Der Wert des Lächelns

Sicher: Wir können den Armen und Benachteiligten dieser Welt flammende Reden widmen. Wir können hochfliegende politische Forderungen zu ihren vermeintlichen Gunsten aufstellen. Wir können von einer besseren Gesellschaftsordnung träumen, in der all diese Menschen zu ihrem Recht kommen.

Aber das ist alles nichts, wenn es nicht gelebt wird.

Nun gehört der Werwohlf nicht zu den Leuten, die all das tun, was im Eingangssatz angesprochen wird. 

Er würde politisch zwar mehr im Bereich Bildung tun wollen, so dass auch die Nachkommen unterer Schichten bessere Chancen zum Aufstieg bekommen, aber ansonsten würde er dafür sorgen, dass die Märkte möglichst frei bleiben, weil das aus seiner Sicht die beste Sozialpolitik ist[1].

Selbstverständlich allerdings begegnet er den Leuten, die einen ziemlich unangenehmen und schlecht bezahlten Job haben, immer wieder in seinem Allag. Und dann tut er etwas, das er bei seinen Mitmenschen leider viel zu wenig beobachtet: Er schenkt diesen Dienstleistern (um solche handelt es sich ja in der Regel, von der Putzfrau über die Kassierin bis zur Kellnerin) ein Lächeln, bedankt sich freundlich für ihre Arbeit und wendet bei ihnen die üblichen bürgerlichen Verhaltensregeln an (Tür aufhalten, bei beobachteten Schwierigkeiten zur Hand gehen, Hindernisse aus dem Weg räumen,  gutes Trinkgeld geben etc). Die Botschaft ist: Du hast mir gerade etwas Gutes getan, und ich weiß das zu schätzen. Du wirst zwar dafür auch bezahlt, aber jenseits dieser ökonomischen Logik gibt es für mich auch eine menschliche Ebene, auf der du mir als Gleiche(r) begegnest.

Der typische Linke wird hier einwenden, dass dies die üblichen Ersatzhandlungen der Bourgeoisie seien, um den Ausgebeuteten die wahre Gleichberechtigung zu verweigern. Worauf der Werwohlf erwidern würde, dass dies keinesfalls zwingend sei und man einen höflichen und respektvollen Umgang auch dann pflegen könnte, wenn man meint, mit der Durchsetzung bestimmter politischer Ziele mehr erreichen zu können. Nun gibt es für diese Behauptung wahrscheinlich keine stützende repräsentative Erhebung, aber dieser höfliche und respektvolle Umgang mit den Dienstleistern des Alltags, wie wir sie hier mal nennen wollen, ist nach Beobachtung des Werwohlfs derart selten, dass unter den Verweigerern auch reichlich Linke dabei sein sollten.

Und dann fragt man sich schon, was Lippenbekenntnisse wert sind.

[1] Übrigens im Einklang mit einem gewissen Herrn Erhard.

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