Der wahre Islam

Wann immer irgendwelche Deppen im Namen des Islam unschöne Dinge tun, wie z.B. Massenmorde, Sprengstoffattentate, Leuten den Kopf abschneiden oder entführte Passagiermaschinen in Hochhäuser steuern, hört man sofort den Ausspruch, insbesondere von Islamverbänden. „Das hat nichts mit dem Islam zu tun!“

Es ist erstaunlich, dass sich dieser Spruch so lange halten konnte, denn offensichtlich haben Dinge, die in großem Stil von Typen getan werden, die sich auf den Islam berufen, mit eben diesem zu tun. 

Ob andere, die sich vielleicht einen anderen Islam wünschen bzw. diesen praktizieren, das nun wollen oder nicht. Die eigentliche Frage ist also: Warum verweigern Muslime so gerne die Auseinandersetzung mit dem Islamismus? Es fängt ja schon damit an, dass der Begriff „Islamismus“ alles andere als trennscharf ist. Wenn im Namen des Islam begangene Massenmorde ein Zeichen von Islamismus sind, war dann der Prophet Mohammed ein Islamist? Von ihm angeordnete Taten in dieser Richtung gehören schließlich zum islamischen „Kanon“. Das wäre in der Tat nicht unproblematisch, denn gilt Mohammeds Handeln nicht als das Ideal, dem alle Muslime nachfolgen sollten? Also wo hört Islam auf, und wo beginnt Islamismus? Diese Frage zu stellen, bedeutet, an das nächste Problem zu stoßen, denn man wird darauf unterschiedliche Antworten zu hören bekommen. Welche markiert also den „wahren Islam“?

Im Grunde müssen wir konstatieren: Wie der „wahre Islam“ aussieht, wissen wir nicht. Zwar wissen wir, dass sich die überwältigende Mehrheit der hier lebenden Muslime vollkommen friedlich verhält, aber tun sie das aus religiöser Überzeugung oder vielleicht eher gegen diese? Man müsste sie schon fragen, und zwar jeden einzeln. Umfragen kommen dem am nächsten, und ihre Ergebnisse sollen zwar beruhigend wirken, tun dies aber meistens nicht – wenn radikale Minderheitenmeinungen zu stark sind, ist das kein Anlass zur Entwarnung. Der eigentliche Lackmus-Test ist also ein anderer, und zwar der, was die Vertreter des „das hat nichts mit dem Islam zu tun“ gegen diejenigen ihrer Glaubensbrüder unternehmen, die anderer Meinung sind. Das müssen dann noch nicht mal welche sein, die selbst zur Tat schreiten. Was also tun Muslime gegen die klammheimliche Sympathie in ihren Reihen? Vielleicht ja eine Menge – allein, man bekommt davon nichts mit. Und wieviele sind es, die da etwas tun? Vielleicht auch gar nur eine Minderheit? Alles unklar.

Und vielleicht kommt am Ende ja tatsächlich heraus, dass es „den Islam“ gar nicht gibt. Fair enough. Nur sollte man sich dann nicht Gedanken machen, wie man die verschiedenen Strömungen voneinander trennt und welche davon in diesem Land willkommen sind und welche eher nicht?

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