Der geliebte Verbraucher

Wer braucht wohlmeinende Diktatoren, wenn er ein Europaparlament hat? Die Damen und Herren MdEPs sind rührend besorgt um das Wohlergehen jedes Bürgers. Sie lieben uns doch alle.

Und weil es viele stört, dass Sachen, die kaputt gehen, nicht mehr so wie früher repariert, sondern höchstens mal komplett ersetzt werden, haben sie beschlossen, diesem Miss-Stand einfach per Gesetz abzuhelfen.

Die Frage ist nur, wo das Problem liegt. Sicher – das Wegschmeißen alter Ware und die Produktion neuer ist ökologisch oft nicht sinnvoll. Wirtschaftlich aber schon, was dann bedeutet, dass die entsprechenden Produkte teurer werden. Man kann sich vorstellen, dass viele Verbraucher, für die manche Ware dann unerschwinglich wird, sich für dieses „Recht auf Reparatur“ herzlich bedanken werden.

Aber es geht eigentlich, wie beim oben verlinkten Vorbild, ja weniger darum, den Menschen einen Gefallen zu tun, sondern vor allem der eigenen ideologischen Weltsicht. Die es aber natürlich nur gut meint.

Der BEUC-Direktor für den Bereich Recht und Wirtschaft, Agustin Reyna, begrüßt das Vorhaben des EU-Parlaments. „Das ist genau die Art Initiative, die Verbraucher brauchen, um unsere Konsumgewohnheiten grüner zu machen.“

Die Konsumgewohnheiten sollen sich ändern, und die „Verbraucher brauchen“(!) eben einen kleinen gesetzgeberischen Schlag auf die Finger, um das zu ermöglichen.

Ökologisch kann das zwar, wie auch im Artikel zu lesen ist, durchaus auch unvorteilhaft wirken, aber an einer Ideologie ist ja gerade das praktische, dass sie auf solche Feinheiten keine Rücksicht zu nehmen braucht.

Auf Logik auch nicht, denn sonst käme man kaum auf solche Ideen:

Viele der Produkte werden extra so gebaut, dass sie nach kurzer Zeit kaputt gehen“, kritisiert die Grünen-Parlamentarierin Anna Cavazzini. Ein vorzeitiger Verschleiß soll nach dem Parlamentsbeschluss deshalb als unlautere Wettbewerbspraktik gelten.

Dass Sozialisten nicht mit Wettbewerb rechnen, kennen wir allerdings. Aber sie müssten ihn doch als Fakt zur Kenntnis nehmen. Wenn irgendein Hersteller Produkte vorzeitig altern und unbrauchbar werden lässt, warum sollte sich dann kein Konkurrent finden, der ihn durch eine höhere Lebensdauer aussticht? Die Verbraucher bestimmen es. Wenn sie lieber eine billige Waschmaschine hätten (oder sich keine andere leisten können), die dafür früher ihren Geist aufgibt, dann greifen sie eben zu einem der Modelle im unteren Preissegment. Und wenn sie mehr Wert darauf legen, dass sie die Maschine möglichst lange begleitet, dann greifen sie z.B. zu einem Modell eines Herstellers, der für diese Eigenschaften bekannt ist. Die kostet dann allerdings auch deutlich mehr. Auch im Automobilsektor hat man die Wahl zwischen Dacias und – sagen wir mal – Toyotas.

Auch hier dürfte das Wohlwollen der Parlamentarier die Verbraucher vor so manchem Erwerb schützen. Ohne, dass an seine Stelle eine Alternative treten würde natürlich.

Ein Gedanke zu „Der geliebte Verbraucher

  1. Rainer Seidel

    Vielleicht etwas oT, aber dazu fiel mir als Erstes das Verbot der Plasiktüten ein. Die Recyclingquote bei Kunststoffen ist in D mW bei über 90%, davon (Tädää) über 50% per thermischer Wiederverwertung, also Verbrennung. Das liegt einmal daran, das Kunststoffe bis zu 10mal höheren Heizwert haben als Braunkohle und andererseits der deutsche Restmüll durch die ganze Mülltrennung inzwischen als fast unbrennbar gilt: Man muss also gut brennende Stoffe zuführen. Das gilt auch für Zementwerke, die Temeperaturen bis 2000° benötigen. Zusammengefasst: die Müllentsorgung wird in absehbarer Zeit teurer, da man dann wieder „echte“ Brennstoffe wie Öl verwenden muss.
    Soweit zur „gutgemeinten“ Kurzsichtigkeit vermeintlich moralisch hochwertiger Politikerentscheidungen.

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