Was zu Schäuble

Auch der Bundestagspräsident ließ sich jetzt zum Islam ein. Er traf dabei drei interessante Aussagen, die allesamt bei den üblichen Verdächtigen für die üblichen Reaktionen sorgten. Schauen wir sie uns genauer an:

Wir können nicht den Gang der Geschichte aufhalten. Alle müssen sich damit auseinandersetzen, dass der Islam ein Teil unseres Landes geworden ist.

Das ist zweifellos richtig. Es ist das Merkelsche „Jetzt sind sie halt da“ in anderen Worten. Der Zündstoff steckt da aber im Wort „sich auseinandersetzen“. Das kann man ja verschiedene Weise tun. Schäuble scheint da fein zu unterscheiden, wie die folgenden Aussagen belegen.

Die Muslime müssten sich klarmachen, „dass sie in einem Land leben, das nicht von muslimischen Traditionen geprägt ist“, sagte der CDU-Politiker.

„Und der Rest der Bevölkerung muss akzeptieren, dass es in Deutschland einen wachsenden Anteil von Muslimen gibt.“

Während die Muslime sich nur etwas „klarmachen“ müssten, erwartet er vom Rest der Bevölkerung, dass sie etwas „akzeptiert“. „Klarmachen“ kann allerdings nur am Anfang stehen, denn die eigentliche Frage ist ja, was geschieht, nachdem man sich einer Situation bewusst wurde, sich also etwas „klargemacht“ hat. Nimmt man die Dinge so hin, wie sie sind, oder versucht man, sie zu verändern? Hingegen hat man, wenn man zum „akzeptieren“ verdonnert ist, diese Freiheit nicht mehr. Dann ist Veränderung tabu. Sollte Schäuble also vorgehabt haben, mit diesen Sätzen einen existierenden Konflikt zu entschärfen, so dürfte das mit dieser Wortwahl eher schiefgelaufen sein. Wir wissen jetzt zwar nicht, wie bewusst die Worte in dem Interview gewählt wurden, aber selbst wenn sie vom Unterbewusstsein diktiert wurden, lassen sie auf Unerfreuliches in den Köpfen unserer Politiker schließen. Es bleibt nämlich dabei, dass sich die meisten Muslime die Situation, in der sie leben, bestimmt längst klargemacht haben. Und viele unter ihnen ziehen daraus den Schluss, dass sie nicht hinzunehmen sei. Deswegen kommt es an vielen Stellen unseres Zusammenlebens zu Konflikten mit islamischen Vorschriften, und bisher scheint dieser Staat tendenziell darauf zu reagieren, indem er diese Vorschriften unter den Schutz der „Religionsfreiheit“ stellt, also versucht, ihre Erfüllung zu ermöglichen. Das wiederum sorgt dann beim „Rest“ sehr oft für Unverständnis und Ablehnung. 

Folgt man Schäuble, wäre an dieser Tendenz nichts falsch, und es läge vor allem am „Rest“, sich damit abzufinden. Der Werwohlf vermag sich unter Heranziehung aller verqueren Logik, die ihm zur Verfügung steht, vielleicht noch vorzustellen, warum ausgerechnet Vertreter christlicher Kirchen diese Auffassung teilen[1], aber für einen der höchsten Repräsentanten dieses Staates ist das eine bemerkenswerte Haltung. Erst recht für einen Politiker, dessen Partei man unlängst noch zu den Konservativen rechnen durfte.

[1] Es könnte die Sehnsucht nach einer stärkeren Rolle der Religion allgemein dahinterstecken. Aber wahrscheinlicher ist wohl die Lust an der Unterwerfung, die auch Bischöfe das Kreuz verleugnen lässt.

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