Was zu Männern

Bevor der Werwohlf sich zu Männern äußern kann, müsste erstmal eins geklärt werden: Ist ein Wohlf auch ein Mann? Der Typ dahinter schon, und lassen wir das auf den(!) Wohlf abfärben. Es hat sich nämlich einiges getan, wobei sich Männer angesprochen fühlen sollen. 

Da wäre zum einen die SPD, die momentan auf dem Trip ist, dass wegen einer Vergrößerung des Frauenanteils das Wahlrecht zum Bundestag geändert werden müsse. An diesem Ansatz ist so viel falsch, dass man die Wahrscheinlichkeit, er könne sich in der Politik durchsetzen, als sehr hoch bezeichnen muss. Schon die Idee, der Bundestag müsse quotiertes Abbild von irgendwas sein, ist Unsinn. Nicht nur Frauen sind unterrepräsentiert, sondern z.B. auch Berufsgruppen und Ausbildungswege, was auf die Qualität der Gesetze sehr wahrscheinlich viel mehr Auswirkungen hat als das Geschlecht. Politiker ist heute ein eigener Beruf mit der Ausbildung Kreißsaal – Hörsaal (viele Semester irgendeines nicht allzu anspruchsvollen Fachs, während denen man aber fast nur Parteiarbeit macht) – Plenarsaal (idealerweise Start als Mitarbeiter eines Abgeordneten, dann Übernahme von dessen Job), und wenn wir schon akzeptieren, dass im Bundestag fast nur noch Vertreter dieses Berufs sitzen, dann müssen wir konsequenterweise auch akzeptieren, dass der Bundestag eher in Richtung eines Abbilds dieser Berufsgruppe geht. 

Ansonsten sieht es sowieso schon so aus, dass Frauen in den Parteien als kostbare, weil knappe Ressource gelten, und zumindest die „Etablierten“ alles mit Kusshand nehmen, was sich von diesem Geschlecht für den Job interessiert und das Potenzial zur Rampensau hat. Bei der FDP scheint auch noch gutes Aussehen eine Rolle zu spielen, aber das ist eine andere Geschichte… Die „Grünen“ achten ja sehr auf eine mindestens gleichgewichtige Vertretung von Frauen, aber wer galt je als Star bei denen? Fischer. Özdemir. Habeck. Mit jeweils irgendeiner Frau an der Seite, an die sich schnell kein Mensch mehr erinnert. Ja, KGE und Claudia Roth kennt man, aber deren Eignung als „Zugpferd“ scheint alles andere als belegt zu sein. Will sagen: So eine Quote füllt vielleicht die Reihen der Hinterbänkler auf, aber sie hat eher weniger Einfluss auf die Politik. 

Auf der anderen Seite: Merkel, AKK. Frauen, die sich ohne Quotendenke durchsetzen konnten, mit wahrscheinlich entsprechend tieferer und andauernder Wirkung. Bei der SPD brauchte es auch keine Quote, um die Frauen Dreyer, Schwesig oder Barley in den Vordergrund zu spülen – die arme Andrea Nahles hat vor allem den Nachteil, einen der undankbarsten Jobs, die in der deutschen Politik zu vergeben sind, übernommen zu haben, und das auch noch zu einem denkbar miesen Zeitpunkt. 

Statt irgendwelcher Quoten wäre es sicher besser, mehr Menschen für die Politik zu interessieren. Quoten wären dafür sogar eher hinderlich, weil sie Wahlmöglichkeiten beschränken, und das ist nunmal per se unattraktiv für die meisten Menschen. Da müssen sich die Parteien, die sich für mehr Frauen in ihren Reihen interessieren, eben ein paar Gedanken machen, ob ihre Abläufe und Rituale mit dem Alltag ihrer Zielgruppe kompatibel sind, statt diese intern auf die Überholspur zu setzen und den Rest wie bisher rödeln zu lassen. Vielleicht kommen dann auch wieder Berufsgruppen hinzu, die mittlerweile in den Parlamenten als Exoten gelten.

Egal, wie man zum Brexit steht, das Niveau, in dem das Unterhaus darüber diskutiert, scheint einiges über der gewohnten Kost aus Berlin zu liegen. Was wiederum damit etwas zu tun haben könnte, wie diese Abgeordneten gewählt werden, nämlich direkt von ihrem Wahlkreis. Da zählen keine am Reißbrett entworfenen Verhältniszahlen, sondern einzig und allein die Personen, die zur Wahl stehen. Und die wählen anscheinend ganz gerne auch Frauen zu ihren Führungsfiguren…

Also weg mit den Quotierungen. Am Ende braucht es noch Quoten für jeden Buchstaben aus einer LGBTQ-Aufzählung, dann noch für Linkshänder, Rothaarige, Migranten, Alte, Junge. Und idealerweise kann man dann als junge, queere, rothaarige Linkshänderin mit Migrationshintergrund schon mal Eigentum in Berlin erwerben, weil einen da niemand wieder wegbekommen wird.

Aber da war noch was. Eine Werbung eines Herstellers von Nassrasiererklingen. In den USA scheint es unter Werbern anscheinend Mode zu sein, explizit den Teil der Bevölkerung anzusprechen, den man hierzulande als „Progressive“ bezeichnen würde. Nike machte den Anfang, indem es den Footballer Kaepernick zur Werbeikone erhob, der für Schlagzeilen sorgte und den Unmut von Präsident erregte, weil er sich aus Protest gegen die Diskriminierung von Schwarzen beim obligatorischen Abspielen der Nationalhymne vor jeder Begegnung hinkniete statt zu stehen. Gillette, zum Konsumgüterriesen Procter & Gamble gehörend, scheint jetzt nachzuziehen, indem es in einem Werbespot den Männern ihre Untugenden vorhält (sie grillen, sie kämpfen und sie belästigen) und sie stattdessen mit einem angeblich neuen Männerideal vertraut machen will, das all diese Untugenden überwunden hat und auf liebevolle Verständigung setzt. Da fühlen sich jetzt in des Werwohlfs Twitter-Timeline viele seiner Geschlechtsgenossen geradezu beleidigt und verkünden bzw. rufen dazu auf, keine Gillette-Produkte mehr zu verwenden. Nun rasieren sich Wöhlfe nicht, aber der Typ hinter dem Werwohlf schon, und das auch noch vorwiegend nass, und das auch noch bisher fast immer mit Gillette-Produkten (die 5er Klingen). Das änderte sich vor einiger Zeit, aber nicht wegen einer Werbung, sondern um ein Klingen-Abo auszuprobieren, das einen Preisvorteil von 50% bzw. 33% aufweist[1]. Als vorläufiges Fazit kann er verkünden, dass die Rasur mit Gillette tatsächlich weiterhin schonender und sanfter verläuft, und dass bei diesem Anbieter das Auswechseln der Klingen auf dem Hobel viel einfacher ist. Ob das allerdings den Preisunterschied rechtfertigt, steht noch nicht fest. Wird nun die blasphemische Werbung den Ausschlag geben? Nun, der Werwohlf fühlt sich schon mal gar nicht angesprochen. Es handelt sich ja nicht um eine deutsche Werbung. Denn die setzt neuerdings ganz andere Schwerpunkte, nämlich die Herkunft aus dem Werk Berlin, was dem Werwohlf eher gefällt. Aber selbst wenn er mitgemeint sein sollte bei diesem Spot: Der rasurbedürftige Typ hinter dem Werwohlf ist keiner, der in der Öffentlichkeit aggressiv auftreten würde, und Frauen gegenüber ist er eher schüchtern[2]. Wir sehen: Es gibt keinen Ansatz, aus dem heraus er die Aufregung verstehen könnte.

Stattdessen hätte er noch einen Rat parat: Vergesst doch die Werbe-Fuzzis. Als ob die vorherige Werbung ein Ausbund an korrekter und wichtiger Information gewesen wäre. Wenn euch das Produkt zusagt und ihr den Preis akzeptabel findet, kauft es. Wenn nicht, nehmt ein anderes. Optimiert Euren Alltag, nicht Eure Ideale. Glaubt ihm, Ihr fahrt besser damit.

 

[1] Der Werwohlf setzt voraus, dass die Logik des „Rauf- und Runterrechnens“ seinen sechs(?) Lesern sofort einleuchtet. 
[2] Seine Liebste erwählte den Werwohlf, nicht umgekehrt. Sonst wäre er wohl weiter Single…

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