Nachtrag zu „Der Untergang, FAZ-Ausgabe“

Hier gab der Werwohlf mal einen Senf zu Interview-Methoden einer bestimmten Journalistin bei der FAZ ab.

Aber man muss ihr Abbitte leisten. Sie kann auch ganz hart und ganz kritisch fragen. Anscheinend nur nicht bei jedem. Es ist wirklich sehr, sehr schwer, hier kein Muster erkennen zu wollen. 

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Die falschen Freunde des Rechtstaats

Manchmal sollte man ja in sich gehen. Und sich fragen, woran es liegt, dass man so schreibt, wie man schreibt. Also hier auf diesem Blog oft gegen das, was irgendwie „links“ ist.  Der Werwohlf tut dies auch ab und zu. Ehrlich. Und er ist sogar zu einem Ergebnis gekommen. Es liegt an der Heuchelei, an den doppelten Standards. Es kennzeichnet ja gerade den typischen Linken, dass er aus einer höheren moralischen Warte aus argumentiert. Er will – drunter geht es nicht – gleich die ganze Welt besser machen, und was besser ist, das weiß er passenderweise auch genau. Dazu stellt er Regeln auf, die dann die Besserung der Welt befördern sollen. Das Problem ist nur: Diese Regeln stehen alle unter Vorbehalt. Und zwar unter dem, dass sie nicht die vom Linken verfolgten Ziele behindern. Tun sie es, erklärt er sie schnell mal eben für obsolet. Wer hier meint, das sei im Grunde ja reine Willkür, dem kann der Werwohlf nicht widersprechen. Beispiel gefällig?

Erinnert sich der geneigte Leser noch an die Diskussionen um die Ausweisung des Leibwächters von Bin Laden oder um die Demonstrationen (politisch korrekt müsste hier eigentlich „Aufmärsche“ stehen)? Weiterlesen

Zwei Events

And now for something completely different…

Der Werwohlf war bei zwei Events anwesend. Das eine war ein Konzert von „Jeff Lynne’s ELO“ in München, das andere das Fußball-Bundesligaspiel SC Freiburg gegen Schalke 04.

Das Konzert war – nach dem zwar sympathischen und auch keineswegs üblen, daher zu Recht auch freundlichen Applaus kassierenden, aber letztlich doch das Eigentliche störenden supporting act Billy Lockett – natürlich eine einzige Party. Das Publikum mäanderte überwiegend altersmäßig so um des Werwohlfs Daten herum und hatte daher die 70er schon aktiv miterlebt, spätestens deren zweite Hälfte. Man feierte sich, man feierte die Hits von damals, und man feierte das Genie dahinter, Jeff Lynne, den 70jährigen, der sich, ebenso überrascht wie gerührt vom gewaltigen Erfolg seines 2014er BBC-Konzerts im Londoner Hyde Park, noch mal auf eine größere Tournee begab. Von seiner alten Band war keiner mehr dabei, dafür soll sich die Combo aus der alten Live-Band von Take That zusammensetzen. Egal, welche Meriten die Damen und Herren hinter sich haben, es handelt sich dabei natürlich um echte Könner ihres Fachs, von den Gitarristen über die Keyboarder bis hin zu den beiden Background-Sängern und der dreiköpfigen Streicherinnen-Gruppe (2 * Cello, 1 * Violine), die bei einem ELO-Konzert natürlich nicht fehlen darf. Der Schlagzeuger hatte sogar an dem Tag auch noch Geburtstag (leider erstickte der Versuch einiger Fans, ein „Happy Birthday“ anzustimmen). Was mit der Performance der Band nicht mithalten konnte, war die Akustik der Münchner Olympiahalle. Gerade bei den Gib-ihm-Stücken wie „Do Ya“ oder „Shine A Little Love“ wurden die Instrumente zu einem einzigen lauten Brei vermengt, und Lynne musste (in seinem Alter noch!) dagegen anschreien. Gerade bei dessen üblicherweise feinziselierten Arrangements ist das natürlich besonders schade. Aber es tat der Party-Stimmung keinen Abbruch, zumal auch so gut wie alle alten Hits dargeboten wurden. Wir Besucher waren glücklich und uns in der Einschätzung einig, dass die 70er für die Popmusik das definitiv beste Jahrzehnt waren. 

Als Herthaner und KSCler ist der Werwohlf vor allem das Olympiastadion in Berlin gewohnt und noch ein wenig den Wildpark in Karlsruhe. Das Schwarzwald-Stadion, wie es jetzt heißt, in dem der SC Freiburg seine Heimspiele bestreitet, ist nicht nur eine Nummer kleiner. Aber dort herrscht eine, wie soll man sonst sagen, sehr badische Atmosphäre. Man ist entspannt, begrüßt seine Gäste (getrennte Führung ins Stadion? Warum?) und fiebert während des Spiels genau so mit wie der Trainer Christian Streich. Woanders mag es einen großen Unterschied zwischen Fankurve und Haupttribüne geben, in Freiburg aber ist er nur noch gering. Natürlich sind Choreographien und Gesänge noch in erster Linie eine Sache der Hardcore-Fans, aber bei Klatsch-Rhythmen und Aufsteh-Ritualen macht das ganze Stadion mit, auch Schlachtgesänge werden von allen Seiten intoniert. Dass das Stadion ausverkauft ist, ist die Regel (deswegen soll auch ein neues gebaut werden). Auch nach dem Spiel geht alles locker zu, nie kommt böses Blut auf, selbst beim Drängeln in die Straßenbahn nicht. Also der Werwohlf wird jetzt durch dieses Erlebnis nicht zum Fan des SCF, aber symbadisch finden darf er den und seine Fans schon noch…

Und ab jetzt wie üblich…

Was zu Sarrazin

Neues Buch von Sarrazin, und schon werden in den Medien die feuilletonistischen Massenvernichtungswaffen in Stellung gebracht, und die SPD überlegt, einem alten Ritual folgend, ob sie den bei ihr ungeliebten Autor ausschließen soll und kann. Der Werwohlf hat bisher zwei Bücher von Thilo Sarrazin gelesen. Das erste, „Deutschland schafft sich ab“, war sehr interessant, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Man kaufte nur ein Buch, bekam dazu aber auch gleich ein Politik- und Medienecho geliefert, das, weil es mit dem Buch in großen Teilen so gar nichts zu tun hatte, unterhalterisch einen echten Zusatznutzen bot. Es konzentrierte sich zudem auf einen relativ kleinen Abschnitt des Buches, der mit der Zuwanderung zu tun hatte, und die Heerscharen an Strohmännern, die da ins Feld geführt wurden, suchten ihresgleichen. Am Ende dieser Diskussion stand das Verdikt, dass man das Einzige, was man über Intelligenz weiß, das ist, dass sie auf keinen Fall vererbt werden kann. Das war damals. Weiterlesen

Was zur Mitte (2)

Schwarz und Weiß, das sind die traditionellen Farben der deutschen Fußballnationalmannschaft. Schwarz und Weiß, das ist mittlerweile auch Pflicht in der Politik. Wer auch nur ein bisschen Lebenserfahrung hat, weiß, dass es praktisch keine Entscheidung gibt, die nicht auch Nachteile hat. Man muss sich meist für etwas entscheiden, und dafür einen Verlust an anderer Stelle in Kauf nehmen. Und sei es auch nur so trivial, dass man Geld nur einmal ausgeben kann, also jeder Kauf von etwas auch die Chance verkleinert, sich etwas anderes leisten zu können. Oder nehmen wir nur die Berufswahl: Die schönen, aufregenden Jobs sind auch die, für die man sich am meisten anstrengen muss, oft mit Verlust von Privatleben verbunden, und die dann auch hinterher am unsichersten sind. In der Politik aber, die beim heutigen Ausmaß von Staatstätigkeit regelmäßig mit ihren Entscheidungen in komplexe Regelsysteme eingreift (Wirtschaft, Umwelt, Zusammenleben – um nur einige zu nennen), sind diese Zielkonflikte, neudeutsch „Trade Off“ genannt, noch viel ausgeprägter. Weiterlesen

Was zur Mitte

Es gibt in diesem Staat, in dieser Gesellschaft Themen, die sich dem entziehen, was man noch vor einigen Jahrzehnten als Politik verstanden hätte. Politik im Sinn der Tatsache, dass der Souverän unseres Staates, also das Volk, aus den vielfältigsten Interessen besteht, die zu einem nicht zu kleinen Teil einander widersprechen, und im Sinn der daraus geschlossenen Folgerung, dass diese Interessen von politischen Parteien aufzugreifen, zu formulieren und in den zivilisierten Streit, vorzugsweise im Parlament, einzubringen sind. Je nach Mehrheitsverhältnissen entwickelt sich aus diesem Streit dann Politik, wobei die Bürger jederzeit in die Lage versetzt werden, die Argumente beider Seiten zur Kenntnis zu nehmen, so dass sich Mehrheiten auch mal ändern können, wenn die Argumente der früher Unterlegenen später attraktiver erscheinen. In diesen Kontext passt dann auch der Kompromiss, zu dem dann zu greifen ist, wenn entweder die Mehrheiten unsicher sind oder eine grundlegende Entscheidung nicht wegen einer Änderung der Mehrheitsverhältnisse gleich in Frage gestellt werden soll. 

Verfolgt man die Medien heutzutage, muss einem das wie eine Botschaft aus entweder verschollenen Zeiten (also Fraktion „Fantasy“) oder der Zukunft (also Fraktion „Science Fiction“) vorkommen, denn heute sieht es anders aus. Heute sind die Fronten klar, und wer sich der Klarheit der Fronten aufmüpfig verweigert, gehört wieder in diese einsortiert. Denn zwischen Schwarz und Weiß kann es keinen Kompromiss geben. Grau ist nur die Farbe der heimlichen Kollaborateure mit entweder Schwarz oder Weiß.

Der Werwohlf hat da einen Bias, eine Verzerrung. Als Kritiker der seit 2015 geübten Einwanderungspraxis und der politischen Reaktionen darauf fallen ihm natürlich in erster Linie die maßlosen Übertreibungen derer auf, die eine andere Politik vertreten. Allerdings ist er trotzdem auch in der Lage, die Schwarz-Weiß-Anwürfe von Rechts einzuordnen, wenn vielleicht auch nicht so sensibel, wie ihm das bei den Linken gelingen mag. 

Von „Rechts“ kommen z.B. die „Umvolkungs“-Vorwürfe, bei denen, abgesehen von ihrem empirischen Gehalt, schon einmal unklar ist, warum jemand solche Forderungen vertreten sollte. Und sobald man versucht, diese Unklarheit zu beseitigen, landet man bei Verschwörungstheorien, denen, wenn sie sich nicht schon längst dort befinden, der Schritt zum „Weltjuden“ nicht mehr allzu fern ist. Die Vorstellung, die bösen Kapitalisten wollten vor allem billige Arbeiter ins Land holen, widerspricht jetzt nicht gerade zwingend den Träumen von hiesigen Unternehmenslenkern, selbst wenn die Ausbeute der am deutschen Arbeitsmarkt Erfolgreichen überschaubar bleiben sollte, aber dann müsste eben noch der Transfer geleistet werden, der die Wünsche dieser Herrren (beim DAX nur solche, oder?) unmittelbar in Politik umzusetzen vermag. Sowas kann man glauben. Sollte man aber nicht, wenn man noch Ansprüche ans eigene Denken hat.

Es bleibt als realistischer Ansatz, dass dieses Land sich um Migranten bewirbt, die keine Chance haben, in anderen Ländern wirtschaftlich erfolgreich tätig zu werden (denn sonst wären sie es), die trotzdem hohe Erwartungen an pekuniäre Rückflüsse haben (von heimischer Familie und bezahlten Schleusern manifestiert), und die ungeachtet alles anderen ihr Lebensumfeld gerne so gestalten möchten, wie sie es von zu Hause gewohnt sind. Vor dem sie mehr oder weniger flohen. Weiterlesen

Was zu Seehofer

Vorbemerkung: Also diese Woche beschäftigten den Werwohlf zwei Themen. Zum einen das neue Buch von Thilo Sarrazin, zum anderen der neue Trend in der Politik, die Welt in Gut und Böse zu scheiden, mit nichts dazwischen. Ob zu beidem die Zeit reicht (bzw. das Weißbier…), wird sich zeigen. Vermutlich eher nicht. Aber fangen wir an mit letzterem, zu dem es einen neuen Aufreger gibt. Den Aufreger verfrühstücken wir in einem eigenen Beitrag, an den sich der generellere anschließt.

Horst Seehofer hat auf einer Klausurtagung der CSU-Landesgruppe gesagt, die Migrationsfrage sei die „Mutter aller politischen Probleme“. Dass schon dieser kurze Ausschnitt in den Medien auch noch auf „Die Migration ist die Mutter aller Probleme“ verkürzt wurde, hat nicht zu einer Beruhigung beigetragen. Empörung allerorten, und ganz Schlaue deuten die Aussage so um, dass für Seehofer „die Ausländer an allem schuld“ seien. So eskaliert die Sache vor sich hin, Seehofer wird selbstverständlich als „Rassist“ und „Nazi“ entlarvt, was dann wiederum alle möglichen Forderungen hinsichtlich seiner Person rechtfertigt. So funktioniert Politik heute, und leider nicht nur in den angeblich sozialen, in Sachen Politik aber eher asozialen Netzwerken, sondern auch bei den professionellen Akteuren in Parteien und Medien. 

Sollte man den in heutigen Zeiten allen als absurd erscheinenden Versuch unternehmen, die Aussage Seehofer in ihren Kontext einzuordnen, könnte sich ein anderes Bild ergeben. Fangen wir mit der Umgebung an. Es handelte sich um eine „Klausur-Tagung“. Die Älteren unter uns wissen, was Klausur bedeutet: eine Art „Einschluss“. Man bleibt unter sich, entweder im Gebet, oder um eine schriftliche Arbeit abzulegen, oder eben um untereinander zu diskutieren. Die Außenwelt wird dabei nur von denen involviert, die diese Spielregeln brechen. Daher geht schon mal der Vorwurf ins Leere, Seehofers Äußerung trage zur „Spaltung“ der Gesellschaft bei oder er wolle sogar „aufhetzen“. Nein, die Aussage war gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern wurde in einem Kreis von Polit-Profis getan, denen eine Einordnung in ihren politischen Alltag leicht gefallen sein dürfte. Zumal sie auch in den Genuss der gesamten Aussage kamen, was den meisten hehren Streitern gegen Rechts und Rassismus zu ihrem Glück nicht vergönnt war. Nehmen wir mal die Wiedergabe lt. „Tagesspiegel“, der hier nicht nur agitiert, sondern auch informiert:

Der CSU-Vorsitzende und Innenminister Horst Seehofer hat die Migrationsfrage als „Mutter aller politischen Probleme“ in Deutschland bezeichnet. Angesprochen auf die schlechten Umfragewerte der Union sagte der Bundesinnenminister der „Rheinischen Post“: „Wir haben erstmals eine Partei rechts der Union, die sich mittelfristig etablieren könnte, ein gespaltenes Land und einen mangelnden Rückhalt der Volksparteien in der Gesellschaft.“

Dies habe zwar „nicht nur“ mit der Migrationspolitik zu tun, sagte Seehofer. „Aber die Migrationsfrage ist die Mutter aller politischen Probleme in diesem Land. Das sage ich seit drei Jahren.“ Das bestätigten viele Umfragen, und das erlebe er auch in seinen Veranstaltungen. Viele Menschen verbinden Seehofer zufolge jetzt ihre sozialen Sorgen mit der Migrationsfrage.

Es fällt nicht schwer, die „politischen Probleme“, von denen Seehofer sprach, in diesem Kontext auf die vorher genannten Punkte zu beziehen. Wer jetzt behauptet, die Migrationsthematik sei nicht der Hauptgrund dafür, müsste nach Ansicht des Werwohlfs wirklich knackige Gegenbelege erbringen. Dass der Zuwachs der AfD von einer 3%-Partei auf die jetzt >15% eng mit der Migrationspolitik und ihren Folgen verbunden ist, lässt sich nicht bezweifeln. Gerade die ebenso zahlreichen wie vergeblichen Versuche von Journalisten, die Partei programmatisch auf andere Politikfelder festzunageln, zeugen davon. Dass dieses Land aufgrund der Thematik gespalten ist, hat gerade eine neue Umfrage ergeben. Und der mangelnde Rückhalt der Volksparteien hängt damit ganz offensichtlich zusammen. Dass auch die von Seehofer genannten Sorgen vieler Menschen sich mit diesem Aspekt verknüpfen, sollte inzwischen auch jeder wissen. In diesem Sinn kann man also ohne weiteres sagen: Er hat einfach nur Recht. 

Vielleicht wäre es instruktiv, vor diesem Hintergrund nochmal die öffentlich bekannten Reaktionen zu rezipieren und zu bewerten.