Was zu diversen Untaten

Das Schöne am Leben und unserer Demokratie ist ja, dass man dieselbe Sache ganz unterschiedlich sehen und bewerten kann. Nehmen wir nur mal die zwei Untaten, die gerade durch die Medien gingen.

Da wäre zum einen die Prügeltour von vier jugendlichen[1] Asylbewerbern durch Amberg, die mit zwölf Verletzten endete. Die kann man sehen als Ausdruck der Verachtung dieser jungen Männer für die Gesellschaft, die sie aufnahm, und als Menetekel für das, was dem Land blüht, zumal die Zusammensetzung der jüngeren außereuropäischen Migration eine große Nähe zu den Tätern aufweist. Wenn man sehr Hardcore ist, bringt man das auch noch mit dem Islam in Verbindung angesichts der Herkunft der Schläger (Iran, Afghanistan)[2]. Man kann sie aber auch sehen als alkoholinduzierte Tat orientierungs- und perspektivloser Jugendlicher, die auch hätte von Einheimischen in vergleichbarer Lage begangen werden können.

Und dann war da der Versuch eines „50jährigen Esseners“, durch das Hineinfahren mit seinem Pkw in eine Menschengruppe, möglichst viele davon zu töten. Diese Tat endete mit acht Verletzten, und der Täter konnte sich anscheinend danach noch ausreichend artikulieren, um seinen „Hass auf Fremde“ zu äußern. Man kann die als Tat eines Deutschen bewerten, der sich durch zuwanderungskritische Stimmen in der öffentlichen Debatte dazu veranlasst sah, ausländisch aussehende Menschen umzubringen, und dass als Indiz für den Zustand dieser Debatte nehmen. Man kann aber auch betonen, dass der Täter offenbar unter einer psychischen Krankheit liegt, so dass seine (Un)tat vor allem als deren Ergebnis zu betrachten sei und sich damit die Suche nach Hintermännern oder „geistigen Brandstiftern“ erübrige.

Nun ist der Werwohlf ein Freund der pluralen Debatte, aber auch ein Gegner des Messens mit zweierlei Maß. Ihn irritiert, dass sich die Bewertung dieser beiden Taten auffällig nach dem ideologischen Hintergrund des Bewertenden richtet. Die einen sehen in „Amberg“ die logische Folge einer migrationsfreundlichen Politik, in „Bottrop“ hingegen die bedauerliche Ausnahme, die anderen in „Amberg“ einen Allerweltsfall, in „Bottrop“ aber einen von Teilen der Politik inspirierten Terroranschlag. Beide Male kommt es darauf an, die Schuld nicht bei den eigentlichen Tätern zu belassen, sondern eine politische Verantwortung zu etablieren.

Nach Meinung des Werwohlfs liegt die Wahrheit hier mal tatsächlich in der Mitte. So wäre die Prügelorgie von Amberg vielleicht nicht möglich gewesen in einem Staat, der seinen Einwanderern von Anfang an vermittelt, welche Regel in ihm zu gelten haben, und der auch in der Lage ist, diese Regeln anderen als seinen Staatsbürgern, die sie längst verinnerlicht haben, gegenüber durchzusetzen. Und erst recht nicht in einem Staat, der seine Fähigkeit, Migranten aus anderen Kulturkreisen aufzunehmen, realistisch einschätzen und deshalb den Zuzug begrenzen kann. Und ein Essener Geisteskranker wäre vielleicht nicht auf die Idee gekommen, Ausländer zu töten, wenn er nicht immer wieder über Anschläge von Islamisten und Kriminaldelikte anderer Migranten informiert worden wäre. 

Aber die Dinge sind eben so, wie sie sind, und es ist sinnlos, sie irgendwie zu bemänteln. Die Entscheidung, Migranten aus aller Welt weitgehend unter dem Verzicht auf Grenzkontrollen und Identitätsnachweise aufzunehmen und nach den Regeln des deutschen Sozialstaats zu versorgen[3], sorgt eben für Konflikte. Die kann man herunterspielen oder aufbauschen, verstehen oder verurteilen, aber es ändert nichts daran, dass sie entstehen. Da die Politik aber entschieden hat, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, ist dieser Staat darauf in keiner Form vorbereitet. 

Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Das gilt nicht nur bei der Bewertung der genannten Fälle, sondern auch für die politischen Maßnahmen, die auf die seit dem Jahr 2015 folgende Migration reagieren sollten. Es braucht Ressourcen, und zwar nicht nur an Geld, sondern vor allem auch an gut ausgebildeten und kultursensiblen[4] Menschen. Gefängnisse, Polizei, Sozialarbeiter, Lehrer, Kita-Betreuer[5]. Jede Menge. 

Dann schaffen wir es – vielleicht.

 

[1] Wie „jugendlich“ die jungen Herren wirklich sind, kann man angesichts der Erfahrungen mit gründlicheren Alterskontrollen durchaus bezweifeln…
[2] Dass sich vom Islam inspirierte spontan Trupps aus Schiiten und Sunniten bilden, ist ebenso unwahrscheinlich, wie dass strenge Muslime sich besaufen.
[3] Letzteres verdanken wir „europäischen“ Richtern, die das Glück haben, bei Zielkonflikten persönlich die negativen Seiten vermeiden zu können.
[4] „Kultursensibel“ heißt hier nicht „entschuldigend“, sondern im Gegenteil: Da Härte zeigen, wo nur diese Form der Kommunikation verstanden wird.
[5] Problem: Wir haben immer weniger Nachwuchs, der schwerere Anforderungen erfüllt. 

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