Es geht weiter

Es geht weiter. Und die Muster sind wieder die so erbärmlich selben…

Der „Welt“-Kolumnist Don Alphonso hat sich einige Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit dem unsäglichen „Panorama“-Beitrag angeschaut und zusammengetragen. Das betrifft zum einen die etwas spezielle Auswahl der im Beitrag quasi als Belastungszeugin auftretenden „Expertin“, bei der es sich weniger um eine Wissenschaftlerin als um eine linke Aktivistin handelt, mit offensichtlichen Verbindungen in die gewaltbereite, linksextreme Szene. Dann wirft er die Frage auf, warum diese für ihre Aussage mehrere Tage vor dem Beitrag kontaktiert wurde, der beschuldigte Offizier aber nur kurz vorher. Und letztlich weist er nach, dass Autoren des Beitrags und Kollegen von ihnen früh öffentlich den Namen des denunzierten Soldaten verbreiteten (sein Bild wurde in der Sendung sowieso gezeigt), entgegen den Bekundungen, man habe dies erst nach Ende der Sendung getan.

Natürlich ist die Nennung der zahlreichen Kontakte der vermeintlichen Expertin in die linksextreme Szene ihr, den Autoren des Beitrags und ihrer politischen Echokammer etwas unangenehm, aber man wird kaum behaupten können, es habe mit der Diskussion um die Sendung nichts zu tun – im Gegenteil, für die Einordnung des Vorgehens und der Aussagen im Beitrag selbst sind das relevante Informationen.

Und schauen wir uns doch einmal an, was im Artikel von Don Alphonso nicht steht. Er greift die „Expertin“ nicht persönlich an. Er fordert nicht dazu auf, sie aus der Öffentlichkeit auszuschließen. Überhaupt: Er fordert gar nichts, sondern kritisiert in erster Linie das Handeln der „Panorama“-Redaktion.

Und plötzlich beschwert sich die „Expertin“, dass Don Alphonso gegen sie „angestachelt“ habe und eine „völlig zügellose Vendetta“ gegen sie führe. Überhaupt versuche man gerade „an allen Ecken und Enden“, sie zu „canceln“.  Sie erhalte auch viele Drohungen jetzt, und als Beleg zitiert sie unter anderem einen Tweet eines offensichtlich nur zu diesem Zweck erstellten Accounts, der sogar ihre Kinder ins Spiel bringt. Willige Verbündete in öffentlich-rechtlichen Radiosendern leisten dabei gerne Schützenhilfe. Und schon kommen wieder alle üblichen Verdächtigen zusammen und verbreiten eine Erzählung, die darauf hinausläuft, dass Don Alphonso über eine Armee von Unterstützern verfüge – natürlich allesamt miteinander „vernetzt“, was die linken Solitäre nie und nimmer sein könnten -, die er durch Namensnennung auf unschuldige Personen zu hetzen vermag. Somit seien alle Beschimpfungen und Drohungen, die auf die „Expertin“ jetzt einprasselten, ihm direkt zuzuschreiben. Garniert wird das Ganze dann mit zahlreichen Tweets , die Gewaltfantasien gegen Don Alphonso freien Lauf lassen und dazu aufrufen, den Menschen hinter dem Künstlernamen privat zu verfolgen. Die Aufrufe an die „Welt“, Don Alphonso zu feuern, folgen natürlich auch auf dem Fuße.

Rufen wir uns in diesem Zusammenhang bitte mal die Ausgangslage in Erinnerung. Der Beitrag auf „Panorama“ wurde mit dem expliziten Ziel verfasst, den Offizier aus der Bundeswehr entfernen zu lassen. Wovon man die „Expertin“ hingegen entfernen lassen soll, ist auch nach mehrfacher Lektüre der Kolumne von Don Alphonso nicht klar, denn das Umfeld, in dem sie sich bewegt, findet ja gut, was dort kritisiert wird. Und dass man keine Scharlatane als „Experten“ auftreten lassen sollte, hat mit „Cancel Culture“ dann weniger zu tun als mit der Abwesenheit von belegbarer Expertise.

Aber darum geht es auch nicht. Es ist das alte Muster. Man versucht, irgendjemanden durch den Verdacht auf rechtsextreme Umtriebe sozial zu ächten und möglichst um seine berufliche Existenz zu bringen. Wenn dieses Schema dann erkannt und öffentlich kritisiert wird, macht man sich flugs selbst zum Opfer und unterstellt den Kritikern unlautere Machenschaften. Die Kritik soll dann durch eilends präsentierte Drohungen und Beschimpfungen delegitimiert werden, während eine eigene Armada von Unterstützern sich ungeniert dieser Mittel bei Attacken auf die Kritiker bedient.

Nun ist klar, dass das Netz und insbesondere Twitter voll ist von Deppen, die ihre Unfähigkeit zu Reflexion und Argumentation mit Praktiken aus der Gosse zu kompensieren versuchen, und es ist auch klar, dass jeder, der dort zum Mitwirkenden an einer polarisierenden Auseinandersetzung geworden ist, mit einem Aufschlagen dieser Dumpfbacken rechnen muss. Das ist für niemanden schön, aber leider auch schon so lange so sehr gelebte Praxis, dass es einfach nur noch ermüdet, wenn jemand scheinbar entsetzt ein paar Exemplare davon präsentiert, um sie als exemplarisch für das Niveau der anderen Seite hinzustellen.  Es überzeugt auch nur noch die Strenggläubigen der eigenen Seite, sich als verfolgtes Unschuldslamm zu präsentieren, das sich „im Fadenkreuz“ eines Finsterlings befindet, aber genau damit den Versuch zu starten, gegen das gewünschte Ziel eine Kampagne loszutreten.

Eine Debatte mag sowas wunschgemäß verhindern, aber es wird wohl nicht mehr reichen, Kritik zum Verstummen zu bringen.

Platz für Senf.

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