Über unbehaarte Affen und Momente der Schwäche

Es war am Mitte letzter Woche, als folgender Tweet von Don Alphonso für Aufregung im mainstreamigen Teil der Twitter-Timeline des Werwohlfs sorgte:

Es dauerte nicht lange, und die Empörung ergoss sich über ihn. „Unbehaarter Affe“ und „Afrika“ – diese Konstellation konnte nur auf eines hindeuten: Rassismus!

Offenbar wollte Don Alphonso Zuwanderer aus ostafrikanischen Ländern herabsetzen. Warum nur die, und worin außer der reinen Erwähnung dieser Tweet dann einen Sinn bekommen haben sollte – egal. Es MUSSTE so sein. Weil der Mann eh verdächtig war als jemand, der sich den üblichen Sprachregelungen penetrant widersetzt und es sogar wagt zu zeigen, dass die Dealer im Görlitzer Park in der Regel keine Westeuropäer sind. Auch ohne daraus irgendwas in Richtung Herkunft oder Kultur zu schließen, aber das zählt nicht – schon die Erwähnung nicht genehmer Fakten ist bekanntlich verwerflich.

Seiner zwar kleinen, aber im Umgang mit Metaphern durchaus geübten Leserschaft muss der Werwohlf sicher nicht erklären, wer mit dem „unbehaarten Affen aus der heissen(!) Steppe Ostafrikas“ gemeint ist und wieso der Tweet mit dieser Bedeutung erst zu einem sinnvollen wird. Dem wackeren Kämpfer gegen rechte Umtriebe ist das allerdings gleichgültig. Ihm reicht, dass irgendjemand, und handele es sich dabei auch nur um die, die dem Autor Übles wollen, es so lesen KÖNNTE, als ob die kryptische Herabsetzung der eigentliche Zweck des Tweets war. Natürlich wollte Don Alphonso „die Grenzen des Sagbaren verschieben“. Also „unbehaarter Affe“ und „Ostafrika“ in einen Zusammenhang stellen. Was ja nicht geht. Gar nicht. Und damit wird die unterstellte böse Absicht dann automatisch zur einzig wahren. Weil man WEISS, was der Typ WIRKLICH will. Eine rundere Beweisführung als die eines Zirkels ist ja auch schlechterdings nicht vorstellbar.

Wie Deutschland hingegen wirklich tickt, hat uns dankenswerter der „Tagesspiegel“ heute vor Augen geführt:

• Christian Lindner kuschelt
Vor kurzem forderte FDP-Chef Christian Lindner markig und Basis-nah schwerste Strafen für Fußballprofis, die die Abstandsregeln nicht einhalten: „Individuelles Fehlverhalten“ sei streng zu ahnden – so „dass es selbst Fußballmillionären richtig weh tut“. Jetzt hat Lindner selbst keinerlei Abstand gehalten sondern innig mit dem Honorarkonsul von Weißrussland (jep!) vor dem überfüllten Promi-Restaurant Borchardt in Berlin gekuschelt. Ohne Maske. Dass Lindner sein Verhalten mit „Unkonzentriertheit“ begründet, da man „am Ende Mensch bleibe“ lässt all die Menschen fassungslos zurück, die es schaffen, sich seit Wochen (offenbar unter Aufbietung höchster Konzentration) mit Abstand durch ihren Alltag zu bewegen. Aus Rücksicht auf ihre Mitmenschen.

Lindner entlarvte sich hier als Mensch. Aber das ist nicht zu tolerieren. Das Land verlangt den Übermenschen. Den, der es permanent schafft, mit mindestens 1,5 m Abstand zu allen Mitmenschen (von eng definierten Ausnahmen abgesehen) durchs Leben zu gehen. Einem Menschen, der nie schwach wird und in alte Verhaltensmuster zurück fällt. Was nach Meinung des „Tagesspiegel“ offensichtlich alle anderen Deutschen schaffen. Kein Wunder, muss man da sagen, dass dieses Volk sich in der Geschichte hin und wieder dazu berufen fühlte, anderen Menschen seine Tugenden angedeihen zu lassen, notfalls eben mit Gewalt.

Um keine Zweifel zu streuen: Natürlich ist Lindner hier zu kritisieren. Aber nicht für seinen Moment der Schwäche. Sondern weil er sich – offensichtlich in bigotter Art und Weise – über einen anderen Menschen in dessen Moment der Schwäche so sehr erhob, dass er ihm Übles wünschte. What goes around comes around, dear Mr. Lindner.

Platz für Senf.

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