Sprachregelungen

„Labernde Klasse“ – so nennt der Werwohlf seit jeher das Konglomerat aus Politik, Journalismus und (im Wesentlichen geisteswissenschaftlichen) Akademikern, das die allgemein zugänglichen öffentlichen Kommunikationskanäle beherrscht, vor allem natürlich die etablierten Medien, aber ebenso, wenn auch vielleicht in etwas anderer interner Zusammensetzung, die „sozialen“.

Der Name deutet es an: Diese Klasse bezieht ihre Macht (um die geht es bei Klassen immer) aus dem Umgang mit Sprache. „Ich rede, also bin ich“ ist ihr Motto.

Kein Wunder also, dass die Angehörigen dieser Klasse auch dazu neigen, die Wirkung ihres wichtigsten Instrumentes zu überschätzen, oder auch, sich bei ihren politischen Aktivitäten vorrangig mit diesem zu beschäftigen. Diesen Einschätzungen haben wir Phänomene wie das durchgängige „Gendern“ zu verdanken, aber auch diverse andere Versuche, für Sprachpurismus zu sorgen – man denke nur an das immer wieder neu gestartete Unterfangen, einen Ausdruck für Menschen zu finden, die, aus welchen Gründen auch immer, in Deutschland politisches Asyl beantragen. „Asylant“ war bald verpönt, aber auch der „Asylsuchende“ wurde zuletzt von anderen Bezeichnungen verdrängt.

Die öffentlich-rechtlichen Sender scheinen hier durchaus unabgestimmte, aber jeweils für sich ziemlich konsequente Linien zu verfolgen. Dem gemeinen ZDF-Zuschauer musste auffallen, dass dort das „Gendern“ mehr und mehr Einzug hielt, bis hin zum politisch korrekten Schluckauf vor einem „innen“. Die mitunter inkonsequente Anwendung mag zwar beim sensibilisierten Zuschauer zu Erheiterung, Verwunderung oder Verdächtigung geführt haben, lässt sich aber durch die Mühsal des Anfangs erklären.

Bei der ARD war Vergleichbares bislang nicht zu beobachten, aber die Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine zeitigte Auffälliges. Sprach man in den Anfangstagen noch unbefangen von der west-ukrainischen Stadt Lemberg, so haben die Mitarbeiter der ARD diesen Ort offenbar nur noch „Lwiw“ zu nennen, egal, wie sehr ihre Zunge diesem zu folgen vermag. Jedenfalls fällt es auf, dass dies jetzt konsequent durchgezogen wird. Wobei man als alter Hase sagen muss: Eigentlich war die Verwendung von „Lemberg“ die Ausnahme. Deutsche Journalisten mühen sich seit ewigen Zeiten, bei der Benamsung bestimmter Städte Mittel- und Osteuropas auf gar keinen Fall den überlieferten deutschen Namen zu verwenden. Breslau oder Pressburg mussten längst Wrocław oder Bratislava weichen. Und Lemberg jetzt endlich auch Lwiw.

Man kann sich denken, warum das so ist. In der labernden Klasse gilt die Verwendung von historischen deutschen Namen für mittel- und osteuropäische Städte als Revanchismus – so, als reklamiere man sie damit zurück ins Deutsche Reich. Aber das ist nicht nur Schwachsinn, das ist auch peinlich. Fangen wir mit letzterem an: Wenn der politisch korrekte Journalist über Breslau berichten will, wird er von einer Stadt namens „Wrotzlaff“ erzählen. Ja, das steht zwar in „l“ in „Wrocław“, aber das wird eben nicht wie „l“ ausgesprochen, sondern eher so wie das „w“ im englischen „we“. Vor lauter politischer Korrektheit erfindet der deutsche Journalist also einen dritten Städtenamen, nur als Signal an die eigene Klasse.

Die Anwendung des Gesetzes „nur in Landessprache“ ist auch sehr selektiv. Dass nicht „Budapescht“ gesagt wird, irritiert schon etwas, aber dass man immer noch „Prag“ statt „Praha“ verwendet, dann vollends. Wahrscheinlich sind auch wackere woke Journalisten ein Stück dankbar, dass sie bei der Hauptstadt Georgiens nicht von „Tbilisi“ reden müssen, sondern wenigstens jetzt noch „Tiflis“ sagen dürfen.

In anderen Ländern ist die labernde Klasse nicht so skrupulös. Natürlich sprechen sie da von Mailand, Neapel, Brüssel oder Lissabon, und nicht etwa von Milano, Napoli, Bruxelles oder Lisboa. Warum also diese manchmal peinlichen Veranstaltungen in Ost- und Mitteleuropa? Sollten wir hier wirklich nur eines seltsamen, jeder Logik abholden Rituale der labernden Klasse beobachten?

Übrigens fällt in der ARD noch etwas anderes auf. Als ab dem Jahr 2015 die vielen jungen Männer aus Afghanistan, arabischen und afrikanischen Landen kamen, gab es nur noch „Geflüchtete“, „Flüchtende“ oder „Schutzsuchende“. Jetzt, wo statt junger Männer vorwiegend Frauen mit Kindern kommen, gibt es plötzlich wieder „Flüchtlinge“. Auch wieder so konsequent, dass man nicht an Zufall glauben kann. Es fällt da wirklich schwer, nicht die Schlussfolgerung zu ziehen, die sich unmittelbar aufdrängt.

Aber egal, wie man im Einzelfall urteilen mag: Viel mehr irritiert den Werwohlf, dass Sprache in den öffentlich-rechtlichen Medien offenbar in erster Linie als Instrument politischen Aktivismus begriffen wird, dessen man sich dann auch gerne bedient. Wohl dem, der sich bei seiner Finanzierung auf Zwang stützen kann.

Ein Gedanke zu „Sprachregelungen

  1. Dr. Caligri

    Ich mache grundsätzlich JEDEN auf diesen Ungereimtheiten aufmerksam. Bis es nervt. Ich verabscheue das zutiefst.
    Besonders das mit Rom. In Italien heißt die Stadt nicht Rom.

    Antwort

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