Was zu Quoten und überhaupt

Wann genau der Wechsel von Gleichberechtigung zu Gleichstellung erfolgte, vermag der Werwohlf nicht mehr zu sagen. Es muss irgendwann passiert sein, als er beruflich zu sehr abgelenkt war. Galt es früher noch, Hürden zu beseitigen, die Frauen daran hinderten, in gleichem Maß wie Männer ihre Rechte wahrzunehmen, zielt man jetzt darauf ab, in jeder denkbaren Gruppe von Menschen eine geschlechtliche Gleichverteilung anzustreben[1]. Warum das Geschlechtsorgan eines Menschen eine Rolle dabei spielen soll, welche Rolle in welcher Gruppe er einnehmen soll, hat sich dem Werwohlf bisher noch nicht erschlossen[2]. Heutzutage gilt jede Ungleichverteilung als Hinweis auf Diskriminierung. Das ist per se schon fraglich, aber noch fraglicher wird es durch die absurde Argumentation, die dabei gerne angewendet wird. Als Argument für „Diversität“ wird angeführt, dass Frauen eben (dann plötzlich irgendwie) anders denken und handeln würden als Männer, und dass es der Entscheidungsqualität in einer Gruppe förderlich wäre, diese andere Denkweise zur Geltung kommen zu lassen. Das stimmt natürlich, aber wenn diese andere Denkweise dazu führt, dass Frauen viel weniger Interesse an einer solchen Position zeigen, insbesondere angesichts des Weges, der dazu zurückzulegen wäre, dann soll sie plötzlich nicht mehr existieren. Oder wie sonst soll man erklären, dass eine ca. 50/50-Verteilung in allen Fällen als „normal“ angesehen wird?

Nehmen wir nur mal das besondere Interesse der Quotenverfechter an Positionen der Wirtschaft. Man hat es schon geschafft, dass für Aufsichtsräte eine Frauenquote eingeführt wurde, und eine kleine Gruppe von Frauen darf sich jetzt gut dotierter Posten erfreuen, für die sie vorher nicht in Erwägung gezogen wurden. Aber auch, wenn es das ein oder andere Aufsichtsratsmitglied beleidigen sollte: Auf die einzelne Person in einem solchen Gremium kommt es praktisch nie an. Aufsichtsräte sind seit jeher bunt zusammengesetzt, da ist vom Bandmitarbeiter bis zum Ehepartner des Mehrheitsaktionärs so gut wie alles dabei. Die entscheidenden Positionen sind hier der Aufsichtsratsvorsitz und bei mitbestimmten Unternehmen auch dessen Stellvertreter. In der Regel regeln diese beiden das Notwendige untereinander und in ihren eigenen Reihen. Wenn die anderen Aufsichtsratsmitglieder keine besondere Expertise für ihren Job mitbringen und/oder wenn sie danach nicht gefragt werden, reduziert sich ihr Job im Wesentlichen auf das Abstimmen. Ja, da lässt sich eine Frauenquote leichter umsetzen. Aber ob die dann den meisten Frauen im Beruf etwas bringt, dürfen wir bezweifeln. So wie bei den Männern auch, werden diese Positionen in exklusiven Zirkeln vergeben. Kein „normaler“ Mann hat etwas davon, dass ein Geschlechtsgenosse im Aufsichtsrat sitzt, und keine „normale“ Frau, dass es eine der ihren ist. Man sollte schon hinhören, wer sich so für Quoten einsetzt: Nicht selten sind es genau diejenigen, die persönlich davon zu profitieren gedenken.

Okay, wir haben da also jetzt dieses Gesetz. Und die Konzerne, die davon betroffen sind, halten sich daran. War wohl auch irgendwie zu erwarten, oder? Wenn sich jetzt jemand komplett zum Deppen machen will, dann erklärt er oder sie die Einhaltung eines Gesetzes als Erfolg und schließt vom Aufsichtsrat auf das völlig unterschiedliche Gremium Vorstand (einer AG). Vermutlich ist das die Logik hinter einer Gesetzesinitiative der SPD, aber Deppen oder (Deppinnen?) gibt eben parteiübergreifend:

Mit Hinweis auf die seit 2016 geltende Frauenquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte sagte die CDU-Abgeordnete: „Bei den Aufsichtsräten hat es mit einer gesetzlichen Regelung von Frauenquoten auch gut funktioniert. Warum soll das nicht bei Vorständen klappen?“

„Gut funktioniert“ = das Gesetz wurde befolgt. Dass es genau so bei Vorständen „klappen“ würde – keine Frage. In dem Sinn hat ja auch der Sozialismus „funktioniert“. Die Gesetze wurden eingehalten, aber das ökonomische Ergebnis ließ sonderbarerweise zu wünschen übrig. Der Vorstand einer AG ist nun aber *das* entscheidenden Gremium. An die Personen, die da tätig sind, werden besondere Anforderungen gestellt. Nicht nur, dass sie sich in verschiedenen Führungspositionen hochgearbeitet haben müssen, sie haben auch besondere Belastungen zu ertragen, wozu z.B. der Verzicht auf Schlaf und auf Familienleben gehören. Zudem müssen sie sich vergegenwärtigen, dass ständig jemand an ihrem Stuhl sägt, und dass eine schlechte „Performance“ sie von heute auf morgen Job und gesellschaftliche Anerkennung kosten kann. Die berühmten „goldenen Handschläge“ werden meist nur den Bossen der Bosse, den Vorstandssprechern oder – vorsitzenden zuteil. Als einfaches Vorstandsmitglied ist man hingehen – peerbezogen formuliert – eine arme Sau. „Arm“ natürlich nicht im materiellen Sinn – der Stress wird meist auch entsprechend vergütet, was, wenn die Saläre in der Presse veröffentlicht werden, gerne auch mal zu Neidausbrüchen führt. Aber der Werwohlf kann da nur sagen: Leute, seid froh. Seine Berufslaufbahn führte eine Weile in eine solche Richtung. Ob er je in diesen Gefilden angekommen wäre, weiß man nicht, aber ihm wurde schnell klar, dass er es auch nicht wollte. Nach des Werwohlfs Meinung hat das Leben viel mehr zu bieten als das, womit sich Menschen in solchen Jobs den ganzen Tag lang beschäftigen müssen, und erst recht auf ihrem Weg dahin. Aber es gibt eben auch hinreichend viele Menschen, denen – wenn auch quasi geborgte – Macht und viel Geld so wichtig sind, dass sie alles andere hintanstellen. Diese reden dann meist davon, dass sie „etwas bewegen“ wollen. Ob das dann auch wirklich so ist, ob sie wirklich etwas bewegt haben in ihrer Zeit, dürfte es aber meistens unterschiedliche Meinungen geben. Und manche Bewegung wird vom Nachfolger schnell wieder umgedreht… Wenn man mal die Berichte von Sterbenden liest, bedauern die wenigsten unter ihnen, dass sie sich nicht genug ihrem Job gewidmet haben. Aber genau diese unbedingte, samurei-gleiche Gefolgschaft verlangt das System von einem Manager, der ganz nach oben will. Nach des Werwohlfs Erfahrung erkennen Frauen die Nachteile dieses Weges eher und sind deswegen auch weniger bereit, ihn zu gehen. Und wenn die Quote derer, die es schaffen, der der Männer entspricht, kommt am Ende eine sehr, sehr kleine Zahl dabei heraus. 

Von einer Diskrimierung, die nach Quoten schreit, würde der Werwohlf ausgehen, wenn auf der Ebene unterhalb des Vorstands, wo sich also auch die versammeln, die es gerne ganz nach oben schaffen würden, entsprechend viele Frauen vertreten wären. Aber dem ist wohl nicht so, Folglich würden sich die Konzerne, würde ein Vorstands-Quoten-Gesetz Wirklichkeit werden, die Frauen von außerhalb holen (also meist aus dem Kreis der Quoten-Pusherinnen) und sie mit möglichst unbedeutenden Aufgabengebieten ausstatten müssen. Das tut diesen Frauen gut, aber wieder nicht der Masse ihrer Geschlechtsgenossinnen, und auch nicht wirklich der „Diversität“. Im Prinzip handelt es sich dabei dann um eine Art Steuer. Ob das der Gleichberechtigung förderlich sein wird, überlässt der Werwohlf der Fantasie der Leser.

Nun ist es wirklich nicht so, dass der Werwohlf in seinen Jobs nicht auch Frauen kennen gelernt hätte, denen es er zugetraut hätte, einen Vorstandsjob zu bekommen. Nur war deren beruflicher Ehrgeiz nach der ersten eigenen Elternzeit erschöpft. Ihren alten Job weiter machen, dazu waren sie dann schon bereit, aber nicht für die zeitlichen und u.U. auch entfernungsbedingten Belastungen, die für ein Weiterkommen erforderlich wären. Aus Sicht des Werwohlfs handelt es sich in diesen Fällen um eine sehr vernünftige Einstellung. Es haben sich die Prioritäten verändert, und – mal subjektiv bewertet – in die richtige Richtung. Und dennoch gibt es – auch natürlich – Frauen, die ihre Prioritäten nicht verändern. Die landen dann wirklich auch oben. Des Werwohlfs Lieblingsbeispiel ist Tina Müller, die bei Henkel groß wurde, bei Opel eine geniale Marketingkampagne verantwortete und jetzt CEO der Douglas-Gruppe ist. Frau Müller wurde auch in der Wirtschaftspresse schnell bekannt und populär. Sie gilt als einer der Stars der Management-Szene[3]. Es gibt auch noch viele andere Frauen, die eine wichtige Rolle in Deutschlands Unternehmen spielen – allerdings haben die meisten davon nicht den Bekanntheitsgrad, der sie über die Szene hinaus populär machen könnte. Aber es gibt sie, und wer in der deutschen Wirtschaftswelt etwas werden will, wird der einen oder anderen davon unweigerlich begegnen. Und den vielen anderen Frauen, die einfach nur ihren Job machen. 

Der Liberale im Werwohlf hat ein grundsätzliches Problem damit, wenn der Staat in die Wirtschaft eingreift. Über die Aufsichtsräte kann man jetzt stundenlang streiten, aber der „Sündenfall“ ist mit der Mitbestimmung längst da, und man kann nicht ernsthaft behaupten, dass er sich besonders schädlich ausgewirkt hätte. Vergleichbares ließe sich wohl für die Frauenquote dort anführen, wiewohl der Nutzeneffekt daraus weniger ersichtlich ist als der aus einer Einbindung der Arbeitnehmerschaft in die Unternehmensstrategie. Aber die „Frauensteuer“ für den Vorstand, die hielte er für grundsätzlich falsch. Dabei wäre er, wenn es darum geht, Frauen, die sich wirklich auf diesen Weg einlassen wollen, etwaige Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Wenn man ihm denn welche nennte, die man als Staatsaufgabe verstehen könnte.

Was dabei aber nun wirklich keine Rolle spielt, ist die Sprache. Die Bezeichnung „der Lehrer“ hat keine Frau davon abgehalten, diesen Beruf zu ergreifen, weswegen sie jetzt die Mehrzahl darin darstellen, und zwar je kleinkindnah, desto mehr. Es kann also nicht an diesem „männlichen“ Artikel liegen. Sprache mag Denken beeinflussen, aber wenn, dann nur flüchtig, kontextbezogen und nicht nachhaltig. In Offenbach wies der Kreistag einen Antrag einer AfD-nahen Liste zurück, sich gegen „gendergerechte Sprache“ zu positionieren. Exemplarisch für die Position der „Gendergerechten“ mag diese Aussage dienen

Die CDU sei für eine gendergerechte Sprache, machte die frühere Erste Stadträtin von Seligenstadt, Claudia Bicherl, deutlich. Falls nur Männer genannt würden, spiegele sich dies im Denken wider. Damit Frauen sich angesprochen fühlten, sollten sie auch genannt werden. Nur so würden sie sichtbar. Gendergerechte Sprache zeige, dass Männer und Frauen gemeint seien.

Ob es ein Zufall ist, dass sowohl die Position zur Quote oben als auch zur „gendergerechten“ Sprache hier von CDU-Politikerinnen vertreten werden, mag jeder für sich beurteilen. Aber der Wunsch vieler Konservativer, ihre alte CDU möge zurückkehren, dürfte sich als Illusion herausstellen… Der Werwohlf mag die linguistischen Argumente, die gegen eine Vergeschlechtschlichung von Sprache angebracht werden, hier nicht wiederholen, aber seiner Ansicht nach werden mit dem männlichen Artikel, wie er bei der Substantivierung von Eigenschaften angewendet wird, überhaupt keine Geschlechter verbunden, sondern nur abstrakte Eigenschaften, die erst nach beharrlicher Nachfrage, wie sie in den Studien der „Gendergerechten“ meist erfolgt, einem bestimmten Geschlecht (Sexus!) zugeschrieben werden. Dass im Grundgesetz nur von „dem“ Bundeskanzler die Rede ist, hat auch Angela Merkel und die Union nicht davon abgehalten, eine Frau in diese Position zu wählen. „Der“ EU-Kommissionspräsident ist eine Frau, „der“ Präsident der EZB auch. In der Politik spielt die angeblich so hinderliche Sprache anscheinend keine Rolle. Warum nur kommen dann ausgerechnet von dort die meisten Appelle, sie mittels „Vergeschlechtlichung“ zu verunstalten? Der oder die „-ende“ ist jemand, der oder die gerade etwas tut, aber diese Bezeichnung kennzeichnet keine Eigenschaft und keinen Beruf. Ob und wie sehr Frauen irgendwo vertreten sind, entscheidet sich anhand von Eignungen und Konventionen, aber ganz sicher nicht aufgrund falsch angewendeter und künstlich aufgeblähter Sprache.

 

[1] Das Absurde daran ist, dass es eine unterschiedliche Interessenlage von Männern und Frauen negiert.
[2] Im Sport zeichnet sich etwas noch Absurderes ab: Männer, die sich zu Frauen erklären, dominieren deren Wettbewerbe. 
[3] Belegt durch lange, wohlwollende Berichterstattung z.B. im „manager magazin“

P.S.: Die Liebste des Werwohlfs ist eine äußerst selbstbestimmte Frau, die schon immer ihr Ding durchgezogen hat. Ihr würde es im Traum nicht einfallen, sich etwas von Männern vorschreiben zu lassen (oder von sonst jemandem…).
P.P.S.: Der Werwohlf erwartet die Gegenrede seiner Lieblingsfeministin.

8 Gedanken zu „Was zu Quoten und überhaupt

  1. n_s_n

    Interessant finde ich die Beobachtung, dass die Quote heutzutage fast ausschließlich geschlechterspezifisch thematisiert wird. In der Folge wird sich dann auch gerne geschlechterspezifisch daran abgearbeitet.

    Jetzt kann man zu jeder Quote endlos über Pros und Contras reden, über Statistik, Erwartungswerte, Verteilungen, Symmetrie und Assymetrie – das sind die Kalten Emotionslosen, wie ich – oder über Gefühle, Gedanken, Psychologie und Gerechtigkeit (also diejenige, welche man selbst empfindet) – Das sind die Empathischen, Mitfühlenden (zwei Dinge, welche mir ja abgehen, wie du weisst)

    Man kann sich diese verschachtelten Auseinandersetzungen auf unvereinbaren Ebenen aber auch sparen und die Diskussion Pro und Contra Quote über eine Abkürzung auf eine andere Diskussion zurückführen. Und zwar ganz allgemein für jede Quote:

    Ist man für Gleichheit in den Startbedingungen oder ist man für Gleicheit im Endzustand?

    Erstes ist ein liberales Gesellschaftsverständnis, zweites ein sozialistisches. Wenn man für die Quote ist, ist man notwendig für die Gleicheit im Endzustand und propagiert damit eine Variante des Sozialismus. Deswegen kann man sich auch gleich direkt darüber unterhalten, ob man für oder gegen Sozialismus ist. Diese Abstraktion der Quotenfrage macht die Diskussion in meinen Augen deutlich einfacher.

    Das was du mit der „gendergerechten Sprache“ thematisierst kommt da noch obendrauf. Die ostentative Unterscheidung zwischen Mann und Frau ist nichts anderes als Teil einer identitäts- und damit auch kollektivistichen Politik. Sie gehört zur Quote mehr oder weniger dazu.

    Nehmen wir einmal an, wir sind in einer liberalen Gesellschaft:
    Wenn man gleiche Startbedingungen hat für ein beliebiges Ziel, dann ist das Erreichen des Ziels ein gewisses Qualitätsmerkmal. Wenn ich nun für mich selbst auf dieses Qualitätsmerkmal aus irgendeinem Grund Wert lege (sagen wir mal, ich suche eine gut ärtzliche Behandlung), interessiert es mich überhaupt nicht, welche identitäsmerkmale dieser Mensch haben könnte. Mich interessiert nur das Qualitätsmerkmal (Und ich kenne in meinem persönlichen, maximal weit definierten Umfeld nicht einen Menschen, bei dem das anderes wäre.)

    Lustigerweise sagt mir (und allen anderen, die ticken wi ich) nun aber diese Quoten- und Genderlehre, dass mir genau das Identitätsmerkmal wichtig zu sein hat und dass es das Qualitätsmerkmal (über den Prozeß aus den gleichen Startbedingungen heraus) gar nicht gibt.

    Daher ist Quote und in ihrem Gefolge das Gendersprechen eine Form von Identitätspolitik, die Diametral gegen die Idee einer liberalen Gesellschaft steht. Kann man ja gut finden aber dann sollte man auch dazu stehen und das nicht als liberal verkaufen, wie es viele tun.

    Kollektvistische, antifreiheitliche und sozialistische Ideen liegen eben voll im Trend heutzutage, genauso wie ebendiese als die eigentliche Freiheit zu bejubeln.

    Übrigens habe ich selbst auch schon bei Zettels mit der Quote gehadert. Ist jetzt bald zwei Jahre her und gilt immer noch.

    https://zettelsraum.blogspot.com/2018/04/die-quote-und-die-fdp.html#more

    Herzlich

    n_s_n

    Antwort
      1. n_s_n

        Zitat:
        „mit meiner Argumentation quasi vor-ideologisch ansetzen“

        Das habe ich aufgegeben, weil du Ideologen niemals mit intersubjektiv überprüfbaren Argumenten überzeugen kannst. Das ist das Wesen der Ideologie und ihrer Protagonisten.

        Du kannst einen Konflikt nur auf die Ideologie herunterbrechen und zu einem „agree to disagree“ kommen. Mehr ist da nicht drinne.

        Immerhin: Wenn die Quotenbefürworter zu der Einsicht kommen, dass ihr Sehnen ein sozialistisches, identitäres und antifreiheitliches ist, fangen sie vielleicht in einer ruhigen Minute im stillen Kämmerlein einmal an darüber nachzudenken. – Auch wenn das viel erfordert an Eigenschaften, welche bei unserer Spezies – ich würde denken evolutionstechnisch bedingt- rar gesät sind.

        Herzlich

        n_s_n

        Antwort
      2. n_s_n

        P.S.: Trotz allem ein Vorschlag für ein vor-ideologisches Argument, welches eine von mir persönlich empfundene Bedrängung durch die Quote zum Ausdruck bringt.

        Die Quote, wie auch die damit oft einhergehende Argumentation, „Frau sein“ sei ein positiver Wert an sich, definiert die mir von außen konstitutiv zugewiesene Identität als Mann als etwas Defizitäres. Ganz gleich, wie ich mich selbst verhalte, denke, fühle, mit meinen Mitmenschen umgehe: Mir werden Eigenschaften abgesprochen, welche ich womöglich selbst als konstituierend für meine Persönlichkeit empfinde.

        Diese emotionale Übergriffigkeit kotzt mich persönlich an. Diese Empathievergabe nach planwirtschaftlichen Regeln. Diese Übergriffigkeit, welche man sich für sich selbst und / oder die ausgewählte Gruppe verbittet, praktiziert man hemmungslos gegen andere.

        Herzlich

        n_s_n

        Antwort
  2. Dr. Caligari

    Werwohlf schreibt:
    „Warum das Geschlechtsorgan eines Menschen eine Rolle dabei spielen soll, welche Rolle in welcher Gruppe er einnehmen soll, hat sich dem Werwohlf bisher noch nicht erschlossen[2].“

    Das Gehirn ist auch ein Geschlechtsorgan.
    Es könnte also etwa damit zu tun haben, dass für bestimtme Berufe wie Krankenschwester, Hebamme oder Kindergärtnerin Frauen irgendwie besser geeignet sind und für andere wie Müllmann eben mehr Männer.
    Das hat auch nichts mit Diskriminierung zu tun. Das sind einfach natürliche Tendenzen.

    Werwohlf schreibt:
    „Heutzutage gilt jede Ungleichverteilung als Hinweis auf Diskriminierung.“

    Richtig.
    Man schlussfolgert von der scheinbaren Wirkung auf die vermeintlichen Ursache.
    Allein die Möglichkeit, dass das ein „natürlicher Effekt“ sein könnte, wird als Ideologie zurückgewiesen.

    Werwohlf schreibt:
    „Und wenn die Quote derer, die es schaffen, der der Männer entspricht, kommt am Ende eine sehr, sehr kleine Zahl dabei heraus.“

    Man kann durch ein entsprechendes Anreizsystem und Erziehung Frauen dazu kriegen, solche Posten anzustreben.
    Die Frage ist, ob man damit den Frauen selbst und der Gesellschaft einen Gefallen tut.
    Nach meiner Erfahrung fehlt da an entscheidender Stelle das Testosteron, um sich gegen einen Haufen im Grunde gleichwertiger durchzusetzen. Das wäre in der westlichen Welt vielleicht unschädlich, aber in der weltweiten Konkurrenz machen wir uns damit nicht besser.

    Ich glaube, es wird langfristig darauf hinauslaufen, dass die Vorstände und andere hohe Verwaltungsposten in Unternehmen gewählt werden.
    Die Idee an sich mag großartig oder vollständig unsinnig sein, sie lässt sich aber bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückverfolgen.
    Man kann mit dieser „Unternehmensdemokratie“ viel Erfolg haben oder man kann gnadenlos absaufen.
    Wie es dann zugehen könnte, kann man in Betriebsräten und dergleichen sehen.

    Ich stelle mir das ungefähr so vor:
    Der Vorstand wird durch die Mitarbeiter gewählt, natürlich mit der Geschlechtsteil-Quote. Die Wahl selbst ist natürlich geheim.
    Dann setzt sich ein Vorstand zusammen, der teilweise aus Realos, teilweise aus Spinnern besteht.
    Die eigentliche Arbeit machen extern eingekaufte „Berater“, selbstständige Manager usw. Wobei diese Leute keine Angestellten sind. Sie werden von der AG eingekauft.
    Der offizielle Vorstand beschäftigt sich mit sich selbst und im Schatten davon existiert die eigentliche Führungsmannschaft und zieht die Fäden. Besonders die Fachabteilungen, die sich nicht von den besonders polit-affinen Personen auf der Nase herumtanzen lassen wollen.
    Viele Unternehmen werden diese Transformation nicht überleben. Die, die es tun, haben einen Wasserkopf. Vielleicht wird im ein oder anderen Jahr aber mal jemand gewählt, der wirklich Ahnung und Verantwortungsgefühl hat. Grade bei großen Unternehmen, wo es um viel Geld und Vergünstigungen geht, wird das möglich sein.

    Wie gesagt, im richtigen Unternehmen ist so eine Selbstbstimmung eine Befreiung.

    Antwort
  3. n_s_n

    Zitat:
    „Nach meiner Erfahrung fehlt da an entscheidender Stelle das Testosteron, um sich gegen einen Haufen im Grunde gleichwertiger durchzusetzen.“

    Nach dieser Einschätzung ist also das Vorhandensein von Testosteron kein relevantes Attribut zur Feststellung von Gleichwertigkeit (im Hinblick auf eine Aufgabenstellung)?

    Dazu fällt mir der Ausspruch eines Menschen ein, den ich sehr vermisse: „Wann hat eine Ideologie gesiegt? Wenn sich selbst die Kritiker in ihrem Rahmen bewegen.“

    Zitat:
    „Wie gesagt, im richtigen Unternehmen ist so eine Selbstbstimmung eine Befreiung.“

    Auch hier scheint mir der Gedanke vom Sieg des aktuellen Zeitgeists getragen zu sein.

    Mir ist erinnerlich hier mit dem Werwohlf einmal eine Diskussion über den Erfolg von Unternehmen (und damit auch dem Wohl seiner Mitarbeiter) geführt zu haben.

    Meines Ermessens sind dabei zwei Dinge entscheidend: 1. Glück, die „richtigen“ Leute als „Keimzellen der Unternehmensstruktur“ zu haben und 2. die Allokation der individuellen Verantwortung zur individuellen Entscheidung, in einer Kultur, die individuelle Verantwortung auch fördert und der Sozialisierung von Verantwortung eine Absage erteilt. Beide Voraussetzungen erscheinen mir dabei hoch korreliert. Der Rest ist Schmuck am Nachthemd und Wohlfühlrethorik.

    Die Denksportaufgabe, warum man solche Struktur (der individuellen Verantwortungszuordnung) in kleinen, Eigentümer geführten Unternehmen häufig findet, in großen Aktiengesellschaften eher weniger, liefert dabei meines Ermessens einen inhärenten Hinweis auf die Richtigkeit dieser Überlegung.

    Herzlich

    nachdenken_schmerzt_nicht

    Antwort
    1. Dr. Caligari

      Das ist ein Missverständnis. Es geht nicht um Testosteron wegen der Gleichwertigkeit nur:
      Wenn die Konkurrenz NICHT gleichwertig ist, dann braucht man keinen Hormonschub, um sich durchzusetzen oder eben nicht. Die Entsheidung kann nach rationalen Kriterien gefällt werden.

      Falls die Konkurrenten aber im Grunde ähnlich sind, braucht man jemanden, der besonderen Ehrgeiz hat, um sich durchzusetzen.

      Antwort
      1. n_s_n

        Mir ging es darum, dass Durchsetzungsstärke sehr oft ein wesentliches Entscheidungskriterium für die Eignung ist, welches man über die Quote eliminiert und damit zu falschen Entscheidungen kommt.

        Oder anders formuliert:
        Dort, wo im Erwartungswert über die verschiedenen Geschlechter ungleich verteilte Eigenschaften eine Rolle für die Eignung spielen, führt jedwede Quotenreglung zwingend zu einem Qualitätsverlust beim Auswahlprozess.

        Herzlich

        n_s_n

        Antwort

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