Das spielt alles keine Rolex?

Seit Monaten beobachtet der Werwohlf verwundert, wie sich Sawsan Chebli, eine für Menschen außerhalb Berlins wirklich völlig unwichtige Politikerin mit sehr überschaubarem Aufgabengebiet, zu einer Hassfigur ersten Ranges für konservative und rechte Twitter-User entwickelt hat. Sicher, mit ihren Tweets und ihrem Verhalten im echten politischen Leben liefert Frau Chebli viel Anlass zu Kritik, aber woher kommt dieser Ehrgeiz ihrer Gegner, sie so zu behandeln, als sei sie eine wichtige Führungsperson in der Regierung oder auch nur der SPD? Es gibt viele Accounts auf Twitter, die – je nach Sichtweise – viel Unsinn verbreiten: Also warum gerade sie? Es ist wohl diese seltsame Netz-Gruppendynamik. Ein paar finden sich zusammen, die sich auf ein gemeinsames Ziel eingeschossen haben, das Ziel sieht sich dadurch nur noch mehr herausgefordert, der Zwist lockt Voyeure und Trittbrettfahrer an, und schon haben wir den sich selbst verstärkenden Regelkreis. 

Frau Chebli wird vor allem kritisiert wegen ihrer Tweets, in denen sie vermeintliche Nachteile von Frauen und Migranten beklagt, und da es diesen Tweets zugegebenermaßen etwas zu oft an Überzeugungskraft mangelt, hauen ihre mittlerweile zahlreichen Gegner mit Wonne in die Kerben, immer und immer wieder. Die Versuchung, das Ganze in Richtung Herabsetzung und Verunglimpfung weiterzutreiben, ist dann wohl auch viel zu groß, ihr nicht nachzugeben. Wie gesagt: Der Werwohlf sieht, dass es diverse Gründe gibt, Frau Cheblis Worte und Taten kritisch zu betrachten, Gründe, die zum Teil auch in ihrem Hand zu Außendarstellung zu liegen scheinen, aber bitte: Sowas bringt man vielleicht maximal einmal an, und das ist gut. Noch vernünftiger wäre es, sich einfach mit sinnvolleren Dingen zu beschäftigen. Wenn wir alle unser Leben damit verbringen würden, negative Persönlichkeitszüge von Twitterern und jeden ihrer zweifelhaften Tweets zu kritisieren, wäre das wohl eher ein Ausweis unserer eigenen Probleme.

Aber diese Lust am ständig wiederholten Drauftreten, woher kommt die? Weil Frau Chebli eine Frau ist, oder weil sie Muslimin ist, wie die üblichen Verdächtigen natürlich pawlowsk sofort mutmaßen? Wohl eher nicht. Seyran Ateş z.B. könnte vermutlich ganze Kollektionen Schweizer Uhrenhersteller an ihren Unterarmen platzieren, aber ein #Rolexgate oder #Uhrengate würde sie damit nicht heraufbeschwören. Wie immer hat die „Bild“ Recht: Es ist Neid. Die Gegner Frau Cheblis sehen in ihr jemand, der (die) es anscheinend ohne besondere Qualifikationen und allein aufgrund ihrer Doppel- oder Dreifachquoteneignung (je nachdem, ob man den Glauben extra zählt) geschafft hat, in höhere Besoldungsstufen aufzusteigen und sich dadurch diverse Luxusobjekte leisten zu können, zumal sich Politiker wie sie um die Altersversorgung erst recht keine Gedanken machen müssen. Und dann gilt sie vielen auch noch als hübsch[1]. Man mag es seinem wöhlfischen Charakter zuschreiben, aber der Werwohlf kann das Hassgefühl, das sich da mancher zu bemächtigen scheint, emotional nachempfinden – allerdings reicht das Gefühl da nicht, um die Oberherrschaft über den Verstand zu gewinnen, der es für lächerlich hält. Es ist einfach so, dass es da draußen mittlerweile eine Meute gibt, die Frau Chebli am Boden sehen will, im Staub. Um dann nochmal draufzutreten. 

Der Werwohlf ist sich sicher, dass seine Leser bei solchen Massenphänomenen nicht mitmachen. Wenn die mit einer Person nichts anfangen können, beachten sie diese einfach nicht weiter. Das ist für alle Beteiligten die wohltuendste Art, mit solchen Inkompatibilitäten umzugehen. Es ist okay, politische Inhalte sachlich (oder wie auch hier gerne mal: polemisch) anzugreifen. Es ist auch okay, die Kritik an den Meinungen einer Person festzumachen, schließlich besteht Politik auch aus Personalentscheidungen. Es ist aber nicht okay, diese Person zu beschimpfen, sie lächerlich zu machen oder sie sonstwie herabzusetzen. Der Werwohlf hat da einen Reflex: Wenn er eine Meute sieht, die sich über etwas hermacht, bezieht er intuitiv die Gegenposition. Und er kann diesen Reflex nur empfehlen: ungemein horizonterweiternd.

[1] Die Meinung des alten Sacks Werwohlf mag hier völlig unmaßgeblich sein, zumal er seine Liebste für die schönste Frau der Welt hält, aber nach der ist Frau Chebli nicht besonders gutaussehend. Hässlich allerdings auch gerade. Aber wie im weiteren Text erwähnt, ist die Minderheitenposition eh die, in der sich der Werwohlf am wohlsten fühlt.

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9 Gedanken zu “Das spielt alles keine Rolex?

  1. Chebli macht sich in ihrer Arroganz, Ignoranz und Inkompetenz mit Hang zu teuren Statussymbolen zum leichten Opfer und kriegt ordentlich Fett ab. Hat sie sich durchaus verdient und (wohl unbewusst) selbst initiiert, auch wenn ich das Verhalten der Meute nicht gutheiße und selbst nicht mitmache.

    Sicher gibt’s viele Andere, die ähnlich doof/auffällig agieren und die mehr Beachtung verdienen würden, aber psychologisch gesehen haut man immer auf diejenigen, die ganz besonders aus der Menge herausstechen und das kann man Chebli wohl attestieren.

    Chebli macht sich selbst lächerlich, da braucht’s keine weiteren Aktionen.

  2. Ich kann nicht fuer andere sprechen, aber ich denke bei dem „Rolex Gate“ geht es um drei Dinge
    1. Sicher ist bei einigen Neid dabei („die da oben“),
    2. Es ist ein wunderbares Beispiel fuer die Heuchelei der SPD. Sie selber wuerde eine Rolex bei Gegnern, etwa einem abgeordneten der „Moevenpickpartei“, sofort brandmarken. Da ist es nur gerecht, wenn sie selber mal einen Shitstorm erntet
    3. Mein Hauptpunkt, Chebli verdient fuer eine Rolex zu wenig! Wenn jemand genug verdient, sind es Peanuts. Bei ihr aber nicht. Und das zeigt mir, dass sie einen unappetitlichen Sinn fuer Statussymbole besitzt, den ich bei einer mich vertretenden Politikerin nicht sehen moechte.

    „Der Werwohlf hat da einen Reflex: Wenn er eine Meute sieht, die sich über etwas hermacht, bezieht er intuitiv die Gegenposition.“ Das geht mir genauso. Ich haette auch nicht gedacht, dass ich mal Oezil verteidigen wuerde. Aber hier haelt es sich doch in Grenzen 🙂

    Warumk trifft es gerade sie immer wieder? Vielleicht weil sie uns von der SPD als neue Vorzeige Barbie praesentiert wird, die auf allen diversity-dimensions vorne liegt nur bei der altmodischen klassischen Kompetenz eben nicht. Sie ist damit ein Musterbeispiel fuer den Quoten-Quatsch.

    • Zitat:
      „3. Mein Hauptpunkt, Chebli verdient fuer eine Rolex zu wenig! Wenn jemand genug verdient, sind es Peanuts. Bei ihr aber nicht. Und das zeigt mir, dass sie einen unappetitlichen Sinn fuer Statussymbole besitzt, den ich bei einer mich vertretenden Politikerin nicht sehen moechte.“

      Sie berühren da einen sehr interessanten Punkt.

      Politisches Geschäft erfordert naturgemäß einen gewissen Hang zur Selbstdarstellung. Gute Politik erfordert, platt gesprochen, aber auch eine gewisse Beseelung als Interessenvertretung für eine Sache / Gruppe aufzutreten. Das Ganze sollte sich in einer Balance befinden.

      Nun gibt es Politiker (die auch nur Menschen sind), bei denen diese Balance aus den Fugen gerät und bei denen immer mehr nur noch die Selbstdarstellung bleibt. Ob das mehr oder gleich viele sind, wie vor Zeiten, kann ich schwer beurteilen, vielleicht nimmt man sie heute einfach nur mehr wahr und deswegen werden sie zu einer Sollbruchstelle des Ärgers über die unzufrieden stellende politische Gesamtsituation.

      Chebli ist ein besonders krasses Beispiel für eine Person, die Politik anscheinend nur als Selbstdarstellung begreift und auch jegliches Reflektionsvermögen darüber verloren zu haben scheint. Und wer das offensiv vor sich herträgt, präsentiert sich eben offensiv als „Sollbruchstelle“ des politischen Ärgers und wird daher öfter mal an die Wand fahren und sich schmerzhaft stoßen.

      Dass die SPD sich von einem klassischen FDP Yuppies repräsentieren lässt ist dann nochmal ein zweites Thema.

      Spott und Hohn scheinen jedenfalls gesichert.

  3. Die Kritikpunkte sind klar, aber warum muss man sich deswegen so austoben? Und warum ist die Frau so wichtig? Ist das nicht lediglich ein Eindreschen auf das leichteste Opfer, während woanders wirklich üble Dinge auf den Weg gebracht werden?

    • Ich wuerde es anders formulieren als das „leichteste Opfer“: Im Unterschied zu den anderen, traegt sie die smoking gun mit sich herum.

  4. Zitat:
    „Es ist okay, politische Inhalte sachlich (oder wie auch hier gerne mal: polemisch) anzugreifen.“

    Das in Klammern mach ich jetzt aber mal ausnahmsweise nitt^.

    Vielmehr danke für den Bericht, denn die beschriebene Person kannte ich bis jetzt nicht. Eine peinliche Bildungslücke wurde gefüllt dank WeWo. Noch schlimmer: Die Namen der übrigen 15 Bevollmächtigten der Länder beim Bund kenne ich auch nicht.

    Immerhin hat das Land Berlin für die Landesvertretung von Berlin in Berlin keine eigenständige, großkotzige Baulichkeit nach Art einer Botschaft wie die anderen Länder. Das ist doch schon mal was. Da sei ihr die Rolex gegönnt, anderweitig wird ja gespart, der Dienstsitz ist im Roten (heißt halt so, noch nicht mal das ist Polemik) Rathaus, Reisen zum Hofhalten braucht’s auch nicht. Rolex ist im Übrigen proll und stilistisch eher ein Fehlgriff……ähm……jetzt doch wieder Polemik.

    Herzlich
    Dennis

  5. Vielmehr danke für den Bericht, denn die beschriebene Person kannte ich bis jetzt nicht. Eine peinliche Bildungslücke wurde gefüllt dank WeWo. Noch schlimmer: Die Namen der übrigen 15 Bevollmächtigten der Länder beim Bund kenne ich auch nicht.

    Letzteres geht mir ebenso. Aber Frau Chebli könnte man nicht nur als Twitter-Berühmtheit (37k Follower) kennen, sondern auch aus der Tagespresse. Der Wikipedia-Artikel zu ihr deutet eher zaghaft an, welche Säue mit ihr drauf schon durch das Dorf getrieben wurden, woran ihr Drang zur Selbstdarstellung nicht gerade unschuldig ist. Mit Politikern wie ihr kann sich mancher Rechte den Bau von Strohmännern sparen – mit ihren Äußerungen und ihrem Verhalten erfüllt sie denen alle Wünsche für ein aus deren Sicht perfektes Hassbild. Und eben auch mit ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht und ihrem Glauben – eine sehr geeignete Bestätigung für die üblichen Vorurteile der einen und der Hauptgrund für eine Solidarisierung durch die anderen. Das erzeugt dann den Lärm, der auch Kleinigkeiten wie Armbanduhren bzw. den Streit darum zu Nachrichten der Massenmedien macht. Sie hat wohl keine echten Freunde in ihrer Partei (auch das wurde schon in der Presse kolportiert), sonst hätte man sie nicht ungeschützt in einen Fluss mit Krokodilen springen lassen.

    Was die Rolex angeht: Ist klar. Wer Rolex trägt, könnte auch ein weißes Cadillac-Cabrio mit roten Ledersitzen fahren. Als deutscher Patriot muss es natürlich etwas aus Glashütte sein, und der Werwohlf sollte aus lokalpatriotischen Gründen wohl zur IWC greifen.

    • Frage mich gerade, ob man einen Zuhälter, der nur deutsche Frauen zur Prostitution zwingt, einen „patriotischen Luden“ nennen würde. Oder eher im Gegenteil einen, der das nur mit nichtdeutschen Frauen macht. Aber vielleicht kann man ihn doch nur am Boliden erkennen.

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