Was zu Hitlerplagiaten

Es ist absurd. Das Bemühen, aus dem Text Herrn Gaulands in der F.A.Z. einen Skandal zu machen, treibt die absonderlichsten Blüten. Jetzt wollen gar Historiker herausgefunden haben, dass Herr Gauland seinen Text an eine frühere Rede Hitlers anlehnte. Andere wiederum werfen Herrn Gauland vor, zwar nicht genau inhaltlich bei Hitler abgeschrieben zu haben, sich wohl aber an dessen Wendungen bedient zu haben. Ja, was stimmt denn nun? Wie zu vermuten: nix von beiden. Der Berliner „Tagesspiegel“, der auf diesen Scoop besonders aufsprang, dokumentiert beide Texte dankenswerterweise in einem Beitrag: hier

Wer das aufmerksam liest, wird merken, dass da eine Parallele gibt, nämlich eine Spaltung der Gesellschaft in zwei Gruppen zu konstatieren: eine, die sich international definiert, und eine, die das nicht kann oder will. Gerade diese Parallele aber ist der Kern von zig schlauen Beiträgen der letzten Jahre, in denen der Aufstieg der „Rechtspopulisten“ erklärt werden soll, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern Europas und in den USA. Wenn immer wieder von den „Abgehängten“ die Rede ist, dann sind eben genau die gemeint, die von den Vorteilen einer Globalisierung nicht profitieren. Und wenn es „Abgehängte“ gibt, gibt es auch „Vorausfahrende“ (Progressive). Der Werwohlf hat den Eindruck, das schon hundertmal gelesen zu haben, weswegen die Lektüre von Herrn Gaulands Beitrag bei ihm weniger Empörung als Gähnen hervor rief.

Und sonst? Passt nichts. Die Hitlersche Elite hat nur im Sinn, ihren Geschäften nachzugehen, und sie trachtet danach, „die Völker gegeneinander zu hetzen“. Die Gaulandsche Elite hingegen ist international organisiert, spricht die aktuelle lingua franca, sieht sich als Weltbürger und „träumt von der one world und der Weltrepublik“. Die Hitlerschen Abgehängten sind klar definiert als Arbeiter und Bauern, und sie müssen „um ihr Dasein kämpfen“ (wohl als Folge der üblen Bestrebungen der Elite). Die Gaulandschen Abgehängten unterscheiden sich in kleinere Unternehmen, die nicht groß genug sind, um global produzieren lassen zu können, und in „einfache Menschen“, die wohl nicht genug verdient haben, um eine größere Rente beziehen zu können. Deren Problem ist allerdings weniger der Kampf ums Dasein, sondern dass ihre Heimat bedroht ist, weil immer mehr Einwanderer hinzukommen, ein Bild, das bei Hitler nicht auch nur ansatzweise auftaucht. 

Will man hier unbedingt noch Gemeinsamkeiten herausarbeiten, werden das die sein, die eine Globalisierungskritik notwendigerweise enthält, nämlich dass es Profiteure und Nicht-Profiteure gibt, und die Gründe dafür sind, dass die einen die Vorteile der Globalisierung nutzen können, die anderen eben nicht. Wenn einen dieses Schema zum Hitler macht, dann hat es in den letzten Jahren von denen nur so gewimmelt. Die Empörten müssen da aber gerade woanders hingeschaut haben.

Und die Formulierungen? In beiden Texten werden, um das Leben der internationalen Elite bildhaft darzustellen, beispielhaft Städte aufgeführt. London kommt sogar explizit in beiden vor. Und in beiden Texten ist das Gegenbild zu dieser Internationalität die Heimat. Genauer: Bei Hitler ist die Heimat nur ein Gegenbild neben Staat und Nation, bei Herrn Gauland ist es *das* Gegenbild. Interessant auch: In den gegenübergestellten Textpassagen kommt das Wort „Volk“ bei Hitler sehr oft vor, auch in Zusammensetzungen wie „Völkerstreit“, bei Herrn Gauland hingegen überhaupt nicht. Jetzt mal ehrlich, so unter uns: Überzeugend ist die Behauptung einer „auffälligen Übereinstimmung von Argumentation und Diktion“ nicht gerade. Man könnte auch sagen: Sie ist hanebüchen.

Gut, bei Herrn Wolffsohn, einem der beiden „Historikerkritiker“, ist der Einsatz verständlich, hatte er doch kurz zuvor in der Berichterstattung zu einem Interview mit ihm der MDR den Eindruck erweckt, er verstehe die Juden, die sich als eigener Verband in der AfD organsierten. Das bescherte ihm einen der üblichen Shitstorms und entlarvte ihn (überfälligerweise, da an anderer Stelle schon als politisch unzuverlässig aufgefallen) als Nazi. Seine Erklärungsversuche gingen dabei unter, und so versuchte er anscheinend sein Heil in einer Offensive gegen Herrn Gauland, die ihm mehr Aufmerksamkeit bescheren und dadurch auch Standing zurückgewinnen helfen würde. Außerdem hat der Werwohlf Schwächen für Menschen, in deren Namen „Wolf“ vorkommt, ob mit „h“ oder ohne. 

Ansonsten aber möchte er die Beteiligten fragen: Und sonst geht es Euch noch gut?

 

P.S.: Da gibt es auch noch jemanden, der von anderen darauf aufmerksam gemacht wurde, dass er vor Jahren einen dieser „Globalisierung? Bäh!“-Texte verfasst hatte, und der deswegen jetzt Herrn Gauland des Plagiats bezichtigt. Hier ist es der Wunsch nach den 15 Minuten Ruhm. Gönnen wir ihm den.

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