Konservativ?

Was kann heute noch „konservativ“ sein?

Politisch ist die Richtung eigentlich klar. Oder doch nicht? Soviel ist klar: Es gibt die „Progressiven“, die auf den Schwingen des gesellschaftlichen Fortschritts immer höheren Sphären entgegen streben[1]. Aber „Konservative“? Haben wir die überhaupt noch? Wenn wir uns ältere (und wir reden hier nicht von allzu vielen Jahren) CDU-Wahlpositionen anschauen, können wir nur feststellen: Auch die einst als „konservativ“ charakterisierte CDU ist ins Lager der Progressiven gewechselt, hat sie doch im Wesentlichen ihre alten Positionen aufgegeben und die ihrer ehemaligen ideologischen Gegner übernommen. Sie scheint sich nur noch auf das Moderieren des Sieges der Progressiven zu beschränken. Für diejenigen, die noch den alten Positionen die Treue halten, muss das eher so wie eine Art Palliativ-Medizin erscheinen. Das Ende kommt unvermeidlich, es kommt bald, aber es soll nicht zu sehr schmerzen. Es scheint nur noch eine Devise zu gelten:

Einige Züge dürften für ehemalige Konservative abgefahren sein. Schwangerschaftsabbrüche werden von diesem, unseren Staat ebenso wenig wieder unter Strafe gestellt wie Homo-Ehen[2] abgeschafft werden. Dafür gibt es auch Gründe – die kann man mögen oder nicht, aber im Ergebnis führen solche Entscheidungen entweder zu einigermaßen tragfähigen Kompromissen oder dazu, dass dem deutlichen Wohlergehen der Einen nur ein leichteres Unwohlsein der Anderen entgegensteht. Beides trägt zum gesellschaftlichen Frieden bei.

Auch an anderen Stellen hat sich die Politik von konservativen Vorstellungen deutlich weg entwickelt, insbesondere beim Thema Einwanderung. Die Folgen der bisherigen Maßnahmen allein zerstören schon ganz automatisch konservative Vorstellungen künftigen Zusammenlebens. So wird (Aus-)Bildung immer schwerer werden, die öffentliche Ordnung wird immer mehr leiden und vieles von dem, was uns als originär deutsch bekannt ist, wird entweder drastisch verändert oder abgeschafft. Das ist im Sinn der Politik, und deren Avantgarde, die mit dem Pöbel nichts zu tun haben will und mit Konservativen schon gar nicht, freut sich auch schon drauf. Will der Staat diese Entwicklungen einigermaßen in den Griff bekommen, muss er zu Aktionen greifen, die ansonsten bei Konservativen nicht geschätzt werden. Zum Beispiel steht dann das Vorrecht der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder auf dem Spiel, was für Konservative bei der Lektüre von Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ die weitaus üblere Botschaft war als die verzerrten Darstellungen des einen Kapitels über die Folgen der Zuwanderung. Auch sonst müsste dem Staat mehr zugestanden werden, als Konservative sich das früher gewünscht hätten.

Was also ist heute noch die Rolle von Konservativen? Alles zurückdrehen wollen, was in den letzten Jahren als SchwachsinnErrungenschaften eingeführt wurde? Weiter den alten Träumen nachhängen, die sich im Lichte neuer gesellschaftlicher Wirklichkeit nie mehr verwirklichen lassen werden? Vielleicht sollte sich ein Konservatismus, der noch etwas bewirken will, vor allem als Haltung definieren. Ja, Haltung. Und zwar eben eine andere als die, die uns ansonsten von den üblichen Verdächtigen mehr oder weniger eindringlich ans Herz gelegt wird.

Dies wäre vielleicht ein Ansatz: Der Konservative vertritt ein bestimmtes Menschenbild, nämlich das Bild eines Menschen, der zwar zu großen Leistungen in der Lage, aber dennoch weiterhin ständig fehlbar ist, ebenso wie alles von ihm Geschaffene. Er widerspricht als Konsequenz dessen allen Ideen, deren Umsetzung ein „neues Bewusstsein“ oder einen „neuen Menschen“ verlangt. Er stellt alle Modelle in Frage, die darauf setzen, man müsse „nur mal“ diese oder jene Institution verändern, und alles wendete sich zum Hehren und Reinen. Alles, was große Umstürze voraussetzt, hält er für unseriös. Sinnvolle Veränderungen sind für ihn nur im Kleinen zu erreichen. Der Konservative glaubt eher an das Paradies im Himmel als das auf Erden. Er anerkennt die Existenz des Bösen. Er nimmt andere Menschen so, wie sie sind, und nicht, wie er sie sich wünscht.

Der Konservative ist frei von weltlicher Eschatologie. Geschichte folgt für ihn keinem erkennbaren Pfad, sondern zeigt sich vor allem als ewige Wiederkehr des Gleichen. Der Konservative stellt sich allen Versuchen entgegen, den Menschen zu vereinzeln und somit anonymen Mächten auszuliefern, ob nun Staat oder übermächtiger Konzern. Er erkennt die Notwendigkeit des Individuums, eingebunden zu sein in Familie, Gemeinde und auch Volk. Am grünen Tisch entworfenes Papier reicht ihm nicht als verbindendes Element. Für das, was dauerhaft bestehen soll, sucht er nach Ankern in Tradition, Glaube und Kultur.

In diesem Sinn bekennt sich der Werwohlf als Konservativer.

[1] Die Geschichte von Ikarus ist offensichtlich keine progressive Erzählung.

[2] Es gibt Leute, die fordern, dass man an dieser Stelle „Ehe für alle“ sagt. Aber das wäre falsch. Ehen zwischen nahen Verwandten oder Mensch und Tier sind nach wie vor nicht möglich. 

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10 Gedanken zu “Konservativ?

  1. Zitat:
    „Dafür gibt es auch Gründe – die kann man mögen oder nicht, aber im Ergebnis führen solche Entscheidungen entweder zu einigermaßen tragfähigen Kompromissen oder dazu, dass dem deutlichen Wohlergehen der Einen nur ein leichteres Unwohlsein der Anderen entgegensteht. Beides trägt zum gesellschaftlichen Frieden bei.“

    Welche der beiden Gruppen gehört noch gleich das werdende Kind an? Der mit den Unwohlsein oder der mit den Wohlergehen? 😉

    Entschuldigen Sie mir den Sarkasmus…

    Zitat:
    „Auch sonst müsste dem Staat mehr zugestanden werden, als Konservative sich das früher gewünscht hätten.“

    Macht für den Konservativen aber eigentlich keinen Sinn.
    Ein sehr autoritärer Staat könnte zwar eine Art „Leitkultur“ erzwingen (mit der ich, btw, nichts zu tun haben wollte), aber schon die nächste linke Regierung würde da Lockerungen bei Multi-Kulti einführen wollen, den Konservativen aber massiv schaden.
    Den Konservativen bleibt wohl, je nach Gehaltsklasse, nur die Gated Community oder die Stadtflucht. Raus aufs Land, kleine Gemeinden, wo jeder jeden kennt und wo die Stimme Einzelner noch was reisen kann.
    Je größer die Zentralstaaten werden, umso schwerer wird es doch, noch alles im Auge zu behalten.

    P.S.: Ich persönlich würde die Suche nach liberalen Lösungen nicht so schnell aufgeben.

    • Welche der beiden Gruppen gehört noch gleich das werdende Kind an? Der mit den Unwohlsein oder der mit den Wohlergehen? 😉

      Dem einigermaßen tragfähigen Kompromiss. War die eine Oder-Alternative.

      Ein sehr autoritärer Staat könnte zwar eine Art „Leitkultur“ erzwingen

      Das hätte nichts mit dem von mir Beschriebenen zu tun. Der Konservative wünscht sich eine Art Leitkultur und bevorzugt politische Schritte, die dem auch gerecht werden, aber er kann und will sie nicht da erzwingen, wo sie nicht besteht.

      Ich persönlich würde die Suche nach liberalen Lösungen nicht so schnell aufgeben.

      Wie das bei ideologischen Dogmatikern nun mal so ist ;-). Ich darf auch Sarkasmus…

    • Zitat:
      “Ein sehr autoritärer Staat könnte zwar eine Art „Leitkultur“ erzwingen”

      Ach wenn der Werwohlf bereits darauf geantwortet hat, sei mir eine weitere Anmerkung bitte gestattet.

      Nach meinem Eindruck gründet Ihr in der Aussage enthaltener, impliziter Schluß auf einem Mißverständnis, welches der Werwohlf über seine hier versuchte Begriffsdefinition des Wortes “konservativ” versuchte aufzuklären.

      Nach dieser werwöhlfischen Definition ist “konservativ” eben mitnichten eine (im weitestens Sinne) “bewahren wollende” politische Interessenvertretung (dann wären eben auch Grüne “konservativ”), sondern ein Menschenbild, aus dem heraus Politik betrieben wird.

      Zitat:
      “Ich persönlich würde die Suche nach liberalen Lösungen nicht so schnell aufgeben.”

      Der wesentliche Unterschied der beiden Menschenbilder (Konservatismus – in des Werwohlfs Definition – und Liberalismus) ist meines Erachtens dabei, dass der Konservatismus einige Nebenbedingungen formuliert, welche der Liberalismus nicht beachtet (oder vielleicht nicht wahr haben möchte). Ansonsten sehe ich den werwöhlfischen Konservatismus nicht als Widerspruch zum Liberalismus.

      In anderen Worten grenzt der Werwohlf nach meinem Verständnis hier Konservatismus als etwas im Unterschied zur reinen, dogmatischen Lehre ab. So etwa wie die Abgrenzung zwischen Theorie und Praxis. Theoretische Lehren geben tiefe Einblicke in die Natur der Dinge, scheitern aber mitunter bei der Beschreibung der realen Welt.

      Ein Analogon aus der Naturwissenschaft:
      Liberalismus versus Konservatismus ist wie der Versuch die beobachtete Welt mit den Bewegungsgleichungen der Mechanik zu verstehen, welche einmal ohne und einmal mit den Nebenbedingungen der Reibung formuliert wurden.

      Herzlich

      n_s_n

  2. Zitat:
    „Dies wäre vielleicht ein Ansatz: Der Konservative vertritt ein bestimmtes Menschenbild, nämlich das Bild eines Menschen, der zwar zu großen Leistungen in der Lage, aber dennoch weiterhin ständig fehlbar ist, ebenso wie alles von ihm Geschaffene.“

    Für die Fehlbarkeit braucht’s aber schon ein Kriterium oder ’ne ganze Menge davon, denn es mag ja viele Fehler geben und es stellt sich die Frage, woher man weiß, unter welchen Umständen warum von Fehlern gesprochen werden kann. Wenn man dann auch noch weiß, woher man die Sicherheit über die Identifizierung von Fehlern und Nichtfehlern hat, ist alles in Ordnung – jedenfalls bis hier hin ^.

    Zitat:
    „Er widerspricht als Konsequenz dessen allen Ideen, deren Umsetzung ein „neues Bewusstsein“ oder einen „neuen Menschen“ verlangt. Er stellt alle Modelle in Frage, die darauf setzen, man müsse „nur mal“ diese oder jene Institution verändern, und alles wendete sich zum Hehren und Reinen. Alles, was große Umstürze voraussetzt, hält er für unseriös.“

    Zum Beispiel das Christentum, zum Beispiel der Protestantismus innerhalb dessen. Dass die Republik und die damit verbundene Abschaffung des Adels als Herrschaftsmodell unseriös ist, versteht sich von selbst. Aber vielleicht gilt auch der Satz: Hauptsache lange her, dann hat man das Umstürzlerische vergessen und Umstürze heißen nach einem gewissen Zeitablauf nicht mehr so.

    Zitat:
    „Sinnvolle Veränderungen sind für ihn nur im Kleinen zu erreichen.“

    Uff, hier kann man mal aufatmen, wenn auch nur auf klein-klein. Aber warum darf es eigentlich Veränderungen geben? Und klar: Natürlich weiß der Konserative – im Gegensatz zu den Idioten, die sich für progressiv halten -, was sinnvoll ist und was nicht. Aber woher eigentlich?
    Am Ende des Tages geht’s in den Tweedjacketkreisen auch nicht anners zu als bei den etwaigen Progressiven, wer das auch immer sein mag, nämlich gemäß dem Pipi Langstrumpf-Prinzip: Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt. Die Philosophin Pipi sieht hier deutlich das konstruktivistische Element in jedem Weltverständnis, womit sie auch recht hat.

    Zitat:
    „Der Konservative glaubt eher an das Paradies im Himmel als das auf Erden.“

    Dann braucht er sich über all den neumodischen Kram auf Erden ja nicht mehr aufzuregen.

    Zitat:
    „Er nimmt andere Menschen so, wie sie sind, und nicht, wie er sie sich wünscht.“

    Außer diejenigen, die eine gleichgeschlechtliche Ehe eingehen wollen, beispielsweise. Da muss man schon mal ’ne Ausnahme machen, gell. Das Gezeter betreffend diese Sache jedenfalls würde es nicht geben, wenn diese eher liberale Einstellung in konservativen Kreisen tatsächlich dominant wäre.

    Zitat:
    „Geschichte folgt für ihn keinem erkennbaren Pfad, sondern zeigt sich vor allem als ewige Wiederkehr des Gleichen.“

    Die Wiederkehr des Gleichen ist auch ein Pfad, der erkannt worden sein muss. Nach dieser Theorie muss übrigens auch alles so genannte Progressive lediglich die Wiederkehr des Gleichen repräsentieren. Was soll also die ganze Aufregung diesbezüglich?

    Zitat:
    „Der Konservative stellt sich allen Versuchen entgegen, den Menschen zu vereinzeln und somit anonymen Mächten auszuliefern, ob nun Staat oder übermächtiger Konzern.“

    Guter Ansatz m.E., diese in konservativen Kreisen eher selten anzutreffende kritische Sicht auf den üblicherweise doch eher hochgeschätzten Staat. Konzerne sind so ne Sache. Dass die irgendwie böse sind, weiß man auch von den Linken, aber womöglich können die ja auch mal recht haben. Gar nitt so weit von Marx entfernt, übrigens. Bei dem heißt „Auslieferung an anonyme Mächte“ „Entfremdung“.

    Zitat:
    „Er erkennt die Notwendigkeit des Individuums, eingebunden zu sein in Familie, Gemeinde und auch Volk.“

    Am besten, man fragt erstmal das Individuum, was es für notwendig hält (okay, auf so ne komische Idee kann natürlich nur ein Liberaler kommen^^). Gut ist auch, dass man im „Volk“, zum Beispiel unter 80 Millionen Deutschen, nicht mehr anonym ist.

    Zitat:
    „Am grünen Tisch entworfenes Papier reicht ihm nicht als verbindendes Element.“

    Das, was ich hier lese, steht zwar nicht auf Papier und der Computertisch oder das Tablet oder so was muss auch nicht unbedingt grün sein, aber das konservative Konzept muss auch erstmal entworfen sein, wie andere Konzepte auch. Niemand kann konservativ sein, ohne entworfen zu haben, was in dieses Paket alles reingehört und was nicht. Diese Zutatenliste muss man zwar nicht unbedingt zu Papier bringen, es handelt sich aber in jedem Fall um ein arbiträres Konzept insbesondere auch im Hinblick auf die gewünschten, wenngleich hier im Dunkeln bleibenden verbindenden Elemente, zu denen man im Übrigen sagen könnte: Die suchen sich die Leut da draußen schon selbst, da braucht’s gar keinen großen Denksport.

    Zitat:
    „Für das, was dauerhaft bestehen soll, sucht er nach Ankern in Tradition, Glaube und Kultur.“

    Der Punkt ist halt der, dass es entgegen konservativer Auffassung nichts von dem, was Tradition heißt, schon immer gab, das mit der „Dauerhaftigkeit“ ist also ein schlichter Irrtum. Jede so genannte Tradition war mal eine Novität, also zum Startzeitpunkt PROGRESSIV (igitt).
    Traditionen sind ehemals progressive Zustände, indem mit dem alten Kram zum initialen Zeitpunkt des Geschehens gebrochen wurde wie zum Beispiel auch der NEUE BUND (sic), vulgo: Christentum. Nichts von den heiß geliebten Traditionen gäbe es, wenn das konservative Narrativ jederzeit gegolten hätte. Der dynamische Charakter auf der Zeitachse bezüglich allem, was Kultur heißt, müsste eigentlich selbst konservativen Gemütern auffallen.

    Zitat:
    „In diesem Sinn bekennt sich der Werwohlf als Konservativer.“

    Ich mach mir das einfacher: Introspektion auf der Suche nach einem übereinstimmenden Muster mit einer der z.Zt. gängigen Ideologien interessiert mich eigentlich nicht sonderlich. Der ganze Quatsch, mit dem ich mir die Welt erkläre, oder eine andere vergeblich wünsche^^ muss auch nicht unbedingt einen Namen haben. Wahrscheinlich bin ich im Großen und Ganzen einigermaßen liberal, aber wenn mir einer nachweist, dass das deswegen und deswegen nicht stimmt, is mir das auch recht, dann gibt’s da halt zahlreiche Ausnahmen, einverstanden. Meine Parteigründung würde jedenfalls Wischi-waschi Partei heißen. Die WWP. Präambel: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern (Zitat Adenauer – okay, nicht verbürgt). Richtig ist natürlich auch, dass man sich Begriffe wie konservativ/liberal/sonstwas so zurechtbiegen kann, dass es wunschgemäß passt, das beweist auch die vieldeutige Begriffshistorie und dagegen spricht natürlich auch nichts.

    Zitat:
    „[2] Es gibt Leute, die fordern, dass man an dieser Stelle „Ehe für alle“ sagt. Aber das wäre falsch. Ehen zwischen nahen Verwandten oder Mensch und Tier sind nach wie vor nicht möglich.“

    Massgeblich ist das, was im Gesetz steht. Die Umgangssprache ist i.d.R. unjuristisch und nicht einheitlich. Wenn Homoehe (ist auch sachlich falsch) ein gewünschtes pejoratives Element enthält, dann sagen’s Sie ’s ruhig. Ich sag’s mitunter auch 🙂

    Herzlich
    Dennis

    • Zitat:
      „Für die Fehlbarkeit braucht’s aber schon ein Kriterium oder ’ne ganze Menge davon, denn es mag ja viele Fehler geben und es stellt sich die Frage, woher man weiß, unter welchen Umständen warum von Fehlern gesprochen werden kann.“

      Die Kriterien braucht es, wenn man die Fehler feststellen will. Man braucht sie aber nicht, wenn man Politik lediglich in dem Bewußtsein betreiben möchte, dass des Menschen Entscheidungen fehlerbehaftet sein können. In diesem Sinne verstehe ich des Werwohlfs Definition des Konservativen, eben nicht als Kriterium, einen Fehler festzustellen, sondern als eine Art der Politik, die Fehler einkalkuliert und abfedern kann. Zum Beispiel dadurch, dass sie nicht verabsolutiert und auch die Mäßigung kennt.

      Zitat:
      “Dass die Republik und die damit verbundene Abschaffung des Adels als Herrschaftsmodell unseriös ist, versteht sich von selbst.”

      Ich persönlich, – da mag ich mich täuschen – hätte des Werwohlfs Definitionsversuch auf unsere parlamentarische Demokratie unter einer freiheitlichen, rechtsstaatlichen Ordnung bezogen. Eine solche Einschränkung ist meines Ermessens auch sinnvoll, weil sie Begrifflichkeiten schärfer werden lässt.

      Über den Wandel der Zeiten, Gesellschaftsordnungen und Systeme erlebten Begriffe wie “progressiv “und “konservativ” (wie Sie ja selbst auch feststellen) einen Bedeutungswandel, deren Vermischung die Diskussion inhaltlich so schwierig macht. Gerade darin liegt ja meines Ermessens der Charme der werwöhlfischen Definition: Dass sie versucht das Konservative in einer modernen, liberal und rechtsstaatlich verfassten Gesellschaft, als einen Gegenentwurf zu politischer Ideologie und Dogmatik zu formulieren.

      Zitat:
      “Aber warum darf es eigentlich Veränderungen geben?”
      Dass es sie empirisch immer gibt ist eine gut belegte Feststellung. Wie man in einer modernen, liberal und rechtsstaatlich verfassten Gesellschaft mit ihnen umgeht ist die Frage. Möglicherweise anders als in feudalen oder totalitären Systemen. Da gebe ich Ihnen Recht.

      Zitat:
      “Am Ende des Tages geht’s in den Tweedjacketkreisen auch nicht anners zu als bei den etwaigen Progressiven.”
      Genau diese Kategorisierung versucht der Werwohlf ja bei der Definition von Konservatismus zu vermeiden, welche sich eben nicht an (meines Ermessens im Sinne eines Diskurses oft irreführenden) Moden und Inhalten orientiert.

      Zitat:
      „Richtig ist natürlich auch, dass man sich Begriffe wie konservativ/liberal/sonstwas so zurechtbiegen kann, dass es wunschgemäß passt, das beweist auch die vieldeutige Begriffshistorie und dagegen spricht natürlich auch nichts.“

      Ich sach mal so 😉 : Natürlich sind Zuschreibungen willkürlich und wer mit Denkschablonen einverleiben oder ausgrenzen möchte, lebt sicher gut von diesem Umstand. Um Phänomäne und Ideen zu beschreiben und sich über Inhalte auseinander zu setzen, sind dagegen aber möglichst exakte Begriffe sehr hilfreich.

      Der Werwohlf hat „konservativ“ nun als etwas Positives formuliert, mit dem er sich persönlich identifizieren kann. Er hat dabei möglichst exakt beschrieben, was er darunter versteht. Das taugt nun wenig dafür, andere Menschen anhand von Selbstzuschreibungen oder Fremzuschreibungen in “schlau” und “dumm” zu unterteilen aber möglicherweise taugt es für eine präzise(re) Auseinandersetzung über gesellschaftliche und politische Fragen, bzw. als Leitlinie unter der diese Auseinadersetzung ablaufen sollte.

      Herzlich

      n_s_n

      • Zitat:
        „Die Kriterien braucht es, wenn man die Fehler feststellen will. Man braucht sie aber nicht, wenn man Politik lediglich in dem Bewußtsein betreiben möchte, dass des Menschen Entscheidungen fehlerbehaftet sein können.“

        Mit dieser Logik bin ich nitt ganz einverstanden, lieber n_s_n. Die Verschiebung in eine Metaebene nutzt nix, wenn man nicht weiß, von welchen Fallgestaltungen im Hinblick auf „fehlerbehaftet sein können“ überhaupt gesprochen wird. Metaebenen führen i.d.R. entgegen der Absicht zu einem unendlichen Regress statt zu einer Aufklärung der Angelegenheit. Im Übrigen hat man an dieser Stelle das Paradoxon der Skepsis am Hals: Die gegebene Grundauffassung betreffend etwaiger Fehler da draußen muss ihrerseits fehlerfrei sei (aber warum sollte sie das sein?), andernfalls macht man mit seiner Auffassung über Fehler einen Fehler.

        Zitat:
        …“Dass sie versucht das Konservative in einer modernen, liberal und rechtsstaatlich verfassten Gesellschaft, als einen Gegenentwurf zu politischer Ideologie und Dogmatik zu formulieren.“

        Der Gegenentwurf muss selbst auch ideologisch und dogmatisch sein, sonst wäre es keiner. Ein Gegenentwurf ist ja was anderes als ein etwaiger Verzicht auf Entwürfe überhaupt. Letzteres scheint aber nicht möglich zu sein und ich sage ja auch nicht, dass es Entwürfe zwecks Welterklärung nicht geben darf, da bastelt sich jeder irgendwas zurecht. Außer mir natürlich^^.

        Also bekennen wir uns einfach zu Ideologie und Dogmatik, dann sind beides keine Schimpfwörter mehr 🙂 Dogmatik kennt man aus der Juristerei und der Theologie. In beiden Fällen gaaaanz unschuldige Wissenschaftsbegriffe. Ideologie wird bedauerlicherweise mit „wirklichkeitsfremd“, „“märchenhaft“ u.ä. konnotiert, der Begriff ist also leider im Sprachgebrauch versaut – geht übrigens wesentlich auf Marx zurück („notwendig falsches Bewusstsein“), indessen war die daran anschließende „Ideologiekritik“ der Linken nix anneres als volle Kanne IDEOLOGIE, also ihrerseits eine Ideenlehre, und Lehre is nu mal was anderes als Leere.

        Irgendein arbiträres Ding zwecks Welterklärung (und indem man kühn sein will, nicht zuletzt zwecks Weltverbesserung) muss offenbar sein. Aber da ich streitsüchtig bin, suche ich natürlich stets angestrengt nach Haaren in der Suppe^.

        Herzlich
        Dennis

        • Zitat:
          „Die Verschiebung in eine Metaebene nutzt nix [und man hat] an dieser Stelle das Paradoxon der Skepsis am Hals.”

          Ich meine Ihren Einwand zu verstehen, lieber Dennis, bin mir aber nicht sicher, ob er auf meinen Gedanken passt.

          Wenn man Politik in dem Bewußtsein betreibt, sie könne Fehler beinhalten, auch ohne wirklich sicher zu wissen, wo diese liegen, kann man daraus durchaus praktische Folgerungen ableiten. Zum Beispiel die, dass Mäßigung eine gebotene Eigenschaft zu sein scheint, um Fehler nicht in den Exzess zu treiben. Zum Beispiel die, kompromissbereit zu sein, da auch Kompromisse vor (Fehler)Exzessen bewahren. Das ist meines Ermessens kein verschieben in die Metaebene, sondern ein konkretes Politikverständnis und gilt natürlich auch für einem selbst.

          Dieses Politikverständnis, um einen Punkt Ihrer vorherigen Kritik noch einmal aufzugreifen, unterschiedet sich ganz wesentlich von dem derer, die sich heute selbst als Progressiv verstehen, weil sie ihre Progressivität (bis zum Exzess hin) als alternativlos verstehen und keinem Kompromiss unterwerfen wollen. Wenn ich (heute) die Progressiven kritisiere, so kritisiere ich eigentlich nicht, den Willen nach Neuem oder Veränderung, sondern die maßlose Unterwerfung unter die neue Idee und alles zu kappen, was bisher durchaus gute Dienste leistete. Zu einer anderen Zeit mögen diese Rolle der „alternativlos richtig Positionierten“ die Reaktionären (oder sonst wer) gespielt haben, heute sind es meines Erachtens eben die „Progressiven“ und man verwendet sie daher gerne als Synonym für das „Überziehen der eigenen Position“

          Vielleicht ein Beispiel: Man mag es kaum glauben, aber ich persönlich halte „Gender“ für eine durchaus plausible Idee, um neue Einsichten in gesellschaftliche Strukturen zu erhalten. Wer Kinder hat und ihre Entwicklung beobachtet, kann ganz eindeutig feststellen, dass soziale Konstruktion die Entwicklung der Geschlechter beeinflußt. Unsinn wird es da, wo man die Biologie damit ersetzen möchte und die Gender Idee zu einem Herrschaftsinstrument (Dogma) ausbaut. Hier fehlt eben genau die Mäßigung, welche ich dem Konservativen, in der werwöhlfischen Definition, zuschreiben würde. Dieser Konservative würde aber eben auch einem Reaktionären entgegentreten, welcher seine Idee / Position „überzieht“.

          Ein anderes Beispiel mag das Ziel der Abschaffung von Nationalstaaten zu sein. Während natürlich Globalisierung und internationale Verflechtung in wichtiger Bestandteil der neuen (werdenden) Weltordnung sind, kann man ebenfalls nur schwer mißachten, dass der Nationalstaat als Institution wohl unabdingbar für Freiheit, Sicherheit, soziale Marktwirtschaft und Gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. Das Konzept der progressiven „Nationalstaatsverweigerer“ kennt aber auch hier kein Maß: Der Kern einer legitimen EU Kritik.

          Zitat:
          „Der Gegenentwurf muss selbst auch ideologisch und dogmatisch sein, sonst wäre es keiner.”

          Das mag Semantik sein, aber das sehe ich nicht so. Man kann unterschiedliche Dogmen (im Sinne von Ideen) als theoretisch (im Ansatz) sinnvoll sehen, in der reinen Umsetzung aber schädlich. Siehe meine Beispiele oben.

          Man kann daher die Auffassung vertreten, dass man die den Dogmen unterliegenden Ideen (sozial, kulturell, zeitlich) kontextabhängig interpretieren muß – etwas was man auch aus der Religionskritik kennt -, und sie dann gute Dienste leisten. Ob man das dann selbst ein Dogma nennt ist Semantik. Ich würde es nicht tun, weil diese Idee “relativ”, nicht “absolut” ist.

          Ich habe das Beispiel mit den Bewegungsgleichungen aus der Physik durchaus ernst gemeint. Formuliert ohne Reibung entsprechen sie dem Dogma, formuliert unter den Nebenbedinghungen der Reibung, funktioniert ((reibungs)kontextabhängig) die reale Welt. Konservativ ist in diesem Bild die Erkenntnis und Berücksichtigung, dass es Reibung gibt.

          Zitat:
          „Irgendein arbiträres Ding zwecks Welterklärung (und indem man kühn sein will, nicht zuletzt zwecks Weltverbesserung)”

          Genau das sucht der werwöhlfische Konservative meines Ermessens nicht. Er schaut was ist und richtet sich danach. Um in meinen geliebten naturwissenschaftlichen Bildern zu bleiben: Er fügt die Reibung ein, sieht das alles (das Dogma / die Idee) funktioniert und solange es funktioniert verfolgt er dieses Konzept und verändert es vorsichtig dort, wo Unwuchten sichtbar werden.

          Zitat:
          “Aber da ich streitsüchtig bin, suche ich natürlich stets angestrengt nach Haaren in der Suppe.”

          Und da ich patologisch Harmoniesüchtig bin, versuche ich die immer gleich rauszufischen, wo ich sie sehe. 🙂

          Herzlich

          n_s_n

          • Mein üblicher Rhythmus war ja, am Wochenende einen Beitrag zu verfassen und auf die Kommentare dann am Donnerstag Abend einzugehen, denn die Tage dazwischen bin ich unterwegs und dann nur mein Notebook dabei – mit dem kleinen Bildschirm und den wenig ergonomischen Tasten macht es einfach keinen Spaß.

            Aber das Problem ist gelöst: In Zukunft schicke ich einfach meinen Adjutanten n_s_n. Der versteht mich so gut, dass er in meinem Namen so auf Kritik antworten kann, dass ich kaum noch etwas hinzuzufügen habe. Vielleicht ein bisschen zu harmoniesüchtig, aber im Großen und Ganzen exzellent 🙂

            • Zitat:
              „Der versteht mich so gut […]”

              Das mag im Zusammenhang mit dem Konservatismus daran liegen, dass du mich schon länger von deiner Haltung zu „Liberalismus“ und „Konservativ“ überzeugt hast.

              Ich schrieb dir ja einmal, dass ich Mäßigung als Kern des Liberalismus verstehe. Heute begreife ich, dass diese Attribuierung lediglich Ausfluß meiner persönlichen Erziehung war, welche ich mit der Muttermilch aufsog.

              Liberalismus ist konstituiv für die Ordnung in der wir leben. Mäßigung ist eine Eigenschaft, welche von Aussen kommt, die diese Ordnung besser macht und die wir beide nun “konservativ” nennen.

              Herzlich

              n_s_n

    • So ein wenig sollte ich dann aber vielleicht auch selbst noch mal antworten…

      und es stellt sich die Frage, woher man weiß, unter welchen Umständen warum von Fehlern gesprochen werden kann.

      Da hat n_s_n schon das passende gesagt. Gerade weil man eben a priori nur annehmen kann, was richtig und was falsch ist, und weil selbst bei in Vergangenheit oder Gegenwart beobachteten Zuständen auch die Wertung unterschiedlich ausfallen kann, hält der Konservative es für eine Tugend, sich dies immer wieder bewusst zu machen. Das bewirkt Bescheidenheit in den eigenen Zielvorstellungen.

      Dass die Republik und die damit verbundene Abschaffung des Adels als Herrschaftsmodell unseriös ist, versteht sich von selbst.

      Zu damaliger Sicht bestimmt. Und wohl auch nicht zu Unrecht, wenn man an die Methoden der Jakobiner denkt. Es gibt Gesellschaften, da ging das durchaus schrittweise und gemächlicher vor sich – ganz im konservativen Sinn. Aber selbstverständlich hat n_s_n Recht: Ich versuchte mich nicht an einer Definition des Konservativen über Raum und Zeit hinweg, sondern passend zum Hier und Heute. Dass der heutige Konservative Republikaner und Demokrat sein soll, setze ich z.B. stillschweigend voraus.

      Aber warum darf es eigentlich Veränderungen geben? Und klar: Natürlich weiß der Konserative – im Gegensatz zu den Idioten, die sich für progressiv halten -, was sinnvoll ist und was nicht. Aber woher eigentlich?

      Alles muss sich ändern, damit es bleibt, wie es ist (um mal nicht vorhandene literarische Kompetenz vorzuspiegeln). Die Welt ändert sich eben, schon allein durch den technischen Fortschritt, aber auch durch für den deutschen Konservativen externe Effekte aus anderen Teilen der Welt (Migrationsbewegungen, Handelskonflikte, Terrorismus, name it…). Dass der Konservative immer wüsste, was sinnvoll ist, mag Dir Dein Strohmann vorgeben, aber ich würde mir das nicht zu eigen machen. Eben weil er sich dessen nicht sicher ist, ist er ja Konservativer. Dennoch kann man eine Meinung haben, als letzten Stand des Irrtums, bis jemand kommt, der eine bessere anzubieten hat. Dafür, dass Progressive Idioten sein sollen, werden sie auf allen Kanälen übrigens reichlich überschwenglich gefeiert…

      Dann braucht er sich über all den neumodischen Kram auf Erden ja nicht mehr aufzuregen.

      Aufregung ist selten gut, aber Emotionen gehören nun mal zum Leben dazu.

      Außer diejenigen, die eine gleichgeschlechtliche Ehe eingehen wollen, beispielsweise. Da muss man schon mal ’ne Ausnahme machen, gell.

      Nö. „Den Menschen nehmen, wie er ist“ heißt ja nicht, ihm in allem Recht zu geben oder ihm alle Wünsche erfüllen zu wollen. Auch dass der Andere sich hier und da eben unterscheiden kann von seinen Mitmenschen, ist eine Folge des Gebots.
      Die Wiederkehr des Gleichen ist auch ein Pfad, der erkannt worden sein muss. Nach dieser Theorie muss übrigens auch alles so genannte Progressive lediglich die Wiederkehr des Gleichen repräsentieren. Was soll also die ganze Aufregung diesbezüglich?Schon wieder „Aufregung“… Ist ja schön, dass Du Dich dagegen aussprichst, aber in Athen sind bestimmt schon genug Eulen.

      Konzerne sind so ne Sache. Dass die irgendwie böse sind, weiß man auch von den Linken, aber womöglich können die ja auch mal recht haben. Gar nitt so weit von Marx entfernt, übrigens. Bei dem heißt „Auslieferung an anonyme Mächte“ „Entfremdung“.

      Wieder: Dass Linke auch mal Recht haben könnte, ist ein Verdacht, den man als Konservativer halt so hegt. Aber man muss kein Linker sein, um Machtmissbrauch zu kritisieren. Wäre ich Libertärer, würde ich natürlich sagen: Auch die Macht von Konzernen ist letztlich eine staatlich ermöglichte (Stichwort „Crony Capitalism“). Aber ich bin keiner und halte es für möglich, dass auch in anderen Konstellationen durch nicht-staatliche Organisationen Macht ausgeübt werden kann. Auch wenn gerade die Marxsche „Entfremdung“ etwas viel Spezifischeres meint und direkt an den Produktivverhältnissen anknüpft – das muss man als Konservativer für seine Einschätzung nicht mitkaufen.

      Am besten, man fragt erstmal das Individuum, was es für notwendig hält (okay, auf so ne komische Idee kann natürlich nur ein Liberaler kommen^^). Gut ist auch, dass man im „Volk“, zum Beispiel unter 80 Millionen Deutschen, nicht mehr anonym ist.

      Letztlich entscheidet immer das Individuum, außer der Staat nimmt es ihm ab, wozu er leider mehr und mehr neigt. Nichtsdestotrotz kann man der Auffassung sein, dass sich als Ergebnis der Entscheidung diverser Individuen Zustände ergeben, die den Möglichkeitsraum für sie letztlich beschränken („Ast absägen, auf dem man sitzt“).

      Niemand kann konservativ sein, ohne entworfen zu haben, was in dieses Paket alles reingehört und was nicht.

      Meine These ist: Doch, natürlich. Wie n_s_n sagt: Dieser Konservatismus ist mehr Haltung als Programm. In einem gegebenen politischen Umfeld resultieren daraus ziemlich eindeutig bestimmte Positionen, aber eben nur in diesem Rahmen. Wenn sich die Umgebung ändert, können sich auch die Positionen ändern. Natürlich nicht von heute auf morgen, aber über Jahrzehnte bestimmt.

      Der Punkt ist halt der, dass es entgegen konservativer Auffassung nichts von dem, was Tradition heißt, schon immer gab, das mit der „Dauerhaftigkeit“ ist also ein schlichter Irrtum.

      Wohl weniger „Irrtum“ als vielmehr relativ.

      Introspektion auf der Suche nach einem übereinstimmenden Muster mit einer der z.Zt. gängigen Ideologien interessiert mich eigentlich nicht sonderlich.

      Mich generell auch nicht, aber es gab in der letzten Zeit ja diverse Debatten über den Begriff „konservativ“, ob es sowas überhaupt noch gebe und wenn ja, wo, und wie es aussieht. Während an anderer Stelle politische Positionen mit der Jahreszahl begründet werden, als ob es eine Gesetzmäßigkeit gesellschaftlicher Entwicklung zu geben habe.

      Massgeblich ist das, was im Gesetz steht. Die Umgangssprache ist i.d.R. unjuristisch und nicht einheitlich. Wenn Homoehe (ist auch sachlich falsch) ein gewünschtes pejoratives Element enthält, dann sagen’s Sie ’s ruhig. Ich sag’s mitunter auch 🙂

      Maßgeblich für Rechtsfolgen ist das, was im Gesetz steht. Sonst für gar nix. Zum Glück, denn manche Paragrafen zeichnen sich durch Wortungetüme aus, deren Anwendung im Alltag Befremden auslösen würde. „Könnte ich bitte ein 70-Cent-Postwertzeichen haben?“ Aber in Zeiten, in denen schon die Verwendung des Begriffs „Wiederherstellung“ unmittelbar auf das Dritte Reich verweist, ist die Unterstellung, man wolle mit einem verwendeten Begriff in Wirklichkeit vor allem ein wenig Herabsetzung betreiben, geradezu unermesslich rücksichtsvoll… Doch wie gesagt: Der einzige Effekt der „Ehe für alle“ ist, dass auch Homosexuelle jetzt offiziell standesamtlich heiraten dürfen. Andere „alle“ blieben davon unberührt, da kann man per Gesetz noch so viel Schönsprech vorschreiben wollen.

Platz für Senf.

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