Der Zorn des Werwohlfs

Es ist wohl so: Der Fußball bringt in uns die schlechtesten Seiten hervor. Der Werwohlf kennt sich eigentlich als jemanden, der, obwohl er nicht aus dem Rheinland stammt, jederzeit bereit ist zu sagen: „Man muss auch jönne könne!“. Sicher, das fällt in manchen Fällen leichter als in anderen (z.B. bei Selbstbedienungen von Managern und Politikern), aber im Grunde sieht der Werwohlf es entspannt, wenn der liebe Gott (oder das Schicksal) es offensichtlich besonders gut mit jemandem meint.

Von dieser Regel gab es bisher nur eine Ausnahme. Und seit gestern gibt es deren zwei. Beide haben mit Fußball zu tun. Den Rest des Beitrags lesen »


Unsinnige Phrasen (Teil I)

„Wenn Sie sowas abpfeifen, haben wir in einem Spiel 30 Elfmeter!“

Die jeweils genannte Zahl variiert natürlich, aber man kann die Uhr danach stellen, dass irgendein Fußballexperte, ziemlich sicher ehemalige Spieler („Ja gut, äh…“), diese Phrase anbringt, wenn jemand darauf besteht, dass Fouls im Strafraum nicht anders geahndet werden als außerhalb. Unsinn ist sie natürlich deshalb, weil sie nicht berücksichtigt, dass Spieler sich an die Regelauslegung des Schiedsrichters anpassen. Höhere Weihen bekommt dieser Unsinn regelmäßig in der Politik, wo bei diversen Forderungen, besonders im Bereich der Besteuerung, auch immer vorausgesetzt wird, die betroffenen Bürger oder Unternehmen seien nicht in der Lage, ihr Verhalten auf die neue Regelung abzustimmen.

Fast genau so beliebt und in der Zielrichtung ähnlich ist der Spruch „Das war kein elfmeterwürdiges Foul!“. Den Rest des Beitrags lesen »


Zwielichtig und doppelbödig

In Deutschland hat man bekannterweise seit dem Ende der Naziherrschaft ein zwiespältiges Verhältnis zur eigenen Nation. Inbesondere unter den Eliten gilt Deutschsein eher als peinliche Angelegenheit, derer man sich durch häufigen Gebrauch des Englischen, Bevorzugung feiner italienischer Küche und offen bekannter Sehnsucht nach einem europäischen Zentralstaat gerne entledigen möchte. Im Pöbel allerdings hat spätestens seit der Fußball-WM 2006 eine Art Renaissance der Nation eingesetzt: Man verwendet, sehr zum Ärger der politischen Linken, ziemlich ungezwungen Symbole wie die schwarz-rot-goldene Fahne und singt hier und da auch mal „Einigkeit und Recht und Freiheit“ mit. Der politisch korrekte Reflex verlangt, hierin ein Aufkommen von Nationalismus zu sehen, der Menschen aus anderen Ländern auszugrenzen trachtet. 

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Guardiola: Wird Ancelotti zum Heynckes?

Es sieht fast so aus, als versuche die „Welt“, sich vorauseilend an die Spitze der Guardiola-Kritiker zu setzen. Da wird zur Not sogar der in München zwar beliebte, aber letztlich auch nicht mit den großen Titeln in Verbindung gebrachte Ivica Olic, als Kronzeuge herangezogen.

Sicher, Guardiola hat bestimmt nicht alles richtig gemacht in München. Aber das ist auch nicht die Aufgabe von Revolutionären. Die müssen umwälzen, das Bestehende überwinden, um es auf eine neue Stufe heben zu können. Es gab in der jüngeren Zeit in München schon so einen: Luis van Gaal. Der hat aus dem von Klinsmann hinterlassenen Chaos erst ein richtiges System gebastelt und wichtige Spieler wie Müller und Badstuber eingebaut. Aber auch van Gaal schaffte es mit Bayern nicht ganz an Europas Spitze – das gelang dann im zweiten Anlauf erst Jupp Heynckes, der (auch dank umsichtiger Einkaufspolitik des Vereins) van Gaals Arbeit weiterführte und verfeinerte, ohne die Defizite des Holländers im menschlichen Umgang (vor allem mit der Vereinsführung). Wenn man den Experten glauben kann, hat auch Guardiola die Mannschaft nochmal entscheidend verbessert, moderner, flexibler und sinngebender gemacht. Allein der entscheidende europäische Erfolg blieb auch ihm versagt. Vielleicht, weil auch dieses fußballerische Genie an bestimmten Stellen Defizite aufweist. So wird ihm ja eine gewisse Starrköpfigkeit nachgesagt, die bis zur Verbohrtheit gehen kann, und mit Kritik scheint er nicht wirklich gut umgehen zu können. Auch im Umgang mit verletzten Spielern könnte er wohl noch dazulernen.

Aber wie verfehlt wäre eigentlich die Prognose, dass Ancelotti zum Heynckes werden kann? Jemand, der die bahnbrechenden Prinzipien seines Vorgängers übernimmt, sie mit eigenen Zutaten verfeinert und so letztlich auf das entscheidende Ziel hin perfektioniert? Nach allem, was man vom Italiener so hört, stehen die Chancen gut.

Einen Champions-League-Sieger zu formen, ist ein Prozess. Führt er zum Erfolg, sollte man dann aber nicht nur den Setzer des Schlusssteins feiern, sondern alle am Bau Beteiligten. Guardiola verdient für seinen Beitrag einen herzlichen, dankbaren Abschied.


Was Sport mit Gerechtigkeit zu tun hat

Im relaunchten „Zettels Raum“ beschäftigte sich Autor Noricus mit der sportlichen Ungerechtigkeit am Beispiel des Fußballs. Seine These: „Mehr Gerechtigkeit führt zu weniger Reiz.“ Um dann hinzuzufügen, das gelte „natürlich“ nur im Fußball. Nun, Ort des Beitrags und der darauffolgende Satz, der mit „ein Schelm, wer“ beginnt, mögen ausreichen, um anzunehmen, dass der Autor diesen Beitrag nicht geschrieben hätte, sähe er das wirklich so.

Als äußerst interessierter Beobachter des Profi-Fußballs muss der Werwohlf hierzu natürlich Stellung nehmen. Er stimmt Noricus zu, dass es im Fußball meist nicht nur wenig vorhersehbar ist, wer gewinnt, sondern dass es auch genug Fälle gibt, in denen die ansonsten in jeder Hinsicht bessere Mannschaft am Ende verliert. Schon das unfehlbare Orakel Herberger meinte ja, die Leute gingen vor allem deswegen zum Fußball, weil sie vorher nicht wüssten, wie das Spiel ausgeht. Aber ist der Sieg einer nach einhelliger Meinung ansonsten schlechteren Mannschaft tatsächlich eine Ungerechtigkeit? Der Werwohlf sieht das anders. 

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1974

Meine intensivste emotionale Begegnung mit Johan Cruyff hatte ich im WM-Endspiel 1974. Da war das der Typ, der den hochverdienten (hat da etwa jemand „Schwalbe“ gerufen???) deutschen Sieg ständig drohte in Gefahr zu bringen. Was ich als kleiner deutscher Junge (Ruhe da draußen, ihr Jungspunde!) im Kreise meiner deutschen Altersgenossen naturgemäß nicht zu schätzen wusste. 

Erst später, durch viele weitere Spiele und diverse Lektüren aufgeschlaut, war ich in der Lage, das Genie dieses Ausnahmekönners annähernd zu begreifen. Es gibt wohl nur wenige Menschen, die diese Sportart zugleich so umfassend und so ästhetisch begriffen haben. Wir, die wir nicht nur Siege, sondern auch schöne Spiele sehen wollen, müssen diesem Holländer wohl auf ewig dankbar sein. Verdient hätte er es.

Was mich, Johan möge es verzeihen, aber die Wahrheit über den Fußball lag auch ihm am Herzen, nochmal zum Thema 1974 bringt. 

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Vier unzureichende Argumente gegen den Videobeweis

Man mag es als Außenstehender kaum glauiben, aber die Einführung von Videobeweisen im Fußball hat kämpferische Gegner. Aus Sicht des Werwohlfs ist das ein weiterer Beweis für die verbreitete Feindlichkeit gegenüber technischem Fortschritt, aber schauen wir uns die Argumente der Gegner doch mal genauer an:

1. Das Spiel wird zu oft unterbrochen.

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