Nach dem Ausstieg

Die FDP hat die Reißleine gezogen. Was eigentlich jeder wusste, nämlich, dass hier zusammenwachsen sollte, was nie und nimmer zusammen gehört, wurde jetzt endlich manifest.

Die Reaktionen darauf waren vorhersehbar. Die übrigen Verhandler würden natürlich, nachdem eine Partei ihren Ausstieg verkündete, alle Differenzen klein malen und besonders verantwortungsbewusst daher kommen. Man sei sich ja so gut wie einig gewesen, aber diese Hallodris der Aussteiger hätten nun alles kaputt gemacht. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, als sich als ebenso Opferbereite wie Verantwortungsvolle zu inszenieren, nachdem die Prinzipientreue bereits durch den Aussteiger abgeräumt wurde?

Weil gar so neu und voller nachrichtenträchtigem Konfliktpotenzial, war „Jamaika“ immer schon ein Liebling der Medien. Besonders groß ist die Enttäuschung daher auch jetzt in diesen Kreisen, zumal die Parteipräferenz der meisten Journalisten, also die „Grünen“, jetzt erstmal doch nicht mitregieren und das Programm bestimmen dürfen. 

Amüsant ist übrigens auch, wie eine Partei, die bereits 5 Minuten nach Schließung der Wahllokale eine Koalition mit der Union ausschloss, jetzt den anderen Parteien insgesamt und der FDP im Besonderen unterstellt, sie hätten Parteiinteressen vor das Land gestellt. Daran kann man allerdings sehen, auf welche Gedächtnisleistung der Wähler diese Partei vertraut. Vielleicht sollte man sich das für künftige Versprechungen merken.

Was jetzt? Neuwahlen sind wohl am wahrscheinlichsten. Nochmal quälende Wahlkampfwochen mit jeder erdenklichen Beleidigung an den Intellekt der Wähler. Aber da müssen wir wohl durch. Ob sich dann am Ende ein signifikant anderes Bild abzeichnen würde, ist eher unwahrscheinlich. Aber vielleicht sieht das Bild für die Sozis dann wieder freundlicher aus, und vielleicht wird Merkel deswegen dann auch nicht mehr Kanzlerin. Dann bekommen die Deutschen doch wieder ihre Lieblingskoalition, wahrscheinlich noch etwas linker ausgerichtet als vorher, aber so lieben sie es ja.

Alles wird gut.

Ach ja, und die AfD könnte Probleme bekommen, nachdem der Öffentlichkeit so deutlich vorgeführt wurde, wie sehr sich die anderen Parteien eben doch unterscheiden. Und dass sogar die notorischen Umfaller sich weigern umzufallen, wenn es an ihre Grundsätze geht. Alternativen innerhalb der Etablierten wären womöglich gar tödlich für die sich als einzige Alternative Gerierenden außerhalb davon.

Die FDP wiederum könnte profitieren, wenn sie ihren Ausstieg gut zu begründen vermag. Sollte an der Spitze der CDU weiter Merkel verbleiben, könnte die FDP mit ihrer neu gewonnenen Glaubwürdigkeit Ex-Unions-Wähler, die ansonsten mit der AfD geliebäugelt hätten, aber dort keine Höckes oder Poggenburgs mitwählen wollen, zu sich herüber ziehen. 

Der neue Bundestag könnte also wieder etwas mehr so aussehen wie ein alter, vor 2013…

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4 Kommentare zu „Nach dem Ausstieg“

  1. Aus der Sicht der SPD, die ja rot/grün tickt, ist die jetzige Situation ideal.
    Sie kann jetzt aus der Opposition eine Minderheitsregierung aus Union und Grünen vor sich hertreiben, die die Union auf Werte um die 25% schrumpfen läßt. Und die Union kann nichts dagegen tun.
    Außer, die Unionfraktion verweigert Merkel die Gefolgschaft.
    Merkel könnte zur Marionette von Rot/Grün werden.

  2. Zitat:
    „Die übrigen Verhandler würden natürlich, nachdem eine Partei ihren Ausstieg verkündete, alle Differenzen klein malen und besonders verantwortungsbewusst daher kommen.“

    Das ist nur rational. Wenn auch etwas zu durchschaubar.

    „Besonders groß ist die Enttäuschung daher auch jetzt in diesen Kreisen, zumal die Parteipräferenz der meisten Journalisten, also die ‚Grünen‘, jetzt erstmal doch nicht mitregieren und das Programm bestimmen dürfen.“

    Das mag stimmen. So stark ist die Präferenz meines Wissens aber gar nicht.
    Hier wird lebt eine Partei und ein „Ökotop“ nur zufällig in der selben Atmosphäre.

    „Daran kann man allerdings sehen, auf welche Gedächtnisleistung der Wähler diese Partei vertraut.“

    Ich glaube, bei der namentlichen Partei ist auch einiges zu Bruch gegangen bei der Wahl, aber lassen wir das…

    „Ach ja, und die AfD könnte Probleme bekommen, nachdem der Öffentlichkeit so deutlich vorgeführt wurde, wie sehr sich die anderen Parteien eben doch unterscheiden.“

    Das ist auch gut so, wenn man sich ansieht, welches Personal da zum Teil mit „hochgespült“ wurde. Die „bürgerliche“ AfD eines Luckes ist schon lange tot.

    Die FDP, man mag von dieser Partei halten, was auch immer man will, ist zumindest in der aktuellen Form ein völlig anderes Kaliber und auch für eine Demokraten akzeptabel.

    1. Das ist auch gut so, wenn man sich ansieht, welches Personal da zum Teil mit „hochgespült“ wurde. Die „bürgerliche“ AfD eines Luckes ist schon lange tot.
      Die FDP, man mag von dieser Partei halten, was auch immer man will, ist zumindest in der aktuellen Form ein völlig anderes Kaliber und auch für eine Demokraten akzeptabel.

      Diesen Kontext kann man bei mir getrost mitdenken.

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