Was zu Differenzierungen

Wer hier schon den einen oder anderen Beitrag und Diskussionen dazu verfolgt hat, dürfte kaum einen Zweifel daran haben, wie der Werwohlf zu Demos von „Coronaleugnern“ steht. „Irrational“ ist wohl der Kommentar, dem er hier am meisten zustimmen kann, und dieses Adjektiv passt auch gut als gemeinsame Klammer über die sonst durchaus heterogen zusammengesetzte Schar der Demonstranten. Aber das scheint einigen der üblichen Verdächtigen nicht zu reichen. Die müssen diese Demos auch noch unbedingt als verkappte Aufmärsche von Neonazis hinstellen[1], weil in ihren Augen Irrationalität offenbar kein hinreichend vernichtendes Urteil darstellt – man befürchtet wohl Kollateralschäden.

Dennoch muss man selbst als jemand, der diesen Versammlungen von Leuten mit Problemen beim Denken mehr als kritisch gegenüber steht, eine gewisse Ungleichbehandlung im Vergleich z.B. zu den nur wenige Wochen vorher erlebten Anti-Rassismus-Demos konstatieren. Auch bei letzteren war der Mund-Nase-Schutz eher die Ausnahme, eine Auflösung der Versammlung stand aber nicht zur Debatte. Ob dies nun aus politischer Opportunität geschah oder aus Respekt vor kampferprobten Antifa-Recken, lässt sich nicht genau sagen. Vermutlich als Mischung aus beidem. Bei der „B0108“-Demonstration sah man jedenfalls – auch dank Dunja Hayalis heldenhaftem Einsatz, aber dazu gleich nochmal was – nur wenig Gestalten, denen man eine körperliche Auseinandersetzung mit der Bereitschaftspolizei zugetraut hätte. Schon der Altersdurchschnitt der Teilnehmer dürfte sich deutlich oberhalb der Demonstrationen bewegt haben, die man in Berlin sonst so erlebt.

Um so überraschender kam dann heute die Meldung, bei der Auflösung der B0108-Demo seien zahlreiche Polizeibeamte verletzt worden. Wenn man sich etwas näher informierte, bekam man allerdings auch mit, dass am selben Tag in Neukölln eine weitere Demonstration stattfand, und zwar gegen geplante Räumungen. Diese Demonstration zeigte allerdings die üblichen Folklore-Elemente wie Pyrotechnik und Steinwürfe. Setzen wir jetzt also zur großen Preisfrage an: Wo wurden die (mittlerweile) 45 Polizisten wohl verletzt? Bei den „Coronaleugnern“ oder der „Auseinandersetzung“ in Neukölln? Nachdem alle Medien zunächst einfach die DPA-Angaben übernahmen und die Verletzten der B0108-Demonstration zur Last legten, muss dann doch einem Verantwortlichen aus Versehen ein Gedanke gekommen sein, denn mittlerweile heißt es, man könne die Verletzten den verschiedenen Demonstrationen nicht zuordnen[2]. Auch wenn es – nach bisherigem Kenntnisstand – nur auf einer der Demonstrationen Ausschreitungen gab. Aber vielleicht schwang doch noch irgendwo ein Methusalix seine Krücke, man weiß ja nie.

Um der Welt zu zeigen, welche Gefahr von den B0108-Teilnehmern ausgeht (außer der, dass sie ihr frisch erworbenes Virus zu Hause in der Umgebung verbreiten), wagten sich Journalisten todesmutig in das Getümmel, besonders prominent darunter die erwähnte Dunja Hayali. Den Bericht über ihr Abenteuer kann man jetzt überall lesen. Es verdient immer Respekt, wenn sich jemand in die Höhle des Löwen wagt, und es ist unschön, beschimpft zu werden, aber es gibt eben echte Löwen und es gibt Bettvorleger. Ob Frau Hayali mit ihrem Security-Team am gleichen Tag in Neukölln auch so viel Drehmaterial unter den Demonstranten zustande bekommen hätte, ist zumindest fraglich. Um gar nicht erst daran zu denken, wie es z.B. einem bekannten „Welt“-Kolumnisten in einer der hochgelobten Anti-Rassismus-Demos ergangen wäre.

Wie gesagt: Selbst wenn man keinerlei Sympathie für die Anliegen der B0108-Demonstration empfindet und Verstöße gegen die Anti-Corona-Auflagen am liebsten mit empfindlichen Geldstrafen versehen lassen würde – es ist schon interessant, wie zielgenau die Haltungs-Antennen der labernden Klasse ausgerichtet sind.

[1] Dass sowas auch dabei war, lässt sich kaum abstreiten. Dazu passen die kolportierten Verschwörungstheorien zu gut in die eigene Weltanschauung. Aber eben nur als Teil einer wirklich bunten Mischung. Und „bunt“ meint auch hier nicht unbedingt „gut“.
[2] In Äquidistanz ist unsere Presse immerhin geübt.

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