Politische Kirche?

Die AG „Singen und Beten“ der Grünen, auch evangelische Kirche genannt, hat sich jetzt in Gestalt ihres Bischofs Markus Dröge noch einmal deutlich zu ihrem politischen Auftrag bekannt. Der Bischof beruft sich dabei selbstverständlich auf Bibelstellen, wie z.B. Mt 25,34-41.

Das Problem ist nur, dass er hier individuelle und kollektive Moral miteinander verwechselt. Es liegt jederzeit in der Macht des Einzelnen, sein Verhalten von christlichen Idealen bestimmen zu lassen. Dass christliche Kirchen dazu aufrufen, ist ebenso normal wie legitim. In einem Staat hingegen müssen auch die vorgeblich christlichsten aller politischen Maßnahmen mit Zwang gegen Andersdenkende umgesetzt werden. Die Berufung auf Bonhoeffer oder die Bekennende Kirche offenbart genau dieses Dilemma, denn beide haben eben nicht verlangt, dass auch diejenigen, die nicht so denken wie sie, ihren Maßgaben zu folgen haben, sondern sie haben jeweils für sich, einzelner Christ und christliche Organisation, beschlossen, ihren eigenen Idealen zu folgen – gegen die damals Herrschenden und vielleicht auch gegen die Mehrheit der Gesellschaft. Bürger dazu zu zwingen, finanzielle Mittel bereitzustellen oder ihren Lebensalltag zu ändern, gehörte weder zum Programm dieser Gegner des Nationalsozialismus noch zu dem der katholischen Kirche oder den kirchlich beheimateten Oppositionsgruppen in der DDR, die Dröge sonst noch zu seinen Zeugen erklärt.

Wenn Kirche in der von Dröge gewünschten Form Politik macht, macht sie immer und konsequent auch mit Zwangsmitteln versehene Politik gegen viele andere Menschen. Der Werwohlf vermag darin nur wenig Christliches zu erkennen. 

Advertisements

2 Kommentare on “Politische Kirche?”

  1. Paul sagt:

    Lieber Werwohlf,
    als Katholik stimme ich Dir zu.
    Die Evangelische Kirche (eigentlich gibt es die nicht, weil sie doch sehr unterschiedliche Gliederungen hat) war schon immer sehr staatsnah. Das hat es der Katholischen Kirche, auch in der DDR, sehr schwer gemacht. Viele DDR Pastoren haben nach der Wende ihr kirchliches Amt aufgegeben und sind in die Politik gegangen. Das hat in den Gemeinden zu einer Spaltung geführt, die auch heute noch Auswirkungen hat.

    Mit Besorgnis nehme ich wahr, dass die Katholische Kirche, jedenfalls einige Repräsentanten, (Marx und Woelki sind mir besonders aufgefallen) sich in das politische Tagesgeschäft einmischen. Sie riskieren den Missmut einiger Gläubigen. In die Kirche eintreten wird deshalb wohl niemand. So wie Merkel sich um die Staatsbürger kümmern sollte, sollten sich die Geistlichen um ihre Gläubigen kümmern und jede politische Profilierung vermeiden. Sie schadet ihrer Kirche.

    Herzlich, Paul

  2. Für die Kirchen ist das ganz normale Lobby-Arbeit. Ohne die Einflussnahme auf das politische Tagesgeschehen, würde ihr Einfluss noch schneller schwinden. Das ist deren Repräsentanten durchaus bewusst.


Platz für Senf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s