Was zu Bekundungen

Nachdem klar ist, dass der weiß-russische Diktator trotz offensichtlichen Widerwillens weiter Teile seiner Bevölkerung einfach so weiter machen möchte wie vorher, inklusive Wahlfälschung und jetzt auch massiven Einsatzes des Militärs gegen Demonstranten, vernimmt der Werwohlf immer wieder Stimmen, massiv vor allem auch in seiner TL auf Twitter, die von der Bundesregierung Aktivität verlangen.

Welche Aktivität, bleibt meistens offen. Es scheint sich vor allem in der beliebten Forderung zu erschöpfen, man solle doch „endlich etwas tun“. Entsprechend feierten sich jüngst Julis, weil sie eine kleine Demonstration vor der Botschaft von Belarus in Berlin zustande brachten – sie hatten ja „etwas getan“. Um dann anderen deren Passivität vorzuhalten.

Nun ist Aktivität kein Wert an sich. Man denke an den Spruch „Operative Hektik ersetzt geistige Windstille“. Sicher bringen heroische Verurteilungen oder Solidaritätsbekundungen etwas – nur eben mehr dem, der sie äußert, weil sie dessen Zielvorstellungen im Sinn von Gewissensberuhigung nach innen und „Virtue Signaling“ nach außen erfüllen. Den Weißrussen nutzen sie gar nichts. Im Gegenteil – sie könnten sogar Hoffnungen erwecken, die sich nicht verwirklichen lassen, weil sie dem Eindruck Nahrung geben, danach komme noch etwas. Doch das stimmt nicht. Danach kommt nichts mehr. Die Gegenreaktion erschöpft sich darin.

Denn selbstverständlich beansprucht Russland Belarus als Vorhof und wird das aus seiner Sicht Nötige tun, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Weder die Bundesregierung noch „der Westen“ überhaupt haben etwas wirklich Entscheidendes gegen die völkerrechtswidrige Annexion der Krim oder überhaupt gegen die auch militärische Einflussnahme in der Ost-Ukraine unternehmen können. In der Regel lässt man die Dinge eben geschehen, um danach Wirtschaftssanktionen zu ergreifen, die vor allem auch der widerspenstigen Bevölkerung und den eigenen Unternehmen schaden, aber die zu treffenden Machthaber vergleichsweise wenig tangieren.

Aber so tickt die Medienwelt heutzutage, auch die „soziale“. Es geht nicht darum, die Dinge wirklich zu verändern. Es geht darum, in einer immer komplexeren Welt nur noch eine vermeintlich moralisch vorbildliche Position zu verkörpern, ohne Anspruch auf Wirksamkeit. Denn um in so einer Welt Dinge zu verändern, braucht es „skin in the game“ (N. Taleb). Da muss man etwas einsetzen, ohne Gewähr dafür, das Gewünschte dafür zu erhalten. Was die Wohlfühlgemeinschaft der jüngeren Generation gelernt hat einzusetzen, ist Zeit (u.a. zum Demonstrieren), weil sie die im Überfluss hat. Und gute Worte, die schon immer gratis zu haben waren. Aber „Es muss was geschehen, aber es darf nix passieren!“ bringt dann doch immer wieder neuen Leerlauf.

Immerhin: Man fühlte sich gut dabei.

Platz für Senf.

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