Wunderliches im Jahr 2021

Auf FAZ.net gibt es einen Beitrag mit dem Titel „Was wir 2021 übel nehmen“. Er kommt aus der Feuilletonredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung – somit weiß der Kenner, was ihn erwartet, und er wird nicht enttäuscht: deutsch-typischer „Linksliberalismus“ (also Sozialismus ohne Klassenkampf) mit all den für ihn typischen Fehlschlüssen und Irrtümern, aber selbstverständlich auch mit dem ein oder anderen Nachvollziehbaren.

Der Werwohlf allerdings nimmt nur wenig übel. Wenn, dann verachtet er. Aber ganz so negativ wollen wir das Jahr nicht ausklingen lassen. Stattdessen findet sich jetzt hier eine Liste von Dingen, die sich dem Denken und Fühlen des Werwohlfs so komplett entziehen, dass er ihr Vorkommen ihm ein völliges Rätsel ist. So wundert er sich noch heute darüber, dass…

  • so viele Menschen die verzweifelte Lüge Trumps glauben, ihm sei der Wahlsieg gestohlen worden
  • so viele Menschen entgegen aller Evidenz beharrlich glauben wollen, COVID-19 sei harmlos und eine Impfung dagegen schlimm
  • einige Menschen tatsächlich meinen, Deutschland sei eine Diktatur, und sich nicht selbst wundern, warum sie das in alle Kameras sagen können
  • Heerscharen von Journalisten ganz plötzlich die Notwendigkeit erkannt haben wollen, die deutsche Sprache durch Gendern zu misshandeln, und ihren Kunden damit den Stinkefinger ins Gesicht halten
  • noch immer Bundesliga geguckt wird, obwohl der alte Herberger-Spruch, die Leute gingen hin, weil sie nicht wüssten, wie es ausgeht, nicht mehr stimmt
  • die FDP in der Bundesregierung ihre Leidenschaft für Gesellschaftsveränderung von oben entdeckt hat
  • das Durchzählen von Hautfarben und (angenommenen!!!) Geschlechtern in Personengruppen als aufklärerisch gilt
  • das Klima mit Planwirtschaft gerettet werden soll
  • den Medienberichten zufolge die CDU/FDP-Regierung in NRW anscheinend für die Flutkatastrophe in Ahrweiler verantwortlich ist
  • öffentlich kein Zusammenhang zwischen Nordstream 2 und der Energiewende hergestellt wird
  • verantwortliche deutsche Politiker nur nach Monaten erratischer Diskussionen endlich die aus Israel bereits von Anfang an vorliegenden Daten zu Corona und Impfungen zur Kenntnis nehmen
  • Deutschland sich auf einen stabilen Zustand eingeschwungen zu haben scheint, der jede Art von mit Unsicherheiten verbundener Veränderung zu einem Akt des Hochverrats macht, und dafür lieber sicher gegen die Wand rennt
  • noch Talkshows geschaut werden
  • es erst eine Pandemie brauchte, um auch die Vorteile des Arbeitens von zu Hause aus zu erkennen
  • es erst eine Pandemie brauchte, um die Rückständigkeit der deutschen digitalen Infrastruktur und der Prozesse in Behörden auszumachen
  • in Berlin eine Koalition wiedergewählt wurde, die sich wirklich anstrengte, die wesentlichen öffentlichen Aufgaben nicht mehr zu erfüllen
  • sich die Funktionäre der CDU offenbar meilenweit von ihren Mitgliedern entfernt haben
  • überhaupt noch eine Position Söders ernst genommen wird
  • in SPD-Kreisen das Bemühen, die Bundeswehr aus ihrem Status als Witztruppe, in der nichts mehr richtig funktioniert außer den Zapfenstreichen zur Verabschiedung von Politikern, etwas herauszuheben, als kriegerische Aufrüstung verstanden wird
  • auf einseitige Aggressionen Russlands oder der Hamas von eben solchen Politikern gebetsmühlenartig beschworen wird, eine „Spirale von Gewalt und Gegengewalt“ müsse gestoppt werden
  • der Kollaps des Rentensystems trotz aller Warnungen, die auf weitaus stabileren Daten und Annahmen basieren als die Prognosen zum Klimawandel, eine Art unantastbares Naturgesetz zu sein scheint
  • Frau Baerbock lieber schlecht Englisch spricht als gut Deutsch
  • Parteien immer dann ihre Leidenschaft für weibliche Bundespräsidenten entdecken, wenn sie keine Chance auf einen Erfolg ihres bevorzugten Kandidaten haben
  • Deutschland offenbar tatsächlich plant, zur Fußball-WM nach Katar die Nationalmannschaft statt eines U19-Nachwuchsteams zu entsenden
  • sogenannte „Experten“ immer meinen, Fußball-Fans würden sich gerne über krasse Fehlentscheidungen erregen
  • man die Regeln zum Video-Assistenten nicht denen im Hockey angepasst hat
  • Darts als Sport gilt
  • Twitter von einigen Journalisten als repräsentative Stimme „des Netzes“ herangezogen wird#
  • staatliche Angebote auf Facebook verfügbar sind
  • der Konzentrationsprozess im Kabelfernsehmarkt bis zum Schluss durchgezogen werden konnte
  • es immer noch Leute gibt, die keinen Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko sehen
  • es immer noch Leute gibt, die meinen, sie könnten die Zukunft vorhersagen

In diesem Sinn: Ein frohes neues Jahr!

Ein Gedanke zu „Wunderliches im Jahr 2021

  1. hubersn

    Schöne Liste. Außer, dass ich „Darts“ trotz des Kneipencharakters für Sport halte (wie auch „Tischkicker“), würde ich weitestgehend zustimmen. Und: auch bei niedriger Rendite kann das Risiko hoch sein 🙂

    Ich persönlich grüble immer noch, wie ein und derselbe Mensch gleichzeitig glauben kann, dass PCR-Tests sehr häufig falsch positiv sind UND der IFR von COVID-19 in Deutschland (vor Impfung) höchstens bei 0,1% liegt.

    Ebenso merkwürdig: wenn man sowohl glaubt dass die meisten Menschen mit und nicht an SARS-CoV-2 gestorben sind, aber gleichzeitig alle im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung Verstorbenen zu den ganz sicheren Impftoten zählt.

    In diesem Sinne: guten Rutsch. Sowohl dem Blogautor als auch dem anderen Leser.

    Antwort

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