Archiv der Kategorie: FAZ.net

Was zur Wahl ’17

Es war doch für alle Beteiligten großartig, dass die AfD mit einem Stimmenanteil von knapp 13% ins Parlament einziehen konnte. Vor allem ersparte es den Wahlverlierern, also der GroKo, zunächst, sich ihren Verlusten zu stellen und womöglich personelle oder gar inhaltliche Konsequenzen diskutieren zu müssen. Da war es nur allzu praktisch, einfach die AfD und ihre Wähler beschimpfen und damit die simple Schlussfolgerung tabuisieren zu können, dass da ein nicht allzu kleiner Teil der Wähler mit der Regierungspolitik und vielleicht noch vielem anderen mehr in dieser Republik derart unzufrieden war, dass es ihm kürbisegal erschien, ob sich in der einzigen Partei, die diesen Unmut zur Sprache brachte, auch nicht ganz koschere Gesellen tummeln. Die Analyse, wonach ein Großteil der AfD-Wähler diese Partei nicht wählte, weil er überzeugt von ihr war, sondern weil er eine Gegenposition zu den anderen, etablierten Parteien beziehen wollte, war doch bezeichnend – klassische Protestwählerschaft eben. Aber Nazi soll ja inzwischen nicht nur sein, wer AfD wählt, sondern schon, wer eine andere Auffassung als die des rot-grün dominierten Mainstreams der labernden Klasse zu vertreten wagt. Mittlerweile müssen dem politisch und historisch Ungebildeten diese Nazis als durchaus honorige Personen mit besonderer demokratischer Reife erscheinen. 

Dabei war das einzige, was am Wahlabend wirklich an Nazis erinnerte, der Aufmarsch der Antifa vor der Wahlparty der AfD. Es sollte doch absurd sein, dass in diesem Land verbale Ausfälle unter dem Verdacht höchster Gefahr stehen, während konkret an Menschen und Sachen verübte, körperliche Gewalt unter Schulterzucken durchgeht. 

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Fremd im eigenen Land

Natürlich: Das Verwenden der Redewendung „fremd in eigenen Land“ ist irgendwie voll Nazi. Aber wie auch immer: Genau so fühlt sich der Werwohlf manchmal. Zum Beispiel dann, wenn er abends in einer Großstadt in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Die lautesten Stimmen sprechen nicht Deutsch. Menschen, die anders aussehen als die, die man als Kind kannte, reden in fremden Sprachen miteinander. Einige davon haben sich islamischen Kleidungsvorschriften unterworfen. Wo man hinschaut: Menschen „mit Migrationshintergrund“.

Szenenwechsel: das nächste Schnellrestaurant. An der Kasse: Eine nette, aber radebrechende Angestellte. Die Kunden: Junge Männer mit kurz geschorenen Haaren an den Seiten, aber einem üppigen Kamm auf dem Schädel. Sie tragen Bärte. Und sie reden, wenn nicht Türkisch oder Arabisch, „Kiezdeutsch“ – rudimentäre Grammatik, Ersatz des „ch“ durch „sch“. Sie sind Teil einer Gemeinschaft, die Urdeutsche wie den Werwohlf ausschließt.
Es soll hier nicht darum gehen, ob das alles gut oder schlecht ist.

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Was zu Nachbarn

Es gab ja einige Tage kein wichtigeres Thema als die Gauland-Äußerung zur Frage, wer Jerome Boateng vielleicht nicht als Nachbarn haben möchte. 

Anscheinend hatte die FAS, die das Interview mit Gauland führte, den ominösen Satz geradezu begeistert aufgegriffen, um damit folgende Story zu erzählen:

  1. Gauland beleidigt Boateng.
  2. Es handelt sich hierbei um eine bewusste Provokation mit dem Ziel, rechte Ressentiments wahlweise zu „bedienen“ oder zu „schüren“.

Die Absicht der FAS wird sehr gut deutlich in einem Kommentar von Richard Wagner. Wagner lässt keinen Zweifel daran, dass die Aussage Gaulands nur auf niedrigsten Motiven basieren kann. 

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Alleinstellungsmerkmal

Die medial gefeierte Nachwuchskraft der CDU, Diana Kinnert, versucht bei der FAZ zu erklären, warum die CDU doch keine SPD-Kopie sei.

Man muss in dem Gastbeitrag lange warten, bis man nach langen Spekulationen darüber, welche Motive jeweils hinter diesem Vorwurf stecken könnten, so etwas wie der Versuch einer Widerlegung unternommen wird. Böswillig könnte man sagen: Frau Kinnert ist nicht der Meinung, dass die CDU eine Kopie der SPD sei. Sie hat nur deren Positionen übernommen, weil sie „modern“ sind. Oder besonders „liberal“. Was aber irgendwie das Gleiche zu sein scheint. 

Natürlich kann man auf die manchmal spöttisch so genannte „Herz-Jesu-Sozialismus“-Tradition der CDU verweisen, für die ja auch immer z.B. jemand wie Norbert Blüm stand. Und man kann auch versuchen, daraus z.B. die Einführung eines Mindestlohns zu begründen. Aber das ändert leider nichts an der Tatsache, dass der Mindestlohn eben nicht in Wahl- oder Parteiprogramm der CDU stand, sondern in dem der SPD und der Parteien links von ihr. Natürlich kann man behaupten, die „progressive Mehrheitsgesellschaft“ verlange geradezu nach einer Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Aber das ist selbst Stand heute nicht CDU-Programmatik. Sondern die der SPD und aller Parteien links von ihr (und der FDP). 

Es ist völlig egal, wie man es nennt: Wenn Modernität angeblich durch linke, vulgo: SPD-, Positionen bestimmt wird, ist die gehorsame Anpassung an diese selbstverständlich gleichzusetzen mit einer Kopie. Der Austausch von Etiketten ändert daran nichts. Frau Kinnert wäre zu fragen, ob es nicht auch lange zur Rolle der CDU in dieser Demokratie gehörte, eben nicht die „modernen“ oder „zeitgemäßen“ Antworten (als ob diese vom Himmel fielen und nicht Ergebnis eines auch politischen Prozesses wären) zu geben, sondern an den Alternativen festzuhalten. Diese Rolle jedenfalls hat die CDU unter Merkel praktisch komplett aufgegeben. Wie man sieht, unter dem Beifall der Nachwuchskraft. 

Bliebe nur noch die Frage: Und der Unterschied zu SPD und Grünen besteht jetzt noch worin genau? In der Handvoll Jahre Abstand, in der deren Positionen übernommen werden? Selbst das muss seit der „Es gibt keine Grenzen mehr“-„Politik“ der Kanzlerin bezweifelt werden. Wahrscheinlich bleibt die Fixierung auf die Macht und der daraus folgende Mangel an innerparteilicher Demokratie das Alleinstellungsmerkmal der CDU.

AfD: Radikaler Umbau?

Die AfD will „Deutschland umbauen“, am liebsten „radikal“. Soweit stimmt der Titel des Artikels auf FAZ.net vielleicht mit der Aufgabe überein, die die AfD sich selbst gegeben hat. Aber dass nach Umsetzung der AfD-Forderungen tatsächlich „das Land nicht wiederzuerkennen wäre“, hält der Werwohlf für weit übertrieben. Gehen wir die Punkte mal durch. Und lassen wir bei allen zunächst mal ganz außer Acht, was wir von ihnen jeweils halten:

1. Strafmündigkeit schon ab 12 Jahren

Warum würde eine Umsetzung mithelfen, das Land bis zur Unkenntlichkeit zu verändern? 

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Ein Meisterstück der Denunziation

Mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) ist das so eine Sache: Einerseits erscheinen dort grandiose Beiträge, wie z.B. der von Antonia Baum über das Phänomen Jan Böhmermann. Auf der anderen Seite kann man dort am selben Tag auch das hier antreffen: Ein ekelhaftes Musterbeispiel politischer Denunziation mit dem Titel „Wenn der Professor das rechte Auge zudrückt“.

Offensichtlich ist etwas Schreckliches passiert. 

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Einfach, oder?

Wenn der Werwohlf sich politisch äußert, dann als Bürger wie jeder andere. Gut, vielleicht noch als einer, der von Wirtschaft mehr Ahnung hat als die meisten. Aber wenn es darum geht, was in Unternehmen so abgeht, beansprucht er noch mehr Expertise für sich. Insbesondere nervt es ihn, wenn Kommentare wie dieser hier bei der FAZ erscheinen: „Martin statt Professor“.

Da steht manches Richtiges, aber auch viel Falsches drin. 

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Der durchökonomisierte Kuchen

Zum Glück gibt es das FAZ-Feuilleton. Wo sonst bekäme der davon ansonsten nicht behelligte Bürger so wertvolle Einblicke in das verworrene, nun ja, Denken intellektueller Linker? Heute ist es mal wieder soweit: Redakteur Harald Staun macht uns anlässlich der wohlwollenden Besprechung zweier Bücher aus dem linken Spektrum gruseln, denn die Durchökonomisierung geht um im Lande. Oder ist es der Neoliberalismus? Oder der Markt? So ganz klar ist das nicht, denn vor lauter Lust am Schwurbeln wechselt der Autor von einem Begriff zum anderen, ohne je einen davon auch nur dem Rand einer Definition zugeführt zu haben. Tatsache ist jedoch: Wir reden hier von ganz schlimmen Übeln.

Das besonders Perfide am Neoliberalismus, um mal mit dem anzufangen, ist ja, „dass er erfolgreich so tut, als gäbe es ihn nicht“. 

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Orbán hat Recht

Da können sich die Leitmedien und selbstgerechte EU-Funktionäre noch so sehr ereifern, und Martin Schulz mag sich noch so sehr im falschen Film vorkommen: Viktor Orbán hat selbstverständlich Recht. Wenn es in Europa ein Problem mit Flüchtlingen bzw. Migranten gibt, ist es vor allem ein deutsches Problem. Denn vor allem Deutschland ist der Magnet aller, die sich in Europa ihr Heil erhoffen. Dank eines weltweit einzigartigen Asylrechts, und dank weltweit einzigartiger Willkommensarien, die von den Menschen, die sich betroffen fühlen können, dann auch entsprechend aufgenommen werden. Dass Deutschland auf diese Art und Weise mehr verspricht, als es objektiv[1] halten kann, ist, siehe Orbán, allein sein Problem. 

Die Diskussion, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist, können wir uns sparen. 

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Merkel, die sozialen Netzwerke und ein alter Fehler

Kleine Vorwarnung: Das wird jetzt wieder mal ein bisschen lang, und der Werwohlf kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen…

Hurra! Merkel locuta! Nachdem auch noch der Obertupfinger Bürgerbote gefordert hatte, Merkel müsse jetzt endlich zur Flüchtlingsproblematik öffentlich Stellung beziehen, hat sie es nun auch getan. Oder besser: Zunächst erst mal tun lassen, durch ihren Sprecher. Der hatte damit allerdings auch nicht viel Arbeit, denn der für solche Fälle zur Verfügung stehende Wortschatz ist arg begrenzt, wenn es nicht wieder einen (sozial-)medialen Aufschrei geben soll: Mit den Worten „abstoßend“, „Hass“, „beschämend“ und „dumpf“ wurde die Pflicht souverän absolviert. Der Vizekanzler übernahm dann am Ort des Geschehens selbst die Kür, indem er die Begriffe „Mob“, „Pack“ und „einsperren“ hinzufügte – hätte er vor den „Mob“ nicht noch das Adjektiv „braun“ gesetzt, man könnte sich an Aussagen von CSU-Innenpolitikern nach linken Demonstrationen der 70er Jahre erinnert fühlen. Aber es traf ja die Richtigen, oder? Wenn es um den „Kampf gegen Rechts“ geht, dann kennt die Öffentlichkeit keine Parteien mehr, nur noch anständige Deutsche.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Worte Gabriels sprechen mehr aus dem werwöhlfischen Herzen als die formelhafte Ansage des Regierungssprechers. 

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