Bier gegen Rechts?

Der Traum aller aufrechten Bürger wird heute auf welt.de wahr: „Wer hier Bier trinkt, protestiert gegen Rechts“

Aber ach, wo Licht ist, ist auch Schatten, wie der Teaser leider mitzuteilen weiß:

Einerseits will man weltoffen sein auf der Biermeile in Berlin. Andererseits wird dort in diesem Jahr deutsche Reinheit verherrlicht.

Der Werwohlf kennt den Begriff „verherrlichen“ eigentlich nur aus dem Strafgesetzbuch im Zusammenhang mit unappetitlichen Erscheinungen. Also wie Nazi ist das deutsche Reinheitsgebot (bitte an dieser Stelle mit gutturaler Aussprache denken)?

Zumindest ein Gschmäckle hat es anscheinend[1]:

Ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen dieser trutzigen Weltoffenheit und der Feier des deutschen Reinheitsgebotes lässt sich auch in allergrößter Bierlaune nicht ganz aus der Welt schaffen.

Auch in Sachen fester Nahrung konnte der hässliche Deutsche seine Neigungen nicht abschütteln: 

Auf dem ehemaligen Prachtboulevard des Arbeiter- und Bauernstaates paradierten gewaltige Thüringer Rostbratwurstformationen in raumgreifendem Stechschritt. Für abweichende neourbane Ernährungsstile ließen sie wenig Platz.

So erquickend dieses Beispiel hochinvestigativen Journalismus auch ist, es greift natürlich viel zu kurz und belegt nur die Verhaftung des Autors in prä-faschistischen Strukturen. Aber zum Glück ist der Werwohlf in der Lage, diesen ausgemachten Skandal inmitten der deutschen Hauptstadt in seiner ganzen Monstrosität zu entlarven:

Denn was ist mit Wein? Mit Likör und Schnaps? Wird auf diesem rechtsradikalen Fest nicht nur die Reinheit des Bieres propagiert, sondern sogar die Idee in die Hirne gehämmert, allein Bier sei ein nationales Getränk? Wo wird hier der Hugo gefeiert oder der Aperol Spritz? Deutet das etwa auf Frauenfeindlichkeit oder Homophobie hin? Von Raki oder Sake wollen wir gar nicht reden – Xenophobie ist damit wohl evident. Und überhaupt: Alkoholische Getränke? Was soll die Ausgrenzung von Muslimen in dieser schwierigen Zeit, wo sie doch sowieso schon überall unter Generalverdacht gestellt werden? Man komme dem Werwohlf jetzt nicht mit der Ausrede „alkoholfreies Bier“. Erstens ist dieses selten 100% alkoholfrei und zweitens kann bei solchen Festen niemand ausschließen, dass in dem Glas, in dem das „Bleifrei“ serviert wird, nicht eben noch ein kräftiger Urbock kredenzt wurde. 

Kurz gesagt: Es ist unglaublich, dass den Nazis von CSU, AfD und NPD mit solchen Festen in diesem Land noch Vorschub geleistet wird. Wo ist die Antifa, wenn man sie braucht?

[1] Natürlich hat auch der Werwohlf gemerkt, dass der Welt-Autor diesen Artikel „tongue-in-cheek“ schrieb. Aber warum nicht auf einen Schelmen anderthalbe setzen?

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