Was zum religiösen Frieden

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sorgt für Aufsehen. Eine Österreicherin, wohl irgendwie mit der FPÖ verbandelt, hatte den Propheten des Islam, Mohammed, als Pädophilen bezeichnet. Das wäre in der Tat die gängige säkulare Bezeichnung für jemanden, der ein 6jähriges Mädchen heiratet und mit ihr die Ehe vollzieht, als sie 9 war. Diese von Islamgelehrten nicht bestrittene Erzählung könnte also als Beleg für die Äußerung der Österreicherin dienen. In Österreich wurde die Frau allerdings deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt, woraufhin sie sich an den EGMR wendete. Dieser gab nun den österreichischen Gerichten Recht. Er scheint – der Werwohlf ist kein Jurist – hier eine feine Unterscheidung vorzunehmen zwischen der Feststellung, dass Mohammed vielleicht in der Erzählung wie ein Pädophiler gehandelt habe, und der, dass er auch sonst ein solcher gewesen sei. Im Übrigen habe die Klägerin nicht den historischen Hintergrund beachtet. Aber das allein reichte wohl nicht für die Abweisung der Klage. Folgt man dem EGMR, gilt die Meinungsfreiheit in Religionsfragen nur insoweit, als sie nicht zur „religiöser Intoleranz führen“ könne und „geeignet sei, den religiösen Frieden [im jeweiligen Land] zu stören“.

Hat es vergleichbare Urteile schon im Zusammenhang mit dem Christen- oder dem Judentum gegeben? Man mag den Werwohlf hier gerne korrigieren, aber er kann sich an nichts Vergleichbares erinnern. Es gibt doch im Gegenteil kaum eine Herabsetzung, die der christliche Glaube in den letzten hundert Jahren nicht hat über sich ergehen lassen müssen. Klar, die Kirchen haben sich hier und da gewehrt, und in früheren Urteilen sogar auch mal Recht bekommen, aber der Trend geht dahin, dass man alles über das Christentum sagen kann, was man möchte. Auf die Idee, solche Äußerungen könnten den „religiösen Frieden stören“, ist bisher keiner gekommen. Woran liegt das? Als Christ (und deswegen bekennend parteiisch) ist der Werwohlf der Auffassung, dass die Christen einfach zu zahm dafür sind. 90% von ihnen zucken in solchen Fällen nur mit den Schultern, und den restlichen 10% fällt allenfalls noch der Gang vor die Gerichte ein. Bei Muslimen scheint das etwas anders zu sein. 

Im Gedenken an eine Satire aus Ephraim Kishons „Wie unfair, David“ möchte der Werwohlf deswegen hier für Christen, die diese Schieflage zu überwinden trachten, einen Vorschlag machen:

Es müsste sich eine radikale Organisation gründen, sagen wir mal die „Christian Warriors“ (CW). Diese Organisation droht allen, die von den Geboten der Bibel (deren Auslegung natürlich allein den „Christian Warriors“ obliegt) abweichen, mit ewiger Rache und dem Tod. Bei lästerlichen Reden von Ungläubigen organisiert der CW einen Mob, der mit alten Kreuzritter-Fahnen vor dem Gebäude der EU-Kommission aufmarschiert und die Todesstrafe für die Delinquenten fordert. Radikale Elemente des CW (ja, die gibt es auch) verleihen diesen Forderungen mit gezielten Attentaten in von Ungläubigen frequentierten Vierteln und bei von ihnen besuchten Veranstaltungen (Einkaufszentren, Rotlichtviertel, Metal-Konzerte, Erotikmessen) den gehörigen Nachdruck. Selbstverständlich sind sie bereit, für ihren Glauben zu sterben. 

Hält man sich an diese Vorgaben, sind künftig auch wenig schmeichelhafte Aussagen über das Christentum geeignet, den „religiösen Frieden zu stören“. Dazu gehört natürlich, dass sich alle Kirchen auf das Heftigste von den CW distanzieren und das eindeutige Urteil fällen, der CW habe „nichts mit dem Christentum zu tun“, wie jedem nach auch nur ein wenig Bibellektüre völlig klar sein müsse. Um sich dann still und heimlich zu freuen, dass wieder mal etwas Blasphemisches verboten wurde.

Disclaimer:

Da der Standard heutzutage ja die möglichst negative Auslegung eines Textes ist, um den Autor irgendwie abqualifizieren zu können und sich daher mit seinem Text nicht weiter beschäftigen zu müssen, sei hier der guten Vollständigkeit halber noch angeführt, dass der Vorschlag des Werwohlfs tatsächlich(!) satirisch gemeint ist und er einen „CW“ selbstverständlich für alles andere als christlich halten würde. Ihn stört auch die konstatierte Zahmheit der Christen nicht – die ist okay, denn als wahrer Christ hat man eher Mitleid mit jenen, denen nichts Besseres einfällt, als den Glauben anderer zu verunglimpfen. Er hält es auch nicht für sonderlich originell oder sinnvoll, Mohammed als Pädophilen hinzustellen – nur: Vor Strafgerichten sollte das nicht landen, und die Begründung des EGMR gefällt ihm gar nicht.

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