Vermischtes aus Woche 42

Eine Staatssekretärin des Landes Berlin zeigt sich öffentlich „geschockt“ davon, dass sie ein Kompliment erhalten hat. Nun kann man sich hier über verschiedene Dinge ereifern und auch entsprechend ablästern.

Zum einen war die Bemerkung des Ex-Botschafters der Situation tatsächlich nicht angemessen. Zum anderen ist dies aber kein Grund so zu tun, als sei der Botschafter a.D. der „Geschockten“ im Bademantel gegenüber getreten wie dieser Filmfuzzi, über den in den USA jetzt alle reden. Dass sie diesen Faux-Pas in der Öffentlichkeit derart aufbauscht, kann nach Meinung des Werwohlfs nur an einem unverhohlenen Narzissmus liegen. Denn die sich mit der Sache beschäftigende Welt weiß jetzt, dass besagte Dame als „schön“ befunden wurde und dass sie frei in zwei Sprachen eine Rede halten kann. Um dieses Eigenlob nichts als solches erscheinen zu lassen, musste das aufstrebende Talent der SPD die Sache eben irgendwie verpacken. Und all die optisch herausgeforderten K(r)ampf-Feministinnen, die auf solche Trigger reagieren wie Pawlows Hunde, tun ihr den Gefallen und verbreiten den Text weiter, mit dem sie sich in Wirklichkeit über sie erhebt. Doof ist sie nicht, die Gute, und der Werwohlf widerspricht hiermit allen, die sich ihren Posten nur mit irgendwelchen Quoten erklären können: Die Frau hat politisches Talent, ohne Frage.

Die Gazetten (ach, was wollte der Werwohlf mal diesen Begriff anbringen…) überschlagen sich nun mit Ratgebern, was Mann noch zu Frau sagen darf. Nun, im nicht-politisierten Alltag, jenseits der labernden Klasse, stellt sich das alles deutlich weniger kompliziert dar. Wer meint, dass die Situation es hergibt, versucht sich an einem Spruch, und entweder er fällt damit auf die Nase, was er dann an der direkten Reaktion seines Gegenüber ablesen kann. Oder ihm wird mit gleicher Münze entgegnet, was zu einem interessanten Abend führen kann und vielleicht noch zu viel mehr. Die Gefahr, dass die andere Seite statt einer unmittelbaren Einnordung geschockt einen Tweet verfasst, ist an der Normalo-Front verschwindend gering. Die meisten Frauen im Land haben genug Selbstbewusstsein und keine politische Agenda oder Karrierewünsche.

Der mit Volldampf in Richtung Abstellgleis geratterte Schulz empfiehlt seiner Partei „Kapitalismus-Kritik“. Der Werwohlf hat keinen Zweifel, dass Schulz damit einem Herzenswunsch vieler Parteifreunde nachkommt, denen Regierungsarbeit wegen der permanenten Messung an der Realität schon immer ein Greuel war. Nun ist „Kapitalismus-Kritik“ ähnlich wie „Israel-Kritik“ ja eher Volkssport als eine oppositionelle Disziplin, so dass auch Merkel jederzeit dazu greifen würde, wenn Umfragen dies gerade als opportun erscheinen lassen, aber die Sozis leben eben immer gerne ein wenig in der Vergangenheit und brauchen etwas Kontakt zu den heiligen marxistischen Schriften. Vermutlich beruht Würselen-Schulzes Rat auch auf der Diagnose, die Kritik an der unbegrenzten Zuwanderung sei in Wirklichkeit keine solche und die angeblichen Kritiker fühlten sich nur vom „System“ ökonomisch abgehängt. Ob der Jedi-Trick funktioniert, bleibt abzuwarten.

Wer sagt eigentlich, dass Wahlen nichts bewirken?

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3 Kommentare on “Vermischtes aus Woche 42”

  1. erlingplaethe sagt:

    Ich hätte wirklich gern den einen oder anderen Beleg für das Talent von Frau Chebli, abgesehen von Kaltschnäuzigkeit und Arroganz. Eigenschaften die zweifellos dazugehören, aber allein m.E. nicht ausreichen.
    Hier ein paar Beispiele von Videos die Frau Chebli gar kein politisches Talent, nicht mal eine Eignung, für Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit attestieren.



  2. n_s_n sagt:

    “ Doof ist sie nicht, die Gute, und der Werwohlf widerspricht hiermit allen, die sich ihren Posten nur mit irgendwelchen Quoten erklären können: Die Frau hat politisches Talent, ohne Frage.“

    Ich wollte dich auch noch, aus ernsthaftem Interesse, da ich dein Urteil immer sehr schätze, fragen, woraus du dieses Urteil ableitest, bzw. was du unter „nicht doof“ verstehst,

    Mir erscheint sie bis zum Narzismuss selbstverliebt und davon getrieben. Das heißt nun nicht notwendiger Weise, dass sie doof ist oder Quoten ihr den Job garantierten. Auch ist „nicht doof zu sein“ ja eine weit gefasste Definiton. Im vorliegenden Fall würde ich allerdings nicht über die Zuschreibung einer intuitiven Nischenintelligenz, eingeschränkt von überproportional ausgeprägter Eitelkeit, hinausgehen.

    • Werwohlf sagt:

      Ganz Kontext, mein Freund! Mein Urteil zeugt von meinem Respekt vor der Leistung, Selbstlob als gesellschaftlichen Protest zu verpacken. Was für ein Coup für jeden Politiker!


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