Was Grundsätzliches

Ja, der Werwohlf kann verstehen, wenn einem hier zu viele Beiträge erscheinen, die AfD-Politiker oder die AfD verteidigen. Aber das hat vor allem zwei Gründe:

Zum einen erkennt der Werwohlf, dass die AfD hier oft nur Platzhalter ist. Es geht um ein Muster. Die andere Meinung muss erst maximal dämonisiert, dann kann sie maximal bekämpft werden. Wenn normale Bürgerliche nur mit den Schultern zucken, wo man der AfD, z.T. unter Androhung von Gewalt gegen die Gastgeber, verwehrt, sich friedlich zu versammeln, dann müssen sie sich nicht wundern, wenn dieses Verdikt auch mal sie trifft. Im Giftschrank der Antifa finden sich genug Begründungen dafür – ist es des Werwohlfs Schuld, dass heutige Bürgerliche Lenin nicht mehr kennen? Was der Werwohlf hier zur Verteidigung der AfD vorbringt, dient nicht dazu, diese Partei wählbar erscheinen zu lassen, sondern vor allem, den Mitgliedern und Anhängern von Union und FDP die Augen zu öffnen für eine Strategie, die sich jederzeit gegen sie selbst richten kann (und nach Meinung des Werwohlfs auch konsequenterweise richten wird, wenn es nicht schon längst so weit ist, wie einzelne Anschläge mittlerweile nahe legen).

Der andere Grund geht tiefer. Der Werwohlf ist sich nämlich sicher: Wo es in zu vielen Fragen nur noch eine grundsätzlich richtige Antwort gibt, ist sein Widerspruch gefragt. Harmonie ist nur ein politischer Wunsch von Diktaturen. Es kann nichts moralisch Unangreifbares in der Politik geben. Dazu sind alle Ursache-Wirkungs-Beziehungen grundsätzlich viel zu komplex – es gibt immer, ja immer, unbeabsichtigte Folgewirkungen, und jede politische Entscheidung, die angeblich nur Wohl über die Menschen bringt, hat Kosten, die im besten Fall gerade mal das Ausmaß ihres Nutzens erreichen. Es ist egal, wo: Wo auch immer Widerspruch nicht angebracht zu sein scheint, wirkt er auf den Werwohlf enorm anziehend. 

Ich. Nicht.

4 Gedanken zu „Was Grundsätzliches

  1. Dr. Caligari

    Ich bin mittlerweile bei der Diagnose „Klimasekte“ angekommen.
    Das ist was tiefenpsychologisches, das sich jetzt wieder Bahn bricht. „Siggy Freund“ schrieb in seinen späten, „kulturphilosophischen“ Schriften ja von der unwiderstehlichen Widerkehr des verdrängten. Also etwas, das tief verdrängt wurde und sich wieder einen Weg zurück ins Bewusstsein sucht und dabei für die Betroffenen eine über-rationale Plausibilität gewinnen. Für „Siggy“ war das der Monotheismus der Juden durch die Wiederkehr der Erinnerung an das Verbrechen, ihren Reiseleiter Moses getötet zu haben (eine Behauptung, die, btw, mir sonst nirgendwo untergekommen ist).
    Die kausale Story ist seitdem so: Ereignis X → Verdrängung (gabs nicht, gabs nicht…) → Das Verdränte tritt wieder hervor → Abwehrgang ins Irrationale.

    Bei den Deutschen sieht man sehr schön, wie sie auf Krisen reagieren. Wieder zurück zum Kern, Zusammenhalt, zurück zur Natur, in die deutschen Wälder, wieder zurück zum „eigentlichen“ Leben.
    Das passiert schön regelmäßig immer dann, wenn die Deutschen auf größere Krisen reagieren müssen. Sei es Napoleon und die damalige Zeit, sei es später im 1. Weltkrieg oder später.

    VIelleicht ist das die Traumatisierung durch die den 30 jährigen Krieg oder noch viel früherer Ereignisse? Ich wieß es nicht. Ich spekuliere nur, weil ich es will.

    Antwort
  2. n_s_n

    Ich hätte jetzt niemals den Eindruck gehabt, dass du die AfD oder deren Politiker verteidigst. Im Gegenteil, erscheinst du mir dezidiert kritisch mit der AfD als politischer Organisation umzugehen. Daher überrascht mich diese, deine Selbsteinschätzung.

    Was deine Beiträge beinhalten erscheint mir vielmehr die Frage, was so sinnvoll daran sein soll die AfD mit dem zu bekämpfen, was man ihr gerne (oft nicht zu unrecht) vorwirft und damit ja letztendlich selbst zu dem wird, was man glaubt zu bekämpfen. Dass das so mancher gerne als Verteidigung der AfD versteht, ist geschenkt.

    In deinem zweiten Teil hast du einen interessanten Punkt. Konsens ist der ungeliebte Arbeitsmodus einer Demokratie, nicht ihr Selbstzweck. Wo er Selbstzweck wird, liegt die Diktatur um die Ecke. Die Art und Weise wie man Widerspruch formuliert und mit ihm umgeht, könnte möglicherweise ein Gradmesser für Demokratiefähigkeit sein.

    Herzlich

    n_s_n

    Antwort
    1. Werwohlf Autor

      Es handelt sich nicht um eine Selbsteinschätzung, sondern, wie du schon richtig anmerkst, um das Bild, das meine Beiträge für Unbedarfte oder Voreingenommene abgeben könnten. Aber die AfD ist hier für mich eine Art Platzhalter – es geht um die Methoden, die gegen sie angewendet werden und meine wohl berechtigte Sorge, dass sich diese etablieren und irgendwann auch gegen Organisationen und Personen angewendet werden, die jetzt noch meinen, in diesem bedingungslosen „Kampf gegen Rechts“ antifaschistische Punkte sammeln zu müssen.

      Antwort
  3. n_s_n

    Lustig übrigens, dass sich „It’s the despair stupid“ bereits bis zu Anne Will herumgesprochen zu haben scheint:

    Antwort

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