Nochmal was zum Videobeweis

Der Werwohlf ist in einigen Teilen seines Lebens mit Genuss Teil des Pöbels. Das heißt, statt sich auf Vernissagen oder Lesungen herumzutreiben oder wenigstens andächtig einer Oper zu lauschen, sitzt er während der Saison meist um 15.30 Uhr am Samstag vor der Kiste, um die Samstagskonferenz auf Sky zu verfolgen. Und manchmal tut er sich tags drauf auch eine dieser stammtischähnlichen Fußball-Diskussionsrunden à la „Doppelpass“ (um nur die bekannteste zu nennen) an.

Was ihm dort seit einiger Zeit gewaltig auf die Rute geht, ist das ständige Genörgle fast aller Fußball-Journalisten wegen des Videobeweises. Während Spieler und Funktionäre das meistens differenzierter sehen, findet man unter den professionellen Beobachtern der schönsten Nebensache der Welt sehr oft radikale Gegner, die für eine Abschaffung plädieren. Die böswillige Vermutung deswegen besagt, dass man dort die Befürchtung hegt, auf Dauer ließen sich die noch zu beobachtenden Mängel womöglich tatsächlich abstellen, was es den Vertretern der Zunft deutlich erschweren würde, hinreichend skandalisierbares Material zu finden.

Dabei ist die Ursache von wohl 99% der Kritik vor allem, dass die Regel, wann der Videobeweis überhaupt greift, bisher nicht frei von Willkür ist. Es ist zu beobachten, dass z.B. in vergleichbaren Situationen bei verschiedenen Partien unterschiedlich eingegriffen wird, sogar in ein- und derselben Partie trat dieses Phänomen auf. Wann immer aber auf den Beweis zurückgegriffen wurde, scheint er fast durchgehend geholfen zu haben, die richtige Entscheidung zu treffen. Was hätte z.B. heute Erzgebirge Aue darum gegeben, auch in Liga 2 über dieses Hilfsmittel zu verfügen. So aber musste es den Weg in die Relegationsspiele antreten, nachdem es im heutigen Spiel gegen Darmstadt drei bis vier eklatante Fehlentscheidungen zu seinen Ungunsten gab.

Die Willkür aber lässt sich nicht von der Hand weisen. Man doktert an der diesbezüglichen Vorschrift immer wieder herum, aber etwas Befriedigendes zwischen ständigem Dazwischengefunke und unverständlicher Passivität scheint dabei bisher nicht herausgekommen zu sein. Wirklich unverständlich bleibt daher, warum der Fußball überhaupt diesen komplizierten Weg des Deus ex machina von außen gewählt hat. Viel einfacher und sinnvoller wäre der Einsatz, wie er bei anderen Sportarten auch praktiziert wird.

Dann hätte z.B. jede Mannschaft pro Halbzeit beispielsweise drei Optionen zur Einschaltung des Videobeweises. Man könnte sich noch streiten, ob dieses Kontingent nur bei vergeblichen Interventionen verbraucht wird oder auch bei berechtigten, aber das Grundübel wäre damit vermutlich beseitigt: Das Hilfsmittel käme nur zum Einsatz, wenn nach Ansicht der angeblich benachteiligten Partei auch ein Grund dazu gegeben ist. Bei den beiden berühmtem „Phantomtoren“ der Liga (Helmer, Kießling) war das nicht der Fall, aber für solche Probleme haben wir ja mittlerweile die Torlinientechnik. Wenn ansonsten nachträglich noch eine Fehlentscheidung festgestellt wird, die den Benachteiligten nicht selbst auffiel, dürfte die Aufregung geringer sein – die Betroffenen hatten ja ihre Chance.

Also: Willkür ja, aber gleich verteilt. Aber das ist wahrscheinlich als Lösung viel zu einfach für die Herren Funktionäre, die jeden Anlass nutzen müssen, ihre Daseinsberechtigung unter Beweis zu stellen. Leider nicht per Viedo überprüfbar.

Siehe auch das erste Geheul zum Thema:

https://werwohlf.wordpress.com/2015/11/23/vier-unzureichende-argumente-gegen-den-videobeweis/

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