Was zu dämlichen Bemerkungen, verletzter Privatsphäre und Effekthascherei

Jens Lehmann scheint niemand zu sein, den man jetzt auf Anhieb als besonders sympathisch einordnen würde. Und auch der windige Lars, der bei Hertha mittlerweile sein Unwesen treibt, gehört nicht zwingend in die Reihe der Menschen, die der Werwohlf gerne mal beim Bier treffen würde.

Aber das Theater, das wegen einer dämlichen Bemerkung Lehmanns in einem WhatsApp-Chat losgetreten wurde, kann der Werwohlf nicht anders als komplett durchgedreht und absurd empfinden. „Quotenschwarzer“ ist das Wort, das seine Nachricht als rassistische qualifizieren soll. Man möge dem Werwohlf mitteilen, ob „Schwarzer“ mittlerweile das Schicksal des N-Worts teilt, also zum Unsagbaren geworden ist, aber sein letzter Kenntnisstand ist noch so, dass der Begriff zwar nicht den strengen Anforderungen woker SJWs entspricht, die auf eine in der Länge stetig wachsende und komplizierte Abkürzung hinausliefen, aber andererseits gilt er auch nicht als wirklich herabsetzend und diskriminierend. War zumindest des Werwohlfs letzter Stand, aber da mag dessen mangelnde Aktualität ihn dann auch als Rassisten ausweisen. Und „Quote“? Wirklich jetzt? Man kennt das meist im Zusammenhang mit Frauen. Das ist für diejenigen, auf die er angewendet wird, nicht angenehm und auch generell unhöflich, sicher auch polemisch und angreifbar, aber sowas kommt im Leben nun einmal vor. Die von um jegliche auf die Person abzielende Begriffe bereinigte Sprache ist zugleich auch eine tote, denn das Herabsetzen anderer Menschen scheint nun einmal leider ein Grundbedürfnis zu sein – und, wie der Werwohlf nicht grundlos vermutet, auch eins, das selbst in den Wokesten der Woken schlummert, nur dass es, wenn es dort zum Ausdruck kommt, ja immer gegen die „Richtigen“ geht, per definitionem auch gehen muss (erweiterte Stegner-Doktrin).

Aber gut, übernehmen wir mal die Definition als „rassistisch“. Lehmann hat seine Bemerkung allerdings nicht öffentlich getan. Es fällt auf, dass so gut wie alle öffentlichen Reaktionen diesen Umstand zwar benennen, aber dessen Konsequenz ignorieren. Lehmann geriet nur deshalb in den Fokus, weil Denis Aogo eine private Nachricht öffentlich machte. Gut, er hätte auch Lehmann erstmal kontaktieren können, um zu erfahren, was er sich dabei gedacht hat. Um dann die Sache so auszutragen, wie es Aogo jetzt für sich reklamiert, nämlich „unter Männern“. Stattdessen zieht Aogo erstmal eine Schleife über die Öffentlichkeit, die dazu führt, dass, wie man es inzwischen gewohnt ist, sämtliche Kontakte Lehmanns ihn fallen lassen wie eine heiße Kartoffel – wenn man den Formulierungen Glauben schenken darf, bis in alle Ewigkeit. Nur um dann hinterher – sorry, aber das trifft es leider – scheinheilig zu konstatieren, es habe doch „jeder eine zweite Chance verdient“.

Wie viele Menschen reden bzw. schreiben privat so, wie es Lehmann tut? Vermutlich sehr viele. Man mag jetzt sagen „zu viele“, aber noch gilt, dass die Gedanken frei sind. Also hat Lehmann vermutlich nur Pech gehabt. Seine eigentliche Verfehlung ist offensichtlich der nachlässige Umgang mit einer App auf seinem Smartphone. Wäre es anders, müsste sich doch jetzt bundesweit die Forderung erheben, sämtliche private Nachrichten von WhatsApp-Nutzern auf rassistische (und wenn man schon dabei ist, auch auf andere -istische) Bemerkungen zu scannen, denn in diesem Kontext fiel Lehmanns Äußerung.

Dass jetzt Fernsehsender wegen des einen Begriffs darauf verzichten wollen, Lehmann als Experten zu laden, ist in dem Klima, in dem natürlich niemand beabsichtigt, eine „Cancel Culture“ zu errichten, zu erwarten gewesen. Von einer „zweiten Chance“ ist auch keine Rede mehr. Nun waren Lehmanns Expertisen vielleicht nicht so unverzichtbar, als dass man sie nicht durch einen anderen Ex-Profi in zumindest gleicher Qualität erhalten könnte. Das könnte den entscheidenden Anreiz geliefert haben, für das bisschen „virtue signaling“ auf den Sommermärchen-Torhüter zu verzichten.

In Summe kommt eigentlich niemand besonders gut aus der Nummer heraus. Lehmann nicht wegen seiner dämlichen Bemerkung und seiner Tapsigkeit, Aogo nicht wegen seiner Missachtung von Privatsphäre und seiner Methode der Konfliktlösung, und die Sender nicht wegen ihres billigen Versuchs, öffentlichen Beifall zu erheischen.

Aber so geht Deutschland. Dass Mitglieder der „grünen Basis“ die Nennung dieses Landes mit „negativen Assoziationen“ verbinden, ist nachvollziehbar.

Update:
Es geht noch absurder.

2 Gedanken zu „Was zu dämlichen Bemerkungen, verletzter Privatsphäre und Effekthascherei

  1. Frank2000

    Durch den Link im Nachsatz habe ich zum ersten Mal seit Monaten – eher Jahren – wieder die FAZ geöffnet. Und bin vom Stuhl gefallen, was für ein linkes Kampfblatt das geworden ist.

    Antwort
    1. Werwohlf Autor

      So allgemein kann man das nicht sagen, aber auch ich beobachte, dass immer mehr Journalisten dort Artikel veröffentlichen, die man früher so höchstens in der Süddeutschen, wenn nicht der taz erwartet hätte. Hanfeld gehört allerdings üblicherweise nicht dazu.

      Antwort

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