Was zum Klima (2021)

Der neue IPCC-Klimabericht ist da. Genauer: die Zusammenfassung für die Politik. Größte Neuigkeit: Die Erwärmung des Weltklimas auf 1,5 Grad Celsius könnte bereits im Jahr 2030 erreicht werden.

Die alarmistische Weitergabe dieses Befunds in den Medien nutzten natürlich die üblichen Verdächtigen, um ihre verbotsgarnierte Verzichtsagenda als praktisch alternativlos erscheinen zu lassen. Es wurde dabei gerne so getan, als sei in der Vergangenheit de facto nichts geschehen, aber um so drastischer und radikaler müsse man jetzt vorgehen – der Schritt zur in den sozialen Medien bereits geforderten „linken Militanz“ ist da nicht mehr weit. Wenn es um das Überleben geht, muss alles andere zurückstehen (zum Corona-Vergleich, und warum er nicht passt, kommen wir etwas später).

Diesen üblichen Verdächtigen kam die Abfolge der Ereignisse Flut und Klimabericht natürlich sehr gelegen, scheinen sie doch dasselbe Handeln zu erfordern.

Dabei legt auch der Klimabericht vor allem nur eins nahe: den Nettoanstieg der CO2-Emissionen (und anderer „Klimagase“) zu beschränken. Wie genau das zu erreichen ist, darüber muss in einer Demokratie eine offene Debatte geführt werden können. Es ist eben nicht so, dass „Follow the science!“ konkrete politische Maßnahmen erzwingen würde. Wer das Gegenteil behauptet, ist nicht aufrichtig oder nicht kompetent.

Wie in anderen Fragen auch, stehen sich an dieser Stelle zwei Grundüberzeugungen gegenüber. Die eine Seite traut dem Staat zu, über alles notwendige Wissen zu verfügen, um die richtigen Maßnahmen durch Ge- und Verbote umzusetzen. Oft ist diese Seite identisch mit der, die sozialistischen Vorstellungen anhängt – da wird wegen der erforderlichen Maßnahmen gegen die Erwärmung schon mal explizit der Wechsel zu einer (manchmal anders benannten, aber im Kern) sozialistischen Wirtschaft gefordert, weil der Kapitalismus (womit dann wohl die im Westen üblichen Mischformen gemeint sind) entweder sowieso an allem schuld sei oder wenigstens nichts zu Überwindung der Krise beitragen könne.

Die andere Seite ist einerseits skeptisch, dass der Staat über dieses ihm zugewiesene Wissen je verfügen könnte, setzt aber andererseits auf den Erfindungsreichtum der Menschen, wenn es darum geht, Lösungen zu finden. Zumal, wenn es um effiziente Lösungen geht. Denn natürlich ist es sinnvoll, für die Einsparung einer bestimmten Menge CO2 möglichst geringe Opportunitätskosten entstehen zu lassen (also für möglichst wenig Schaden woanders zu sorgen), oder ein gegebenenes Budget an Geld dort einzusetzen, wo es am meisten CO2 reduziert. Der Staat scheitert geradezu notorisch an solchen Kriterien. Und diese sind durchaus relevant: Natürlich muss sich ein junger Hüpfer in seinem Idealismus oder auch in seiner Angst nicht um Arbeitsplätze, Bildung und Gesundheitsversorgung scheren, ein gewählter Politiker hingegen schon.

Nennen wir das eine Modell das „linke“ und das andere das „liberale“. Ein „konservatives“ gibt es nicht, was angesichts der letzten 20 Jahre Politik in Deutschland niemanden verwundern sollte. Ersatzweise übernehmen die Konservativen die Sichtweise ihrer Koalitionspartner, gerne auch schon mal die ihrer nur gewünschten.

Welchem Modell die Sympathie des Werwohlfs gilt, sollte außer Frage stehen. Ein Emissionsrechte-System ist aus seiner Sicht das beste Mittel, umfassend und effizient für CO2-Reduzierungen zu sorgen. Selbst wenn darüber so radikale Einsparungen verlangt würden, dass eine moderne Industriegesellschaft damit nicht mehr aufrechtzuerhalten wäre, so könnten die üblen Auswirkungen damit immerhin noch minimiert werden.

Und selbstverständlich hat die FDP Recht, wenn sie hier Technik und Innovationen eine besondere Rolle zuschreibt. Denn, das wird jetzt angesichts der hierzulande vorherrschenden Rhetorik den einen oder die andere überraschen, Deutschland kann das Klima gar nicht direkt beeinflussen. Die hier verursachten Emissionen haben an den gesamten der Welt einen Anteil von gerade mal ca. 2%. Und sie bewegen sich mehr oder weniger auf konstantem Niveau, während die Emissionen von Ländern wie China oder Indien weiterhin jedes Jahr steigen. So sehr, dass auch eine komplette Auslöschung Deutschlands den Anstieg des einen Jahres nicht hätte wettmachen können.

Ein besonderes Engagement Deutschlands wird meist aus den folgenden Gründen gefordert:

  1. Vorbildfunktion
  2. Völkerrechtliche Verpflichtung
  3. Pro-Kopf-Emissionen
  4. Kumulierte Emissionen

Kommen wir zu Punkt 1. Hier wird ausgeführt, dass Länder wie China oder Indien abwarten würden, was Länder wie Deutschland machen. Und dass sie erst dann drastische Schritte einleiten würden, wenn auch diese das vorher täten. Daran ist wohl richtig, dass jedes Nachlassen der westlichen Länder für die anderen eine willkommene Ausrede für die eigene an den Tag gelegte Flexibilität wäre. Daran irritiert aber, dass die offensichtlichen Reduzierungen im Westen bisher keinen Effekt gehabt zu haben scheinen. Auch die Logik der Macht scheint zu fordern, dass über die Option der Ausrede im negativen Fall der positive keinerlei besondere Attraktivität auf diese Länder ausüben würde, wenn er nur über nachlassenden Wohlstand zu erreichen wäre. Gerade China ist darauf angewiesen, Klimaschutz mit Wohlstandswachstum zu verbinden, sonst riskiert die herrschende kommunistische Partei ihre Legitimation. Wie das strategisch angegangen wird, kann man an diversen Beispielen sehen: Wo technische Lösungen CO2-Einsparungspotenzial zumindest nahe legen, soll der eigenen Industrie ein Wettbewerbsvorteil verschafft werden. Wie z.B. bei den Elektroautos. Was Deutschland wirklich tun kann, um Klimaschutz in Indien oder China populär zu machen, wäre, überzeugende technische Lösungen zur Einsparung anzubieten, die Auswirkungen auf Konsum und Investitionen möglichst gering halten. Womit wir wieder beim „liberalen“ Modell wären.

Punkt 2 kann man schnell abhaken. Es gibt keine völkerrechtliche Verpflichtung. Das Pariser Abkommen ist eine unverbindliche Absichtserklärung. Journalisten und Politiker behaupten täglich etwas anderes. Nennen Sie das, wie Sie möchten.

Der Inhalt von Punkt 3 ist natürlich korrekt. Der Anteil Deutschlands an der Weltbevölkerung beträgt nur um die 1% (aktuellste Zahl von 2015: 1,1%). Damit emittiert jeder Deutsche überproportional viel CO2, verglichen mit einem Chinesen oder gar einem Nordkoreaner. Das mag moralisch ein wichtiges Kriterium sein, aber wenn es darum geht, die globale Erwärmung zu begrenzen, hilft es leider gar nicht weiter. Der Hebel ist und bleibt viel zu klein, egal für wie geboten man seinen Einsatz moralisch hält.

Punkt 4 hörte der Werwohlf erstmals in einem Interview mit der auf wundersame Weise an die Spitze von „Fridays for Future“ gerückten Luisa Neubauer: Deutschland sei einer der größten Verursacher von CO2 in der Atmosphäre – kumuliert über die Jahrhunderte hinweg. Das klingt plausibel, ändert aber leider nichts an den aktuellen 2%. Denn mehr als verzichten soll Deutschland nach den Grünsten der Grünen ja wohl nicht – oder wird da etwa erwogen, CO2-Bestand aus der Atmosphäre abzuziehen? Wenn der Werwohlf richtig informiert ist, gilt das bei Aktivist:innen nach wie vor als Teufelszeug. Dann aber taugt das Argument nichts – jedenfalls nichts zusätzlich zu Nr. 3. Beiden gemein ist, dass sie die deutschen Klimaschutzmaßnahmen an erster Stelle als Bußübungen verstehen, womit wir nicht ganz zu Unrecht im religiösen Bereich wären. „Der Protestantismus ist stark in dir, junger Padawan!“

Das ist auch das Bedauerliche im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe. Selbst wenn der menschengemachte Klimawandel als Hauptursache feststünde (was bezweifelt werden kann), hätten Frau Dreyer und Herr Laschet nichts tun können, um ihn durch CO2-Reduktionen zu verhindern. Denn auch das Klima an der Ahr wird weit mehr in den USA oder in China gemacht als in Rheinland-Pfalz. Was die Politik tun kann, ist, die Folgen des Klimawandels zu antizipieren, und darüber hinaus generell für einen besseren Katastrophenschutz zu sorgen. Das erfordert leider Investitionen, wo doch das Verpulvern von Staatsmitteln im Konsum (man denke nur an das Unwesen, mehr und mehr Rentenberechtigte zu schaffen) bei den Politikern viel beliebter ist. Übrigens, weil es auch bei uns viel beliebter ist. Die Deppen sind wir, und wir haben die Politiker, die wir wollen.

Damit wären wir auch beim Hauptunterschied zu Corona. Corona ist zwar ein weltweites Phänomen, kann aber lokal bekämpft werden. Durch entsprechende regional begrenzte Maßnahmen lassen sich regionale Inzidenzen auch verändern. Wir sind nicht auf die Bekämpfung der Seuche woanders angewiesen. So lange wir Besuche aus Risikogebieten einschränken können, schon gar nicht, aber auch sonst eher nicht, wenn man an die strengsten Maßnahmen denkt.

5 Gedanken zu „Was zum Klima (2021)

  1. aranxo

    Man sollte grundsätzlich daran denken, dass sich die 2% Anteil Deutschlands an dem CO2-Ausstoß immer nur auf den VOM MENSCHEN ausgestoßenen CO2-Anteil beziehen. Darüber hinaus wird auch von der Natur jede Menge CO2 produziert, sei es z.B. durch die Tierwelt, einfach durch Atmung, sei es durch Vulkane, von denen es unterseeisch eine ganze Menge aktive gibt. Seriöse Schätzungen setzen den menschlichen Anteil auf 4% bis maximal 20% an. d.h. wir reden hier in Wirklichkeit von einem Anteil zwischen 0,4% bis evtl sogar nur 0,08%, den Deutschland am weltweiten CO2-Ausstoß (menschlicher und natürlicher zusammen genommen) hat.
    CO2 ist auch längst nicht der einzige Faktor, der das Klima beeinflusst, davon gibt es Zig, angefangen über die Sonne, die Wolken, das Magnetfeld. All deren Einflüsse sind noch weitgehend unerforscht. Sich alleine auf das CO2 zu kaprizieren, weil es nun mal das ist, das vom Menschen noch am ehesten beeinflussbar ist, ist m.E. per se unwissenschaftlich.
    Inwiefern man unter diesen Voraussetzungen überhaupt von „menschengemacht“ sprechen kann, ist äußerst fraglich.
    Des weiteren: China und Indien bauen ungebremst weitere Kohlekraftwerke, China alleine 600. Die Schätzungen gehen dahin, dass wir dadurch 2030 weltweit 146% CO2-Ausstoß haben im Vergleich zum jetzigen Stand. Selbst wenn wir Deutschen uns in bitterkalte Höhlen zurückziehen und wieder Bärenfelle tragen würden, wäre es eben nur eine Steigerung auf 144%. Und niemand wird uns angesichts unserer Armut auf den Weg folgen.
    Die religiösen Anteile des „Klimaschutzes“ (was m.E. gar nicht möglich ist) wurden ja schon genannt. Da mischt sich apokalyptische Endzeitstimmung mit Lust am Büßertum und gleichzeitig einem hybriden Allmachtswahn. Derzeit sind leider wieder viel zu viele Savonarolas unterwegs in Politik und gesellschaftlich relevanten Bereichen.

    Antwort
  2. Pingback: Was zum Klima (2021) – hkaratassios

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