Was zu diversen Untaten

Das Schöne am Leben und unserer Demokratie ist ja, dass man dieselbe Sache ganz unterschiedlich sehen und bewerten kann. Nehmen wir nur mal die zwei Untaten, die gerade durch die Medien gingen.

Da wäre zum einen die Prügeltour von vier jugendlichen[1] Asylbewerbern durch Amberg, die mit zwölf Verletzten endete. Die kann man sehen als Ausdruck der Verachtung dieser jungen Männer für die Gesellschaft, die sie aufnahm, und als Menetekel für das, was dem Land blüht, zumal die Zusammensetzung der jüngeren außereuropäischen Migration eine große Nähe zu den Tätern aufweist. Wenn man sehr Hardcore ist, bringt man das auch noch mit dem Islam in Verbindung angesichts der Herkunft der Schläger (Iran, Afghanistan)[2]. Man kann sie aber auch sehen als alkoholinduzierte Tat orientierungs- und perspektivloser Jugendlicher, die auch hätte von Einheimischen in vergleichbarer Lage begangen werden können.

Und dann war da der Versuch eines „50jährigen Esseners“, durch das Hineinfahren mit seinem Pkw in eine Menschengruppe, möglichst viele davon zu töten. Weiterlesen

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Und noch was anderes

Wieder bei „Welt Online“ finden wir im Bereich „PS Welt“ einen jetzt nicht so tierisch ernsten Artikel von Guido Bellberg, in dem dieser fünf Autofahrer-Sünden anprangert bzw. durch positiv als entsprechende Vorsätze formuliert verringert sehen möchte.

Die Kommentare des Werwohlfs:

Punkt 1: Beim Linksabbiegen aus der Einbahnstraße auch links einordnen. Ja, logo, macht das einer etwa nicht?

Punkt 2: Navigation ausschalten, weil man die Strecke kennt oder auch, wenn nicht, dennoch ans Ziel findet. Weiterlesen

Mal was anderes…

Auf „Welt online“ wurde ein Interview veröffentlicht, das der Werwohlf nur jedem ans Herz legen kann. „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt führte es mit dem Philosophen und Jesuiten Michael Bordt. Lesenswert ist es vor allem, wo es um die mit der zur Zeit vorherrschenden Diskussions(un)kultur und die von ihr verursachten Probleme geht. In einigen Passagen, namentlich da, wo es um den Klimawandel geht und das, was dagegen zu tun ist, würde der Werwohlf dem Herrn Bordt nicht so recht folgen wollen, aber wichtig sind nicht seine Einstellungen zu konkreten politischen Fragen, sondern seine Aussagen darüber, wie sie diskutiert werden sollten. Also: Die Lektüre lohnt sich!

Allerdings: Schon eingangs wird erwähnt, dass Herr Bordt auch Topmanager berät. Eine gute Sache für die Topmanager, meint auch der Werwohlf. Aber diese Passage fiel ihm auf:

Die Unsicherheiten, von denen wir gesprochen haben, stellen ja enorme Anforderungen an die Führungskräfte. Sie müssen Entscheidungen treffen, für die das Instrumentarium, das sie im BWL-Studium mitbekommen haben, nicht mehr ausreicht. Das spürt zurzeit jeder. Man muss in komplexen, unsicheren Situationen entscheiden und handeln. Das kann aber nur jemand, der eine starke Persönlichkeit hat, der sich selbst Orientierung geben kann.

„Das Instrumentarium, das sie im BWL-Studium mitbekommen haben…“ Weiterlesen

Was zu Adolf und des Werwohlfs Eltern

Auf Twitter erreichte mich die Aufforderung, mit meinen Eltern über die NS-Zeit zu reden und das, was sie damals taten. Dass diese Aufforderung mit der unausgesprochenen Hoffnung verbunden war, man möge ob der Verstrickung der eigenen Vorfahren fortan in Sack und Asche gehen, ist eine Sache. Aber vielleicht verdient sie dennoch eine Beantwortung. Der Werwohlf weiß es nämlich, weil seine inzwischen schon lange verstorbenen Eltern es ihm sagten.

Die Mutter des Werwohlfs war ein totaler Hitler-Fan. Es könnte etwas damit zu tun haben, dass sie zum Zeitpunkt der Machtergreifung gerade mal acht Jahre alt war. Und dass ihr Vater, ein überzeugter Sozi, ihr schon immer das Leben zur Hölle machte (vermutlich wünschte er sich einen Sohn), so dass sie im BDM die Freiheit fand, die sie brauchte. Mehr als begeistertes Zujubeln wird man ihr kaum vorwerfen können.

Des Werwohlfs Vater stammte aus einer Gegend, in der die Nazis nie eine Chance hatten, weil sie tief katholisch geprägt war. Weiterlesen

Der Elefant im Raum

Es gibt vor allem zwei Gründe, die Weihnachtsgeschichte nicht mehr hören zu wollen.

Da wäre zum einen dieses kalorienreiche Gebäck, dass Medien und Einzelhändler alle Jahre wieder daraus machen, mit immer denselben, überzuckerten Zutaten, sei es nun in der altdeutschen Variante mit Knabenchören und Posaunen, die immer wieder dieselben Lieder erklingen lassen (und das in der Regel schon Monate vorher), und mit diesem allgemeinen Befehl zu Besinnlichkeit und Familienwärme, oder sei es in der happy American version, mit klingelnden Glöckchen, Mithüpfliedern, rotnasigen Rentieren und hollywoodesker Wunscherfüllung (den Familienwärmebefehl haben die Amis schon zu Thanksgiving befolgt). Ist alles ganz nett beim ersten Mal, aber wenn man so wie der Werwohlf schon das Alter erreicht hat, das in seiner Teenagerzeit einen Menschen automatisch aus seiner Wahrnehmung katapultiert hätte, dann hat man eben schon so viele Wiederholungen davon hinter sich, dass es einem zum Hals heraus hängen kann. Von „Last Christmas“ wollen wir dabei gar nicht erst reden…

Der zweite Grund sind die Weihnachtspredigten. Weiterlesen

Wut, Nüchternheit und ein Wunsch

Das nächste islamistische Attentat war nur eine Frage der Zeit. Es ist Zeit für Wut, Nüchternheit und einen Wunsch.

Fangen wir mit der Wut an. Von der Tat selbst abgesehen, angesichts derer die Wut auch noch durch ein Gefühl der Ohnmacht gesteigert wird, ergreift dieses Gefühl den Werwohlf wegen der Reaktionen. Es fängt mit den Floskeln der Politiker an („verurteilen“, „feige Tat“, „in Gedanken bei“, „stehen zusammen“, „darf niemals“, „nicht instrumentalisieren“), deren Herkunft als Textbausteine bei der leider hohen Frequenz ihrer Verwendung sich kaum noch verbergen lässt, geht über die politische Linke, die sofort mit Relativierungen einsetzt („Verkehrstote“, „Krankenhauskeime“) und noch mehr als die Tat die Reaktion der rechten Parteien darauf kritisiert, bis zu eben dieser politischen Rechten, die ebenso prompt „Alle abschieben!“ kräht, obwohl der Täter nach allem, was man weiß, in Frankreich geboren wurde und Franzose ist. 

Etwas nüchterner muss man feststellen, dass es aber in Europa auch Gegenden gibt, wo solche Taten extrem unwahrscheinlich sind. Weiterlesen

Die Partei, die Partei

Jetzt sind sie zerstoben, die Hoffnungen der Konservativen und Wirtschaftsliberalen in der Twitter-Timeline des Werwohlfs auf einen CDU-Parteivorsitzenden und später vielleicht auch Kanzler Friedrich Merz. Oder besser: Sie sind mit Wucht aufgeprallt auf dem Boden ganz gewöhnlicher Parteipolitik. Die Gazetten meinen, die Gründe dafür auf zwei Dinge zurückführen zu können: Erstens die Unwilligkeit der Delegierten, sich nach vielen Jahren „asymmetrischer Demobilisierung“ (vulgo: unbedingte Orientierung an dem, was in Deutschland als „Mitte“ gilt) plötzlich auf Experimente einzulassen, und zweitens die vom Kandidaten Merz begangenen Fehler. Ersteres wird sicher eine Rolle gespielt haben, schließlich sind diejenigen, die sich jetzt in Hamburg zur Vorsitzendenwahl versammelten, dieselben, die nicht nur jetzt zum rührseligen Abschied, sondern schon auf Parteitagen zuvor die Bundeskanzlerin mit minutenlangen Klatschorgien feierten, so dass die Älteren sich noch an Übertragungen von Versammlungen der KPdSU erinnert fühlen konnten. Jetzt jemanden wie Merz zu wählen, hätte dann auch bedeutet, damals entweder geheuchelt oder sich geirrt zu haben – nichts, was man sich gerne vor dem Spiegel eingesteht. Weiterlesen