Was zum ÖRR-Überangebot

Der in Sachsen-Anhalt für Medien zuständige Minister tat etwas Ungeheuerliches. Er stellte die Struktur des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Frage. Und prompt bekam er Feuer  – vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen. 

Schauen wir uns zunächst mal die Idee des Ministers an. Der stellte locker fest, dass im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zwei überregionale Sender existieren und zugleich und zu Recht die Frage, warum einer nicht reicht. Warum sich die ARD mit ihren vielen regionalen Rundfunkanstalten nicht auf regionale Berichterstattung konzentriere.

Da könnte sich der Werwohlf drehen und wenden, selbst wenn er es wollte: Es fällt ihm auf die Schnelle kein überzeugendes Gegenargument ein. 

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Richtige Aufregung, falsches Beispiel

Zunächst einmal hält der Werwohlf es für lächerlich, dass die „Schmähkritik“ Böhmermanns und die Reaktion des türkischen Staatspräsidenten darauf überhaupt so lange die Schlagzeilen beherrschen. Er vermutet den Grund dafür darin, dass Journalisten am liebsten über sich selbst berichten – über ihre Sicht auf die Welt allgemein, und noch lieber über ihre Sicht auf ihre eigene Welt. Nur so lange konnte das außerhalb der „Irgendwas-mit-Medien“-Welt völlig irrelevante Thema „Generation Praktikum“ so hochgespielt werden, deshalb wurde das Urteil über Pegida erst nach dem „Lügenpresse“-Geschrei so richtig unerbittlich, und eben deshalb passiert auf dieser Welt jetzt nicht Wichtigeres mehr als die Reaktionen auf eine mehr oder weniger satirisch kaschierte Beleidigungsorgie eines Staatskomödianten auf einem Sender, den üblicherweise keine Sau guckt. 

So schnell, wie ihm aufgrund einer gegen den politisch-medialen verordneten Gutwillen gerichteten Meinung sein Account auf Facebook oder Twitter gesperrt wird, kann Kevin Normaluser gar nicht klicken. 

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Sternstunde der Dialektik?

Es musste so kommen. Der Werwohlf kann Jan Böhmermann nicht leiden. Warum nicht, das hat Antonia Baum in der FAS schon ganz schön zusammengefasst, obwohl ihr Beitrag keinesfalls darauf schließen lässt, sie selbst stehe zu diesem – nun ja – Unterhalter genau so: „Spießbürger oder Nervensäge?“

Kurzgefasst: Böhmermann geriert sich als Rebell, ist aber in Wirklichkeit nichts anderes als eine Bestätigung der herrschenden Meinung und funktioniert auch genau deshalb. Was der herrschenden Meinung kein gutes Zeugnis ausstellt, denn auch in der FAS wird treffend die Trivialisierung von Politik durch vermeintliche Satiresendungen beschrieben.

Aber gut, der Mann hat sein Ziel erreicht. Er hat Erdogan beleidigt, und seine Majestät ist not amused. Wie der das von zu Hause gewohnt ist, strebt er nach Bestrafung des Frechlings. Dieser aber wusste vorher ganz genau: Auch wenn in Talkshows mit schreckgeweiteten Augen das maximale Strafmaß eines § 185 StGB zitiert wird – mehr als eine Geldstrafe hat der wackere Kämpfer für Meinungsfreiheit eh nicht zu befürchten. Und die zahlt ihm womöglich auch noch sein von mit staatlicher Gewalt eingetriebenen Zwangsgeldern finanzierter Sender. Kein Vergleich zum Schicksal seiner türkischen Kollegen, die sich keinesfalls auf das unterirdische Niveau herablassen, das hierzulande gern mit Satire verwechselt wird. sondern ganz sachlich Missstände im türkischen Staat aufdecken und kritisieren. 

Es ist in diesem Zusammenhang also wirklich absurd, dass so ein Clown dann die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aber da Böhmermann ja von den Kulturschaffenden dieses Landes jede dialektische Volte zugestanden wird: Vielleicht wollte er genau diese Bigotterie aufzeigen?


Initiative für eine genaue Berichterstattung!

Ganz ernsthaft gibt es doch tatsächlich weiter Streit darum, ob in den öffentlich-rechtlichen Medien die AfD stets mit dem Adjektiv „rechtspopulistisch“ versehen werden solle

Mittlerweile findet der Werwohlf, dass man da ruhig konsequent bleiben könnte. Da ja das ZDF sich immer mehr Mühe gibt, ein würdiger Nachfolger des DDR-Fernsehens zu werden, also sowohl von der Art der Politikvermittlung als auch vom Altersschnitt der Zuschauer her, wäre es nur logisch, dass diese Anstalt bewährte Aufklärungsmethoden ihres Vorbilds übernimmt. Beispielsweise war auch in der „aktuellen kamera“ nie nur von „Erich Honecker“ die Rede, sondern man gab sich da schon auskunftsfreudiger für den Fall, dass ein Zuschauer vielleicht nicht wissen könnte, wer dieser komische Typ mit der Nerdbrille und der zittrigen Stimme denn sei. Als lautete die Erwähnung meist irgendwie so: „der Vorsitzende des ZK der SED, Vorsitzende des Politbüros, Vorsitzende des Staatsrats und Träger des Verdienstordens der Straßenbahnschaffner Berlins, Erich Honecker,…“. 

Diesen informativen Anspruch sollte man nicht aufgeben, nur weil es um eine nicht an der Macht befindliche Partei geht. Für die AfD schlägt der Werwohlf daher zukünftig folgende Formulierung vor, die darüber hinaus noch den Vorteil hat, den geschätzten Zuschauer gleich auf den folgenden Bericht einzustimmen: „die neu-rechte, rechtspopulistische bis rechtsextreme, rassistische, gegen Flüchtlinge hetzende und Fremdenfeindlichkeit schürende, ganz bestimmt auch antisemitische, auf keinen Fall zu tolerierende, geschweige denn zu wählende und überhaupt den ehrlichen Abscheu jedes anständigen Bürgers hervorrufen müssende AfD…“ Eine solch umfassende Information wäre auch die beste Widerlegung der widerlichen „Lügenpresse“-Schreierei auf bestimmten DemonstrationenAufmärschen.

Zu bedauern bliebe dann lediglich, dass bei der Erwähnung anderer Parteien noch keine derart zweckdienlichen Hinweise zur Verfügung stehen. Auch bei der Nennung hochstehender Persönlichkeiten ist sicher noch Luft für die Aufzählung der wichtigsten Ämter und Eigenschaften (warum verheimlicht man uns immer die Tränensäcke Merkels oder den Leibesumfang Gabriels?) , denn der Demokratieabgabezahler hat schließlich ein Recht auf genaue Berichterstattung. Der ZDF-Fernsehrat freut sich bestimmt über entsprechende Anregungen.


Radikale, der Terror und die Lügenpresse (Wilsberg-Ausgabe)

Wie radikalisieren sich junge Menschen?`Warum greifen sie zu Waffen, um andere Menschen zu töten?

In England ist es dem Dokumentarfilmer Robb Leech passiert, dass sein Stiefbruder Richard Dart erst zum Islam übertrat, sich dann zum „Dschihadisten“ und später zum Terroristen entwickelte. Leech tat das, was man von jemandem mit seinem Beruf erwarten konnte: Er dokumentierte die Sache. In seinem ersten Film „Mein Bruder, der Islamist“ gab er einen seher persönlich geprägten Einblick  in die Gedankenwelt von Islamisten, und er versuchte zu begreifen, was seinen Bruder bewegt haben könnte, diesen Weg zu gehen. Er traf auch andere Engländer, die zu Anhängern des Hasspredigers Anjem Choudary wurden, ließ sie reden über ihre Einstellung und traf sie anlässlich islamistischer Demonstrationen. Der Film endet mit dem Abflug des Bruders zur Hadsch nach Mekka. Vorher konfrontierte Leech seinen Bruder noch mit den Eindrücken und Gefühlen, die sich bei ihm aufgestaut hatten, und so verabschiedeten sie sich nicht in Harmonie, was Leech dann letztlich bereute.
Ein paar Jahre später war Leechs Bruder bereits wegen der Planung von Terroranschlägen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. 

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Ein paar Gedanken zu den neuen Morden von Paris

So lange ist es noch nicht her, da verfasste der Werwohlf seine Gedanken zu abscheulichen Morden, begangen in der wunderschönen Stadt Paris von islamistischen Killern. Vieles davon ließe sich jetzt wiederholen. Allerdings gibt es aus werwöhlfischer Sicht neben der schieren Zahl der Opfer vor allem einen bedeutenden Unterschied: Die Reaktion fällt einhelliger aus. 

Jetzt findet sich, und man muss leider sagen: traurigerweise, im Gegensatz zum Januar praktisch kaum ein Muslim außerhalb des Täterkreises, den die Tat nicht entsetzt und der nicht wie alle anderen auch mit den Opfern mitfühlt und die Täter verdammt. Dass es nicht der Wille Gottes (bzw. Allahs) sein kann, dass seine Gläubigen mit Sturmgewehren in friedliche Menschenansammlungen hineinballern, um so viele Menschen wie möglich zu töten, dürfte bei allen Weltreligionen und anderen auch Allgemeingut sein. Bei den Morden im Zusammenhang mit den Mohammed-Karikaturen war das leider anders. Da fanden sich dann leider doch quer durch die Bank Muslime, die den Tätern Verständnis entgegen brachten, wenn nicht noch mehr. 

Auch bei den neuen Morden schrien die Täter „Allahu akbar!“. 

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Das größere Problem (Nachschlag)

Es ist auffällig, wie in den letzten Tagen in den Medien die „Pegida“-Demonstrationen in Dresden zum für ganz Deutschland gemeingefährlichen Popanz aufgebauscht werden. Da lässt ein für Ausfälle dieser Art berüchtigter Schriftsteller in einer von Fäkalsprache durchsetzten „Rede“ das Wort „KZ“ fallen, und schon wieder wird bundesweit verbal die Machtergreifung verhindert. Da greift ein offensichtlich verwirrter, bekannter Rechtsextremer eine Wahlveranstaltung an und verletzt dabei eine OB-Kandidatin schwer, und schon wird eine offensichtlich magische Verbindung zu den Pegida-Demonstranten konstatiert. Da droht irgendein Depp bekannten Politikern symbolisch mit dem Galgen, und plötzlich wird dieser bei anderen, von Linken organisierten Demonstrationen längst praktizierte Schwachsinn als reale Gefahr beschworen. 

Und wo man schon dabei ist, kriegt auch gleich die AfD ihr Fett ab. Da reichen der skurrile Auftritt in einer Talkshow und das wirre Gerede eines Provinzpolitikers aus, um die AfD zur rechtsextremen Partei zu erklären, und man unterstellt ihr Nazi-Rhetorik und die Quasi-Mittäterschaft bei den Brandanschlägen auf geplante Flüchtlingsheime. Die „Welt“ entblödet sich dabei nicht, die inhaltliche Übereinstimmung von Petry und Höcke als Beleg für einen „Rechtsruck“ heranzuziehen – den hat es in der AfD zwar längst gegeben, aber da Höcke selbst bislang in der bequemen Lage war, überhaupt keine Inhalte anzubieten, sondern stattdessen nur mit nationalistischer Rhetorik an Emotionen zu appellieren, handelt es sich hier eher um einen geschickten Schachzug von Petry, dem sich an seiner Volkstribunrolle berauschenden Höcke die eigenen Positionen unterzujubeln.

Nun muss man die Positionen von „Pegida“ (so man denn solche in all der gefühlsbetonten Ablehnung des Bestehenden ausmachen kann) und der AfD nicht teilen. Wirklich nicht. 

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