Aus der Katze ein Pferd machen

Die Meinungsäußerungen auf Twitter zur Corona-Pamdemie sind immer schwerer zu ertragen. Natürlich ist der Werwohl selbst schuld an seiner Timeline, aber die Verfechter einer Beendigung des Lockdowns werden in ihrer Wortwahl immer maßloser, zum Teil auch angefeuert durch eine kaum verhohlene Ausrichtung des Springer-Konzerns.

Es wird so getan, als sei der Lockdown ein Wunschszenario wahlweise „von Merkel“, „der Regierung“ oder gleich „der Politik“, das entgegen dem Willen der Bevölkerung völlig unnötigerweise erbarmungslos durchgezogen werde. Und als erkenne dort niemand die Probleme, die damit verbunden seien. Der auftrumpfende Ton, mit der diese immer wieder neu erwähnt und aufgezählt werden, lässt darauf schließen, dass die jeweiligen Verkünder offenbar davon ausgehen, die schwerwiegenden Nachteile eines Lockdowns seien den Entscheidern unbekannt oder würden von ihnen ignoriert. Was natürlich mit der Lautstärke kontrastiert, mit der die Verkündigung immer wieder erfolgt  – ja, auch und gerade in den Diskussionssendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wenn gleichzeitig die Bundesunke Lauterbach Gast ist.

Auf der anderen Seite scheinen aus Sicht des Werwohlfs die fanatischen „Anti-Lockdowner“ aber selbst eine gefährliche Ignoranz an den Tag zu legen, nämlich was Auswirkungen und Gefahren des Virus selbst betrifft. Auch wenn die Sterblichkeit im Moment noch stark mit Alter und Vorerkrankungen korreliert, der Aufenthalt auf den Intensivstationen tut das schon deutlich weniger, und mehr und mehr tritt zutage, dass oft mit Langzeitschädigungen zu rechnen ist, selbst wenn der Verlauf der Infektion ein vergleichsweise „milder“ war.

In den Kommentaren zu früheren Beiträgen zu diesem Thema wurde die These des Werwohlfs in Zweifel gezogen, wonach mehr Infektionen unweigerlich mehr Intensivpatienten und mehr Tote bedeute, und zwar letztlich unabhängig von der demografischen Zusammensetzung der Infizierten und der Häufigkeit schwerer Verläufe – nicht, was die Geschwindigkeit des Erreichens einer hohen Fallzahl angeht, aber ihr sicheres Eintreten am Ende. Der Werwohlf sieht sich durch die Entwicklungen auch in anderen Ländern aber in seiner These bestätigt. Überall zeigt sich dasselbe Bild: Kaum wurden vormals scharfe Maßnahmen gelockert, schon wird wieder gestorben. Das Impfvorbild Israel traut sich z.B. nach einer solchen Erfahrung erst jetzt, nachdem ein hoher Prozentsatz seiner Bevölkerung mit einem hochwirksamen Impfstoff versorgt wurde, einen Öffnungsstatus herbeizuführen, der in Deutschland als scharfer Lockdown durchginge. Hinzu kommen jetzt die diversen Mutationen, die nicht nur die Gefahr einer Re-Infektion erhöhen, sondern gleichzeitig auch eine höhere Viruslast erzeugen, was die Ansteckungsrate und die Zahl der schweren Verläufe in die Höhe treiben wird.

Also kann, wer die Zahl der Toten und der Intensivpatienten auf einem für die Gesellschaft erträglichen Niveau halten will (und das sind sie zur Zeit nicht!), nur das Ziel verfolgen, die Zahl der Infektionen unter Kontrolle zu bringen.

Nun gibt es einen Punkt, dem auch der Werwohlf sofort zustimmt: Der Staat hat nicht viel getan,  um Alternativen zum Lockdown zu ermöglichen. Wobei „nicht viel“ wahrscheinlich noch auf einer vornehmen Mäßigung des Werwohlfs basiert – andere hätten hier von „nichts“ gesprochen. Die Versäumnisse sind Legion: Die Entspannung im Sommer wurde nicht genutzt, um Maßnahmen vorzubereiten, besonders gefährdete Personenkreise zu schützen und besonders wichtige Zusammenkünfte von Menschen (Schulen!)[1] durch organisatorische und technische Schritte risikoloser zu gestalten. Es wurden keine Voraussetzungen geschaffen, um Massentests zu ermöglichen.

Die Impfstoffbeschaffung und -logistik ist ein Drama eigener Art. Das besonders Fatale an ihr war, dass durch sie das Misstrauen in die Maßnahmen der Politik noch einmal stieg. Wer will es den Menschen verdenken, wenn sie erfahren, dass der Bundeskanzlerin anscheinend andere Aspekte wichtiger waren als die schnellst- und bestmögliche Ausstattung der Deutschen[2] mit Impfstoffen? Kann es, alles zusammen genommen, dann noch jemanden wundern, dass der Lockdown selbst bei überwiegender Zustimmung immer unpopulärer wird?

Aber DeLorean ist pleite. Wir kommen nicht mehr zurück. Die Fehler sind gemacht, und wir können nur hoffen, dass nicht mehr viele oben drauf kommen, bei all der Inkompetenz, die der Staat in der Krise unter Beweis gestellt hat. Die Logik, dass das schuldhafte Ausbleiben aller Alternativen zwingend dazu führen müsse, den Lockdown zu beenden, überzeugt nur denjenigen, der das alles nur für einen Machtkampf zwischen Regierung und Volk hält. Mit Vernunft hätte das aber nichts zu tun. Die Alternativen müssen – Überraschung! – erst da sein. Wir können nicht so tun, als ob die Katze ein Pferd wäre.

Vielmehr muss es darum gehen, an den Versäumnissen zu arbeiten und selbstverständlich gerade dafür „Geld in die Hand zu nehmen“, damit die teuerste Maßnahme von allen, nämlich der Lockdown, nicht mehr die einzige gegen eine rapide Ausbreitung des Virus bleibt. Dazu zählt nach Meinung des Werwohlfs auch die Entwicklung von Medikamenten. Wenn wirksame zur Verfügung stehen, können wir auch mit hohen Infektionszahlen leben, aber aus wohl altbekannten Mechanismen des medial-politischen Betriebs heraus konzentrierten sich die Anstrengungen vor allem auf die Impfstoffe. Und die geraten jetzt durch Mutationen unter Druck – da wäre der eine oder andere Therapie-Wirkstoff schon ganz nett…

Bei der Gelegenheit machte der Werwohlf eine bemerkenswerte Beobachtung: Sie betrifft die Abwägung von heutigen gegen künftige Schäden und ihre Inkonsistenz je nach politischer Präferenz. In Sachen „Klimawandel“ sehen die Fronten so aus: Die „Linken“ sehen eine große Gefahr in der Zukunft auf uns zukommen, für die heute unbedingt Opfer gebracht werden müssen, während die „Rechten“ die Auswirkungen von heute zum größeren Problem erklären und die künftige Gefahr herunter spielen. In Sachen „Corona“ ist es genau umgekehrt.

Erklär dem Werwohlf mal einer die Welt…

[1] Wobei zu den Schulen, deren Öffnung meist am heftigsten gefordert wird, nur zu sagen ist: Erst, nachdem auch diese im Dezember geschlossen wurden, gingen die Infektionszahlen zurück…
[2] Also diejenigen, die sie gewählt haben und denen sie per Amtseid verpflichtet ist. Dass die Mittel zur Bekämpfung der Pandemie, die den Deutschen zugute kommen, auch in Deutschland lebenden Nichtdeutschen zugute kommen, sollte sich von selbst verstehen.

Ein Gedanke zu „Aus der Katze ein Pferd machen

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