Was zu Tankstellenquittungen

Wer Freiberufler ist oder Gewerbetreibender weiß: In Sachen Belegen ist mit dem Finanzamt nicht zu spaßen. Es gibt z.B. sehr strenge Anforderungen hinsichtlich Inhalt und Aufbewahrung an Rechnungen, die zu Vorsteuerabzug berechtigen. In diesem Dickicht kann man sich leicht verfangen, und es ist eine dankbare Fundgrube für Außenprüfer.

Um so erstaunlicher ist, dass in Deutschland toleriert wird, wenn eine ganze Branche seit quasi ewigen Zeiten steuerlich völlig untaugliche Belege an ihre Kunden herausgibt. Weiterlesen

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Was zur Nation

Bundespräsident Steinmeier war in Fivizzano. Er wählte diesen italienischen Ort, weil dort ein Massaker von deutschen Soldaten an italienischer Zivilbevölkerung stattfand, das aber kaum bekannt ist. Bei seinem Besuch wird er wie folgt zitiert:

Ich bitte Sie um Vergebung für die Verbrechen, die Deutsche hier verübt haben.

Ich stehe heute vor Ihnen als deutscher Bundespräsident und empfinde ausschließlich Scham über das, was Deutsche Ihnen angetan haben.

Wir Deutsche wissen, welche Verantwortung wir für diese Verbrechen tragen. Es ist eine Verantwortung, die keinen Schlussstrich kennt.

Dazu ein paar wenig staatstragende Gedanken.  Weiterlesen

Was zu Feinden

Die bundesdeutsche Demokratie krankt immer mehr daran, dass ein bestimmtes Bekenntnis die politischen Lager zu dominieren scheint: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund!“. Auf beiden Seiten des Links-Rechts-Bogens gilt er als wichtiger Leitsatz.

Zum Beispiel erklärt er die Erfolge und vor allem den weitgehenden Zusammenhalt der AfD trotz der unappetitlichen Regungen an ihrem rechten Rand. Auch wenn in Teilen der Linken der aus demokratischer Sicht nicht ganz unproblematische Wunsch vorherrscht, mal eben einfach ein Fünftel bis ein Viertel der Wahlbevölkerung zu Un(ter)menschen zu erklären, mit denen es keine Berührungen geben dürfe, so ist vor allem die Wählerschaft der AfD, aber auch noch die Partei im Grunde heterogen zusammengesetzt. Das Beharrungsvermögen als Block verdankt sie vor allem einem: dem, was alle ihre Mitglieder und Wähler als ihren Feind identifiziert haben, dem sog. „links-grün-liberalen Mainstream“, wie er sich in den Verlautbarungen der labernden Klasse offenbart, von Politikern über Journalisten, Sozialwissenschaftler, Arbeitgeber- oder Gewerkschaftsfunktionäre, NGOs und Künstler bis zu Kirchenoberhäuptern, also im berühmten „breiten Bündnis“. Weiterlesen

Was zu Shareholder Value

Heute ging es durch die Presse, und wo der Werwohlf hinschaut, sind die Leute zwar manchmal skeptisch, aber mindestens zur Begeisterung bereit, wenn nicht gar vollends aus dem Häuschen: US-Bosse entsagen dem Shareholder Value:

Stattdessen sollen alle Seiten profitieren: Kunden, Beschäftigte, Zulieferer, das lokale Umfeld und, als eine Interessengruppe unter mehreren, auch die Anteilseigner. „Die Amerikaner haben eine Wirtschaft verdient, die es jeder Person erlaubt, mit harter Arbeit und Kreativität erfolgreich zu sein und ein bedeutungs- und würdevolles Leben zu führen.“ Unternehmen sollten die Umwelt schützen, ihre Arbeitnehmer mit Respekt behandeln und so langfristige Gewinne für die Aktionäre erzielen.

Nun, das mit den langfristigen Gewinnen für die Aktionäre ist nichts anderes als – Shareholder Value. Weiterlesen

Lief das so?

„Wir werden euch ein Gerät geben, das ihr ständig mit euch herumtragen müsst. Mit diesem Weg können wir jederzeit wissen, wo ihr euch aufhaltet. Wir können auch all eure Wege nachvollziehen. Ihr müsst alle eure Bankgeschäfte mit diesem Gerät abwickeln, ebenso alle eure Einkäufe. Da das Geld dazu nur virtuell im Bankensystem zur Verfügung stehen wird, können wir ihm über die Zentralbank auf Knopfdruck einen neuen Wert zuweisen, wenn wir das wollen. Die hierbei entstehenden Daten verraten uns so gut wie alles über eure Gewohnheiten. Das Gerät kann auch eure Gespräche aufzeichnen, ohne dass ihr das merkt. Lasst euch nur noch von diesem Gerät morgens wecken (uns interessiert natürlich auch, wann ihr aufsteht) und verwendet es als Hauptquelle eures Medienkonsums (Buch-, Musik- und Filmgeschmack würden wir auch gern wissen, und wir oder unsere Freunde, die Verwertungsgesellschaften, möchten vielleicht mal das ein oder andere Buch, den ein oder anderen Musiktitel oder manchen Film der Öffentlichkeit komplett entziehen). Ihr müsst all eure Daten über dieses Gerät zugänglich machen, damit wir es zu demselben Zweck nutzen können, ohne dass ihr das merkt. Tolle Idee, oder?“

„Haltet ihr uns für total bescheuert?“

„Guck mal, das neueste Smartphone!“

„Boah, her damit!“

Was zu Haltung

Insbesondere in der labernden Klasse wird in der letzten Zeit vor allem eins eingefordert: „Haltung“. Als Haltung gilt der unverrückbare Klassenstandpunkt die links-ideologischen Vorgaben entsprechende Einstellung und das Handeln danach. „Haltung“ verlangt, missliebige Personen in der Öffentlichkeit zu isolieren, sie nirgendwo reden zu lassen, mit ihnen keine Geschäftsbeziehungen einzugehen, sich nicht in ihrer Nähe blicken zu lassen. „Haltung“ verlangt auch, gegen Verstöße des linken Regelwerks unbarmherzig vorzugehen. Möge auch beim grausamsten Mörder noch der Wille zur Resozialisierung im Vordergrund stehen, dem sich einmal politisch unkorrekt Äußernden ist nach dieser Doktrin ein (möglichst lebenslanger) Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Umgang gewiss. Öffentliche Aussagen sollen nur noch in einer abgesegneten Formelsprache möglich sein – das Problem ist hier allerdings ein wenig, dass diese Revolution auch ihre gutwilligen Kinder frisst, weil, wer sich zur Avantgarde zählen und damit jeder Kritik enthoben sehen will, die Anforderungen immer höher schrauben muss, so dass sich der bemüht Politisch-Korrekte schnell im Kreuzfeuer sieht, nur weil er das letzte Memo nicht gelesen hat, welches eine Anpassung der von ihm verwendeten Formeln verlangt. 

„Haltung“ bewirkt aber noch etwas anderes, nämlich die Unsichtbarmachung von Feinden der liberalen Demokratie aus dem linksextremen Lager. Eine besonders unnachgiebige Haltung gegenüber Personen und Parteien aus dem rechten Lager soll als Gradmesser für die Zulassung zum viel beschworenen „Diskurs“ dienen. Aber Anhängern der liberalen Demokratie müsste bewusst sein, dass der Feind ihres Feindes längst nicht ihr Freund ist. Mag sein, dass Fans einer kommunistischen Diktatur besonders energisch gegen alles vorgehen, was sie als „rechts“ ansehen. Und mag sein, dass darunter auch Parteien und Personen fallen, deren Ideal tatsächlich in der Abschaffung der liberalen Demokratie zugunsten irgendeines völkischen Konstrukts besteht. Aber es ist nie ein guter Ratschlag, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen. 

Für den Werwohlf ist nicht entscheidend, wie radikal sich jemand gegenüber dem gebärdet, was er als Faschismus definiert[1]. Für den Werwohlf ist entscheidend, wie jemand zur liberalen Demokratie steht. Aber niemals würde er verlangen, deren Gegner gesellschaftlich zu ächten. Er würde im Gegenteil mit ihnen diskutieren wollen, wo es geht. Und jenseits der politischen Differenzen würde er mit ihnen einen normalen Umgang pflegen. So hielt er es bisher immer, und so wird er es auch künftig halten. Denn wir sind alle Menschen. Das heißt, jeder von uns könnte sich jederzeit im Irrtum befinden. Wir können die Wahrscheinlichkeit davon nur dadurch reduzieren, dass wir uns der anderen Meinung („Haltung“) immer wieder neu aussetzen und unsere Gegenrede an ihr erproben. Und es wäre wirklich nicht das erste Mal[2], dass ein Verirrter (nach Eigendefinition) durch die Menschlichkeit eines Gegenüber, der ihn als Mensch wertschätzte und seine Beweggründe ernst nahm, in die Lage versetzt wurde, seiner Indoktrinierung zu widerstehen und sich neuen Gedanken zu öffnen. 

Die verbissenen und verkniffenen Forderungen diverser Verbalradikalinskis sehen stattdessen den Abbruch aller Kontakte vor. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, sie wünschten sich einen Zustand, der 10-20% der Wähler/Menschen einfach zu Non-Valeurs erklären würde. Welcher Art System ihnen dann vorschwebt, ist nicht ganz so klar. Klar ist nur: eine liberale Demokratie wohl eher nicht. 

 

[1] Im Fall der „Antifaschistischen Aktion“, kurz „Antifa“, müsste er man vielleicht eine Ausnahme machen, denn deren Ideologie sieht den Faschismus als Form des Kapitalismus – diese Gegnerschaft wird dem liberalen Demokraten also von außen angetragen und lässt sich daher nicht vermeiden.
[2] Noch vorsichtig formuliert. Vermutlich ist genau das der beste Weg. Und die Millionen, die Bundesministerien an Kampagnen „gegen Rechts“ auszahlen, die eben diesen Weg nicht gehen und stattdessen vor allem Haltung demonstrieren und einfordern wollen, dürften damit vor allem eins sein: verschwendet.