Was aus den Medien – Ausgabe 3

Hassbotschaften

Dem gemeinen Twitter-User ist dieser Ablauf bekannt: twitter-prominente(r) Linke(r) schreibt etwas Provokantes, das den Widerspruch von Nicht-Linken herausfordert. Wenn dieser Widerspruch auch für Qualitätsjournalisten, die zuvor dankbar die Provokation als „das meint das Netz“ übernommen haben, so wahrnehmbar zu werden droht, dass er nicht mehr zu ignorieren ist, soll er durch den Verweis auf zahlreiche Hassbotschaften und Drohungen an die Adresse des Provokateurs oder der Provokateurin delegitimiert werden.

Der Hinweis auf die Journalisten und deren Multiplikatorfunktion erscheint hier nicht von ungefähr: Wer selbst im Netz unterwegs ist, weiß in der Regel, dass die Abwesenheit von Hass und Drohungen in der eigenen Inbox nur ein Zeichen von Bedeutungslosigkeit ist. Sobald jemand aus der grauen Masse hervortritt, kann er sich dieser „Nettigkeiten“ sicher sein – schließlich ist nichts einfacher, als sie abzusondern. Der Aufwand ihrer Erzeugung steht in keinem Verhältnis zu ihrer Eignung als Einschüchterung. Zugleich lassen sie sich aber auch als Monstranz nutzen, die zum Beleg der moralischen Überlegenheit der eigenen Position vor sich her getragen wird.

Spätestens aber, wenn jetzt berichtet wird, dass auch ein doch wohl eher reichlich unpolitischer und nicht wirklich bekannter Mensch wie der Dart-Spieler Gabriel Clemens sich solchen Anfeindungen ausgesetzt sieht, sollte dem nüchtern denkenden User und Leser bewusst werden, wie wenig sie dazu taugen.

Rest

In einem Gastbeitrag (Bezahlschranke) auf FAZ.net gibt sich der Wahlforscher, auf den Angela Merkel zu vertrauen pflegte, alle Mühe, die Union den Rest zu geben und sie zur Bedeutungslosigkeit zu verurteilen. Natürlich nicht aus seiner Sicht, denn aus dieser hat Merkel mit ihrer Beliebigkeit alles richtig gemacht, weil (angeblich oder real) die Wähler dies wollten. In dem Beitrag wendet er sich gegen alle Versuche, der Union ein Programm zu geben, das sie von anderen Parteien unterscheiden könnte.

Der kluge Leser wird schon beim routinierten Gebrauch von Vokabeln wie „neoliberal“ (böse!) und „Modernisierung“ (gut!) misstrauisch. Im Wesentlichen argumentiert der Wahlforscher mit dem zu Beweisenden: Dass die heutige Union, die sich erkennbar nach links geöffnet hat, mit einem konservativeren Kurs die neu hinzugewonnenen Wähler verprellen würde, erscheint logisch. Und die eher rechts orientierten Wähler würden lieber das vermeintliche AfD-Original wählen, wie sich in vergangenen Wahlen gezeigt hätte. Warum eher links eingestellte Wähler dann nicht doch lieber das SPD- oder Grünen-Original wählen, erläutert er nicht. Zumindest ist kein Grund erkennbar, warum die Union auf Dauer mit solchen Stimmen rechnen könnte. Im Übrigen dürfte die bei der AfD zu beobachtende Tendenz der Radikalisierung wieder neue Möglichkeiten für eine gemäßigt rechts orientierte Partei eröffnen.

Selbst die krachende Niederlage Laschets schreibt der Wahlforscher allen, nur nicht Merkel oder dem Kandidaten selbst zu – allein die innerparteiliche Kritik habe das angerichtet.

Eine solch erkennbar festgefahrene Positionierung taugt kaum für einen demoskopischen Berater. Die Union sollte sich hier besser auf die Suche nach Alternativen machen.

Platz für Senf.

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