Was zu Alexa

Der Werwohlf gibt es zu: Er hat so ein Echo-Teil von Amazon in seiner Wohnung. Und es stehen auch zwei davon in der Wohnung, die er mit seiner Liebsten am Wochenende aufzusuchen pflegt.

Folgte er nun diversen Stimmen aus Medien und Politik, müsste er sich selbst der Dummheit zeihen, hätte er doch diese Räume damit permanent verwanzt und sowohl dem bösen Profitgeier Amazon als auch dem sonst immer guten, hier aber mal wieder bösen Staat die Tore für den großen Lauschangriff geöffnet. Seine intimsten Geheimnisse liegen eifrigen Amazon-Mitarbeitern zur Transkription vor, und wenn die Geheimdienste beim Lesen dieses Blogs auf nicht hilfreiche Beiträge stoßen, können sie über installierte Hintertüren oder gar ganz offiziell per Amtshilfe über die Echo-Geräte mehr von seinen Umsturzplänen erfahren.

Nun, es lässt sich nicht leugnen: Das sind Mikrofone, und die hören, was in dem Raum gesprochen wird. So ein wenig Paranoia ist bei diesen Dingen nie schlecht, aber die der Schluss, den zumindest der Werwohlf daraus zieht, erfolgt in Form einer Risiko-Nutzen-Abwägung. Es ist einfach bequemer, verbal nach dem Wetter zu fragen, Auskünfte über einige Dinge oder prominente Personen zu erlangen, den Wecker zu stellen oder sich gewünschte Musik in den Raum zu holen. Demgegenüber steht drei Arten von Risiken.

Die erste Art geht davon aus, dass Amazon nicht lügt. Das heißt, Alexa bzw. Echo hört zwar permanent zu, nimmt Verbindung zu seinen Servern aber nur auf, wenn es mit seinem „Namen“ angesprochen wird. Man erkennt diesen Status dann an der Farbe des Rings oder der Leuchtdiode. In diesen Fällen bekämen Dritte vom Werwohlf nur mit, was dieser auch explizit dem Gerät anvertraut. Oder, was in einem Fernsehbeitrag als Gefahr plakativ herausgestellt wurde, die Dinge, die eine zweite Person gleichzeitig lauhals von sich gibt, während er dies tut. Das landet dann bei Amazon, und das könnten Mitarbeiter zu lesen bekommen. Nicht schön, aber auch nicht tragisch. Sollen sie. Laut Amazon erfolgen hier keine personenbezogenen Auswertungen, und selbst wenn: Welche Musik der Werwohlf mag, weiß Amazon aufgrund diverser Bestellungen in der Vergangenheit eh, und dass er morgens zusammen mit Millionen anderen aufzustehen pflegt, ist als Wissen für Dritte jetzt auch nicht gerade viel Geld wert. Und wenn es stört, dann löscht man die eigenen Aufzeichnungen eben – das geht. 

Die zweite Art geht davon aus, dass Amazon lügt. Dann werden auch Worte an die Server übermittelt, ohne dass vorher eine Aufforderung an das Gerät ergangen wäre und das entsprechende Lichtsignal die Statusänderung anzeigte[1]. Wenn die privaten Gespräche zwischem dem Werwohlf und seiner Liebsten einfach so auf fremden Servern gespeichert werden würden, wäre das wirklich unschön. Aber auch kein Drama. Da, wo diese Informationen landen, könnte man mit ihnen aller Wahrscheinlichkeit nach nichts anfangen. Und die Leute, die diese Informationen nicht bekommen sollen, weil z.B. über die geredet wurde, gehören nicht zu denen, die eine reelle Chance hätten, darauf Zugriff zu bekommen. Wichtiger aber: Es gibt da draußen Leute, die immer wieder testen, ob Amazon sich wirklich an das hält, was es in Sachen Datenübermittlung verspricht. Bis jetzt gaben die grünes Licht. Sollte sich daran etwas ändern, würde diese zweite Art Risiko sicher neu bewertet werden müssen. 

Und die dritte Art geht davon aus, dass Amazon selbst überlistet wird, dass sich also jemand eine Art Admin-Zugang zu den installierten Geräten verschafft und damit dann all das anstellt, was man sich so vorstellen kann. Da es kein absolut sicheres System gibt, wird man mit solchen Fällen rechnen müssen. Der Werwohlf geht aber davon aus, dass sie da auftreten werden, wo es sich auch lohnt. Es dürfte für niemanden die Mühe wert sein, sich virtuell seiner Echo-Geräten zu bemächtigen. Bei ihm zu Hause ist die Gefahr gering, interessante Gespräche aufgezeichnet zu bekommen, da der Werwohlf mit dem Menschen dahinter nicht verbal zu kommunizieren pflegt. Die Zahl der Menschen, die wissen, wo er sein Wochenende verbringt, dürfte sich außer ihm auf genau 1 erstrecken. Und der braucht den Aufwand nicht zu treiben, weil er eh schon alles weiß…

Also bleibt als Schluss: Dem Gewinn an Bequemlichkeit steht aus Sicht des Werwohlfs ein geringes Risiko mit einem äußerst niedrigen Erwartungswert entgegen. Die Panikmeldungen in Presse, Funk und Fernsehen hält er für arg übertrieben. Hoffentlich führt dieser Alarmismus nicht dazu, dass später mal im Rauschen untergeht, wenn sich wirklich problematische Folgen abzeichnen sollten.

P.S.: Es gibt einen Raum in der gemeinsam genutzten Wohnung, in die allerdings nie ein Echo-Lautsprecher hinein käme. Und nein, es ist nicht das Badezimmer…

[1] Die populären Fälle der unbeabsichtigten Aktivierung zählen nicht hierzu, sondern wären ein Unterfall der ersten Art Risiko, da auch dann der blaue Ring oder der blaue Punkt leuchten würden. 

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2 Gedanken zu “Was zu Alexa

  1. Der eigentliche Punkt ist doch der, dass offenbar auch Gespräche abgehört worden sind, die „versehentlich“ aufgezeichnet werden.
    Wenn Alexa beim Wort „Alexa“ angehen kann, dann kann es theoretisch auch beim Wort „Merkel“, „Euro“ oder „Bankleitzahl“ angehen. Das sollte jedem, der der Regierung nicht bedingungslos vertraut, erst Mal Angst machen.

    • Das versehentliche Aufzeichnen kommt aber wohl nur sehr selten vor. Und man kann Nachteile daraus weitgehend vermeiden, wenn man auf das Lichtzeichen achtet und ab und an nachschaut, was gespeichert wurde (und es dann ggf. löscht).

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