Archiv der Kategorie: Meinungsmache

Fremd im eigenen Land

Natürlich: Das Verwenden der Redewendung „fremd in eigenen Land“ ist irgendwie voll Nazi. Aber wie auch immer: Genau so fühlt sich der Werwohlf manchmal. Zum Beispiel dann, wenn er abends in einer Großstadt in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Die lautesten Stimmen sprechen nicht Deutsch. Menschen, die anders aussehen als die, die man als Kind kannte, reden in fremden Sprachen miteinander. Einige davon haben sich islamischen Kleidungsvorschriften unterworfen. Wo man hinschaut: Menschen „mit Migrationshintergrund“.

Szenenwechsel: das nächste Schnellrestaurant. An der Kasse: Eine nette, aber radebrechende Angestellte. Die Kunden: Junge Männer mit kurz geschorenen Haaren an den Seiten, aber einem üppigen Kamm auf dem Schädel. Sie tragen Bärte. Und sie reden, wenn nicht Türkisch oder Arabisch, „Kiezdeutsch“ – rudimentäre Grammatik, Ersatz des „ch“ durch „sch“. Sie sind Teil einer Gemeinschaft, die Urdeutsche wie den Werwohlf ausschließt.
Es soll hier nicht darum gehen, ob das alles gut oder schlecht ist.

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Was zu Nachbarn

Es gab ja einige Tage kein wichtigeres Thema als die Gauland-Äußerung zur Frage, wer Jerome Boateng vielleicht nicht als Nachbarn haben möchte. 

Anscheinend hatte die FAS, die das Interview mit Gauland führte, den ominösen Satz geradezu begeistert aufgegriffen, um damit folgende Story zu erzählen:

  1. Gauland beleidigt Boateng.
  2. Es handelt sich hierbei um eine bewusste Provokation mit dem Ziel, rechte Ressentiments wahlweise zu „bedienen“ oder zu „schüren“.

Die Absicht der FAS wird sehr gut deutlich in einem Kommentar von Richard Wagner. Wagner lässt keinen Zweifel daran, dass die Aussage Gaulands nur auf niedrigsten Motiven basieren kann. 

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AfD: Radikaler Umbau?

Die AfD will „Deutschland umbauen“, am liebsten „radikal“. Soweit stimmt der Titel des Artikels auf FAZ.net vielleicht mit der Aufgabe überein, die die AfD sich selbst gegeben hat. Aber dass nach Umsetzung der AfD-Forderungen tatsächlich „das Land nicht wiederzuerkennen wäre“, hält der Werwohlf für weit übertrieben. Gehen wir die Punkte mal durch. Und lassen wir bei allen zunächst mal ganz außer Acht, was wir von ihnen jeweils halten:

1. Strafmündigkeit schon ab 12 Jahren

Warum würde eine Umsetzung mithelfen, das Land bis zur Unkenntlichkeit zu verändern? 

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Noch mal schnell was zum Islam

Zwei Arten von Diskussionsbeiträgen sind im Zusammenhang mit dem Islam besonders lästig und letztlich überflüssig: Pauschale Verdammung, wie sie die AfD betreibt, und pauschale Verharmlosung, wie sie von politisch-medialen Elite (im Einklang mit dem oberen Klerus) propagiert wird. Dem Werwohlf jedenfalls ist es schleierhaft, wie man als einigermaßen vernunftbegabter Mensch nicht zu der Sichtweise gelangen kann, die ein Kenner der Materie, Hamed Abdel-Samad, eingängig zu vertreten im Stande ist – übrigens durchaus im Einklang mit führenden Islamwissenschaftlern. 

Aufgrund der unterschiedlichen Entstehungsgeschichte ist es nun einmal beim Islam viel schwieriger als beim Christentum, die friedfertigen und toleranten Teile der Religion in den Vordergrund zu stellen. 

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Sternstunde der Dialektik?

Es musste so kommen. Der Werwohlf kann Jan Böhmermann nicht leiden. Warum nicht, das hat Antonia Baum in der FAS schon ganz schön zusammengefasst, obwohl ihr Beitrag keinesfalls darauf schließen lässt, sie selbst stehe zu diesem – nun ja – Unterhalter genau so: „Spießbürger oder Nervensäge?“

Kurzgefasst: Böhmermann geriert sich als Rebell, ist aber in Wirklichkeit nichts anderes als eine Bestätigung der herrschenden Meinung und funktioniert auch genau deshalb. Was der herrschenden Meinung kein gutes Zeugnis ausstellt, denn auch in der FAS wird treffend die Trivialisierung von Politik durch vermeintliche Satiresendungen beschrieben.

Aber gut, der Mann hat sein Ziel erreicht. Er hat Erdogan beleidigt, und seine Majestät ist not amused. Wie der das von zu Hause gewohnt ist, strebt er nach Bestrafung des Frechlings. Dieser aber wusste vorher ganz genau: Auch wenn in Talkshows mit schreckgeweiteten Augen das maximale Strafmaß eines § 185 StGB zitiert wird – mehr als eine Geldstrafe hat der wackere Kämpfer für Meinungsfreiheit eh nicht zu befürchten. Und die zahlt ihm womöglich auch noch sein von mit staatlicher Gewalt eingetriebenen Zwangsgeldern finanzierter Sender. Kein Vergleich zum Schicksal seiner türkischen Kollegen, die sich keinesfalls auf das unterirdische Niveau herablassen, das hierzulande gern mit Satire verwechselt wird. sondern ganz sachlich Missstände im türkischen Staat aufdecken und kritisieren. 

Es ist in diesem Zusammenhang also wirklich absurd, dass so ein Clown dann die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aber da Böhmermann ja von den Kulturschaffenden dieses Landes jede dialektische Volte zugestanden wird: Vielleicht wollte er genau diese Bigotterie aufzeigen?

Ein Meisterstück der Denunziation

Mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) ist das so eine Sache: Einerseits erscheinen dort grandiose Beiträge, wie z.B. der von Antonia Baum über das Phänomen Jan Böhmermann. Auf der anderen Seite kann man dort am selben Tag auch das hier antreffen: Ein ekelhaftes Musterbeispiel politischer Denunziation mit dem Titel „Wenn der Professor das rechte Auge zudrückt“.

Offensichtlich ist etwas Schreckliches passiert. 

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Die überschätzte Politikerin

Im „Netz“, oder besser, in dem, womit Journalisten ihre Filterblase verwechseln, wird gerade ein Interview der Deutschen Welle gefeiert, das ein gewisser Tim Sebastian mit der Co-Vorsitzenden der AfD Frauke Petry führte.

Genauer wird der Verhörstil gerühmt, in dem es erfolgte. Der Werwohlf muss zugeben: Er kennt Herrn Sebastian nicht und weiß daher auch nicht, wie er mit anderen Interviewpartnern umspringt. Er weiß nur aus den kolportierten Fragen, dieser Herr es darauf anlegte, Frau Petry in Schwierigkeiten zu bringen. Mit Erfolg, offensichtlich. Aber das lag dann vor allem an der Selbstüberschätzung der AfD-Politikerin, sich in einem Interview, das nicht in ihrer Muttersprache geführt wurde, einem ihr nicht gerade freundlich gesonnenen Herrn zu stellen. Die Fragen, für die Herr Sebastian gefeiert wird, waren hingegen alles andere als genial. Ein rhetorisch etwas versierterer Mensch hätte sie ziemlich mühelos gekontert. Beispiele gefällig?

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Jetzt ist es genug

Jetzt ist es genug. Es hat wieder Tote gegeben. 

Man darf dem Treiben dieser radikalisierten Hetzer nicht länger zusehen. Ihre Vertreter müssen an den Pranger gestellt, ausgegrenzt und geächtet werden. Ihren Anhängern muss klar gemacht werden: Folgt ihr weiter diesen Leuten, müssen wir euch auch als Feinde betrachten. Es ist eine Schande, mitten in Europa die Vertreter dieser Ideologie ungehindert ihre Thesen verbreiten zu sehen, wonach die Andersdenkenden, die Andersartigen minderwertig seien und sich gefälligst der Art von „Leitkultur“ zu unterwerfen hätten, die von diesen Hetzern vertreten wird. Es darf da keine Toleranz geben. Mit diesen Leuten kann man nicht reden, ihnen soll man keine Plattform bieten in Talkshows oder woanders, und ihre Versammlungen müssen massiv gestört werden. Wer sich dieser Richtung anschließt, für den ist kein Platz in Europa und der hat jede Bürgerrechte verwirkt.

Islamophob? Rassistisch?

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Konfliktchen

Und wo wir schon bei Clausnitz sind… Die 100 Deppen, die da diesen Bus mit Migranten belagert haben, taugen jetzt natürlich herrlich zum Aufregen und zum Dämonisieren. Nach „Köln“ muss schließlich mediales Terrain zurückerobert werden. Natürlich hätte man sich gewünscht, die Polizei wäre mit mehr Kräften vor Ort gewesen und hätte den Mob zurückdrängen, wenn nicht gar -schlagen können. Das war aber nicht der Fall und das eigentliche Problem des Abends. Jetzt wird allerdings auch die Polizei scharf kritisiert, weil Videos zu sehen sind, wie u.a. ein Junge gewaltsam aus dem Bus in die Unterkunft verbracht wird. Auch die anschließenden Erklärungen der Polizei stoßen auf scharfe Kritik.

Die Kritik lässt allerdings eins vermissen: Alternativen. 

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Was zu simplen Feindbildern

Im Zuge der Empörung über den „Mob von Clausnitz“ erfuhr man, dass der Leiter des dortigen Flüchtlingsheims AfD-Mitglied sei. Sofort wurden Stimmen laut, die ihn als Initiator der Busblockierer entlarvten, oder die ganz allgemein ihr Unverständnis bekundeten, dass „so jemand“ eine solche Stelle einnahmen konnte. Hinzu kam, dass Reden auf einschlägigen Demos von ihm bekannt wurden, mit denen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung heftig kritisiert wurde.

Damit wird eine Einheit aus Kritik an der Flüchtlingspolitik und Konfrontationen mit Flüchtlingen (bzw. Einwanderern) selbst geschaffen, die vielleicht den Anhängern bedingungslos offener Grenzen Munition zu liefern geeignet ist, die aber tatsächlich alles andere als zwingend ist. 

Der Werwohlf beispielsweise hält praktisch überhaupt nichts von dem, was Bundesregierung und linke Parteien bzw. Interessenverbände über die aktuelle Zuwanderungswelle verbreiten. Aber er sieht keinen einzigen Grund, warum er deswegen einem dieser Zuwanderer a priori feindselig gegenüber eingestellt sein sollte. Im Gegenteil, wenn diese Menschen nun einmal, gelockt von diversen Versprechungen, hier angekommen sind, ist es letztlich für alle Beteiligten, auch die Kritiker, am besten und am sinnvollsten, diesen eine menschenwürdige Versorgung angedeihen zu lassen und ihre Chancen zu maximieren, ohne Probleme in diesem Land zurechtzukommen, was höchstwahrscheinlich auch bedeuten muss, ihre Qualifikationen so gut es geht zu verbessern. Das wird schwer genug, u.a. auch aufgrund Entscheidungen dieser Bundesregierung, die auf diesem Gebiet mittlerweile genau so herumpfuscht wie bei allen anderen politischen Themen von vitaler Bedeutung für dieses Land (Euro, Energie…).

Nun kennt der Werwohlf besagtes AfD-Mitglied natürlich nicht. Aber warum sollte der nicht eine ähnliche Einstellung haben? Eine, die scharfe Kritik an der Politik mit pragmatischer Hilfe vor Ort verbindet? 

Das auszuschließen, würde letztlich auch bedeuten, dass FDP-Mitglieder nie Finanzbeamte werden dürften, weil ihre Partei für eine geringere Steuerbelastung und einfachere Steuern wirbt. Als ob dies einem ihrer Mitglieder die Anwendung geltenden Rechts verböte.