Das Ende des Rassismus

Fußballer mit anderer Hautfarbe haben es nicht leicht. Von den Fans der Gegner werden sie oft rassistisch beleidigt, und auch mancher Reporter entblödet sich nicht, tief in die Klischeekiste zu greifen, wenn er Aktionen dieser Kicker kommentiert.

Es ist keine Frage, dass solche Zustände alles andere als wünschenswert sind. Aber welche sind es dann? Solche, in denen überhaupt kein Unterschied mehr gemacht wird, mit welcher Hautfarbe jemand ausgestattet ist? Oder solche, in denen Nichthellhäutige weiterhin einen besonderen Typus Mensch darstellen, der anders zu behandeln ist? Nur eben anders anders?Nehmen wir zwei Beispiele:

Vor einiger Zeit vermutete ein ARD-Kommentator bei einem Confed-Cup-Spiel nach einem Zweikampf, in dem der deutsche Abwehrspieler Rüdiger, dessen Mutter aus Sierra Leone stammt, für den Geschmack des Reporters allzu theatralisch den Schmerzensmann hervorkehrte, dessen mexikanischer Gegenspieler würde ihn wohl jetzt auffordern, „hier nicht den Affen zu machen.“ Folge: Twitter-Empörung.

Und neulich sagte ein Journalist des „Kicker“, er könne sich nicht vorstellen, dass der Spieler Aubameyang, der in Dortmund in letzter Zeit vor allem wegen seiner Extravaganzen von sich reden machte, in München, wohin es ihn Gerüchten zufolge strebte, dort den „gleichen Affenzirkus veranstalten könne wie in Dortmund“. Folge: Der Spieler fühlt sich rassistisch beleidigt. 

Nun wissen wir, dass beide unter Verdacht stehende Redewendungen im deutschen Sprachgebrauch völlig üblich sind und jeweils menschliche Verrhaltensweisen beschreiben sollen, die einem besonders lächerlich erscheinen. Das wissen die Kritiker auch. Zwar könnte man Herrn Aubameyang noch hinreichende Unkenntnis zugute halten, aber diejenigen, die es für ihn übersetzt haben und die ihm hinterher halfen, seine Empörung in die Medien zu tragen, spätestens die wissen es dann auch. Und dennoch: Aufregung. In beiden genannten Fällen wurden entschuldigende Erklärungen der „Übeltäter“ erforderlich.

Argumentiert wird dann nämlich so: Ja klar seien das übliche Redewendungen, aber weil Schwarze gerne mit Anspielungen auf Affen verunglimpft würden, müsse man in deren Fall eben besonders sensibel sein und darauf verzichten. Und wenn man es nicht täte, übernähme man damit praktisch die beleidigende Absicht automatisch mit.

Sorry, aber selbst wenn letzteres jetzt die von den üblichen Verdächtigen in der öffentlichen Meinung durchgedrückte Sprachregel sein soll: Für den Werwohlf ist das Ende von Rassismus nicht dann gekommen, wenn mit Andersfarbigen besonders nett umgegangen wird. Sondern dann, wenn man im Umgang mit ihnen ignoriert, welche Hautfarbe sie haben. Wer etwas anderes will, der will nicht das Ende des Rassismus, sondern nur einen anderen.

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5 Gedanken zu “Das Ende des Rassismus

  1. Hallo Werwohlf,
    ich hätte nicht gewusst, dass Neger, Verzeihung, darf man auch nicht mehr sagen, also Schwarze, als Affen bezeichnet werden. Bei mir ist jeder ein Affe, der sich zum Affen macht, egal ob er gelb, grün, rot weiß oder schwarz ist.
    Schulz und Gabriel sind für mich auch Affen.

    Warum gibt es in Deutschland soviel Sprachregelungen im vorauseilenden Gehorsam. Nennen uns die Amis jetzt auch nicht mehr Krauts oder Krautfresser?

    Herzlich, Paul

    • Also den „Neger“ würde ich mir wirklich schenken. Man muss zwar nicht jede Umbenennung mitmachen, aber dieses Wort gilt auch im deutschen Sprachgebrauch mittlerweile als herabsetzend. Was nun wieder nicht zwingend erfordert, überlieferte Wortzusammensetzungen („Negerkuss“) oder alte Bücher zu „bereinigen“. Aber wenn man selbst die Wahl hat, sollte man besser drauf verzichten. „Kraut“ ist dagegen wirklich harmlos.

  2. Es gibt ja den schönen Spruch „nichts ist schmutziger als eine schmutzige Phantasie“, und man kann statt „schmutzig“ genausogut „rassistisch“ einsetzen. Das ist mir schon bei dem H&M-Thema aufgestoßen, dass eigentlich nur die stellvertretenden Vollzeitempörer darin eine rassistische Haltung erkennen können. Und da muss man sich schon fragen, ob die nicht vielleicht genau so rassistisch sind wie jemand, der einen Schwarzen in mit Affen in Verbindung bringt, um ihn zu beleidigen.

Platz für Senf.

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