Was zu Merz, Blackrock und SJWs

Ursprünglich wollte der Werwohlf was zu diesem Thema im Zusammenhang mit einer Betrachtung zu den derzeit bekannten Bewerbern um den Parteivorsitz der CDU schreiben, aber die Sache scheint zum eigenen Thema zu werden. Also gut.

Man kann auf den Überraschungskandidaten der CDU, Friedrich Merz, und seine Zeit zwischen dem Fraktionsvorsitz und der jetzigen Bewerbung auf zweierlei Weise blicken. Zum einen könnte man sich freuen, dass da endlich jemand aktiv in der Politik mitmischen will, der die Welt der Wirtschaft nicht nur von außen kennt. Aber zum anderen könnte man auch argwöhnen, dass er in einer neuen politischen Funktion nur im Sinn hätte, die Interessen seiner derzeitigen Arbeitgeber zu verfolgen. Und man könnte die Tätigkeit für Finanzunternehmen unter den berühmten Generalverdacht stellen – eh alles Gauner und Kriminelle, die mit dubiosen Geschäften Milliarden für wenige auf Kosten vieler beiseite schaffen. Insbesondere die Firma Blackrock, für die Merz in Deutschland als Aufsichtsrat (noch) fungiert, scheint für einige Zeitgenossen ein gewaltiges Problem darzustellen.

Aus Sicht des Werwohlfs ist es tatsächlich angebracht, mit Argusaugen auf Blackrock zu schauen. Allerdings nicht, weil dieses Unternehmen in irgendwelche üblen Machenschaften verwickelt wäre, sondern wegen seiner potenziellen (Markt-)Macht. Wie in vielen anderen Fällen, könnte für die Volkswirtschaft der Erfolg eines einzelnen Unternehmens auch ein Problem darstellen, und letztlich reden wir da auch nicht über etwas anderes als allein den Erfolg, der Blackrock zu einer Gefahr werden lassen könnte. Allerdings stehen die Konjunktive hier zu Recht: Dass der Erfolg Blackrocks tatsächlich schon zum Problem geworden sei, ließ sich noch nicht feststellen. Neuere Nachrichten melden auch angesichts pessimistischer eingestellter Börsen einen Rückgang des Zuflusses an Geldern für den weltweit größten Vermögensverwalter, während andere Anbieter wie z.B. die Firma Vanguard stärker wachsen. Man sollte allerdings auch beachten, dass hinter Blackrock nicht nur irgendwelche Superreichen stehen, sondern z.B. auch ganz simpel amerikanische Rentner, deren Pensionsfonds dort investierten. Auch z.B. der finsterer kapitalistischer Machenschaften bislang unverdächtige norwegische Staatsfonds gehört zu den Investoren Blackrocks. 

Was aber ist eigentlich der größte Geschäftszweig dieses Unternehmens? Das sind ETFs. Für Otto Normalanleger sind die eigentlich eher ein Segen. Statt irgendeinen Vermögensverwalter, also eine tatsächlich existierende Person, damit zu beauftragen, einem das beste Portfolio an Aktien zur Verfügung zur stellen, das seine zweifelhafte Expertise ermitteln kann, investiert man einfach in ein Papier, das einen Börsenindex abbildet, z.B. den DAX. Damit hat man die gewünschte Risikostreuung, und man umgeht die teure Entlohnung eines Fondsmanagers, der in den allermeisten Fällen mit seiner Auswahl doch nicht den Index zu schlagen vermag (zumindest nicht auf Dauer). Der Werwohlf hat z.B. einen Teil seiner Ersparnisse einem sogenannten „Robo Advisor“ zur Verfügung gestellt, und der investiert komplett in diverse ETFs. Auch zu diesen Papieren gibt es Kritiker, aber da geht es dann ums Prinzip (z.B. Gefahr von Klumpenrisiken) und nicht um üble Tricks oder Ähnliches. 

Und damit kommen wir wieder zu Friedrich Merz. In den Medien ist immer zu lesen, er sei Aufsichtsrat „der“ deutschen Tochtergesellschaft von Blackrock. Es handelt sich dabei um die „BlackRock Asset Management Deutschland AG“, die lt. dem im Bundesanzeiger auch online einsehbaren Jahresabschluss 2017 zu ihrer Tätigkeit mitteilt:

BlackRock Asset Management Deutschland AG („BAMDE”) ist der Anbieter der iShares ETFs in Deutschland.

Es geht also um die ETF-Sparte. Wenn Blackrock einen Index aktiv abbilden will, muss es Anteile an den z.B. im DAX vertretenen Unternehmen erwerben. Daraus folgt die potenzielle Macht auf dem Fuße, überall einen solchen in der Tür zu haben mit Beteiligungen im einstelligen Prozentbereich. Blackrock ist aber keine „Heuschrecke“ und auch nicht ein besonders aktiver Investor von der Art, wie er z.B. gerade bei ThyssenKrupp für viel Unruhe gesorgt hat. Das Einzige, was man Blackrock momentan wirklich vorwerfen kann, ist also, dass es groß und erfolgreich ist. An einem Aufsichtsratvorsitz bei diesem Unternehmen ist also eher nichts verwerflich. Zumal die Rolle der im Aufsichtsrat vertretenen Damen und Herren, bei allem Respekt vor den Anforderungen des deutschen Aktienrechts, bei einer 100%igen Tocher eines anderen, in diesem Fall auch noch ausländischen Unternehmens, nicht besonders hoch anzusiedeln ist. Da ist das Haftungs-Risiko höher als die effektive Gestaltungsmacht. Wichtiger dürfte für Blackrock die Berater-Rolle Merz‘ als Türöffner bei Ministerien und Behörden gewesen sein.

In einer Twitter-Diskussion mit einem sehr konservativ eingestellten Follower vertrat dieser die These von Merz, dem Agenten des Kapitals. Das viele Geld, das Merz bei Blackrock verdiene, mache ihn quasi automatisch zu dessen Büttel. Abgesehen von dem aus Sicht des Werwohlfs etwas problematischen Menschenbilds, das hinter einem solchen Verdacht steht, ist wenigstens die Vergütung für die Aufsichtsratstätigkeit nicht derart hoch ausgestaltet, dass man dafür lebenslange Dankbarkeit empfinden müsste. Laut dem oben bereits erwähnten Jahresabschluss kassiert der dreiköpfige Aufsichtsrat im Jahr 2017 377 Tsd. Euro. Das macht pro Nase 126 Tsd. Euro, und wenn man dem Aufsichtsratsvorsitzenden das Doppelte der anderen Kollegen zugesteht, für den 150 Tsd. Euro. Ja, für die meisten Menschen in diesem Land ist das ein unerreichbar hohes Einkommen, aber als qualifizierter Uni-Absolvent mit etwas Berufserfahrung braucht man in Top-Unternehmen nicht sehr viele Jahre, um in solchen Regionen zu landen. Man muss diese Jobs eben nur mal ergattern… Einen Friedrich Merz wird man für solche Summen sicher nicht kaufen können. Wir wissen nun nicht, welche Beträge durch die Berater-Tätigkeit noch hinzugekommen sind. Aber ob es soviel ist, dass der Job als Bundeskanzler für sich völlig unattraktiv wäre (>250 Tsd. Euro), darf man bezweifeln.

Aber Herr Merz hat doch noch andere Aufsichtsratsmandate. Richtig. An dieser Stelle wollen wir aber nur mal eins festhalten: Blackrock hat mit den neuesten Horrorszenarien namens Cum-Cum oder Cum-Ex erstmal nix zu tun. Das ist einfach nicht deren Geschäft, auch wenn wackere SJW mit solchen Anschuldigungen etwas großzügig umgehen. Tatsächlich mit dieser Art Geschäfte in Verbindung gebracht wird eine Bank, bei der Merz Aufsichtsratsmitglied ist: HSBC Trinkaus. Reicht das, um ihm einen Strick daraus zu drehen? Für den Eingeweihten eher kaum. Zunächst ist die Rolle einfacher Aufsichtsratsmitglieder, auch hier wieder: einer Tochtergesellschaft eines ausländischen Unternehmens, deutlich schwächer als die eines Vorsitzenden, wie einem auch jeden Tag mitbestimmungserprobte Gewerkschaftsvertreter bestätigen können. Und zum anderen scheint das Volumen, mit dem HSBC Trinkaus in den Skandal involviert ist, eher geringer zu sein. Die Rede ist von einem 

kleinen zweistelligen Millionenbetrag an fraglichen Steuergutschriften aus den Jahren 2005 bis 2011

Das interessiert bei solchen Unternehmen oft noch nicht mal Vorstände (Bilanzsumme: 24 Mrd. Euro, Jahresüberschuss vor Steuern: 251 Mio. Euro). Von einfachen Aufsichtsräten ganz zu schweigen. Bei den SJWs geht das natürlich alles kreuz und quer durcheinander. Da hat dann ein Aufsichtsrat Befugnisse eines Vorstandsvorsitzenden und ist im Tagesgeschäft involviert wie ein Abteilungsleiter. Aber was soll man von Leuten halten, die von einem Drei-Stufen-Steuertarif, wie er Merz früher mal vorschwebte, empört meinen, dass damit die progressive Einkommensteuer abgeschafft würde? Starke Haltung, null Ahnung?

Merz selbst hat sich übrigens (siehe Link oben) eindeutig gegen Cum-Cum und Cum-Ex positioniert. Und auch sonst ließ er Blackrock nicht gerade als Zweigstelle Darth Vaders erscheinen.

All das wäre mal was für „Faktenfinder“. Aber erstens wollen die gute Geschichten, die ihrer Ideologie nutzen, nicht kaputt machen, und zweitens würde das Sujet sie wohl auch komplett überfordern. 

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2 Gedanken zu “Was zu Merz, Blackrock und SJWs

  1. Wie ich an anderer Stelle http://83273.homepagemodules.de/t8303f14-Die-grosse-Loesung-und-die-laestigen-Formalitaeten-1.html#msg150165 schrieb:

    Blackstone steht eher fuer Private Equity als Blackrock (die das zwar auch in Private Equity investieren, aber nur zu einem kleinen Teil und dann weitgehend nicht selbst). Wird aber in der oeffentlichen Diskussion keine Rolle spielen.

    Wenn man davon absieht, dass BlackRock Deutschland nur eine Vertriebsklitsche ist, ist aber durch BlackRock der Interessenkonflikt groesser als bei aallen Heuschrecken. Denn es sind Asset Manager wie BlackRock, die italienische Staatsanleihen in ihren Portfolios haben, nicht Private Equity Firmen. Aber auch das wird in der Oeffentlichkeit keine Rolle spielen. Zu hoch fuer deutsche Journalisten.

    • Denn es sind Asset Manager wie BlackRock, die italienische Staatsanleihen in ihren Portfolios haben, nicht Private Equity Firmen.

      Was auch erklären dürfte, warum Merz den ominösen Aufruf im „Handelsblatt“ (u.a. Forderung einer europäischen Arbeitslosenversicherung) mit unterzeichnet hat. Die Frage ist, ob er seine Rollen zu unterscheiden vermag.

Platz für Senf.

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