Statt Light jetzt Medium?

„Light schmeckt nie“, postulierte der Werwohlf hier noch. Und jetzt, wo wir von „light“ zu – ja, was eigentlich? – „Medium“ wechseln, bliebe noch zu ergänzen: Es schmeckte nicht nur nicht, es hatte auch nicht die gewünschte gesundheitsfördernde Wirkung. Was für „Light“-Produkte ja auch so ungewöhnlich nicht sein soll.

Doch das, was „light“ zu „light“ machte, geht man auch jetzt nicht an. Oder nicht komplett. Immerhin sollen die Schulen jetzt auch angegangen werden, aber die Betriebe bleiben offen. Und damit auch die öffentlichen Verkehrsmittel belebt. Die Schließung von Einzelhändlern und Friseuren dürfte das Infektionsgeschehen hingegen nur unwesentlich beeinflussen, aber bei den Betroffenen erhebliche wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Wie ja auch vorher schon bei den Gastronomen, die viel Aufwand betrieben haben, ein weitgehend sicheres Hygiene-Konzept auf die Beine zu stellen. Aber der Staat kann rechtssicher nur Schwarz und Weiß.

Mag sein, dass man jetzt wieder, was für die Politik auch alles andere als untypisch ist, vor allem auf die Symbolwirkung gesetzt hat. Nach dem Motto „Wenn die jetzt auch das alles schließen,  muss die Lage ja dramatisch sein!“. Aber sowas funktioniert nur selten mehrmals. Im Frühjahr hat es das, jetzt eher weniger, wie es aussieht. Der modernen Spaßgesellschaft ohne Kriegserfahrung und mit den Segnungen eines globalisierten Kapitalismus ist einfach kein dauernder Verzicht aus Eigenmotivation beizubiegen.

Also bliebt jetzt nur eins: mit der Triage leben. Wie schon bei terroristischen Anschlägen dürfte auch hier das Bundesverfassungsgericht dem Staat verwehren, dafür gesetzliche Regelungen zu treffen. Es wird dann an den Ärzten[1] hängen bleiben, die es de facto hier und da auch jetzt schon praktizieren. Kann es bessere Neuigkeiten für Sozialdarwinisten geben? Und die Rentenkasse wird auch entlastet! Aus linker Sicht dürfte COVID-19 also den Endsieg des Neoliberalismus darstellen.

Der gegen reaktionäre und konservative Spaßbremsen errungene Fortschritt hat eben seinen Preis. Sind Sie bereit, ihn zu zahlen?

 

[1] Der Werwohlf möchte allen Lesern gratulieren, die auch nur eine Sekunde angenommen haben, dass es Ärztinnen nicht betrifft.

Platz für Senf.

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