Was zu Mitmenschen

Auf seinem Blog „Indiskretion Ehrensache“ brachte Thomas Knüwer jüngst einen lesenswerten Beitrag zur Radikalisierung der individuellen Anschauungen. Der Werwohlf findet, dass der Trend darin gut erkannt wurde, dass aber der Grund dafür noch viel weiter reicht. Im Beitrag von Knüwer geht es darum, dass Menschen immer schneller bereit sind, zur Gewalt gegen andere Menschen oder deren Eigentum zu greifen, wenn sie es als Konsequenz ihrer Weltanschauung herleiten können. 

Überhaupt scheint das tief drin im Menschen zu stecken: Alles, was normalerweise als verwerflich gilt, ist erlaubt, wenn es für nicht nur die gute, sondern die einzig wahre Sache geschieht. Weiterlesen

Noch was zu Lucke

Die „Übermedien“ haben sich auch mit dem Vorfall an der Hamburger Universität befasst. Der Werwohlf tut dem Autor Andrej Reisin wohl kein Unrecht, wenn er feststellt, dass dessen Sicht eine linke auf die Ereignisse ist. So bewertet Reisin die Aktion der Studenten (oder wer auch immer das konkret war – die Universität ist sich auch nicht sicher) positiv, Lucke und seine Reaktion negativ. Man ist versucht zu sagen: Wie es seine Pflicht ist. Aber der Beitrag kann nur wärmstens zur Lektüre empfohlen werden, denn so lernt man eine Sichtweise kennen, von der man u.U. niemals angenommen hätte, dass sie im Deutschland von 2019 vertreten werden würde.

Es fängt schon mit der angeblichen Motivation Luckes an. Er habe „deutsche Nachkriegspolitik [ ] verändern“ wollen. Dass dies an Geschichtsrevisionismus erinnert, dürfte nicht gänzlich ungewollt sein. Weiterlesen

Was zu Lucke – und etwas Resignation

Man kann den Mob, der sich da in Hamburg auf Kosten von Bernd Lucke (und der Studenten, die bei ihm etwas lernen wollten[1]) austobte, als singuläres Ereignis betrachten, oder vielleicht als Zeichen für untragbare Zustände an Hochschulen. Man kann ihn aber auch als Exempel nehmen für eine Geisteshaltung, die sich immer Bahn bricht und die letzten Endes auf die Abschaffung der Demokratie zielt, wie wir sie bisher kannten. Die Methoden erinnerten manchen an ähnliche Aktionen der Nazis in den 20er und frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts – in Anlehnung an den früheren SPD-Chef Kurt Schumacher[2] schrieben einige auch von „rot-lackierten Faschisten“ -, aber auch wenn man mit solchen Zuschreibungen vorsichtig umgeht (im starken Kontrast zur Gegenseite), muss man konstatieren, dass es sich nicht um demokratische handelt. 

Es ist nur auf den ersten Blick schwer zu entscheiden, ob der Herr nun mehr Hirn oder mehr politische und geschichtliche Bildung vom Himmel werfen sollte, denn für letzteres sind wir Menschen nun mal selbst zuständig, während uns der Einfluss auf ersteres leider weitgehend abgeht. Nimmt man die Ausschreitungen zum Maßstab, die da statt Luckes beabsichtigter Vorlesung stattfanden, scheint es um die Bildung in Hamburg nicht allzu gut zu stehen.

Um mit dem eigentlich Selbstverständlichen anzufangen: Man schreit niemanden nieder, der sich äußern will. Weiterlesen

Was zu Klima und Nährböden

Was dem Einen Instrumentalisierung, ist dem Anderen entschlossene Haltung.

Da können sich die Täterprofile von islamistischen und rechtsextremen Terroristen noch so sehr ähneln, die Reaktionen auf ihre Taten werden wohl immer unterschiedlich ausfallen. Wer die Morde der einen als Menetekel betrachtet, bemüht sich bei denen der anderen um Relativierung. Wer bei den einen mahnt, man solle jetzt zunächst an die Opfer denken, ist bei den anderen schon längst auf der Suche nach Leuten, die man in Mithaftung nehmen kann. Wer bei den einen vor Hysterie und Verallgemeinerung warnt, dem ist bei den anderen keine Warnung zu schrill und kein Urteil zu pauschal. Im Netz geht diese Grenze quer durch die Nutzer, aber in der politischen Öffentlichkeit gibt es eine dominierende und eine ausgegrenzte Gruppe. Alle Parteien außer der AfD und an ihrer Seite sämtliche öffentlich-rechtlichen Medien sowie die weit überwiegende Mehrzahl der übrigen gehören zur Gruppe, für die die „einen“ aus den Islamisten bestehen, die AfD und ein paar wenige Publikationen zu jener, die dazu die Rechtsextremen zählen.

Mancher Politiker nutzt auch die Chance, seine Lieblingsthemen wieder mal in die Nachrichten zu bringen. Wir haben es wohl nur seinem Ausschied aus dem Bundestag und der mittlerweile erfolgten Einführung der Vorratsdatenspeicherung (die im konkreten Fall überraschenderweise gar nichts verhindert hat) zu verdanken, dass CSUler Uhl die Tat von Halle nicht zum Anlass nahm, wieder mal ein entsprechendes Gesetz zu fordern. Aber der niedersächsische Innenminister und SPD-Vorsitzender-Kandidat Pistorius fordert z.B. ein ganz originelles „Vermummungsverbot im Netz“, wobei ihn weder rechtliche Vorgaben noch falsche Analogien schrecken. Auch der berühmte „rechtsfreie Raum“ kommt bei ihm wieder zu Ehren.

Aber gerade sensationell schnell fand man den „wahren“ Schuldigen des Hallenser Anschlags.: die AfD. Die „vergiftet das Klima“, „bereitet“ oder „düngt den Nährboden“ und sorgt für „geistige Brandstiftung“. Weiterlesen

Was zu Halle

Mit etwas Abstand…

Anscheinend ist es nur äußerst glücklichen Umständen zu verdanken, dass am 09.10.2019 nicht viele Menschen ermordet wurden, darunter vor allem Juden, die sich in der Synagoge in Halle versammelt hatten, um ihren höchsten Feiertag zu begehen. Wie viele, kann man nur spekulieren, aber dass es mehr geworden wären, als man sich bislang für Deutschland in seinen schlimmsten Träumen nicht hätte vorstellen können, ist sehr wahrscheinlich.

Täter war nach den bisherigen Erkenntnissen jemand, der sich nach einem wohlbekannten Muster, diesmal als Neonazi, radikalisiert hat.

Da einer der glücklichen Umstände war, dass der Mann die Tür zur Synagoge, die wohl geistesgegenwärtig verrammelt worden war, nicht aufbekam, entschloss er sich, woanders seine Opfer zu suchen. Eine Passantin und ein Gast eines Döner-Imbisses schienen wohl in sein Schema zu passen, letzterer als vermuteter Ausländer, erstere vielleicht aufgrund des auch vom Täter gepflegten Antifeminismus. Eigentlich lohnt es sich nicht, die abstrusen Gedankengänge eines solchen Typen nachzuvollziehen. Zumal sein Primärziel, wie man das in der militärischen Fachsprache so sagt, eben in den Juden bestand. 

Eine solche Tat wirft erst Fragen auf und verlangt dann nach Maßnahmen.  Weiterlesen

Was zur Lust an der Diskussion

Ja, der Werwohlf hat jetzt und hier sein Coming Out als Nostalgiker.

Er findet, dass früher mehr diskutiert wurde, und er vermisst es. Mancher wird es ihm nicht glauben, aber kritiklose Zustimmung ist nichts, was er intellektuell besonders attraktiv finden würde (so souverän, dass er sich darüber nicht freuen würde, ist er allerdings auch nicht). Erstens, weil sie ihm natürlich vorkommt, und zweitens, weil sie ihm keinen neuen Input liefert. Genau so übel findet er Gesprächsverweigerung. Aber genau diese beiden Reaktionen gelten wohl inzwischen als die üblichen. Das war in den 70ern in der Bundesrepublik Deutschland noch anders. Die mag zwar ethnisch nicht divers genug für heutige Ansprüche gewesen sein, aber inhaltlich war sie es. Da standen sich sozialistische und marktwirtschaftliche, staatsautoritäre und liberale Konzepte noch in relativ reiner Form gegenüber. Man stritt sich, durchaus auch gerne mal polemisch, aber nie wäre man auf die Idee gekommen, der anderen Seite die Konfrontation zu versagen. Im Gegenteil: Es galt als Tugend, die eigenen Ideen in einer Diskussion zur Probe zu stellen, sie von wem auch immer angreifen zu lassen, um dann am Ende mit dem guten Gefühl heraus zu gehen, die eigenen Argumente geschärft zu haben[1]. Aber der Andere wurde als Gegenspieler ernst genommen, ja, diese Rolle war sogar zwingend erforderlich – wie sonst hätte man den eigenen Anhängern zeigen können, wie sehr sie selbst auf der richtigen und die „anderen“ auf der falschen Seite der Auseinandersetzung stehen. Aber beide Rollen gehörten zum selben Stück – nie wäre man auf die Idee gekommen, den Widerpart in irgendeiner Form auszuschließen.[2] 

Wobei – das stimmt nicht zu 100%. Weiterlesen

Was zum Klima

Also heute war es dann doch etwas kalt draußen. Ich bin dann extra mit meinem SUV ein paar Runden um den Block gefahren, damit es wieder wärmer wird. 

Dieser (oder ein ähnlicher) Witz wird schon seit einigen Jahren gerne mal gebracht, was uns zum einen daran erinnert, wie lange die Klimaproblematik bereits bekannt ist, zum anderen aber einen Irrtum zuspitzt, der latent immer noch in vielen Protesten und Aktionen der „Klimaaktivisten“ zum Ausdruck zu kommen scheint. Nämlich, dass Klima ein regional abgrenzbares Phänomen sei, in dem jedes Land für sich dafür sorgen kann, dass es von den Folgen des Wandels verschont bleibt. 

Es ist aber leider viel komplizierter. Weiterlesen