Was zu Haltung

Insbesondere in der labernden Klasse wird in der letzten Zeit vor allem eins eingefordert: „Haltung“. Als Haltung gilt der unverrückbare Klassenstandpunkt die links-ideologischen Vorgaben entsprechende Einstellung und das Handeln danach. „Haltung“ verlangt, missliebige Personen in der Öffentlichkeit zu isolieren, sie nirgendwo reden zu lassen, mit ihnen keine Geschäftsbeziehungen einzugehen, sich nicht in ihrer Nähe blicken zu lassen. „Haltung“ verlangt auch, gegen Verstöße des linken Regelwerks unbarmherzig vorzugehen. Möge auch beim grausamsten Mörder noch der Wille zur Resozialisierung im Vordergrund stehen, dem sich einmal politisch unkorrekt Äußernden ist nach dieser Doktrin ein (möglichst lebenslanger) Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Umgang gewiss. Öffentliche Aussagen sollen nur noch in einer abgesegneten Formelsprache möglich sein – das Problem ist hier allerdings ein wenig, dass diese Revolution auch ihre gutwilligen Kinder frisst, weil, wer sich zur Avantgarde zählen und damit jeder Kritik enthoben sehen will, die Anforderungen immer höher schrauben muss, so dass sich der bemüht Politisch-Korrekte schnell im Kreuzfeuer sieht, nur weil er das letzte Memo nicht gelesen hat, welches eine Anpassung der von ihm verwendeten Formeln verlangt. 

„Haltung“ bewirkt aber noch etwas anderes, nämlich die Unsichtbarmachung von Feinden der liberalen Demokratie aus dem linksextremen Lager. Eine besonders unnachgiebige Haltung gegenüber Personen und Parteien aus dem rechten Lager soll als Gradmesser für die Zulassung zum viel beschworenen „Diskurs“ dienen. Aber Anhängern der liberalen Demokratie müsste bewusst sein, dass der Feind ihres Feindes längst nicht ihr Freund ist. Mag sein, dass Fans einer kommunistischen Diktatur besonders energisch gegen alles vorgehen, was sie als „rechts“ ansehen. Und mag sein, dass darunter auch Parteien und Personen fallen, deren Ideal tatsächlich in der Abschaffung der liberalen Demokratie zugunsten irgendeines völkischen Konstrukts besteht. Aber es ist nie ein guter Ratschlag, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen. 

Für den Werwohlf ist nicht entscheidend, wie radikal sich jemand gegenüber dem gebärdet, was er als Faschismus definiert[1]. Für den Werwohlf ist entscheidend, wie jemand zur liberalen Demokratie steht. Aber niemals würde er verlangen, deren Gegner gesellschaftlich zu ächten. Er würde im Gegenteil mit ihnen diskutieren wollen, wo es geht. Und jenseits der politischen Differenzen würde er mit ihnen einen normalen Umgang pflegen. So hielt er es bisher immer, und so wird er es auch künftig halten. Denn wir sind alle Menschen. Das heißt, jeder von uns könnte sich jederzeit im Irrtum befinden. Wir können die Wahrscheinlichkeit davon nur dadurch reduzieren, dass wir uns der anderen Meinung („Haltung“) immer wieder neu aussetzen und unsere Gegenrede an ihr erproben. Und es wäre wirklich nicht das erste Mal[2], dass ein Verirrter (nach Eigendefinition) durch die Menschlichkeit eines Gegenüber, der ihn als Mensch wertschätzte und seine Beweggründe ernst nahm, in die Lage versetzt wurde, seiner Indoktrinierung zu widerstehen und sich neuen Gedanken zu öffnen. 

Die verbissenen und verkniffenen Forderungen diverser Verbalradikalinskis sehen stattdessen den Abbruch aller Kontakte vor. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, sie wünschten sich einen Zustand, der 10-20% der Wähler/Menschen einfach zu Non-Valeurs erklären würde. Welcher Art System ihnen dann vorschwebt, ist nicht ganz so klar. Klar ist nur: eine liberale Demokratie wohl eher nicht. 

 

[1] Im Fall der „Antifaschistischen Aktion“, kurz „Antifa“, müsste er man vielleicht eine Ausnahme machen, denn deren Ideologie sieht den Faschismus als Form des Kapitalismus – diese Gegnerschaft wird dem liberalen Demokraten also von außen angetragen und lässt sich daher nicht vermeiden.
[2] Noch vorsichtig formuliert. Vermutlich ist genau das der beste Weg. Und die Millionen, die Bundesministerien an Kampagnen „gegen Rechts“ auszahlen, die eben diesen Weg nicht gehen und stattdessen vor allem Haltung demonstrieren und einfordern wollen, dürften damit vor allem eins sein: verschwendet.

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Ein Gedanke zu „Was zu Haltung

  1. Eloman

    Es geht um Meinungshoheit, und die wollen viele aus dem linken und grünen Milieu nicht mehr abgeben gerade wo sie sie sich mühsam in den letzten 20 Jahren erkämpft haben. Dass sie damit schlimmer sind als Kopf-ab-Jäger, Alfred Dregger und Franz-Josef selig zusammem, fällt ihnen in ihrem Wahn überhaupt nicht auf.

    Antwort

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