Laschet, Merz und der konservative Abgesang

Der neue Parteivorsitzende der CDU heißt Armin Laschet. Das war zu erwarten. Herr Laschet war nicht nur das personifizierte „Weiter so“, er war auch insgesamt das beste Angebot, um inhaltliche Festlegungen zu vermeiden. Was aus machtpolitischen Erwägungen – und diese haben in der Union schon immer eine besondere Rolle gespielt, im Gegensatz zu den ideologisch-selbstzerstörerischen Tendenzen ihrer ehemaligen Hauptgegenspielerin, der SPD – besonders erwünscht ist. Und, machen wir uns nichts vor, unter den Funktionären, die da abstimmen durften, dürften sich einige einflussreiche Personen befinden, die darauf angewiesen sind, dass die CDU auch in Zukunft diverse Möglichkeiten der politischen Mitgestaltung – vulgo: Pöstchen – zu vergeben hat.

Das Problem von Friedrich Merz war seine Wahrnehmbarkeit als Alternative. So etwas wird in der aktuellen deutschen Politik, die sich, unterstützt von ideologisch nahe stehenden Journalisten,  in den letzten Jahren an ihrer Alternativlosigkeit berauscht[1],  nicht goutiert und daher mit dem Merkmal „polarisierend“ ausgestattet. Merz sorgte für mächtigen Widerstand – überall. Weniger in der CDU selbst, aber sonst eben überall. Dementsprechend überbieten sich auch die üblichen Verdächtigen in Lobpreisungen des Wahlergebnisses – und niemand in der CDU scheint sich dessen bewusst zu sein, dass ein solch überschwängliches Lob aus der anderen ideologischen Ecke eher problematisch sein müsste.

Dagegen steht die Enttäuschung vieler CDU-Mitglieder, die sich von Herrn Merz eine andere Ausrichtung ihrer Partei gewünscht hatten als das permanente Einschwenken auf linke Forderungen in den letzten Jahren unter Frau Merkel[2]. Und das wird jetzt zum Problem. Denn Herr Laschet hat sich ja keinesfalls als jemand präsentiert, der an diese Mitglieder (und eben auch grob die Hälfte der Delegierten) ein inhaltliches und personelles Angebot richten könnte, sondern eben als jemand, der Inhalte überwindet, um eine alte, heutzutage leider nicht mehr witzige Parole der Partei „DIE PARTEI“ aufzugreifen. Es ist nicht erkennbar, wie er eine inhaltliche Besinnung auf Werte, die – horrible dictu! – ausnahmsweise mal nicht von Rot und Grün vertreten werden, zumindest in Teilen berücksichtigen will. Das liegt nicht nur an ihm, sondern an der CDU insgesamt, wo, ohne Herrn Merz zu nahe treten zu wollen, ein etwas eigenbrötlerischer Polit-Rentner die einzige Chance zu sein schien, dieses Ansinnen zu personifizieren.  Dem Werwohlf fiele da nur noch Carsten Linnemann sein, der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung, aber dem scheint es entweder an Ehrgeiz oder an Rückhalt zu fehlen – jedenfalls begnügt er sich mit seiner aktuellen Rolle, die er weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit ausübt.

Als Konservativer droht man in dieser Republik nun endgültig parteipolitisch heimatlos zu werden. Die Union will einen nur noch als Stimmvieh, die AfD verwechselt Konservatismus mit rechtem Eifertum, und die FDP gab sich schon immer reichlich Mühe, diese Richtung von sich fern zu halten – manchmal bis hin zur Selbstverleugnung, aber das ist eine andere Geschichte.

Aber im Grunde ist das doch für die Übriggebliebenen die perfekte Rolle: Man schaut von außen auf das Treiben, weiß, dass es übel enden wird, erfreut sich an den Absurditäten und verzweifelten Klimmzügen, wie die abschüssige Bahn als Pfad nach oben verkauft werden soll, und genießt derweil das Leben mit all den noch verfügbaren Annehmlichkeiten. Wer jung ist, schaut sich in der Welt um, und wer es nicht mehr ist, sucht sich im Land ein Plätzchen abseits der Betriebsamkeit, wo die neue Welt erst ganz zum Schluss ihren Segen entfalten wird, und man vorher, so ER es will, noch rechtzeitig zu seinem Schöpfer gerufen wird.

So bliebe als letzter Triumph, dass es die Progressiven und Hyper-Liberalen sein werden, die die von ihnen geschaffene Welt dann auch in vollen Zügen genießen. Müssen.

[1] Die angebliche „Alternative“ ist leider keine mehr, sondern nur noch eine Negativauslese des Protests.
[2] Wobei der Werwohlf Frau Merkel nicht als alleinige Ursache dieses Trends sieht. Es ist auch viel Systemisches dabei.

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