Was zu Weihnachten 2021

Vor seiner Verwandlung, also in seinem früheren Online-Leben, war es guter(?) Brauch, dass der Werwohlf, oder besser: die Online-Existenz vor ihm, einen Beitrag zu Weihnachten brachte. Sollte ein Christ eigentlich auch schaffen.

Aber Weihnachten ist für den Werwohlf, obwohl er aus Überzeugung Mitglied einer christlichen Kirche ist, ein schwieriges Terrain. Sicher, es ist die Menschwerdung Gottes, aber da fängt das theologische Theater ja schon an, bereits seit den Anfängen des Christentums. Wie viel Gott, wie viel Mensch, wann und wie lange? Und ist das Ganze nicht eigentlich lediglich das Vorspiel zum eigentlichen Höhepunkt: Ostern? Klar, kein Ostern ohne Weihnachten. Aber Ostern ist mächtiger, größer, sinnhaltiger und voller Herausforderungen – also alles, was Glauben im Grunde ausmacht.

An Weihnachten hingegen wird die Geburt eines Kindes gefeiert – so what? Schon mit dem Kind (Kinder und Welpen gehen immer!) war die Grundlage gelegt für Vermarktung und Verkitschung bis zum Abwinken, und man kann sagen, dass die heutige Zeit darin eine wahre Meisterschaft erlangt hat. Auch alles, was gläubige Menschen aus ihrem Herzen diesem Fest seit jeher hinzufügten, ist hinein geraten in die Fänge des alleszermalmenden, konsummaximierenden Mainstreams.

Hinzu kommen die Ingredienzen neuen und alten Heidentums, das Gedöns um Bäume, Weihnachtsmänner, Rentiere und anderem US-Import, Gebäck und Geschenke. Für ganze Wirtschaftszweige liefert Weihnachten einen erheblichen, wenn nicht gar den wesentlichen Teil der Geschäftsgrundlage. Weihnachten wird es also wohl immer geben, auch wenn dessen eigentlicher[1] Anlass angesichts schrumpfender Zahlen von Kirchenmitgliedern in Deutschland wohl mehr und mehr aus dem Blickfeld geraten wird. Rein gesellschaftlich hat Weihnachten in Deutschland die Rolle übernommen, die „Thanksgiving“ in den USA hat: Die Familie kommt aus allen Richtungen zusammen, um zu schlemmen und sich auf die Nerven zu gehen. Okay, das war etwas zu polemisch – unter denen, die solch ein Weihnachten angeblich hassen, werden sich immer viele finden, die es vermissen, sobald der Tod es unwiderruflich unmöglich machte.

Und das muss sich jetzt auch der Werwohlf eingestehen: Seinen Glauben berührt Weihnachten leider nicht. Zumindest nicht direkt. Aber er wird immer die Weihnachtsfeiern mit seinen Eltern in Erinnerung behalten, zu denen auch sein Vater und seine Mutter dann immer ihr Päckchen an Assoziationen und Erinnerungen mitbrachten, und man war zusammen und froh, dass für ein paar Tage die Zeit still zu stehen schien und es nur noch die Familie gab (Besuch bei nahen Verwandten eingeschlossen).

Das ist dann der nächste Punkt: Wir feiern einen Neugeborenen, aber generell sind Kinder der Haupttreiber für alle Weihnachtsanstrengungen rundherum. Die Erwachsenen streben danach, das berühmte Leuchten in den Augen ihrer Kinder zu erleben, und dafür strengen sie sich mächtig an, auch als Ungläubige. Aber tun sie es wirklich nur für die Kinder? Oder steckt dahinter nicht auch die eigene Sehnsucht nach einer magischen Welt, in der alles, und zwar vor allem unvorstellbar viel Gutes, möglich ist, weil es Kräfte außerhalb des menschlichen Einflusses gibt, die dem Menschen wohlgesonnen sind? Zumindest nimmt der Werwohlf das an. Der formelle christliche Glaube mag verblassen, die Sehnsucht nach dem, für das er steht, wird es aber nie.

In diesem Sinn wünscht der Mensch hinter dem Werwohlf den beiden Lesern dieses Blogs ein gesegnetes Weihnachtsfest.

[1] Es ist klar, dass Weihnachten heidnischen Ursprungs ist, also wenigstens der Zeitpunkt, an dem es gefeiert wird. Aber das wurde noch schneller vergessen als die christliche Deutung.

Platz für Senf.

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