Tichys Einblick in den Fußball

Auf „Tichys Einblick„, der Publikation, die uns immer wieder neu mitteilt, warum Merkel unser Unglück ist, hat man sich jetzt auch mal dem Fußball gewidmet. Zumindest indirekt. In einem Beitrag wird dort die „dubiose“, weil steueroptimierend gestaltete Herkunft der Gelder moniert, die über den Investor Lars Windhorst dem Klub zuteil wurden und auch noch weiter werden sollen.

Fußballromantikern ist das selbstverständlich nicht geheuer, und man kann sie ja auch verstehen. Aber so ist das eben in diesem Business heutzutage. Wer träumt, steigt ab, zwar unter tränenreichen Sympathiebekundungen idealistischer Fans, aber eben doch: ab. Die Rolle des kleinen gallischen Dorfes spielt seit Jahr und Tag nur der SC Freiburg halbwegs überzeugend, aber auch der ist von besonders fähigen Trainern abhängig und über seine Rolle hinaus keinen besonderen Erwartungen ausgesetzt. Wenn man so will, setzt sich mittlerweile die Hälfte der Vereine der 1. Bundesliga aus solchen zusammen, die vor allem nicht absteigen wollen, ein Viertel aus solchen, für die eine „Europa League“ das höchste der Gefühle ist, ein weiteres Viertel, die in erster Linie die Teilnahme an der Schwammerl Liga anstreben, und einem Verein, der sich realistische Hoffnungen auf den Meistertitel machen darf.

Wer irgendwann zu einem der beiden Viertel gehören will (der eine Verein kann nur vorübergehend seiner angestammten Position beraubt werden, wenn dort mal alle sehr viel falsch machen und ein bestimmter Konkurrent zufällig alles richtig[1]), braucht Geld, viel Geld. Gilt es doch, dabei u.a. gegen Klubs anzutreten, die von potenten Privatsponsoren, auf Marketingerfolge setzenden Vertriebsorganisationen und internationalen Konzernen gefüttert werden.

Hertha BSC, in der Vergangenheit nicht gerade berühmt für solide Finanzierung, hat sich für einen solchen Weg entschieden. Der Verein ist offenbar bereit, auf lange oder mittlere Sicht sogar die Mehrheit der Anteile an seiner KGaA an das Vehikel des Investors Lars Windhorst abzugeben, was aber nicht gegen die berühmte 50+1-Regel verstoßen würde, weil in jeder Kommanditgesellschaft, und eine KGaA ist eine solche, per se nur die Komplementäre über die Geschäfte entscheiden. Und alleiniger Komplementär der KGaA bei Hertha BSC ist der Verein.

Wie gesagt, „Tichys Einblick“ moniert die „undurchsichtige“ Herkunft der Gelder. In der Tat: Windhorst investiert hier nicht sein eigenes Geld, sondern das anderer Investoren, die ihm vertrauen. Trotz vorheriger Pleiten übrigens – was man einerseits als hervorragenden Vertrauensbeweis interpretieren, andererseits aber nüchtern auch als Beleg dafür nehmen kann, dass aufgrund diverser politischer Entscheidungen einfach sehr viel Geld auf diesem Planeten dringend nach ertragreichen Investitionen sucht. Und weil das nun mal so ist, ist die „Undurchsichtigkeit“ wenig verwunderlich. Stille Geldgeber wollen ihre Namen nicht in der Zeitung sehen. Das haben sie mit Mafiosi gemeinsam  –  ohne aber zu solchen zu mutieren. Die Steueroptimierung sollte man Windhorst nicht zur Last legen, denn wenn er es nicht täte, wäre er in dieser Liga längst in die Kreisklasse abgestiegen. Es sind immer noch die Staaten, die solche Möglichkeiten offerieren, und das aus dem einzigen Grund, dass sie auch genutzt werden, in diesem Fall offensichtlich solche der Europäischen Union (oder neuerdings ehemaligen Mitgliedern davon…).

Wie auch immer. Man kann darauf herumreiten, wenn man keine doppelten Standards anlegt. Wie wird der verehrte FC Liverpool finanziert? Wie Manchester City? Paris St. Germain? Und was mag der FC Bayern so sehr an Katar? Wahrscheinlich bleibt einem da entweder Fundamentalopposition (willkommen bei den Ultras!) oder der Rückzug auf „Non olet!“

Aber das Untergangsszenario, das der Autor bei „Tichys Einblick“ dann skizziert, hat keine Berechtigung. Zwar ist mit TeBe einem anderen Berliner Verein Übles mit einem Investor widerfahren, aber dergleichen droht Hertha mit Herrn Windhorst nicht. TeBe verlor die Lizenz für die Profiliga, weil ihr Investor, die „Göttinger Gruppe“ keine Bürgschaften beibringen konnte, die seine Zahlungsversprechen untermauern hätten können. Hertha hingegen ist auf Zahlungsversprechen nicht angewiesen, weil die Gelder von Windhorst alle als Eigenkapital und in Cash zufließen. Natürlich kann Michael Preetz die Knete dann noch sinnlos verballern (obwohl: „Transfers kann er!“), aber erstens ist da noch Bruno, und zweitens wäre selbst in diesem schlimmsten Fall das Geld erstmal einfach nur weg. Aber es wäre dann auch keiner da, der es zurückfordern könnte. Okay, die Eigenkapitalquote würde es dann killen, aber viel schlimmer als vor dem Einstieg von Windhorst kann die auch kaum aussehen.

Will sagen: Das eigentliche Risiko, das der Verein mit dem Engagement von Windhorst eingeht, ist, eine große Chance nicht zu nutzen.

Gerne wird auch kolportiert, dass der fachfremde Investor unziemlichen Einfluss auf den Verein nimmt. So geschehen eben mit TeBe, so geschehen jüngst auch mit den Münchner Löwen (hat da jemand „HSV“ gerufen?). Aber das müsste Hertha dann selbst so wollen bzw. mit sich machen lassen. Bislang gibt es aber keine Anstalten von Windhorst, jenseits des KGaA-Aufsichtsrats irgendeinen Einfluss ausüben zu wollen. Die Ämter des Vereins sind nach wie vor in den Händen derer, sie sie schon vor Windhorsts Einstieg inne hatten. Das mag mancher Herthaner zwar sogar bedauern, aber in dieser Argumentation spielt es eine wichtige Rolle.

Der Punkt ist auch (im Gegensatz zum Fall „Göttinger Gruppe“ und TeBe): Wenn Windhorst wieder mal pleite geht, passiert bei Hertha – gar nichts. Denn dessen Einlagen kommen in Cash und als Eigenkapital der KGaA. Somit hätten seine Gläubiger da nichts mehr zu holen, könnten also „das Konstrukt“ auch nicht gefährden[2].

Sagen wir es also mal so: Der Beitrag bei „Tichys Einblick“ pickt sich einen Verein heraus, um die Schattenseiten des modernen Profi-Fußballs zu beleuchten, hätte sich bei den wirtschaftlichen Risiken aber besser des Rats eines Fachmanns bedient. Ob man sowas bringen muss? Aber da gab es ja jüngst Schlimmeres in den „renommierten“ Medien…

[1] Da der eine Verein aber lernfähig ist und Genies nicht regelmäßig ins Licht der Öffentlichkeit treten, muss man das für um so unwahrscheinlicher halten.
[2] Abgesehen von komplizierten Konstellationen wie der, dass Windhorst zum Zeitpunkt der Einlage schon längst pleite war.

Platz für Senf.

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