und viertens und letztens vertreten die Autoren implizit den Standpunkt, dass in Deutschland Unternehmen gerne auf Profit verzichten, um ihren Diskriminierungsneigungen zu frönen. Dabei würde im Wettbewerb jeder Unternehmer, der den geeigneteren Kandidaten nur deswegen nicht einstellt oder befördert, weil er einer von ihm nicht geliebte Minderheit angehört, benachteiligt werden, und wir dürfen bezweifeln, dass viele Unternehmen sich so etwas heutzutage leisten können. Die einzigen, die es könnten, sind die Virtuosen des Crony Capitalism, also die großen Aktiengesellschaften im Lande, die auf vielfache Weise mit der Politik verflochten sind und sich auf diese Weise ungestört von Wettbewerb Renten[3] sichern können. Aber gerade die sind es, die am lautesten die noch so absurden politisch korrekten Vorgaben der Politik bejubeln und auch keine Probleme haben, zugunsten der Sicherung ihrer exklusiven Position und zum Wohle ihres Image ungeeignete Personen auf Stellen durchzuschleppen, für die sie nicht geeignet sind. Ob das wünschenswert ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. 

Leider gilt ökonomischer Irrsinn in diesem Land als moralisch hochwertig. Und damit braucht eine Debatte nicht geführt zu werden. Abgesehen von der Frage, wer überhaupt in der Lage ist, öffentlich eine Gegenposition einzunehmen.

[1] Bis auf die offizielle Vergesellschaftung der Produktionsmittel, was nach Marx eigentlich die wichtigste Forderung eines Linken überhaupt sein müsste, sind die Linken sehr erfolgreich darin, alles andere irgendwann zu Gesetzen werden zu lassen. Notfalls beschlossen von einer CDU-geführten Regierung. No problem.
[2] Der Werwohlf bittet, die Zurückhaltung zu würdigen, die er sich mit dieser Formulierung auferlegt hat.
[3] „Rente“ ist im ökonomischen Sinn ein dauerhaftes Einkommen ohne Gegenleistung.

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One Comment on “Though this be madness yet there is method in it”

  1. n_s_n sagt:

    „[2] Der Werwohlf bittet, die Zurückhaltung zu würdigen, die er sich mit dieser Formulierung auferlegt hat.“

    Oh!

    Ich hatte es zunächst als voranschreitende Altersmilde interpretiert.


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