Billigmoral

Die Geschichte ging durch die Medien. Ein AfD-Politiker spendete € 100 dem Diakoniewerk in seinem Wahlkreis. Dieses schickte daraufhin das Geld, das dort offensichtlich zunächst angenommen wurde, wieder zurück mit der Begründung, das Menschenbild von Diakonie und Kirche sei mit dem der AfD nicht vereinbar. Eine genaue Erläuterung, wie man zu diesem Schluss kam, erfolgte nicht.

Interessant sind auch die Reaktionen, die von der „Bild“ eingesammelt wurden. Selbst die Stimmen, die sich für das Annehmen der Spende aussprechen, lassen keinen Zweifel daran, dass sie die AfD ablehnen – mit Ausnahme der befragten AfD-Funktionäre. Man fragt sich ja, woher die Stimmen bei der letzten Wahl kamen, die diese Partei zur drittgrößten Fraktion gemacht haben. Dieses Phänomen sollte der „Bild“ eigentlich bekannt sein – deren Leser existieren ja auch nicht in freier Wildbahn. Was aber anscheinend auch nichts an der Darstellung geändert hat – nun gut, es gibt da offensichtlich Vorgaben.Der Werwohlf hat dazu eine klare Meinung, und die hat sogar eine sehr lange Geschichte: „Non olet!“ Ihr braucht die Knete für einen guten Zweck? Dann nehmt sie doch und tut Gutes damit! Oder ist euch eure politische Reinheit wichtiger als die Ausstattung derer, denen ihr doch helfen wollt? Es könnte natürlich sein, dass dieses Diakoniewerk mehr Spenden erhält, als es sinnvoll auszugeben vermag. Das soll vorkommen. Dann wäre es sogar sehr fair gegenüber dem Spender, dies zuzugeben und ihn zu ermutigen, seine Mittel doch besser da einzusetzen, wo sie gebraucht werden. 

Dem Werwohlf begegnen hier und da immer mal wieder Bettler. Vor seiner Gabe wurde er von denen allerdings noch nie aufgefordert, seine Position zu aktuellen politischen Fragen darzulegen, geschweige denn, sein Menschenbild zu erläutern. Nun kann dieses Diakoniewerk in Thüringen natürlich auch eine anspruchsvollere Klientel haben, das wollen wir hier gar nicht abstreiten. Verwundern würde es den Werwohlf allerdings schon. Also wie man es auch dreht und wendet: Wenn wir nicht davon ausgehen, dass das Diakoniewerk einen seiner Schutzbedürftigen wegen Geldmangel hat im Regen stehen lassen, um sich politisch wie gewünscht zu positionieren, dann bleibt wirklich nur der Schluss, dass seine Ausstattung sowieso schon ausreichend war bzw. ist. Als Ökonom kann der Werwohlf daher die Rückgabe der Spende nur begrüßen, eröffnet sie dem Spender doch die Möglichkeit, sie einer dringenderen Verwendung zuzuführen.

Aber am schönsten sind die Passagen in den Stellungnahmen, wo man das Diakoniewerk auffordert, doch vor der Ablehnung das Gespräch mit dem Spender zu suchen. Als sei die Eigenschaft, ein Herz für Bedürftige zu haben, einem AfDler eigentlich wesensfremd und dieser Versuch einer Spende könne daher ein Hinweis darauf sein, dass die betreffende Person vielleicht im Grunde ihres Herzens gar kein AfDler sein will. Nun hat der Werwohlf in zig Blogbeiträgen bisher nur wenig gute Haare an der AfD gelassen (eher so gollum-mäßig), aber dieses absurde Theater, wonach die AfD als Partei und ihre Mitglieder und Anhänger praktisch die Verkörperung des Satans auf Erden darstellen und das Gegenbeispiel zu allem bieten müssten, was wir als moralisch richtig erachten, ist dann doch nur noch kurios zu nennen. Ja, liebe Freunde, es mag unglaublich erscheinen, aber jemand, der sich gegen weitere Einwanderung ausspricht und der Sondervorschriften für den Islam kritisch sieht, kann dennoch vom Leid von z.B. Obdachlosen berührt sein und den Willen entwickeln, ihnen zu helfen.

Wenn das nicht zu eurem Strohmann passt, ist vielleicht an dem was falsch. Oder meint ihr, moralisch einwandfreies Verhalten sei tatsächlich so billig zu haben?

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4 Kommentare zu „Billigmoral“

  1. Mit dieser Haltung fährt die Diakonie eine politische Kampagne gegen die AfD im Sinne unserer etablierten Politiker und der willfährigen Medien.

    Als Organisation hat sie die Verpflichtung die zugedachten Spenden bestimmungsgemäß wohltätigen Zwecken zuzuführen. Sie hat nicht die Verpflichtung die Herkunft der Spenden zu überprüfen. Selbst Gelder aus kriminelle Handlungen wird sie entsprechend verwenden, weil die Rechtmäßigkeit des Erwerbs nicht überprüfbar ist.

    Das gilt auch für die Person des Spenders. Sie kann und soll die Person des Spenders nicht überprüfen.

    Für mich ist das ein Grund, der Diakonie keine Spenden mehr zukommen zu lassen.

    Herzlich, Paul

  2. Das was du Billigmoral nennst ist in meinen Augen der Ausfluss dessen was herauskommt, wenn man Verantwortung sozialisiert anstatt sie beim Individuum zu belassen.

    Die (schützende und warme) Kohärenz der Gruppe wird über die Abwertung der Außenstehenden gesucht. Wahrscheinlich sind wir uns einige darüber, dass dies alles nur nicht christlich ist.

    Insofern mag sein, dass der Satan, welchen solche Menschen mit der AfD bekämpfen wollen, ihr eigens Spiegelbild ist.

    1. Insofern mag sein, dass der Satan, welchen solche Menschen mit der AfD bekämpfen wollen, ihr eigens Spiegelbild ist.

      Das ist ziemlich sicher so. Man sieht ja allerorten, wie die Methoden, mit denen angeblich das Gute verteidigt werden soll, genau die sind, an denen man das Böse erkennt.

Platz für Senf.

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