Was zum Klima

Also heute war es dann doch etwas kalt draußen. Ich bin dann extra mit meinem SUV ein paar Runden um den Block gefahren, damit es wieder wärmer wird. 

Dieser (oder ein ähnlicher) Witz wird schon seit einigen Jahren gerne mal gebracht, was uns zum einen daran erinnert, wie lange die Klimaproblematik bereits bekannt ist, zum anderen aber einen Irrtum zuspitzt, der latent immer noch in vielen Protesten und Aktionen der „Klimaaktivisten“ zum Ausdruck zu kommen scheint. Nämlich, dass Klima ein regional abgrenzbares Phänomen sei, in dem jedes Land für sich dafür sorgen kann, dass es von den Folgen des Wandels verschont bleibt. 

Es ist aber leider viel komplizierter. Wenn Deutschland von heute auf morgen „klimaneutral“ werden würde, was nur durch eine andere Art von Katastrophe machbar wäre, machte der übliche weltweite Anstieg der Emissionen diesen Effekt schon in einem Jahr wieder zunichte. Das heißt, das einzige, was Deutschland zu einer CO2-Reduktion beitragen könnte, wäre, andere Länder heiß darauf zu machen. Aber die „Aktivisten“, selbst wenn sie in einem stillen Moment dieser Realität ins Auge sehen, haben da auch schon ein Rezept parat: Deutschland opfert seinen Wohlstand und geht dann den anderen Ländern so lange mit seiner moralischen Überlegenheit auf den Senkel, bis sie dem guten Vorbild endlich folgen. Die Erfahrung mit der Verteilung von Migranten in Europa lässt dieses Modell allerdings nicht gerade besonders erfolgversprechend erscheinen. Der Versuch der Bundesregierung, den Wandel möglichst (Wählerstimmen) schonend zu gestalten, ist vor diesem Hintergrund kein so falscher Ansatz, auch wenn man sich über die konkrete CO2-Bepreisung natürlich immer noch streiten kann und ein Bündel aus zig teuren Einzelmaßnahmen aus Effizienzüberlegungen fragwürdig ist.

Aber wirklich rational ist das noch immer nicht. Jedem ökonomisch denkenden Menschen ist das Prinzip der steigenden Grenzkosten vertraut (oder dessen Bruder/Schwester, das des abnehmenden Grenznutzens): Die berühmten „low-hanging fruits“ in Angriff zu nehmen, ist einfach und kostet nicht viel, aber wenn die abgeerntet sind, wird es immer schwieriger – wer, um im Bild zu bleiben, nach ganz oben auf den Baum will, braucht nicht nur eine proportional höhere Leiter, er hat dort oben auch noch mit einer instabileren Spitze zu kämpfen, während die Einflüsse von Wind und Sonne sich als immer störender erweisen. Kurzum: Die Sache wird mit jedem Schritt überproportional teurer bzw. der Ertrag nur unterproportional höher. In Deutschland ist schon viel CO2-Ausstoß reduziert worden. In einigen Bereichen bedurfte es da offensichtlich nur geringer Anreize (z.B. durch das Emissionshandelsystem der EU), weil Anpassungen leichter umzusetzen waren oder weil zunächst die besten Standorte für den Ausbau erneuerbarer Energien besetzt wurden. Aber danach wird es eben immer teurer und schwieriger. 

Auf der anderen Seite gibt es die „low-hanging fruits“ noch überall auf der Welt. Wenn man schnell, besonders umfangreich und besonders günstig etwas für das Klima tun will, dann sollte man vor allem die zunächst in Angriff nehmen. Das hieße, statt das Geld für teure (und ineffiziente, siehe EEG) Programme im Inland zu verbraten, wäre es in Projekten im Ausland deutlich sinnvoller eingesetzt. Aber das scheint nicht so gut zur herrschenden Verzichtsethik zu passen, wonach der weiße Wohlstandsbürger jetzt für seine Konsumsünden durch Verzicht zu büßen habe. Diese Ethik ist übrigens eng verwandt mit der der „No Borders“-Anhänger, und beide passen sehr gut in linke Weltbilder. Es ist also kein Wunder, wenn man in beiden Fragen wohlbekannte Frontlinien wieder trifft, obwohl insbesondere in der Klimadebatte ja angeblich „die Wissenschaft“ den „Aktivisten“ die Forderungen praktisch aufgezwungen habe. Was jetzt nicht heißt, dass man als Liberaler oder Konservativer so tun sollte, als ginge einen dieses ganze Klimagedöns nichts an. Denn was die Erwärmung und ihre Ursachen betrifft, gibt es eben wohl tatsächlich eine herrschende wissenschaftliche Meinung, und an der sollte man sich auch orientieren. Nur folgt daraus eben nicht, dass man sich beim Design notwendiger Maßnahmen an den lautesten Schreiern oder den fantasiebegabtesten Apokalypse-Predigern orientieren sollte.

An dieser Stelle sollte der Werwohlf vielleicht noch eine Bemerkung loswerden zu etwas, das in der Öffentlichkeit zwar ausgiebig, aber einerseits viel zu milde und andererseits viel zu unkritisch gewürdigt wurde: Auf der Pressekonferenz, auf der die „GroKo“ den Inhalt ihres „Klimapakets“ bekanntgab, zeigten sich von der Bundeskanzlerin bis zum letzten SPD-Sprecher alle zerknirscht und betonten, dass sie ohne die „Fridays for Future“-Demonstrationen das Thema nicht ernst genug genommen hätten und die jetzt erfolgten Beschlüsse somit wesentlich den (wichtig!) „jungen Demonstranten“ zuzurechnen seien. Sorry, aber selbst wenn man diese Aussagen um das allzu durchsichtige Motiv kürzt, aktuellen und künftigen Wählern Honig ums Maul zu schmieren und sie fürderhin gnädig zu stimmen, bleibt immer noch ein so krasses Armutszeugnis, dass die betreffenden Damen und Herren mit sofortiger Wirkung von all ihren Ämtern zurücktreten sollten. Wie oben schon erwähnt: Die Problematik ist seit Jahren bekannt. Insbesondere unsere verehrte Frau Bundeskanzlerin ließ sich auf diversen Gipfeln als „Klimakanzlerin“ feiern. Aber eine CO2-Bepreisung, die von bösen „neoliberalen“ Ökonomen wie Greg Mankiw übrigens schon seit ca. 15 Jahren gefordert wird, kommt erst dann auf die Tagesordnung, wenn freitags ein Haufen Schüler und Studenten auf das Dazulernen verzichtet und lieber öffentlich Parolen skandiert? Der Werwohlf weiß nicht, wie seine beiden verehrten Leser das finden, aber er hätte bei solchen Politikern die wohl nicht wirklich unberechtigte Sorge, dass sie niemals von sich aus das tun würden, was sie als richtig erachten, sondern erst von Medienkampagnen dazu getrieben werden müssen. Oder muss man sich heute schon damit abfinden?

Und um eine Medienkampagne handelt es sich dabei natürlich. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass irgendein x-beliebiger Teenager zum „World Economic Forum“ eingeladen wird, da, wo die „Karriere“ von Greta Thunberg begann? Sie können sicher sein: Hinter dem angeblichen Aufstand der Jugend stecken Ältere, denen das Thema ins Konzept passt, und die im Zweifel (s.o.) im linken Spektrum zu finden sind (wo sich Gretas Eltern bekanntermaßen tummeln). Das schwedische Mädchen, an dessen ernst gemeintem Engagement hier kein Zweifel geschürt werden soll, ist nur die Gallionsfigur. Organisiert wird das von kampagnenerfahrenen Organisationen, denn zudem entgegen kommt, dass ihr Weltbild von der Mehrheit der Journalisten, und erst recht der in den öffentlich-rechtlichen Medien beschäftigten, geteilt wird. So brauchten sie nur die Themen und Events zu setzen, und eine ihnen wohlgesonnene Medienwelt sprang dankbar darauf auf. Die vielen Beiträge, die uns in den letzten Wochen zum Thema „Klima“ offeriert wurden, davon die Mehrzahl im Geist der genannten Verzichtsethik, gekoppelt mit der immer mehr an die Oberfläche tretenden, bei Kampagnen linken Ursprungs unverzichtbaren Kapitalismuskritik, sind nicht hastig aufgrund von Greta-One-Linern zusammengeschustert worden – da sind Menschen mit bereits vorhandenen Überzeugungen am Werk.

Wie der Werwohlf schon immer sagt: Daran ist nichts falsch. Von Journalisten politische Ausgewogenheit zu verlangen, hieße, den Berufszugang zu regulieren oder Zensur auszuüben. Beides gehört sich in einer freien Gesellschaft nicht. Aber die anderen, die Empfänger dieser Botschaften, sollten sich wenigstens bewusst sein, dass das, was wir da nicht verlangen wollen, auch nicht erhalten werden. 

Im Übrigen findet der Werwohlf es gut, dass die „Grünen“ jetzt über den Bundesrat ein eigenes Konzept vorlegen wollen. Cem Özdemir hat ja schon mal verraten, dass der eine oder andere Bundesbürger auf sein Auto verzichten muss. Im bußfertigen Deutschland findet er mit sowas vielleicht noch Zustimmung. Bei China wäre sich der Werwohlf da aber nicht so sicher. Da wollen wahrscheinlich viel mehr noch eins. Aber in China sind wir mit moralischen Vorhaltungen ja schon immer sehr erfolgreich gewesen. Das wird auch diesmal klappen. Ganz sicher.

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4 Gedanken zu „Was zum Klima

  1. Dr. Caligari

    Hab ich da irgendwo was von Abnehmenden Grenznutzen gehört? Oder gar von physikalischen Grenzen?

    Die ersten paar Prozent Effizienzsteigerung sind noch sehr wirtschaftlich und profitabel, danach braucht die Wirtschaft schon ein wenig „Ermunterung“, es lohnt sich aber. Je mehr wir uns den Grenzen des physikalischen Optimums nähern, umso weniger lohnt sich das Invest noch. Der Return wird eben geringer.

    Ein linker Anhänger der Energiewende würde wohl argumentieren: „Der Westen ist nur so reich, weil er den Völkern der dritten Welt alles weggenommen hat, deshalb sind wir es ihnen heute schuldig, in Sachen Klimawandel voranzugehen“.

    Das mit der dritten Welt mag in Teilen korrekt sein, aber auch nur in Teilen. Der Rest ist in der Tat Schwachsinn und Ihr Argument ist hervorragend.

    P.S.: Darf ich hier Videos verlinken?

    Antwort
  2. n_s_n

    Ich möchte hier einen Gedanken des von mir sehr geschätzten Dr. Thomas Petersen beisteuern, welchen er kürzlich in seinem „Book of Kells“ zum besten gab.

    Zu finden hier: https://www.salonkolumnisten.com/mein-book-of-kells-folge-13/

    „[…] habe ich mir in der letzten Zeit allerdings angewöhnt, den Sender zu wechseln oder notfalls das Radio abzuschalten, sobald einer der beiden Begriffe „Klimawandel“ oder „Klimaschutz“ fällt, oder aber der Halbsatz „Die Grünen fordern…“. Egal, ob gerade eine politische Informationssendung läuft, oder ob es sich um Wirtschafts-, Kultur- oder Sportberichterstattung handelt, um Verbraucherinformationen, Reiseberichte, Wissenschafts- Medien- Kirchen- oder Bildungsmagazine, um Reportagen, Interviews, Andachten, Features oder Hörspiele – es dauert mittlerweile fast nie mehr länger als zehn Sekunden, bis das Radio wieder aus ist. […]“

    Selbst gelegentlicher Radiohörer, kann ich diese Erfahrung bestätigen. Im Gegenteil, es fällt mir direkt auf, wenn eines der genannten Worte (oder mindestens „Greta“) nicht auftaucht. So wie heute morgen in den sechs Uhr Nachrichten des Radiosenders, welchen ich hörte. Ich dachte unwillkürlich: Was ist denn da los? Verordnete Reduktion der bisherigen Überdosis, weil diese allmählich das „Patientenwohl“ gefährdet?

    Antwort

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