Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Unsinnige Phrasen (Teil I)

„Wenn Sie sowas abpfeifen, haben wir in einem Spiel 30 Elfmeter!“

Die jeweils genannte Zahl variiert natürlich, aber man kann die Uhr danach stellen, dass irgendein Fußballexperte, ziemlich sicher ehemalige Spieler („Ja gut, äh…“), diese Phrase anbringt, wenn jemand darauf besteht, dass Fouls im Strafraum nicht anders geahndet werden als außerhalb. Unsinn ist sie natürlich deshalb, weil sie nicht berücksichtigt, dass Spieler sich an die Regelauslegung des Schiedsrichters anpassen. Höhere Weihen bekommt dieser Unsinn regelmäßig in der Politik, wo bei diversen Forderungen, besonders im Bereich der Besteuerung, auch immer vorausgesetzt wird, die betroffenen Bürger oder Unternehmen seien nicht in der Lage, ihr Verhalten auf die neue Regelung abzustimmen.

Fast genau so beliebt und in der Zielrichtung ähnlich ist der Spruch „Das war kein elfmeterwürdiges Foul!“. Weiterlesen

Was zum Erfolg der AfD

Geht es nach den schlichten Geistern, die gerne mal Parteizentralen, Studios, Redaktionen und Talkshows bevölkern, dann ist eigentlich minütlich mit einem Fackelmarsch in Schwerin zu rechnen, denn über 20% der Wähler hätten sich dort als Nazis entpuppt. Wahrscheinlich über Nacht, denn das Nazisein ist offensichtlich so eine Art Jekyll-Mr.Hyde-Syndrom, das nur dann ausbricht, wenn man eine Partei wählt, die den Herrschenden nicht in den Kram passt. Andererseits sollten sich gerade die Freunde der assoziativen Denunzierung Gedanken machen, was bei der letzten Wahl an den Programmen von SPD, CDU oder Linken so attraktiv war, dass jetzt als Jünger Hitlers entlarvte Subjekte daran Geschmack fanden. 

Aber keine Sorge, es gibt ja den Werwohlf mit seiner – nein, nicht „ultimativen“, denn wem sollte er das Ultimatum setzen – allumfassenden Erklärung des Wahlergebnisses von Mecklenburg-Vorpommern und vielen davor wie danach. Fangen wir sinnvollerweise an mit

Weiterlesen

Angebissenes (I) – Die AfD, die Gewalt und der Hass

Einleitung: Der Werwohlf arbeitet seit Anfang des Jahres bei einem Projekt, das von Montag bis Donnerstag Auswärtstätigkeit erfordert. Am Donnerstag kehrt er spät abends heim, meist voller Gedanken, die sich im Lauf der Woche angesammelt haben (wenn sich nicht die Gelegenheit ergab, in „der Ferne“ mal einen Beitrag zu verfassen).  Unter dem Titel „Angebissenes“ sollen die ab sofort hier einfach mal rausgelassen werden, meist noch ziemlich roh und ungeschliffen, und manche davon werden vielleicht später wieder hier aufgegriffen.

Die ständig wiederkehrende Gewalt gegen AfD-Mitglieder und -Funktionäre war jetzt auch mal Anlass für einen Beitrag in der F.A.S. In der Tat kann sich der Werwohlf des Eindrucks nicht erwehren, dass in der Öffentlichkeit in solchen Fällen mit zweierlei Maas gemessen wird.

Für Wendehals Volker Wissing z.B. ist die Sache klar. 

Weiterlesen

Zwielichtig und doppelbödig

In Deutschland hat man bekannterweise seit dem Ende der Naziherrschaft ein zwiespältiges Verhältnis zur eigenen Nation. Inbesondere unter den Eliten gilt Deutschsein eher als peinliche Angelegenheit, derer man sich durch häufigen Gebrauch des Englischen, Bevorzugung feiner italienischer Küche und offen bekannter Sehnsucht nach einem europäischen Zentralstaat gerne entledigen möchte. Im Pöbel allerdings hat spätestens seit der Fußball-WM 2006 eine Art Renaissance der Nation eingesetzt: Man verwendet, sehr zum Ärger der politischen Linken, ziemlich ungezwungen Symbole wie die schwarz-rot-goldene Fahne und singt hier und da auch mal „Einigkeit und Recht und Freiheit“ mit. Der politisch korrekte Reflex verlangt, hierin ein Aufkommen von Nationalismus zu sehen, der Menschen aus anderen Ländern auszugrenzen trachtet. 

Weiterlesen

Kurz was zu Burka & Co.

Im Sommerloch erregt man sich für und gegen ein „Burka-Verbot“. Die Schlaumeier pflegen dann darauf hinzuweisen, dass die „Burka“ ein ganz spezielles Gewand ist und mitnichten alle Formen der muslimischen Vollverschleierung umfasst. Und sie hätten Recht damit, dass ein derart willkürlich ausgewähltes Verbot vermutlich reichlich sinnfrei wäre, zumal die Burka zu den in Deutschland eher nicht anzutreffenden Formen der Vollverschleierung zählen dürfte.

Aber darf ein liberaler Rechtsstaat so etwas überhaupt verbieten? Die Franzosen meinen: Ja. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags meint wohl: Nein. 

Weiterlesen

Was zu Zwangslieben und Liebeszwang

Schlösser gelten als reichlich unflexibel. Was von ihnen umfasst wird, bleibt, bis jemand erhebliche Gewalt aufwendet, um diesen Zustand zu ändern. Aber es gibt Dinge, die sind viel fester als Schlösser. Ideologische Verbohrtheit beispielsweise.

Eine Künstlergruppe namens „Frankfurter Hauptschule“ hat den „Liebesschlössern“ den Kampf angesagt:

„Diese Schlösser sind moderne Keuschheitsgürtel. Hier geht es nicht um Liebe, sondern um Besitz. Es ist ein massenhafter Ausdruck von Zwangsliebe und Liebeszwang“, begründete eine Sprecherin die Aktion „Stahlbad ist 1 Fun“.

Der Werwohlf weiß nicht, woher die Sprecherin ihre Erkenntnis bezieht. Aber hey – wer muss das schon nachweisen als Künstler. Eine gewisse Realitätsferne ist ihr allerdings nicht abzusprechen. Denn es gehört keine seherische Gabe dazu anzunehmen,  dass von den vielen in „Liebesschlössern“ vermeintlich verewigten Beziehungen, die z.B. ein Treppengeländer nahe des großen Flusses in der Stadt des Werwohlfs „zieren“, nur noch ein nicht allzu hoher Prozentsatz fortbesteht, während der Rest den Weg aller Lebensabschnittsgefährten ging. Vielleicht ist das nur ein weiteres, aber auch eklatantes Beispiel linken Irrglaubens, dass Absicht Realität zu ersetzen vermöge, aber wenn dem so wäre, wäre es ein besonders krasses. Allein das Anbringen eines solchen Schlosses ist nicht in der Lage, im echten Leben Bindung zu erzeugen oder zu erzwingen. Da gibt es ganz andere Institutionen, die man sich genauer anschauen müsste, aber die wären für eine Künstlergruppe die die „Frankfurter Hauptschule“ vermutlich viel zu real und darüber hinaus auch politisch inopportun.

Though this be madness yet there is method in it

Die Zeitungen berichten heute darüber: 

Als dringend reformbedürftig bezeichnen es die Autoren eines Evaluationsberichtes für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, der morgen vorgestellt werden soll. Wie die Zeitung „Die Welt“ berichtet, empfehlen die Forscher unter anderem eine Ausweitung der Kriterien, nach denen eine Benachteiligung verboten ist.

Unter anderem sollen Unternehmen mit einer „Migrantenquote“ gesegnet werden, und Vermieter sollen bei der Wohnungsvergabe nicht mehr die soziale Lage eines Mieters berücksichigen dürfen.

Nun ist es zunächst völlig logisch und im System so angelegt, dass auf einen Schelmen immer wieder neue anderthalbe gesetzt werden. 

Weiterlesen

Bier gegen Rechts?

Der Traum aller aufrechten Bürger wird heute auf welt.de wahr: „Wer hier Bier trinkt, protestiert gegen Rechts“

Aber ach, wo Licht ist, ist auch Schatten, wie der Teaser leider mitzuteilen weiß:

Einerseits will man weltoffen sein auf der Biermeile in Berlin. Andererseits wird dort in diesem Jahr deutsche Reinheit verherrlicht.

Der Werwohlf kennt den Begriff „verherrlichen“ eigentlich nur aus dem Strafgesetzbuch im Zusammenhang mit unappetitlichen Erscheinungen. Also wie Nazi ist das deutsche Reinheitsgebot (bitte an dieser Stelle mit gutturaler Aussprache denken)?

Weiterlesen

Für Meinungsfreiheit – aber wie?

Beiträge auf Facebook werden gesperrt, User aus Twitter ausgesperrt. Zum Teil ganz ohne Begründung, zum Teil mit einer etwas bizarren, und zum Teil, obwohl viel von der Art und Weise her Schlimmeres ungehindert auf denselben Plattformen weiter verbreitet werden darf. Bundesministerien mischen da auf recht undurchschaubare Art und Weise im Zusammenspiel mit von ihnen geförderten regierungsnahen NGOs (nein, das ist leider kein Oxymoron) mit, und die Empörung ist bei Kreisen, die nicht zu den politischen Gegnern der Gesperrten zählen, groß.

Der Werwohlf sieht das alles auch. Aber hey. Facebook und Twitter sind Unternehmen, keine altruistischen Plattformen. Und wenn man in unserem System des Crony Capitalism damit weiter kommt, dass einige User gleicher sind als andere, dann wird man dort kaum mit der Wimper zucken, auch so zu handeln. 

Daher gilt: Wer bei Facebook oder Twitter gesperrt wird, ist selbst schuld. 

Weiterlesen

Wer sich integrieren muss

Wir werden uns daran gewöhnen müssen: Immer, wenn ein Migrant entweder ein Attentat verübt oder sich auf offener Straße mit anderen zusammenschließt, um Despoten zu feiern oder den Juden die Vernichtung zu wünschen, werden überall die Fragen zu hören und zu lesen seien, warum die Integration hier denn wohl gescheitert sei. Je nach politischer Positionierung werden die Antworten darauf wohl auch immer unterschiedlich ausfallen: Für die einen haben „die Deutschen“, „die Gesellschaft“ oder auch nur „der Staat“ versagt, indem sie zu wenig Angebote gemacht, zu wenig Geld verteilt oder zur große Hürden errichtet hätten. Für die anderen ist es der Beleg, dass Einwanderung unweigerlich in „Parallelgesellschaften“ münde, Muslime[1] praktisch nicht integrierbar seien oder durch Zuwanderung Konflikte von außen ins Land getragen würden.

Das Schlimme ist: Wahrscheinlich haben beide Seiten bis zu einem gewissen Punkt Recht. 

Weiterlesen